Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 375 (3.8.1934)
- Date
- 1934-08-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE STIMME Seit© 5 Nr, 90ö — 8. August 1034 ee Arbeitsabkommen jüdischer Kolonisten und derHistadruth Jerusalem (Palcor). Mit großer Genugtuung ist in weiten Kreisen dt* palästinensischen Jischuw die Nachricht von einem kollektiven Ar* b e -i t s vertrag aufgenomtnen worden, der dieser Tage zwischen der „Hitachdut Hachaklalm Haleiimiim“ (Verband der nationalen Kolonisten) und der Leitung der Histadruth Uber die Regelungdes Arbeitevcrhfiltnlssefl und Stärkung der jüdischen Arbeit in den Kolonien geschlossen wurde. Der Verband vereinigt alle jüdischen Kolonisten, die in ihren Pflanzungen und Wirtschaften ausschließlich jüdische Arbeiter beschäftigen, im Gegensatz zur „Hitachduth Haikka-rim“ , (Kolonistenverband), dessen Mitglieder größtenteils entweder ausschließlich arabische Arbeiter oder arabische und jüdische Arbeiter beschäftigen. Nach dem jetzt zwischen dem Verbände der nationalen Kolonisten und der Histadruth Unterzeichnete Abkommen, hat sich die Histadruth dazu verpflichtet, von den 2000 neuen Arbeiter-Einwanderern, die in der nächsten Zeit in Palästina erwartet werden, mindestens 700 in die Siedlungen des Scharon und die übrigen Kolonien, die daä Prinzip der rein jüdischen Arbeit eingeführt haben, zu entsenden. I.n dem Abkommen wird auch die Frage der Arbeiteleistung geregelt. Besondere gemischte Kommissionen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern werden in jeder Kolonie das Minimum der Arbeiteleistiftigen feststellen, da« jeder Arbeiter aul allen Gebieten der landwirtschaftlichen Arbeit zu loteten hat. Nach der Arbeitsleistung wird der Arbeitelohn festgesetzt werden. Zeugen des Artosoroff-Prozesses aus Palästina ausgewiesen Jerusalem, 1. August. (Z. T. A.) Die Familie Borochow, von der Mutter und zwei Kinder im Arlosoroflf- Prozeß aussagten, daß sie Stavsky am Abencl des Mord-Freitag in Jerusalem gesehen hätten, wurde a u s g e w i e s e n, weil sie illegal im Lande ist. Es sind Verhandlungen im Gange, damit die bulgarische Regierung die Familie zurückempfängt. Nur der älteste Sohn, Abraham, 20jährig, darf in Palästina bleiben. Rosa, zwölfjährig, und Chaim, löjälirig, die „Alibi“-Zeugen, müssen jedoch Palästina verlassen. PALÄSTINA- UND MITTELMEER - GESELLSCHAFTSREISEN ....um.....ihiiiii...mir.. 28. August „Vulcania“ 3. September „Roma“ Zu äußerst günstigen Bedingungen. Elrtxeirelien a:iw#di*n»;ith xu Orlglnalpreiien Wien, i., Seilsrnassd J.Pxiastinft-Relseleltung N.M. Hacker, Tel. R 24-2-31. Aus der jüdischen Presse Der Weg zum inneren Frieden ln der „Chwila“ schreibt Dr. I. Schwarzbärt: Aus allen Ländern kommt ein Ruf nach innerer Befriedung. Die einzigen aber, die das wollen, sind wir, das Zentrum, wir Allgemeinen Zionisten und die Gruppen, die uns nahe stehen. Bei der Liriken und den Revisionisten wütet weiter der Parteihaß. Nicht nur im Golus, sondern auch ln Palästina, wo eine Synthese des jüdischen Volkes entstehen sollte, zersetzt der Haß unser Werk, schwächt unsere außenpolitische Front, schadet unserem guten Namen, verzehrt die nationale Energie, die . wir zur konstruktiven, ruhigen, so schweren Arbeit benötigen. Wenn, nicht das nationale Gewissen siegt, sind wir verlören. Der Ruf zum Frieden ist vergeblich, so lange er nicht von der Linken und den Revisionisten geteilt wird. Es gibt zwei Wege zum Friedent der eine, aktuelle, geht von der Existenz der Parteien aus, der andere ist auf längere