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Die Stimme · 1934-08-03 · Heft 375 (3.8.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 375 (3.8.1934)
Date
1934-08-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 865 3. August 19&4 Chaim Nachmann Bialiks: An das Voglern! Bialik ein großartiger Sprecher und Redner, ein ungemein fesselnder Vortragender. Außerhalb Palästinas sprach er jiddisch. ( Der Meister der hebräischen Sprache prunkte j nicht mit diesem Kleinod im Ringe der hi* ' »torischen Kette. In der Galuth-Sprache des Volkes sprach er zum Volke. Nicht bewundert wollte er werden, nur verstanden. Aber welch hohe Geistigkeit, welch Gedankenreichtum erfüllten, welch wunderbare Bilder und Gleichnisse durchzogen den Fluß seiner Rede! Der Born, aus dem Bialik schöpfte, war die alte Kultur der Vergangenheit seines Volkes, sein eigenes Schaffen und Wirken, dem nun der Tod ein viel zu frühes Ende gesetzt, Mitweben an Gegenwart und Zukunft, Dor jaiotn Wir sind ein armes und verwaistes Volk geworden. Nicht mehr weilt unter uns der Seher und Warner, der vielleicht als Einziger in unserer Zeit das tiefere Sein des Judentums begriffen und erschaut hat. Wie ein einsamer Fels ragte er über uns, über das Geschlecht der Zwerge, das Großes und Heiliges in den Kot zerrt, blutlosen Schemen aber nachjagt. Nie mehr werden wir die warnende Stimme unseres jüdischen Volksgewissens zu hören vermeinen, wenn die so hochaufsteigenden Wogen des Bruderhasses und der Verblendung unsere Augen trüb und unser Herz verstockt machen werden. Wir werden es nicht mehr nötig haben, von Zeit zu Zeit aufzuhorchen und beschämt I eine Weile innczuhalten, wenn von Bialiks Munde herbe Worte fallen, Worte aus großem Schmerz und großer Liebe zugleich geboren. Jetzt kann in der jüdischen Gasse ungestraft und ungehindert der schaurige Tanz aller bösen Geister fortgeführt werden. Giftige Federn können mn weiter häßliche Galle gegen ändersdenkende Brüder spritzen. Kleinliche Rachesucht, engstirnige Demagogie, Mangel an Reife und Verantwortung werden zügellos auf unseren Versammlungen und Tagungen weiter toben und walten. Nur munter weiter zersetzen, spalten und sprengen, nur munter weiter verfälschen und verwässern unser zionistisches Ideal! Wer wird denn heute noch der Reinheit und Ganzheit unserer Bestrebungen ein Wort zu sprechen wagen? Die Verknöcherten von links, die Propheten der „Abrechnung“ von rechts, etwa die Zaghaften und Unschlüssigen aus den übrigen Lagern? Verstummt ist Bialik, verstummt sind die Lippen, die zu trösten und aufzurichten, aber auch unbarmherzig zu geißeln wußten. Dor jatom. Ein Gefühl der Verlassenheit und der Verwaisung überkommt uns. Wir besitzen keine zentrale Persönlichkeit mehr, keinen ungekrönten Führer, der allen Volksteilen gleich teuer, von allen gleich anerkannt wäre. Was soll nun mit uns geschehen? Soll in der Galut, wo unser jüdisches Haus an allen Ecken und Enden brennt, das jüdische Gewissen niemals erwachen, sollen in Erez Israel, wo unser Glück und unsere Hoffnung keimen die Gespenster des Churban auferstehen? Aber wer soll uns heute beruhigen, wer soll uns heute antworten? Dor jatom. . E. S. Ri mal t. Dankschreiben der Stadtgemeinde TebAviv Das Zionistische Landeskomitee erhielt ein Schreiben der Stadtgemeinde Tel- Aviv, welche dem Zionistischen Landeskomiteo und allen Wiener Juden für die würdige Leichenfeier, die für Bialik veranstaltet wurde, den besten Dank ausspricht. 60,000 Pfund für neue iandwirt• schaftUche Siedlungen ln Palästina Jerusalem, 31, Juli. (2. T. A.) Auf Grund eines zwischen der Zionistischen Föderation Südafrikas und der Leitung des Keren Hajessod gesohloesenen Abkommens werden von dem 100.000 Pfund betragenden Sammelergebnis der Keren- Hajessod-Kampagne in Südafrika 60.000 Pfund für die Errichtung neuer landwirtschaftlicher Siedlungen verwendet werden. Sei gegrüßt mir am Fenster, Ucb Vöglein du, Wieder heim aus sonnigem Land. Wie bangt ich nach deiner Stimme süß, Da Winters mit dir sie entschwand! Teures Vöglein, sing und sage mir an, Von den Wundern des Landes so weit, Ob auch dort im schönen, im sonnigen Land Sich häufen Unglück und