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Die Stimme · 1934-08-07 · Heft 376 (7.8.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 376 (7.8.1934)
Date
1934-08-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 866 — 7. August 1984 Besuchet Emlngers Gaststätten am Pratersternt hi.-' : iiuiiiiiiliiiiilifli.'iil.i.iii'tiiiiiinitiiiiiiimimiiiiiinimiiliiiiiiimniiiiininiiiiiiiminniiiiimiitiiiitiiiiiimiiiimiiiimmfiiiiiiiiiiiiiimiiiiiuiiimniimimiiiiiiniiMiim.mmtimmii.,.......-............. werden. Seine ausgezeichneten gen um die österreichische Organisation und seine vorbildlichen Leistungen in der jüdischen Gemeinde, seine erfolgreichen Bemühungen um die Hebung der religiösen Institutionen, um die Hebralsierung der Jugend, seine aus einem warmen, mitfühlenden Herzen kommenden großen Leistungen auf dem Gebiete des Fürsorgewesens und Kreditwesens, seine vorbildlichen Leistungen als Finanzreferent der Jüdischen Gemeinde, sie alle werden in ctr Festnummer der „Stimme“ gewürdigt werden. Wir können aber bis dahin nicht warten. Schon heute, an seinem Geburtstag, wollen wir Dr. Josef Löwenherz sagen, daß ihm unsere Herzen in Liebe und Ergebenheit entgegenschlagen, und daß wir uns freuen, daß wir ihn Freund und Führer nennen dürfen. Über das Meer hin wollen wir ihm sagen, daß wir in ihm den Mann verehren, der nie gerufen werden muß, der immer zur Stelle ist, ico zionistische Arbeit geleistet werden soll, der sich unvergängliche Dienste um die zionistische Organisation und die Jüdische Gemeinde in Wien erworben hat. Er war immer ein mutiger, aufrechter Fürsprecher, wo es galt, unsere staatsbürgerlichen Rechte zu verteidigen. Ein Verdienst aber überstrahlt alle anderen. Dr. Löwenherz war es, dessen unermüdlicher Aufklärungsarbeit und 'Agitation vornehmlich die Eroberung der Wiener jüdischen Gemeinde durch die Zionisten zu danken ist. Wir danken Dr. Löwenherz aus vollem Herzen für alles, was er für das Wiener Judentum, für die Wiener Organisation und für die Verbreitung der zionistischen Idee getan hat. Er möge wissen, daß tausende und abertausende Juden in Wien, Männer und Frauen, Greise und Kinder, und insbesondere die Armen und Gedrückten liebevoll seiner gedenken. Und er möge dessen gewiß sein, daß sich alle, alle in dem heißen Wunsche vereinigen: Eine gütige Vorsehung erhalte uns unseren Dr. Löwenr herz zur Freude seiner Familie und zu unserer Freude noch ungezählte Jahre in voller Gesundheit und Schaffenskraft. Es mögen ihm seine Herzenswünsche in Erfüllung gehen, und er möge weiter Glück und Zufriedenheit finden in seiner selbstlosen Arbeit für das jüdische Volk. Dr. Oskar Grünbaim l|!!!ll!il!llllllllllll[ll|l||l!lli!lii|i!|||ll||||l||||inilll!li!l!l!lllllll!l||ll!l!lll!llllllllill,')li!l)!||||||||||||||ni|ini||||||||||||l|||I||||||||||l!l|||||||,'||||||||||||||||||||||||||||||||||l||||l!mi|lillllllllllllimilill Leistun- _ Was Kinder in Deutschland lernen Simon wünscht nicht als Jude betrachtet zu werden London, 5. August. (Z. T. A.) In der englischen Presse wurde ein Brief des Außenministers Sir John Simon veröffentlicht, in dem der britische Außenminister die Gerüchte dementiert, daß er jüdischer Herkunft sei, und gleichzeitig die Hoffnung ausdrückt, daß dieses Dementi nicht als ein Beweis seiner Sympathie