Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1934-08-03 · Heft 375 (3.8.1934) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 375 (3.8.1934)
Date
1934-08-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3054070-3054129--4398-3060013
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 6 DIE STIMME Nr. 365 ** 3. August 1994 seit Ende März 1934, wie zum Beispiel die Gunzenhausener Opfer, und namentlich die 15 jüdischen Toten seit der Hitlerschen Bartholomäusnacht am 30. Juni bis 22. Juli die sich seither um einige weitere Todes opfer (Erich Mühsam und andere mehr) ver mehrt haben. Es ergibt sich demnach eine Zahl jüdischer Gemordeter unter dem Hitler-Regime, die die Ziffer 100 weit über steigt. Hierin sind die unzähligen angeb liehen und wirklichen Selbstmorde von Juden nicht .eingerechnet; von den phy sisch und seelisch zu Krüppeln geschlagenen Juden schon nicht zu reden. Wieder Boykott Prag, 30. Juli. (Z. T. A.) Die Nationalsozialistischen Organisationen bereiten für den August eine großzügige Kampagne vor, welche einen verstärk ten Boykott der jüdischen Ge schäfte herbeiführen soll. Diese Kam pagne ist bereits von der NSHago in Fran ken proklamiert worden. In der „Marien werder Zeitung“ war ein Bericht über eine Mitgliederversammlung der NSHago wieder gegeben, in dem es unter anderem heißt „Anschließend s prach Pg. Jost über die Judenfrage. Jeder anständige deutsche Mann und jede deutsche Frau kauft nicht in jüdischen Geschäften. Volksgenosse, du versündigst dich, wenn du bei Juden deine Einkäufe tätigst.“ Nach den bisherigen be kannt gewordenen Kundmachung führender Nationalsozialisten, soll bei dieser antijüdi sehen Boykottaktion überall die Hitler Jugend in stärkstem Maße herangezogen werden. Wie dem „Pariser Tageblatt“ aus dem Rheinland berichtet wird, sind die dortigen Juden wegen einer von der gesamten Ber liner Presse verschwiegenen, scharfen anti semitischen Rede des Kölner Gauleiters G r o h 6 von Panik ergriffen. * Angesichts der immer schwierigeren Situation der deutschen Regierung werde man eine Ab lenkung gegen die Juden ver suchen. Die Rede Grohes war wohl ein Auf takt dazu. In den Dörfern Mitteldeutschlands werde die Judenhetze immer stärker An allen Ecken seien anonym verfaßte, kleine rote Plakate angeklebt: „Die Juden sind unser Verderben“, oder „Wer von Ju den frißt, stirbt daran“. Einschränkung jüdischer Versammlungtätigkeit Berlin, 31. Juli. (2. T. A.) Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin verlautbart: Wie das Geheime Staatspolizeiamt mitteilt, wird von Angehörigen jüdischer Organisationen in der letzten Zeit die Pflicht zur Anmeldung jüdischer Versamm lungen dadurch umgangen, daß Zfusammenkürifte in Ausflugsorten, Landhäusern und anderen Privaträumen vorbereitet und abgehalten werden, ohne daß der für den Versammlungsort zuständigen Polizeibehörde hievon rechtzeitig Mitteilung gemacht worden ist. Dieses Verhalten ßteht im Gegensatz zu den gesetzlichen Bestimmungen und darf in Zukunft unter keinen Umständen fortgesetzt werden. Wir weisen mit allem Nachdruck darauf hin, daß alle Zusammenkünfte von Mitgliedern der Organisationen rechtzeitig und in schriftlicher Form der Polizeibehörde mitgeteilt werden müssen. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde ersucht alle verantwortlichen Leiter der jüdischen Organisationen und Vereine, daß sie die bestehenden gesetzlichen Vorschriften und Anordnungen mit äußerster Korrektheit beachten. Er gibt gleichzeitig der Auffassung Ausdruck, daß die Leiter der Organisationen und Vereine auf eine Verminderung der Versammlungen und Zu- ,.Greuelmeldungen auf brieflichem Wege“ Nach einer Meldung des in Frei bürg erscheinenden Blattes „Der Alemanne“, wurde in Ihringen der Sohn Leo des jüdischen Geschäftsinhabers Hermann Weil verhaftet. Die Gendarmerie Breisach überführte ihn wegen Verbreitung von Greuelmärchen auf brieflichem Wege in das Gefängnis nach Freiburg, sammenkünfte bedaofci Sfidö eoUsa. Entweihung einer Synagoge In der kleinen oberpfälzischen Stadt S u 1 z b a c h, einst Sitz einer berühmten hebräischen Druckerei, in der Bibel- und Talmudausgaben gedruckt wurden, wo bis vor etwa einem Jahr noch 170 jüdische Familien wohnten, leben heute nur noch acht jüdische Menschen. Wie die in Nürnberg erscheinende „Fränkische Tageszeitung“ mitteilt, wurde jetzt die Synagoge von der Stadt beschlagnahmt, um in ein Heimatmuseum verwandelt zu werden. „Die jüdischen Kulteinbauten“, schreibt das Blatt, „werden abgebrochen. Der Vorhang beim Heiligtum mit den Löwen und der Krone der Hohen Priester, die einer Nachäffung des bayerischen Staatswappens von einst verdammt ähnlich sieht, das mit Goldschrift auf blauen Grund geschriebene Gebet für König Ludwig II., eine bodenlose Heuchelei, da die Juden gerade König Ludwig II. auspowerten, verschwindet. Die bunten hebräischen Sechssterne aus den Glasfenstern weichen einem hellen Licht und der Säulenraum im Hauptteii der Anlage und die darum sich ziehende Galerie werden in Abteilungen und Kojen die Heimatschätze Sulzbachs und seiner Umgebung aufnehmen. Zu beiden Seiten sind kleine Höfe, die ebenfalls für Museumszwecke und vermutlich auch für ein Freilichtmuseum Verwendung finden können. In der Nordseite der Mauer ist in Übermannshöhe der Davidstern mit hebräischen Inschriften. Unter diesem wurden bei freiem Himmel die Juden zur Ehe zusammengegeben. Diesen Stein wollen die Juden heraus haben, und Sulzbach wird ihn ihnen gern mitgeben. Nur die hebräische Tafel, die das Baujahr der Synagoge im Jahre 1826 ankündigt, bleibt zur Erinnerung dnd Warnung für die deutschen Enkel Sulzbachs, nie wieder fremdstämmigen Angehörigen zu trauen. Mit dieser Umgestaltung der Synagoge zum Heimatmuseum sind 270 Jahre jüdischer Herrschaft über eine alte deutsche Stadt zu Ende und Sulzbach-Rosenberg geht in ein neues deutsches Zeifcalte r.“ Deutscher antisemitischer Hetzer in Holland verhaftet Amsterdam, 1. August. (Z. T. A.) Auf Befehl des holländischen Justizministers wurde der deutsche antisemitische Führer und Hitler-Spion, Schneekloth, der in Amsterdam lebt, aus Holland ausgewiesen. Herr Schneekloth, der der Herausgeber der holländischen antisemitischen Zeitung „De Stormer“, einer holländischen Übersetzung von Julius Streichers Wochenblatt „Der Stürmer“ war, kehrte jedoch nach Amsterdam zurück; nunmehr wurde er verhaftet. JÜDISCHER KALENDER j.—9. August 1934 11.—18. Ab 5694 Freitag, 3. Sabbath- Eingang 7 Uhr 25 Samstag, 4. Sabbath-Ausgang 8 Uhr 25 Wochenabschnitt 1 Ekew Die Dynamik in der zionistisdien Bewegung Oesterreichs Von in ff. Dr. phil. F. Pickholz. Nichts veranschaulicht besser die Entwicklung einer Bewegung, als die Gegenüberstellung von Ursache und Wirkung, gestützt auf statistische Daten. Es sei hier ein kurzer Überblick über die Vortrags Veranstaltungen zionistischen und wissenschaftlichen Inhaltes, die von den, dem Zionistischen Landeskomitee für Österreich unterstellten Sektionen und Körperschaften in dem Jahre 5694 (10 Monate... Oktober 1933 bis Juli 1934) durchgeführt worden sind, gegeben. In der Berichtsperiode fanden insgesamt 350 Vortragsveranstaltungen statt, wobei die Veranstaltungen geselliger Natur sowie Seminare ausgenommen bleiben. Von den Ortsgruppen lagen wohl keine detaillierten Daten vor, doch dürften auch dort die Ziffern eine ähnliche Höhe erreichen. Wenn wir mit einer durchschnittlichen Besucherzahl von 60 Personen (diese Ziffer bewegte sich zwischen 30 und 150, manchmal sogar über 300) rechnen, so kommen wir bei Berücksichtigung des Verminderungskoeffizienten auf eine Besucherzahl von 21.000. Untersuchen wir nun die einzelnen Faktoren, die einen unmittelbaren Einfluß auf die Besucherzahl ausüben, und somit sich mittelbar auf das Wachsen der zionistischen Bewegung auswirken. Der wichtigste Faktor ist der Redner, beziehungsweise der Referent. Vorträge, an denen sogenannte „Kanonen“ referieren, sind zum Großteil überfüllt, und es ist nicht uninteressant, zu hören, daß die Teilnehmer vorher meistens das Thema nicht kennen, sie gehen nur zum Vortrag, um „ihn“ zu hören. Um eine „Kanone“ zu sein, genügt nicht, daß der Referent, absolut genommen, ein guter Redner sei, sondern er muß auch auf eine langjährige Tätigkeit in der Bewegung zurückblicken. In den letzten Monaten gelang es aber, neue Rednertalente zu entdecken. Die Beliebtheit dieser neuen Redner dokumentiert sich am besten durch Anforderungen bestimmter Redner durch verschiedene Sektionen. Der zweit wichtigste Faktor ist das Xhema. Gut gewählte, aktuelle Themen, zum Beispiel Probleme des Jischuws, Fragen der Jugend, Umschichtung und andere mehr, erfreuen sich eines guten Zuspruches. Unsere Palästinaabende“ waren stets überfüllt. Bei dieser Gelegenheit muß mit Bedauern festgestellt werden, daß uns bis heute keine entsprechenden palästinensischen Tonfilme zur Verfügung stehen, obwohl ein starkes Bedürfnis nach solchen festzustellen war. Beinahe alle Vorstellungen mit den synchronisierten Filtoen mußten wegen Überfüllung polizeilich gesperrt werden. Weiters vermisse ich vom propagandistischen Standpunkt die palästinensischen Kleinfilme, mit denen man jeden größeren Voitrag MSasu sollte« Die mir vorliegende statistische Zusammenstellung zeigt, daß in den Monaten Februar, März und November der beste Be such in den Versammlungen aufzuweisen war. Die beliebtesten Veranstaltungstage sind: Dienstag, Mittwoch und Donnerstag Nun komme ich zu einem sehr wichtigen Problem — zur Frage der Sektionsheime Auch hier zeigt die Statistik, daß Sektionen und Vereinigungen, die über eigene Heime verfügen, in propagandistischer und organisatorischer Hinsicht viel mehr leisten, als solche, die keine eigenen Heime besitzen Das Zionistische Landeskomitee macht, in richtiger Erkenntnis dieser Tatsache, die größten Anstrengungen, um jeder Sektion ein eigenes Heim zu verschaffen. Bezüglich der Zusammensetzung, be ziehungsweise der Teilung von einzelnen Sektionen ist folgendes zu bemerken: Es ist in propagandistischer Hinsicht von Nachteil, wenn zwei Bezirke in einer Sektion vereinigt sind. Die Erfahrung lehrt, daß durch Errichtung einer neuen Sektion (durch Trennung einer zusammengesetzten Sektion) der Mitgliederstand beträchtlich zugenommen hat, ohne daß die Mutter Sektion im geringsten gelitten hätte. Schließlich möchte ich noch das Jugendproblem der Sektionen berühren. Auch dies bezüglich geben uns die statistischen Angaben lehrreich Aufschlüsse. Sektionen und Vereinigungen, die eigene Jugendbünde be sitzen, zeichnen sich durch größere Agilität und Aktionsfähigkeit in organisatorischer Hinsicht gegenüber den übrigen Körperschaften aus, da ja bekanntlich für Klein arbeit die Jugendlichen am geeignetesten sind. Es ist zu hoffen, daß in nicht allzulanger Zeit jeder Bezirk mindestens eine Sektion hat, daß jede Sektion über ein eigenes Heim und über eine eigene Jugendgruppe verfügen wird. Herzl-Feier In Sauerbrunn Samstag, den 4. August 1934, um %9 Uhr »bemds, findet im Sauerbrunner Tonkino eine von der Misrachi-Jugend Wiens und der „WIZO“ Prater veranstaltete Herzl-Feier mit Aufführung des Palästina-Films „Frühling in Palästina“ statt. Restliche Karten an der Abendkasse. Das Restaurant Bidet hat sich der Zeit an-* passend entschlossen, bei gleichbleibender, hochwertige»- Qualität seiner Speisen, reich-* haltige Menüs zu S 1.90 und S 2.60 einzuführen. Vorzügliche, eisgekühlte Getränke, Schwechater Bräu. II., Hammerpurgetallg. 