Leid! Sagbringst von den Brüdern, so ferne, so nah, Aus Zion du Gruß übers Meer? Die Glücklichen, ach, sie wissen wohl kaum, Was mich drückt, ach, drückt an Beschwer! Sagwissen sie, wie der Beschuldigter Zorn Mich ln steigenden Flammen umsprüht? Sing*, Vöglein, Wunder mir, sing' von dem Land, Wo ewiger Frühling uns blüht! Sag’, bringt dein Gesang mir Grüße vom Land, Aus dem Tal, von den Bergen herab? Hat Gott sich Zions tröstend erbarmt, Liegt verlassen es noch wie ein Grab? Wächst in Sarons Tal und am Weihrauchberg Noch der Myrrhen, der Norden Pracht? Ist der Wälder Greis, Vater Libanon, Aus dem tiefen Schlummer erwacht? Und auf Hermon herab fällt wie Perlen der Tau Oder fällt er gleich Tränen zugrund? Und wie steht's mit des Jordans lauterem Naß, Mit den Bergen, den Hügeln im Rund? Entwich von hinnen das dichte Gewölk Und der finstere Nebel zerstob? Sing', Vöglein, vom Land, das den Vätern mein, So Leben wie Sterben wob. Auf der Riesenfläche, welche der Keren Kajemeth zwischen Haifa und Akko vor Jahren fürsorglich erworben hat, wurde bekanntlich — von Süd nach Nord fortschreitend — ein industrieller, vorstädtischer». und landwirtschaftlicher Siedlungsraum ausgemessen. Um die rund 10.000 Dunam dos vorstädtischen Raumes entbrannte sogleich der Wettbewerb einzelner Siedlergruppen. Einen großen Vorsprung gewann hiebei die Gruppe der in die Histadruth eingegliederten Arbeiterschaft , für welche 8000 Dunam des besten Platzes reserviert wurden, wo auch schon mit hunderten Häuschen „Kirjat Chaim“ ersteht. Ringsum wurden vom KKL-Hauptbüro die Plätze für weitere Siedlungen zugeteilt, so nordöstlich von Kirjat Chaim und jenseits des Kwisch Haifa-Akko vorläufig 800 Dunam für die Schichunath Olej Germania. Am 18. Juli, 5 Uhr Nachmittag, fand nun die Feier der Grundsteinlegung dieser Siedlung statt. Nächst dem Kwisch war eino mit zionistischen Fahnen geschmückte Rednertribüne errichtet, und auf den Bankreihen davor sassen unter dem strahlenden Himmel und selbst in gehobener Stimmung an 300 Fostgäste, zumeist Mitglieder der deutschen und österreichischen Kolonie Haifas. Besonders freundlich begrüßt wurden der arabische Bürgermeister von Haifa Schukri Hassan mit den beiden jüdischen Gemeinderäten und Herr Binah als Vertreter der palästinensischen Regierung. Pie Eröffnungsrede hielt Dr. Deutsch an (,El Htztpor*) Die ich pflanzte die Blumen, sag', sind sie schon welk, Wie ich selbst, ach, welkend verblüht? Noch denk ich’s, da ich gleich ihnen sproß, Doch jetzt bin ich greise und mild. Was flüstert geheim von Strauch zu Strauch Und was raunen die Blätter dir zu? Sag', künden sie Trost und harren sie auch Der Erfüllung, Vögelein du? Meine Brüder, die Ihr in Tränen gesät, Sollt ernten die Garben voll Lust. Gebt Schwingen mir, in mein Land zu flieh’n Zu der Mandeln, der Palmen Brust! Und was sag' ich dir, lieb Vögelein du, Was hoffst du zu hören von mir? Nicht Lieder tönen aus eisigem Land, Nur Klagen und Seufzer hier. Soll vom Leid ich erzählen, das längst dir bekannt, Da da3 Leben mich herverweht, Von dem Leid, ohne Zahl, das mich jäh übermannt, Vom Leid, das da kommt und geht? Fort, Vöglein, flieh' deinen Bergen zu, Wohl dir, läßt mein Zelt du zurück! Denn bliebest du hier, auch Singvöglein du Beweintest gar heiß mein Geschick. Doch nicht Weinen und Tränen machen gesund, Nicht heilen sie jneinen Schmerz, Mein Äug' ist schon trüb und der Tränen satt, Gleich Gras ist zertreten mein Herz. Jede Träne versiegt, Prophezeiung verstummt, Meinem Leid kein Ende man sicht. Sei gegrüßt, daß du heimkehrst, lieb Vögelein du, Du, singe schmetternd dein Lied! Stelle des erkrankten Gründers und Vorstehers der Siedlung Herrn Kurt Ruppin und verkündete den Beschluß, dio Siedlung nach dem verewigten Volksdichter Kirjat B i a 1 i k zu benennen. Dr. Georg Landauer schilderte namens der Zentralstelle für die deutschen Flüchtlinge deren zielbcwußte Einordnung in das Aufbauwerk des Jischuw, wovon diese Siedlung nur ein — vielversprechender — Teil sei. Beide Redner danken dem KKL-Direktorium für sein verständnisvolles Entgegenkommen und hoben den Pakt hervor, wonach sich dieser Siedlung auf geschlossenem Komplex