für die antisemitische Bewegung ausgelegt werden wird, die Simon als u n g erecht und beschämend empfindet. Dieser Brief Simons bildet die Antwort auf ein Schreiben von Sir Archibald Hurd, der den Außenminister auf die in England und Im Ausland verbreiteten Gerüchte aufmerksam machte, die behaupten, daß Simon Jude sei und daß dieser Umstand von großem Einfluß auf die gesamte Politik der Regierung der nationalen Einigung während der ganzen Zeit sei, in der Simon das Außenministerium bekleide. Bekanntlich hat Lady Simon, die Gattin des Außenministers, erst jüngst in einer großen Rede ein begeistertes Bekenntnis zum zionistischen Aufbauwerk in Palästina abge- 1 eg t. Polen-Sonderfahrt _ 27. August bis 6. September oder 27. September Wien—Krakau—Wien.S 50.— Wien— Lemberg — Wien ..... S 78.— PranrAnnlff Wien, lll., Rennweg Nr. t „rrancopoi T«?«phon Nr. U16-4-90 Prag, 3. August. (2. T. A.) Julius Streicher veröffentlicht in der Juli-Nummer seines „Stürme r“ eine Photographie, die deu Lehrer D. aus Magdeburg und seine höchstens zwölfjährigen Schüler zeigt. Sie umstehen eine Wandtafel, auf der in vier Reihen ungefähr 20 Bilder aus dem „Stürmer“ aufgeklebt sind, und halten „Anschauungsunterricht“. Der Lehrer D. weist mit dem Stock auf die Tafel, die kleinen Jungen — man sieht sie nur von rückwärts — schauen offenbar interessiert zu. Zu dieser Photograpie schreibt das „Streicher“-Blatt: Die Kinder sehen also, wie der „Neue Vorwärts“ schreibt, blutende, naoktbrüstige Frauen, denen ein Vampyr (der „Weltjude“) das Blut aueeaugt, sehen krasse Lustmord-Darstellungen, sehen Karikaturen, die an Biutrünstigkeit nicht zu überbieten sind, sehen zeichnerische Produkte einer krankhaft überhitzten Sexualphantasie. Die Kinder hören und lesen, daß der Jude X mit dem verworfenen deutschen Mädchen Y Raseenschande getrieben habe, hören, daß man dem deutschen Mädchen Y dafür „das Fell vergerben“ sollte — und was so der unschuldigen Kinderreime und Schulgedichte mehr sind. DflilRIIIt Straßenbahn.) Die Wöchnerin wurde infolge der Aufregungen in der Straßenbahn von starken Wehen überfallen und gab einem Mädchen das Leben. Erst da griff die Polizei ein und brachte Mutter und Kind im städtischen Krankenhaus unter! iDr.Salomon Bohin gestorben B---mmmammnmam Jüdische Trauerkundgebungen zum Tode Hindenburgs Berlin, 5. August. (Z. T. A.) Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat an die Reiohsregierung das folgende Schreiben gerichtet: „Der Heimgang des Reichspräsidenten von Hindenburg, zu dem alle Deutsche in größter Verehrung aufgeblickt haben und in dessen Person sich die Treue verkörperte, hat uns mit tiefer Trauer erfüllt. Das Andenken an diesen Mann, der falschen Schein mied und dessen Wesen Wahrheit und Gerechtigkeit war, wird im Herzen der deutschen Juden für alle Zeiten fortleben. Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden, Wolff.“ ★ Gleichzeitig hat der Landesverband an alle seine Mitglieds-Gemeinden das folgende Rund schreiben gerichtet: „Reichspräsident von Hindenburg ist am 2. August verschieden. Mit ihm ist ein Mann dahingegangen, der in Krieg und Frieden Kraft und Inhalt seiner. Persönlichkeit rückhaltlos für deutsche Ehre und deutsche Geltung eingesetzt hat. G et-reu dem bei Übernahme seines hohen Amtes gesprochenen Worte hat er allen Bekenntnissen die gleiche Achtung entgegengebraeht. Auch das deutsche Judentum steht in tiefer Trauer an seiner Bahre. Wir bitten alle unsere Mitglieds-Gemeinden, entweder im Rahmen des morgigen Sabbath- Gottesdienstes oder in einer besonderen Feierstunde des heimgegangenen Reichspräsidenten zu gedenken.