Sieht berechnet und strebt die Aufhebung der Parteien an. Bei jedem Volke gibt es Parteien, die miteinander kämpfen. Aber dieser Kampf ist nicht gleichbedeutend mit gegenseitiger Zerstörung und er bewegt sich bol einem normalen Volke im Rahmen der nationalen Disziplin. Wenn man sich nicht auf die nationale Disziplin besinnen wird, so wird jeder Ruf zum Frieden mit einer Niederlage enden. Dor zweite Weg führt Über die Aufhebung aller Parteien und die Zusammenfassung aller Elemente ln einer Organisation. Das ist aber ein .Zukunftsplan, denn Victoria zu Berlin Allgemein© Vcrsicherungs-Action-Gesellschaft. 80. Geschäftsjahr. Die Generalversammlung der Victoria zu Berlin hat am 27. Juni untor dem Vorsitz von Dr. H. Scharf alle Vorschläge dor Verwaltung einstimmig genehmigt. Dor nach angemessenen Rückstellungen und Abschreibungen eowio Errichtung eine» Untorstützungsfonds für Victoria* Angestellte ausgowlosene Überschuß von RM. 8,140.018.—- flloß wieder zum größten Telle (RM. 7,672.220.-) den Versicherten, deren Dividenden wie lm Vorjahre festgesetzt wurden, zu. Dagegen hat sich die Aktionär- Dividende von RM. 90.— auf RM 75.— je Aktie ermäßigt, wobei der derzeitige Kurs mit etwa verzinst erscheint. Diö Gesellschaft weist mit Jahresende einen Gesamtversicherung»bestand von RM. 1002.5 Millionen und Garantiemittel von KM. 804.2 Millionen aus, E. die zionistische Gemeinschaft hat sich noch nicht zur Herzl sehen Konzeption des Zionis mus durchgerungen. ¥ Die zusätzlichen lzoo Zertifikate In ,.Nowy Dziennik“ äußert sich L. R.: Wir sind an die ungerechte Politik der Pa lästlna-Regierung so gewöhnt, daß sogar ihre günstigen Maßnahmen auf uns keine Wirkung üben. Zum erstenmal hat jetzt die Regierung 1200 Zertifikate zusätzlich bewilligt und auch die jetzige Praxis des Immigrationsamtes ist viel liberaler. Wir sind weit davon entfernt, von der Politik der Regierung entzückt oder gar zufrieden zu sein, aber es ist schwer, nicht anzuerkennen, daß die E in wand crUngarn Ö.gHchk eit sich von Jahr zu Jahr vergrößert. Die Unzufriedenen in Unserem Lager werden eine ganze Liste von Klagen atifstellen tmd über diesen neuesten Durchbruch zur Tagesordnung übergehen. Aber dor Durchbruch ist gelungen. In der heutigen tragischen Situation der Juden in der Welt ist dies eine bemerkenswerte Tatsache. IMe sanfte Klinge die den sprödesten Bart wie tm Drüberglolten wegwischt, Ist nur Englandreise der Indischen Mohammedaner-Delegation aufgeschoben Vor kurzem wurde angekündigt, daß in diesen Tagen eine mohammedanteohe Delegation aus Indien, an deren Spitze der bekannte Mohammedaner-Führer Maulana Schaukat Ali stehen eoll, nach Palästina und England kommen wird, um .dort für die Sache der arabischen Nationalisten Palästinas zu werbon. Nunmehr wird bekannt, daß die Abordnung ihre Retee bis November aufgesehoben hat, weil eie erwartet, nach Beendigung der Sommerferien mit einer größeren Zahl einflußreicher Parlamentarier und Staatsmänner Zusammenkommen zu können. In Jerusalemer arabischen Kreisen wird behauptet, daß die eigentliche Mission Schaukat All» darin besteht, Unterstützung für die Kandidatur des Großmuftis von Jerusalem für das Beit der Abdankung des türkischen Sultans verwaiste Kalifat zu Anden, AUS DEM DRITTEN REICH Eine fiidtsche Frau das erste Opfer des Sterlltsattansgesetzes Rom, 30. Juli (Z.T. A.). Die italienischen Zeitungen bringen in großer Aufmachung die Mitteilung, daß das erste Opfer des Gesetzes zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses (Sterilisationsgesetz) in