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Die Stimme · 1934-08-07 · Heft 376 (7.8.1934) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 376 (7.8.1934)
Date
1934-08-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 366 — 7, August 1934 OIE STIMME Sie essen von SOGroschen f5D ARBM-I#EI I STD aufwärtsvorzüglich im VIKMDEI-B ImSHiill Die Überführung der Gebeine Herzls nach Erez Israel .Ii!ll!iil!llllil!lll!lll!ll!iil ..."" Lord Melchett Ober die Zerrissenheit Im Judentum London, 3. August. (Z. T. A.) Auf der Tagung der Vereinigung der englischen Synagogen (Federation of iSynagog-ue«) überreichte der Vorsitzende dor Vereinigung, Herr M. II. Davis, Lord iM e 1 c h e 11 einen Scheck über 6500 Pfund. Dieser Betrag ißt für den Central British Fund for German Jewry bestimmt. Herr Davis hielt an die Vertreter der Synagogen eine Ansprache, in der er unter anderem tfiusführte: „Zwei Drittel dieses Betrages sind für Bodenkäufe für die deutschen Flüchtlinge in Palästina zu verwenden.“ Lord Melchett erklärte: „Wir Juden haben eine große Geschichte“ hinter uns, aber eine noch größere, scheint mir, liegt vor uns. Wir müssen uns jedoch dieser Aufgabe auch fähig zeigen. Das jüdische Nationalheim in Palästina ist eine unerschütterliche Tatsache und ein bemerkenswerter Sieg des jüdischen Volkes; nur die Judenheit selbst kann ihn verderben. Es ist traurig, daß gerade in der Stunde der Verwirklichung unserer großen Aufgabe die Judenheit so sehr gespalten ist. Wir haben vielleicht in den langen Zeitläuften unserer Zerstreuung die Fähigkeit verloren, zu allen Geschehnissen von einer höheren Warte aus Stellung zu nehmen. Wir brauchen darum auch ein neues Verständnis für die Lehren unserer Religion und sollten gerade heute unsere persönlichen Meinungen, wo es nur angeht, zum Wohle der Judenheit zurücksteilen. Denn nichts ist bedeutsamer für Palästina als ein einiges Israe 1." Captain Robert B. Solomon, Vorsitzender jäes Jüdischen Nationalfonds in England (würdigte die Verdienste des Herrn Davis (und dankte für die große Zuwendung an jflen Jüdischen Nationalfonds. Der Londoner Anthropologen• hongreß London, 3. August ß. T. A.) Auf dem ersten internationalen Kongreß für Anthropologie und Ethnologie führte Professor Elliofc Smith aus: Für die großen antiken Kulturen des 'Orients seien semitische Einflüsse ©.benßo maßgebend gewesen,, wie für die spätere Kulturent-wieklung in Europa, in der die Juden, die im Mittelalter den geistigen Konnex zwischen der spanischen und griechischen Kulturwelt herstellten, eine bedeutende Rolle gespielt hätten. Die Anregung zur Veranstaltung des Londoner Anthropologenkongreßsee stammt unter anderen auch von dem jüdischen Raseenforscher Dr. J. Zoll sch an, der in ieiner im Roinhold-Verlage, Wien, erschienenen Schrift „Die Bedeutung des Rassenfaktors für die Grundfragen der Kulturmorphologie“ eine Ergänzung au seinem 3m Jahre 1910 erschienenen Werke „Das Rasßenprobilem“ gilbt, ln dieser neuen Schrift fordert Zollechan, daß auf dem Gelbiete der Rassenwissenschaft, auf das sich heute so viele Politiker gern berufen, K1 a rhoit und Ordnung geschaffen werden solle. In weiten Kreisen, die ßich diesem Wunsche Dr. Zcllßchans anechließen, sieht man darum im Londoner Anthropologenkongreß einen bedeutsamen Versuch, daß Rassenproblem unvoreingenommen zu betrachten und