Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 377 (10.8.1934)
- Date
- 1934-08-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Pnis Aaser Nummer SO g V. b. b. JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 377 | Wien, io. August 1934 I ENGL HERRENMODE FEINE MASSWÄSCHE EUGEN PRAGER I., SPIEGELGASSE 2 5 FERNRUF: R 22-3-90 Redaktion und Administration Wien, KgrntnerstraBe 28 Tel. R 97-4-85 RedaktlonssohluB Montan und Mlttwooh vorm. [ (ag. Ab 5684) | 7. Jahrgang Die Toten von Algier Staatsoberhaupt Hitler stantine sind deutsche Seeleute und auch deutecho Legionäre beim Verteilen von Flugzetteln feetgestellt worden. Wie lange man ihr Unwesen noch dulden wird — diese Frage ist nicht zu beantworten. Die Langmut der europäischen Regierungen ist durch nichts zu erschüttern_ Einstweilen sind Hunderte von Juden dem arabischen Haß zum Opfer gefallen, Märthyrer ihres Glaubens und ihres Volkstums. Die Totenliste ißt wieder länger geworden. Die jüdische Gemeinschaft betrauert eie als Opfer der Zerstreuung, der ganzen fürchterlichen Situation des jüdischen Volkes. Und stärker als je wird in uns der Wille, den Bau der jüdischen Heimat zu beschleunigen, die auch den Juden des Oriente ein kräftiger Schutz sein wird. , Paris, 8. August. (Z. T. A.) Die einlaufenden Schilderungen über die Einzelheiten der blutigen Ereignisse in Constantine geben das Bild eines furchtbaren Pogroms, bei dem in bestialischer Weise eine große Anzahl Juden, darunter Frauen und Kinder, niedergemetzelt wurde. Man nimmt an, daß gewerbsmäßige Hetzer die Arrangeure sind. Die Leichen der Opfer, unter denen Greise und Kinder sind, weisen fürchterliche Verletzungen auf. So sind an manchen Leichen eine Unzahl von Messer¬ Die Meldungen über die antijüdischen Exzesse im französischen Nordafrika überstürzen einander. In allen größeren Städten ist es, von Constantine ausgehend, zu solchen Ausschreitungen gekommen, die gesamte verfügbare Truppenmacht mußte aufgeboten werden, und der französische Militärgouverneur stellt in einer offiziellen Erklärung ausdrücklich den antijüdischen Charakter der Ereignisse fest, wobei er betont, daß die christlichen Häuser verschont worden sind. Nach verschiedenen Nachrichten über den Ablauf der Exzesse wäre mit Bestimmtheit anzunehmen, daß es sich um eine wohl vorbereitete Aktion gehandelt hat. Denn es wäre sonst nicht zu verstehen, daß .die über das Verhalten eines alkoholisierten jüdischen Soldaten empörten Araber sofort Benzinkannen zur Hand gehabt hätten, mit denen die jüdischen Häuser in Brand gesteckt worden sind. Es handelt sich um ein Gebiet, in dem derartige Explosionen des schwersten Hasses sich schon öfter ereignet haben. Fast genau vor zwei Jahren, am 11. August 1932, ist es in S f a x zu Ausschreitungen gekommen, bei denen gleichfalls die Planmäßigkeit deutlich erkennbar war. Dort ist auch genau so wie heute zu bemerken gewesen, daß die Militärbehörde sich nervös und zögernd zeigte. In Sfax ist sie erst mit voller Wucht vorgegangen, als die Unruhen auch Nichtjuden in Mitleidenschaft zogen. Jetzt sind in den verschiedenen Städten in der Hauptsache Senegalneger eingesetzt worden, der Mehrzahl nach Islamiten, und es ist verständlich, daß solche Mannschaften ihren Glaubensgenossen gegenüber nicht den notwendigen Elan entwickeln. Sie sind wohl dem Land fremd, aber nicht dem Glauben, der im Orient eine bestimmende Rolle spielt. Und so ist das Abschlachten der ohnedies verhaßten Juden für sie keine Angelegenheit, für die man sich besonders erhitzt. Nicht für sie, nicht für ihre gallischen Offiziere. Die Wildheit, die sich bei diesen Exzessen zeigt, ist erschreckend. Aus einer ganzen Reihe von Orten wird gemeldet, daß Hunderte von Juden ums Leben gekommen