“ ¥ Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat an die Reichsregierung das folgende Schreiben gerichtet: „Mit allen Teilen des deutschen Volkes steht auch die Berliner Judenheit tief erschüttert an der Bahre des heimgegangenen Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg. Ein Vorbild begeisterter Vaterlandsliebe, hat er in Krieg und Frieden die Einheit des Reiches erhalten und gefördert. In ihm konnte das ganze deutsche Volk den Bürgen für seine Kreise und eine glückliche Entwicklung des Vaterlandes sehen. Mit der gleichen Treue, in der er sich allen Kreisen und Schichten des Volkes verbunden fühlte, brachte ihm das Volk in seiner Gesamtheit und jeder einzelne in ihm Vertrauen und Liebe entgegen. In schmerzlicher Trauer beklagt auch die Berliner Jüdische Gemeinde den für Volk und Vaterland schweren Verlust. Das Gedächtnis an das segensreiche Wirken-des großen Verklärten wird in der Berliner Jüdischen Gemeinde nicht verlöschen. Vorstand der Jüdischen Gemeinde ^Jleinrioh Stahl.“ Eine Boykottliste Frankfurt am Main, 5. August. In (1er ernten August-Ausgabe des „Deutschen Mittelstandes“, des offiziellen Mitteilungsblatte« des Landoshandwerksfilhrer«, der Kreishandwerkerschaften und der amtlichen Berufsvertretungen des gewerblichen Mittelstandes im rhem-mainischen Wirtschaftsgebiet, werden, nachdem das Blatt in seiner vorigen Ausgabe eine Liste der jüdischen Firmen, Ärzte und Anwälte in Frankfurt gebracht hatte, abermals Listen jüdischer Firmen veröffentlicht, diesmal für Wiesbaden und Darmstadt. Der Anzeigenteil der Nummer enthält über die ganzen Seiten laufende Schlagzeilen „Meidet die Jude n!“ und „Wer bei Juden kauft, ist ein Volks Verräter!“ In deutschen Entbindungsheimen werden Jüdinnen abgewiesen Prag, 3. August. (Z. T. A.) Wie JTA bereite meldete, hat die Stadt Berlin die städtischen Vormundschaf teetellen für nichtarische Kinder niedergelegt und der Jüdischen Gemeinde angeboten. Dem Beispiel Berlins folgten binnen kurzem viele andere Städte, wie Dresden, Leipzig, Breslau, Nürnberg u. a. Die Entbindungsheime weigern sich, eine Nichtarierin aufzunehmen. Darüber hinaus aber werden auch strenge Nachforschungen angeetellt, ob die Wöchnerin in jeder Weise den nationalsozialistischen Rassegesetzen entspricht und ob das Kind nicht etwa von einem nicht-arischen Vater stammt. Daß diese Frage wichtiger i«t als alle anderen medizinischen und hygienischen, geht aus dem Fragebogen hervor, den die Wöchnerinnen, die in das Entbindungsheim der Reichßversicherung in Berlin aufgenommen werden wollen, auszufüllen haben. Es ist kürzlich im Entbindungsheim der Stadt Erfurt vorgekommen, daß man eine Wöchnerin einen halben Tag vor der Entbindung entlassen hat, weil sich herausgestellt hatte, daß der Vater jüdischer Abstammung war. („Thüringische Landeszeitung“ vom 16. Juni, Überschrift: Judengohurt in der Freitag ist nach kurzem Leiden Dr. Salomon Bohin, kurz, nachdem sein 70. Geburtstag