Deutschland, das bekanntlich auch auf Ausländer angewendet wird, eine jüdische Italienerin, Frau Rosa L., die in Wiesbaden wohnt und angeblich an Epilepsie leidet, sein soll. Die italienische Presse wendet sich scharf gegen den „Rassenwahnsinn des Hitler- Regimes“ und fragt, warum unter den Hunderttausenden deutscher Epileptiker gerade eine ausländische jüdische Frau das erste Opfer sein soll „Lavoro Fascista“, das offizielle Organ der italienischen Gewerkschaften, führt aus, durch, das Sterilisationsgesetz drückt Hitler das deutsche Volk auf die Stufe des lieben Viehs herunter. Führt Hitler das deutsche Volk auf diesem Wege weiter, so werde noch eine Zeit kommen, wo die anderen Völker jedes Mittel der Verständigung mit den Deut-, sehen verlieren werden. Die Italiener aber DAS IDEALE FETT Zum Kodiert, Braten und Backen ist Meinl-Öl, Marke „E" leicht verdaulich, sehr billig. / Literflasche ....... S 2.— und Flaecheneinaatx JULIUS MEINL Werden weiterhin Beethoven hören und Heine lesen und warten, bis der Haß Teuts sein eigenes Volk ausgebrannt habe, und dieses Volk wieder das Alphabet der Kultur lernen wird. „La Tribuna“ fragt, wie sich ein deutsches Gericht entschließen könne, eine italienisch-jüdische Frau zu sterilisieren, wo doch die Ereignisse des 30. Juni gezeigt haben, daß die Führerschaft der nationalsozialistischen Bewegung stark pervertiert ist. Jüdische Todesopfer des Hitlerismus Vor einiger Zeit -wurde eine „Totenliste des Dritten Reiches“ veröffentlicht, in der etwa 60 Namen von ermordeten Juden und Jüdinnen vom März 1933 bis Jänner 1934 enthalten waren; nicht mitgezählt wurden diejenigen Juden, die nach amtlichen Mitteilungen an die Angehörigen 1 n den Gefängnissen und Konzentrationslagern durch „Selbstmord“ geendet haben. Solcher Namen gab es etwa 20. Nunmehr veröffentlicht das „Braunbuch II“ (Dimitroff contra Göring) eine Liste von 747 Todesopfern in Hitler Deutschland, die bis Ende März 1934 reicht. Diese Liste enthält die nachfolgend geführten jüdischen Toten, die in der erwähnten Liste nicht enthalten waren. 5.Februar 1933: Walter Stcfnfeldt, jüdischer Student in Breslau, von Nationalsozialisten erschossen (Zeugenbericht). 7. März 1933: Hermann N e u m a n n, Präsident der Landesversicherungsanstalt Hessen, Ehrendoktor der Universität Gießen, angeblich Selbstmord, weil Untergebene seinen Rücktritt verlangten. 15. März 1933: Jüdischer Kaufmann nach Verhaftung durch SA. in einem Walde unweit L a n d 6 h u t mit zertrümmertem Schädel (zwei Schußverletzungen) tot aufgefunden (Zeugenbericht). , 16. März 1933: Bremer jüdischer Kaufmann, von SA, fnet totgoschlagen, am anderen Morgen im Seesener Gefängnis „erhäng t“ a u fgefunden (Zeugenberlcht). 30. März 1933: Unbekannter Jude in Oberhessen, an den Füßen aufgehängt und dabei gestorben („Manchester Guardian“). 1. April 1933: Preßburger jüdischer Viehhändler, München, erschossen, angeblich Selbstmord vor der Verhaftung wegen angeblicher Verbreitung von Judenigreuelnachrichten („Münchener Neueste Nachrichten“). 12. April 1933: Salomon Kopf, jüdischer Kaufmann aus Diesden, auf dem Transport zur Grenze schwer mißhandelt. Am 1. April 1988 ins Krankenhaua in Warnsdorf mit drei anderen an der Reiohsgrenze schwer verletzt aufgefundenen Juden eingeliefert, seinen Verletzungen erlegen (Tschechoslowakisches Preßbüro). 12. April 1933: Rechtsanwalt Dr. Levy, Gmunden, und Rechtsanwalt Wilhelm Wan«, München, im Konzentrationslager Dachau auf der Flucht erschossen (WTB,, „Deutsche Allgemeine Zeitung“). 