3 (nächst Salztorbrücke). Achtung! Trotz der herrschenden großen Hitze speisen Sie mit Genuß im schönen, schattigen Garten des Restaurant „Hotel S t e f a n i e“, n., Taborstraße 12. Reichhaltige Menus schon von S 1.60 aufw. Speisen am Rost. Versuchen auch Sie!! In Bad Hall, dem ob seiner Heilquellen weltberühmten Kurort bildet die Villa Mayerhofer, Pension, Cafd-Restaurant A. Barschak aus Wien, einen Anziehungspunkt für alle Kurgäste. Beh. konz. Realbüro Die Arbeit des Keren Kafemeth Umwandlung des „WIZO“ - Meidling Gartens“ auf Namen „Kam-Rat-Rosl-Kohn-Garten“. Die Leitung der „WIZO“ XII. bat beschlossen, den „Meidlinger-Garten“ in einen „Kam.- Rat-Rosl-Kobn-Garten“ umzuwandeln, um auf diese Weise Frau Kam.-Rat Kohn den Dank für die geleistete Pionierarbeit in der „WIZO- Meidling“ abzustatten. Bialik-Bilder (Steindruck) von künstlerischer Hand nach einer der besten Photographien hergestellt, sind im Keren Kajemeth-Büro zum Preise von S 2.— erhältlich. Rosch-Ha8chanah-Karten. Künstlerische Karten, Photographien nach bekannten Gemälden des Malers Wachtel, sind im Keren Kajemeth-Büro erhältlich. Größeres Quantum, ist zu einem sehr ermäßigten Preis zu erhalten. Einzelkarten 10 Groschen per Stück. H a t i k w b h, mit Noten und Text, sind zum Preise von 15 Groschen pro Karte im Keren Kajemeth erhältlich, Ing.M.Mühlbauer Kauf und Verkauf von Realitäten, Hypotheken I.. II. und 111. Sätze, Bau- und Zwisdienkrediie, Gebäudeverwaltung Büro: Franz ]osefs-Kal 11 Tel. R-25-0-44 Wohnung: II., Vorgartenstr. 150, Tel. R-41-8-88 Wien. I, Seitenstettengasse Kr. 2 Tel. ü 28-1-28 Zentralfriedhof, neben dein t. Tor. Tel. U 18-0-85 RESTAURANT ROTH II., Praterstrafte 54 Tel. R 47-0-41 empfiehlt seine reichhaltigen Menüs: Suppe, Braten, Gemüse, Mehlspeise . . . S 1*30 Suppe, Braten oder ‘/t Huhn, Gemüse, Korn pott, Mehlspeise.. Kalbs- und Rindsbraten ä la oarte . . . 10 dkg gebratenes Gansl. S 1-60 S--90 S--60 KINOPROGRAMME DER WOCHE n. RotensterngaBae 7a Telephon R Leopotdstadter Volhskino Freitag, 3. bis Sonntag, 5. August: Fleisch In Fesseln Täglich 7,8, 7,8. 7,10 Uhi ErmflBIgta Sommerpreise Der Gesamtverband Jüdischer Hochschüler Österreichs „Judäa1* fuhrt am 12. August «inen 2. Turnus nach: Novl-Vlnodll bei Crlkvenlca (Dalmatien) Die Reise kostet: S 123-— für S 154*— für 2 Wochen 3 Wochen Im Preise inbegriffen sind: Fahrt (Bahn und Schiff, Verpflegung, sämtliche Abgaben, Taxen, Badegebühren und Trinkgelder). Auskünfte und Anmeldungen Montag bis Freitag von 2 bis 3 Uhr, ab 5. August von 2 bis 5 Uhr im Sekretariat der „Judäa“, IX., Alserstraße 26, Tel. Nr. A 25-2-28 Bezugsbedingungen: Monatlich 6 1.50, vierteljährlich S 4.20, ganzjährig S 16.—. Für das Ausland: Deutschland vierteljährlich RM 3.—, Tschechoslowakei vierteljährlich K£ 24.*—, Jugoslawien vierteljährlich Dinar 40.—, Polen vierteljährlich Zloty 6.50, Ungarn vierteljährlich Pengö 4.20, Rumänien viertelährllch Lei 120.—, Übriges Ausland vierteljährlich Schweizer Franken 4.50. Postscheck-Konti: Österreich Nummer D 113.546, Polen Nr. 191.199, Tschechoslowakei Nr. 500.230, Jugoslawien Nr. 40.879. Eigentümer, Verleger und Herausgeber: Zionistischer Landesverband für Österreich. Wien, 1.. Kärntnorstraße 28. — Verantwortlicher Redakteur: Dr. Rudolf Glücklich. Wien. 1„ Kärntnerstraße 28. - Druck: Vernay A -G„ Wien, IX., ßaplsiusgasse 8—10.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.