nach dem Stande der modernen Wissenschaft zu erkunden. Entdeckung eines neuen Mittels gegen Trachom Der in Radautz lobende jüdische Augenarzt Dr. Israel Brecher hat ein neues Heilverfahren zur Behandlung der Trachomkrankheit entdeckt. Dr. Brecher hat, nachdem er seine Methode drei Jahre lang experimentell erprobt und ständig verbessert hatte, das Verfahren der Wiener Universitätsklinik für Augenkrankheiten vorgelegt. Diese beauftragte das Wiener Serotherapeutischo Institut, das Recht zur Erzeugung des vor Dr. Brecher erfundenen Heilmittels zu erworben. Dr. Brecher wurde von der Universität Athen eingeladen, dort Vorträge Uber sein Heilverfahren zu halten. Senator Dr. Michael R i n g e 1, der Vorsitzende der vom letzten Zionisfcenkongreß zur Vorbereitung der Überführung der Gebeine Herzls nach Palästina eingesetzten Kommission, erklärte in einem Gespräch: „Auf dein Prager Zionisten-Kongreß wurde beschlossen, daß die Exekutive im Einvernehmen mit der speziell hiefiir gebildeten Kommission, deren Vorsitzender ich bin, die Gebeine Herzls bis zum Frühjahr 1934, spätestens aber bis 20. Tamus, dem 30. Todestage Theodor Herzls, nach Palästina überführen soll, Leider ist dies bis jetzt nicht geschehen, und damit ist das Vermächtnis Herzls an das jüdische Volk, dem er in seinem Testament vom 5. März 1903 mit folgenden Worten Ausdruck gegeben hat: ,Ich wünsche in einem Metallsarge in der Gruft neben meinem Vater beigesetzt zu werden und dort so lange zu liegen, bis das jüdische Volk meine Leiche nach Palästina überführt1 — bis jetzt unerfüllt geblieben. Ich habe aus diesem Grunde eine Sitzung der Kommission in Wien veranlaßt, um im Einvernehmen mit den Testamentsvollstreckern Theodor Herzls, Ingenieur Johann Kr e mene t z k y und Direktor Moritz Reichenfeld, das ganze Problem nochmals durchzuberaten und alles derart vorzubereiten, Juden und Engländer• Einem Aufsatz Dr, Rotte wstretchs in der „Zionistischen Woch>(< (Lemberg) entnehmen wir die folgenden Stellen, die uns von großer Aktualität scheinen; wir können uns nicht mit allen Darstellungen des Autors einverstanden erklären, da die antijüdischen Stimmungen in der Verwaltung Palästinas unverkennbar sind. Dr. Rottenstreich schreibt unter anderem: Einem Aufsatz Dr. Rotte n Streichs in der „Zionistischen Wocfi’“ (Lemberg) entnehmen ivir die folgenden Stellen, die uns von großer Aktualität scheinen; wir können uns nicht mit allen Darstellungen des Autors einverstanden erklären, da die antijiidischen Stimmungen in der Verwaltung Palästinas unverkennbar sind. Doktor Rottenstreich schreibt unter anderem: Besser als wir haben die Araber es verstanden, gesellschaftliche Beziehungen mit dem englischen Beamtentum anzuknüpfen. Für unser negatives Verhalten zu der Beamtenklasse ist der aus Rußland eingewanderte Jischuw verantwortlich, der Feindseligkeit und Verachtung gegenüber dem Beamtenstande nach Palästina mitgebracht hat und die Leute zu Kriechern stempelt, welche eine Annäherung an die Beamten suchen. Wir haben auch kein Verständnis für das englische Volk mit seinem progr essive n Konservatis m u s. Wir sind ewige Kodifikatoren, während der Engländer keine schriftlichen Gesetze macht, abet' auch das ungeschriebene Gesetz respektiert. Bei ans ist das umgekehrt, ln England bedeutet politische Gegnerschaft keine persönliche Feindschaft, ln England