16. April 1933: Jüdischer Antifaschist Brett- Schneider, im Walde unweit von Sigmar (Sachsen) erschossen aufgefunden (WTB.). 26. April 1933: Max Goldsohmidt, jüdischer Schneider in Königsberg, 30 Jahre, im Lokal des SA.-Sturmes Ostlahd zu Tode geschlagen (Zeuge obericht). Mitte Mal 1933: Gerhard Rosenbaum, 24 Jahre, in einer SA.-Kaserne erschlagen, im Moabiter Krankenhaus gestorben (Zeugenbericht). 29. Mal 1933: Wilhelm Aron, jüdischer Referendar aus Bamberg, 24 Jahre, in Dachau „auf der Flucht erschossen“ („Bamberger Zeitung“). 22. Juni 1933: ßOjähriger Jude, Besitzer einer Knoblauoh-Saftfabrik in Köpenick, von SA. totgesohl&gen. Seine Leiohe ist unaufändbar (Zeugenbericht). 28. Juni 1933: Leopold Moses und Wilhelm Munk aus Bernburg (Saale), im Konzentrationslager Oranienburg „auf der Flucht erschossen“. Sie wurden nachts auf die Straße gejagt und niedergeknallt (Zeugenbericht). Anfang Juli 1933: Bruno Ehlers, junger jüdischer Warenhausangestellter aus Polen, in Braunschweig von SA. totgeprügelt. Die Polizei schrieb den Eltern: „Starb in der Haft an Herzschwäche“, 6. Juli 1933: Jüdischer Geschäftsmann, in Dortmund von SA.-Leuten verschleppt und ermordet (Zeugenbericht). Dem jüdisonen Geistlichen wurde der Zutritt verweigert, der Familie wurde die Leiche nicht ausgefolgt. Die Witwe hat ihren Mann selbst auf dem Totenbett nicht mehr sehen dürfen. 15. Juli 1933: Jüdischer Milohhändler, 66 Jahre alt. Berlin, Dragonerstraße, von SA. wegen angeblicher Verbreitung kommunistischer Flugblätter, die ihm SA. vor die Tür gelegt hatten, verhaftet. Seither trotz polizeilicher und konsularischer Nachforschungen unauffindbar. 17. Juli 1933: Jüdischer Pole, im Konzentrationslager Börnecke bei Bernau totgeprtigelt (Zeugenbericht). 14. August 1933: Chaim G r o ßr Eierhändler, vom Sondergericht wegen Greuelpropaganda zu 19 Monaten Gefängnis verurteilt, von SA. verschleppt, seither verschwunden und trotz amtlicher polnischer Nachforschungen u n auffindbar. 3. September 1933: Moritz Anfang, jüdischer Eierhändler, in Berlin-Charlottenburg erdrosselt („Vossiseho Zeitung“). 23. September 1933: Hans B1 e n d o w s k y, jüdischer Arbeiter aus Berlin N., bei der SA.* Polizei in der Prinz-Albrecht-Straße erschlagen (Zeugenbericht). 25. September 1933: Sanitätsrat Dr. Landsberg, Geschäftsführer des Ärzteverbandes Brandenburg, in der Gefängniszelle „erhängt“ aufgefuntlen („Vo&sische Zeitung“). 26. September 1933: Unbekannter SOjähriger Jude, wahrscheinlich aus Nürnberg, in die Donau geworfen (Amtliches Pressebüro der Linzer österreichischen Regierung). Deiu Zeugenbericht ist zu entnehmen: „Der Leichnam trug Spuren der Kreuzigung Pension Eckstein - Semmering und Brandwunden. Das Opfer muß schwer geschlagen und gemartert worden sein. Beide Handteller sind mit einem spitzen Messer durchbohrt. Obwohl die Leiolia längere Zeit im Wasser gelegen hatte, bluteten die Wunden noch,“ 22. Oktober 1933: Rechtsanwalt Alexander, im Breslauer Gefängnis nach schweren Mißhandlungen erschlagen (Zeugenberlcbt). 11. November 1933: Neustädter, Kaufmann und Inhaber eines großen PorzeJlanfeschäftes in Hamborn, von SA.-Leuten durch ußtritte in den Bauch getötet (Zeugenbericht). 30. November 1933: Faher. 19jähriger jüdischer Kaufmannesohn. in Berlin „auf der Fluoht erschossen“ („Angriff“). 19. Jänner 1934: Moses, 49jähriger Viehhändler in Wessoling bei Bonn, im Aufträge des Kölner Schlachthofdirektors von SA.-Leuten zertrampelt und nach qualvollen Leiden gestorben. Das sind also weitere 29 jüdische Tote. Hiezu kommen noch dio jüdischen Toten