von der jüdischen Öffentlichkeit gefeiert worden war, gestorben. Er stammte aus einer orthodoxen Familie — sein Vater war „Dajan“ in Lemberg —« und widmete sich schon in seinen jungen Jahren der jüdisch-nationalen Bewegung., Er war Zeitgenosse Herzls, gehörte auch zu den ersten Pionieren der zionistischen Bewegung und war Alter Herr der akademischen Verbindung „Kadimah“, der er seit dem Jahre 1882 angehörte. Dr. Bohin war stets mit unermüdlichem Eifer um die Verbreitung der zionistischen Ideologie bemüht. Bei den Kultus- und Kongreßwahlen warb er von Mann zu Mann für den Zionismus. Sein Tätigkeitsbereich waren die Bezirke Hernals und Ottakring. Er leitete durch mehrere Jahre die Zionistische Sektion XVI/XVH und wurde dann nachl übernähme der Sektion durch Dr. Kubin zum Ehrenobmann gewählt. Einen beträchtlichen Teil seines Einkommens — er war Zahnarzt — widmete er nationalen und charitativen Zwecken. Auch die jüdische Turn- und Sportbewegung erfreute sich seiner Förderung. Dank seiner Mitwirkung konnte der Verein „Betln Jizchak“ (Verein für jüdische Erziehung der Kinder) ins Leben gerufen werdon. Das Heim der Zionistischen Sektion XVI/XV1I, das nach Dr. Bohin benannt ist, verdankt ihm seine Gründung. Sonntag wurde Dr. Bohin unter zahl* reicher Beteiligung der Gesinnungsgenossen und Freunde auf dem Zentralfriedhofe zu Grabe getragen. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. Bauer, der in ergreifenden Wor* ten die Verdienste des Verblichenen für sein Volk würdigte. Für die Kultusgemeinde sprach Kultusvorsteher Dr. Isidor K1 a b e r, für das Zionistische Landeskomitee Doktor Pick holz, für die „Kadimah“ Direktor Reich, für den Tempelvorstand Herr Sitzmann und für die Zionistische Sektion XVT/XVII Dr. Kubin. Mit Dr. Bohin ist ein braver Soldat des Zionismus hingegangen. Alle, die diesen bescheidenen, nur der zionistischen Arbeit lebenden Mann kannten, werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Ruhe und Ordnung In den österreichischen Sommerfrischen Vom Vorstande der Israelitischen Kultusgemeinde erhalten wir folgende Mitteilung: Die Flut beunruhigender Berichte der Vorwoche, welche durch die erschütternden Ereignisse des 25. Juli ausgelöst wurden, hat auch unter den Wiener Juden eine gewisse Nervosität hervorgerufen. Eb ist uns eine Mitteilung zugekommen, wonach jüdische Sommergäste persönlichen Belästigungen ausgesetzt gewesen sein sollen. Diese Mitteilung hat hob bestimmt, sofort bei den zuständigen Stellen Erkundigungen einzuziehen. Wir sind auf Grund der uns zugekommenen authentischen Berichte in der Lage, dem jüdischen Publikum folgendes mitzuteilen: „In allen österreichischen Sommerfrischen und Kurorten herrscht völlige Ruhe. Das einheimische Publikum hat sich gegenüber den jüdischen Sommergästen vollkommen einwandfrei verhalten, die lokalen Behörden sowie das Hotel- und Gastgewerbe zeigten überall das aufrichtige Bestreben, allen Kurgästen ohne Unterschied mit dem größten Entgegenkommen zu begegnen. Es besteht für das jüdische Publikum kein Anlaß zu irgend welchen Bedenken, österreichische Fremdenverkehrsorte aufzusuchen und dort den Urlaub zu verbringen.“ LEB.-VERS.-GES. PHONIX ABT. FÜR FREMDENVERKEHR NUN. I. WAUNIRSTR. «• TU. U!»■»

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