macht die Opposition Kritik, sie verlangt aber keine unistürzende Änderung. Daher unsere Enttäuschung Uber die Politik unserer englischen Freunde. — Anstatt durch Unterstützung der englischen Politik im Nahen Osten die Sympathie der Engländer zu gewinnen, haben wir aus Furcht, daß die Überführung bewerkstelligt werden kann. In der dieser Tage stattgefundenen Sitzung wurde der Beschluß gefaßt, an die Exekutive mit dem Ersuchen heranzutreten, im Einvernehmen mit der Kongreß-Kommission die nötigen Vorarbeiten derart zu beschleunigen, daß die Überführung der Gebeine Herzls nach Erez Israel spätestens bis Pessach 1935 erfolgen kann. Man kann sagen, daß dank den Vorarbeiten der Kommission sowohl die rechtlichen wie alle verwaltungsadministrativen und technischen Schwierigkeiten vollkommen eliminiert sind. Die einzige Frage, die noch gelöst werden muß, ist die des Ortes der letzten Ruhestätte Herzls, ob Jerusalem (Skopusberg) oder Haifa (Kännel) hiefür eher in Betracht kommt. Wenn die Entscheidung über diesen Punkt gefallen ist, steht nach der einstimmigen Ansicht der gesamten Kommission der Überführung der Gebeine Herzls nach Palästina innerhalb der genannten Frist, bis Pessach 1935, keinerlei Hindernis mehr im Wege. Insbesondere kann ich ausdrücklich erklären, daß die österreichischen Behörden stets in der Frage der Überführung der Gebeine Herzls nach Palästina das größte Entgegenkommen bewiesen haben.“ für Träger des englischen Imperialismus gehalten zu. werden, mit dem Gedanken einer jüdisch-arabischen Koalition innerhalb eines pan-arabischeti Staates gespielt. Es war auch bei uns möglich, eine Politik von Drohungen gegen England zw führen, die uns politischen und moralischen Schaden gebracht haben. Wir Juden sind auf uns sehr eingebildet und glauben, besser als andere Völker alles zu verstehen, ln Wirklichkeit haben die Ar aber, welche wissen, daß Politik die Kunst des Möglichen ist, eine viel bessere Politik als wir geführt. Wir glauben an die Möglichkeit des Unmöglichen, sind gut im Planen, aber schwach und dilettantisch in der Ausführung. Aus. diesen Gründen nehmen uns die Engländer nicht ernst und wir haben bisher keine gemeinsame Sprache mit ihnen gefunden. Wir haben es auch nicht verstanden, England wirtschaftlich an Palästina zu interessieren. Obwohl England den besten Absatzmarkt für Palästina bildet, kaufen wir wenig in England und viel in den Ländern, loelche keine Kunden Palästinas sind. Schuld daran sind weniger die Kaufleute als die Leiter unserer Politik, welche es versäumt haben, den Jischuw dazu zu In Gons t a 111 i n e (Algerien) sind ernste Unruhen zwischen Juden und Mohammedaner n ausgebrochen. Eine Gruppe von Mohammedanern griff einen Juden, der die Mauer einer Moschee besudelt haben soll, tätlich an. Darauf kam es auf den Straßen und Plätzen des Ortes binnen kurzem zu einer allgemeinen Schlägorei, in deren Verlauf die Leute erziehen, daß er englische Waren kauft. Wir müssen verstehen» daß Politik überall mit wir t schaf tlichem Interesse Hand in Hand geht,* — Wir sind mit, England nicht zufrieden. Aber auch England hat vielleicht Recht, mH uns unzufrieden zu sein. Es ist ein Irrtum zu glauben, daß wir immer die Gerechten sind. Leider hat die anti-englische Haltung der Revisionisten auch die Politik der Unken beeinflußt, und aus Angst vor revisionistischer