sind; sie wurden buchstäblich abgeschlachtet; ihre Häuser wurden verbrannt, Hab und Gut vernichtet. Der Straßenpöbel ging nach einem Plan vor und ließ kein jüdisches Haus, keine jüdische Familie ungeschädigt. Und merkwürdig! Es waren doutSGhe Matrosen rasch zur Stelle. Die algerischen Häfen werden von deutschen Linien stark befahren und die Mannschaften sind eifrige Agitatoren ihrer braunen Heilslehre, deren einzig faßbarer Inhalt der Progrom bildet. Schon in früheren Jahren waren bei den ständigen Ausschreitungen in Oran deutsche Hände zu verspüren. Diesmal ist die Tatsache des deutschen Einflusses so stark in Erscheinung getreten, daß die Weltpresse sich damit beschäftigen muß. Wo Judenhaß in die blutige Realität übersetzt wird, zöigen sich deutsche Hände. In Rumänien ist Duca an diesem Geist gestorben, Pieracki und Dollfuß sind Opfer dieses Barbarentums und die deutschen Agenten j ihren Häusern verbarrikadiert. Auf den lassen auch den Orient nicht ruhen. In Con- Straßen sieht man nur Militärpatrouillen und Während Hindenburg noch in der Agonie lag, ließ Hitler in Berlin durch ein „Gesetz“ sich zum Staatsoberhaupt erheben; und als Hindenburg verschieden war, ließ Hitler das Gesetz kundmachen und die Armee auf sich vereidigen.. Im Besitz der Diktatur und des Oberbefehls, ordnete er eine Volksabstimmung an. Der Staatsstreich, der den letzten Rest der Weimarer. Verfassung mit einem Fußtritt wegstößt, hat beträchtliches Aufsehen gemacht.. Aber er ist doch nur eine Fortsetzung, der Vorgänge vom 30. Juni; hat sich Hitler im Reichstag dazu bekannt, als oberster Gerichtsherr des deutschen Volkes die Füsilade der Zu-viel-wisser auf sich zu nehmen, .so schreitet er folgerichtig auf,dieser ■ Linie’ bis zum Autokraten fort, dem nur noch , die Krone fehlt. Vielleicht ie Pogrom in Constantine Feuerwehrabteilungen, die noch mit der Löschung vereinzelter Brände beschäftigt sind.. Das Judenviertel von Constantine bietet ein Bild grauenhafter Zerstörung. Sämtliche Geschäfte sind demoliert und der Großteil der Häuser niedergebrannt. Nur jene Gebäude, welche die Aufschrift „Christliches Haus“ trugen, blieben verschont. Im Laufe des Sonntags mußten sich hier furchtbare Schreckenszenen abgespielt haben. Die Araber haben mit barbarischer Grausamkeit Stichen über den ganzen Körper, bei anderen Die meisten Todesopfer haben die Kehle durchschnitten. Unter den Toten beeingeschlagene Schädel zu sehen. Die Zahl der Toten, die offiziell mit 27, und die der Verletzten, die mit etwa 20 angegeben wird, dürfte laut privaten Mitteilungen wesentlich höher sein. Die angegriffenen Juden hatten sich verzweifelt gewehrt, konnten aber ihrem schrecklichen Schicksal nicht entgehen, da nicht rechtzeitig Hilfe kam. * Paris, 8. August. (Z. T. A.) Vom Innenministerium wird die Zahl der bei den Zusammenstößen in Constantine Getöteten mit 27, davon 23 Juden und vier Eingeborene, angegeben. Die Zahl der Verletzten wird auf etwa 20 geschätzt. Die Zusammenstöße hätten einen antijüdischen Charakter getragen und sich ausschließlich zwischen den Eingeborenen und Juden abgespielt. Die im Sommer schwache Garnison von Constantine sei durch zwei Bataillone verstärkt worden. Etwa 80 Verhaftungen seien im Verlaufe der Unruhen vorgenommen worden. * Paris, 8. August. (Z. T. A.) Dem „Paris Solr“ zufolge sind mindestens 40 Personen getötet und 20 verletzt worden. Der Sonderkorrespondent des genannten Blattes berichtet, daß sich die Stadt praktisch im Belagerungszustand befindet. Niemand darf die Straßen ohne Passierschein betreten. Die meisten Juden sind geflüchtet und die zurückgebliebenen haben sich in finden sich auch mehrere Kinder. In den letzten Tagen macht sich auch in der algerischen Hauptstadt Algier eine starke