jüdische Immigranten aus Österreich anschließen werden. Dr. E. M. Zweig legte namens des Hauptbüros Jerusalems dio Aufgaben des KKL dar, welcher Bich bei seiner Bodenpolitik einzig von den Interessen dos Gesamtvolkes leiten lasse; das Hauptbüro werde der neuen Siedlung auch weiterhin wohlwolende Förderung zuwenden, Überzeugt davon, daß ihre Siedler von den Nachbarn des älteren Jischuw Anregungen nicht nur empfangen, sondern ihnen solche in gesundem Austausch auch geben werden. Von den weiteren Begrüßungsansprachen seien jene des Dr. Werner Senator von der Sochnuth JehUdith und des Regierungsvertreters Binah hervorgehoben. Die Wiener Zionisten wird es wohl besonders interessieren, daß dieser hohe Beamte vor dem der Knabe Winokur war, der nach Pogrom von 1902 mit den andern „Kichinower Waisen“ von Israel Belklnd nach Wien gebracht und von dort nach Erez gerettet Die Beisetzung Dr. Leo Pi n tk er s euf dem Skopusberg in Jerusalem wurde. Im Namen von Hadar Hakarmel und der anderen Nachbarsiedlungen beschloß Herr M. Alenikoff den Reigen der Reden, welche — mit ein Beweis für den verläßlichen jüdischnationalen Geist der neuen Siedler — durchaus in Iwrith gehalten wurden. Hierauf erfolgte die Einmauerung der von den Vertretern der öffentlichen Institutionen gefertigten Gedenkrolle im Boden der Siedlung. Bevor die Sonne ins Meer sank, überflogen die Blicke der Festgäste nochmals die weite Ebene. Am Nordrand des Geländes zeigte die schmucke Holzbaracke der Kwuzah Winaith des Gdud Zeirim (Wien), wo das KKL-IIauptbüro ihr und dem Sclnvesterverein Mirjam Parzellen für deren Lager angewiesen hat. Westlich des Kwisch und weithin nach Norden, schon jenseits der blühenden Farm Sabinah, sind Baracken aufgeschlossen als Stützpunkt neuer Pioniere,, welche den pulsenden Lebenswillen und das schöpferische Aufbauwerk des wachsenden Jischuw vorwärts und immer weiter vorwärts tragen. Schon blinken die ersten Sterne, als dio vollgepfroften Autobusse auf dem Kwisch nach Haifa zurückkehren. Z. „Bezatet“ wieder eröffnet Jerusalem (Palcor). In der nächsten Zeit wird in Jerusalem die bekannte Kunst- - und Kunstgewerneschule „B e z a 1 e 1“ neu eröffnet werden. Diese erste jüdische Kunstschule der Welt, die vor 28 Jahren durch den verstorbenen, Professor Boris Schatz in Palästina ge-, schaffen wurde und es verstanden hat, sich durch ihre große Leistung bei der Ausbil-, düng jüdischer Künstler einon Weltruf zu verschaffen, wurde vor einigen Jahren aus Mangel an Mitteln geschlossen. Jetzt wird die Schule unter dem Namen „D e r neue Bezalel“ mit Hilfe des Keren Kajemeth und dank einer Subvention von 1500 Pf. St., die sie von der Palästina-Regierung erhalten l;at, wieder eröffnet. Zum Direktor wurde ' der bekannte jüdische Maler und Graphiker Josef B u d k o, der sich vor einem Jahr in Palästina niedergelassen hat, bestimmt. Vorläufig werden in der Schule zwei Abteilungen arbeiten: eine für Graphik und eine für Metallarbeiten. ^0®^ Streng V SEEFELD (Tirol) 1200 Motor (Slnzlgart. Höhenkurort, inlons. Höhensonne,Wassersport Pension Geschwister Scheer im Hotel Hochalm Bekannt erstklassige Verpflegung, mäßige Preise, Fahrpreisermäßigung Drei Juden in Tei-Avfv ertrunken Bei einem Versuch, einen jungen Mann vom Ertrinken zu retten, fanden drei junge Juden den Tod in den Wellen hei Tel-Aviv. Von den Ertrunkenen war der 19jährige Herbert S c h a p i r o ein Amerikaner aus MiddJeton, dor an der hebräischen Universität studierte und während der Ferienzeit zur Abhilfe des Arbeitermangel» Gelegenheitsarbeit leistete. Die übrigen zwei »ind der 28jährige Nohemiah Roznik und der 18jährige Jakob L a n z o t, beide landwirtschaftliche Hilfsarbeiter aus Tel-Aviv. Dor Ertrinkende, dom die drei ums Leben Gekommenen zu Hilfe eilten, wurde gerettet. (Aus dem Hebräischen übersetzt von Dr. E. M. Zweig, Jerusalem.) Grundsteinlegung von Kirjat Bialik Von unserem Spezialberichterstatter. J09EH WIENS! Beteiligt Euch an der Vo'ksadresse zu Ehren ®r. tomf Ifiwenhers anläßlich seines 50. Geburtstages Telegrammblan kette ä S 1*— im Keren Kajemeth« Büro, L, Kärntnerstraße 28 erhältlich

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