Demagogie hat auch die regierende Linke eine Politik der Hysterie geführt. Politik wird nicht mit Geschrei und tagtäglichem Lärm gemacht und es kann nicht, derselbe Proteststreik gegen P as s f leid und gegen eine Regierung, unter welcher 40.000 Juden i?is Land gekommen s i n d, g e m acht werden. Es ist ein Verbrechen, die Engländer des Antisemitismus zu beschuldigen und, sie in eine Reihe mit Hitler zu stellen. Wir müssen es endlich lernen, daß in der Politik Konflikte unvermeidlich sind, daß sie uns aber nicht aus dem Gleichgewicht bringen dürfen. Der größte Fehler ist, daß wir nicht mit Tatsachen rechnen, sondern lllus ione n nachlaufen. Durch eine Änderung unserer Einstellung können wir die Sympathie der Engländer gewinnen. Die Tätigkeit der Histadruth „The G an ad ia n J e w i s h C h r onicle (Montreal) übt an der Poale Zion heftige Kritik. Die Zeitung verurteilt zunächst die Methoden der Revisionisten, die den Palästinaaufbau schädigen. Es wäre aber ungerecht, die Histadruth als eine Gesellschaft von Heiligen zu bezeichnen. Die Zeitung anerkennt die großen Verdienste der Arbeiterschaft um den Palästinaaufbau und um die Rechte der jüdischen Arbeiter. Die Hisiadruth glaube aber, daß auf ihr allein die Zukunft Palästinas beruhe. Der jüdische Arbeiter sei der „Pooh-Bah“ (indianischer Ausdruck für „der große Schrecken“), und alle müssen nach seiner Pfeife tanzen. Dieser Egoismus sei durch verschiedene zionistische Führer gefördert worden, die immer mit der Histadruth kokettierten, um ihre Unterstützung zu erhalten. Diese Politik sei dem Zionismus teuer zu stehen gekommen, und eine Arbeiterdiktatur in Palästina ist keineswegs eine entfernte Möglichkeit. Die Histadruth, die Trägerin der Autorität der Arbeiterpartei, habe sich einen Apparat auf gebaut, der nicht die geringste Ähnlichkeit mit dem Zionismus der ersten Zeit der Arbeiterbewegung habe. Sie habe der Exekutive die Kontrolle entrissen und schwinge einen Hammer über den anderen Gruppen, wodurch die ganze Bewegung bedroht werde. Sogar die wenigen Zertifikate ziehe die Arbeiterpartei an sich. Verwöhnte Strohwitwer speisen vorzüglich Im Reitoarant Hotel „Stefanie“ ■TO H.» Taborstraße 12, Tel. R 46-5-57 «to mit Revolvern, Messern und Knüppeln aufeinander losgingen. Aue den Fenstern der Häuser wurde auf die Kämpfenden geschossen. Polizei, Gendarmerie und Truppen mußten aufgeboteu werden, um die Streitenden zu trennen. Etwa 20 Schwerverletzte wurden in die Krankenhäuser eingeliefert, darunter zwei Polizeibeamte, die Messerstiche erhalten hatten. Bei dem Zusammenstoß wurde auch ein Italiener, den die Eingeborenen für einen Juden hielten, durch Stein würfe schwer verletzt. Heute morgen war es noch nicht gelungen, die Ordnung vollständig wieder herzustellen. Die Behörden haben strenge Maßnahmen getroffen, um weitere Ausschreitungen zu verhindern. Jüdische Weltkonferenz in Genf. Über dieses hochaktuelle Thema spricht Redakteur Moses Wald mann Mittwoch, den 8. August, Uhr, im I. Kaffeehaus, Prater, Hauptallee. Gäste willkommen. er-gffbenjtnrie. ifu'e.&usoiv mit dem. a±emmu&erutm Aus der jüdischen Presse i y. S1 -60 aofw. Jäglidi frisdiß FisAi Speisen am Rost — Schöner schattiger Garten Straßenkämpfe zwischen Juden und Mohammedanern in Constanfine Paris, 5. August. (Tel.-Comp.)

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