antisemitische Agitation bemerkbar. Die Truppen der Garnison werden bereitgehalten und dürfen die Kasernen nicht verlassen. Die Garnison von Constanine wurde durch zwei Eingehorenen-JägerhataiUone verstärkt. * Algier, 8. August. (Z.T.A.) Wie Havas meldet, wurden zur Sicherung der Ruhe militärische Verstärkungen nach Constantine berufen, so daß der letzte Tag in Ruhe verlaufen ist. Für das Begräbnis der getöteten Juden wurden besondere Sicherheitsmaßnahmen getroffen. * Paris, 8. August. (Z.T.A.) „Le Matln“ berichtet ans Constantine, daß die Zahl der Toten 100 übersteige und daß es auch in anderen algerischen Städten zu Zusammenstößen gekommen sei. ★ Neuer Unruheuherd Paris, 8. August. (Z. T. A.) Die etwa 100 Kilometer von Consta n t i n e entfernt gelegene Stadt A i n Bei da, die 10.000 Einwohner zählt, war gestern gleichfalls der Schauplatz blutiger Zwischenfälle. Drei Juden wurden von Eingeborenen schwer mißhandelt. (Fortsetzung auf Seite 2.) ( wird auch das noch kommen. Einstweilen hat Hitler seine Braunhemden gedemütigt und dezimiert und den Ausfall durch die 300.000 Mann Reichswehr in mehr als genügendem Ausmaß ersetzt. Und es ist falsch zu sagen, daß er von nun an der Gefangene der Offiziere ist; nein, das mit Hilfe Hindenburgs und Papern; im Jänner 1933 begonnene Werk ist fartgeeetzt worden, die Offiziere, und Junker sind dem Hitler verhaftet. Dieser Sohn des Chaos ist der Herr der Waffen. Nach dem 30. Juni hat ein Gesandter in Wien gesagt, daß Hitler eines Tages eine Mobilmachung verfügen imd über irgend eine Grenze einmarschieren könnte; dieser damals mehr zur Charakterisierung der Panik ausgestoßene Angstruf könnte jetzt leicht wahr werden... Man berichtet, daß der Tod Hindenbungß in der Judensohaft Deutschlands neue schwere Besorgnisse geweckt hat. Es sind Anzeichen dafür vorhanden, daß diese Furcht nur zu berechtigt ist. Die letzte Rede des Jugendführers Grobe, die von Schmähungen und Beleidigungen des Judentums nur so wimmelt, ist vor Knaben und Mädchen gehalten worden, und in dem Deutschland von heute singen die Alten, wie die Jungen zwitschern; in Magdeburg werden die Lustmordbilder und die sexuellen Phantasien des Streicherschen „Stürmer“ von Lehrern in der Volksschule vorgeführt. Ist das noch ein normales Volk? Aber da erinnert man sich an Hitlers Publikation über die Münchener Verschworenen und an sein Geständnis,. daß „solcher Verderbnis Kinder nicht anvertraut werden dürfen“. Die Sexualität, die nun einmal im Nationalsozialismus eine so große Rolle spielt, wird von Lehrern den Buben und Mädchen vorgeführt. Welche Schmutzvorstellungen da noch weiter geweckt werdep, dafür scheint die Pädagogik des Dritten Reiches nur geringes Verständnis zu besitzen; sie findet sich wohl damit ab, daß die Juden als brünstige Tiere geschildert werden. Die Seele der Kinder wird dem. so gelobten Frontgeist überantwortet. Aber das ist nur ein Detail aus dem Werk der neudeutechen Erneuerung, soweit sie mit den Juden zu tun hat. Auf jüdischen Friedhöfen werden wieder Steine umgestürzt, eine Synagoge ißt beschlagnahmt und in ein Museum verwandelt worden, neue Boykottaufrufe gehen durchs Land, neue Judenmorde sind vorgefallen, um die sich keine Behörde kümmert; die Entbindungsheime weisen jüdische Wöchnerinnen auf die Straße. Diesem Satanismus ist die jüdische Bevölkerung wehrlos ausgeliefert und da alle diese Mörder nunmehr unter dem direkten Schutz des Staatsoberhauptes stehen, ist es nur zu begreiflich, wenn die Judenschaft voll schwerster Sorge in ihre Zukunft blickt. Für unsere Leser nur:1' er Fahrsdiulep Wien, VIII., Neudeggerg. 18 Tel. B 46-5-72 und Inxcridörl (Nleder-Östqrreich) . N Prü.funQser|eiehterung:'''HMr<;h'::.l;.:.;'t'-'';'';:;;;' ufendes Auto im Lehriaal J! 4