Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1934-08-03 · Heft 375 (3.8.1934) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 375 (3.8.1934)
Date
1934-08-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3053752-3054070-3054129--4394-3060009
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

HM ü Seite 2 DIE STIMME Nr. 865 — 3. A uff »st 198-1 Besuchet Emingers Caststätten am Praterstern! mit Fritsch anseinamlergceet-xt, erfolglos. Aber eine Enthüllung der sittlichen Korrup tion dieser Personen, in aller Öffentlichkeit vor Gerichten vorgenommen — wie dies im Falle Rohling geschehen ist. hätte galt* Hadere Wirkungen erzielt. Das Rezept i«fc einfach: Wenn irgendwo ein solcher Schreier auftaucht, dann lasse man ein Detektivinstitut sich mit ihm befassen und stelle ihn dann vor Gericht. Das jüdische Assimilantentum, dem diese fehlerhafte Apologetik vor allem zur Last füllt, hat sich natürlich auch noch bemüht, seine Staatstreue und seine pflichtmftßlg positive Einstellung zur Umgebung auf das hitzigste zu beteuern, und cs hat interessanterweise daraus für sich ein Monopol erzeugt. Jeder, der nicht alle Tuge die Hymne mitsaug, wurde verdächtigt, und wie so vieles andere Gute iet auch diese Art von Politik von Deutschland ausgegangen. Die Assimilationsisraeliten Deutsch landa waren es,-die mit der Vernaderung der Zionisten angefangen und ihnen den Vorwurf des ..Doppelstaates“ angehängt haben. Den Israeliten hat dies, wie sie von Hitler belehrt wurden, nichts geniitzt. Sie sind, ob Zentralverein, ob nationaldeutsch, in die Rasse miteingebaut. Der Zionismus hat dies schon vor dreißig Jahren voraus* gesehen./ Aber da sich die antisemitische Theorie über Deutschland hinaus verbreitet und die Mordpropaganda auch anderwärts Stützpunkte sucht, so beginnt damit lm gleichen Schritt auch die Assimilation mit -ihrer Hysterie und ihrer Aufdringlichkeit. So zum Beispiel in Jugoslawien. Dort hat sich plötzlich ein gewesener Miuisterialbeamter namens Levic bewogen gefühlt,; eine Vereinigung von Jugoslawen mo* saiacher Konfession zu bilden und die Eingliederung aller Juden in die Narodna odbrana zu fordern. Damit gibt er natürlich den antisemitischen Elementen, die sich, auch in Jugoslawien finden, willkommenen Anlaß, öffentlich zu fragen, warum denn ge- ‘ rüde diese Juden ihr Staatsbekenntni9 so ^heiß demonstrieren und . wie denn die anderen Judeh zum Staat stehen. Herr Levic wirft ihnen aber auch noch ein anderes Holzel. Er vernadert die Juden in den ehemals ungarischen Gebieten wegen ihrer magyarischen Umgangssprache. Kein Serbe oder Kroate nimmt daran Anstoß und findet eich damit ab, daß die neuen Staatsbürger eben keine andere Sprache gelernt haben. Aber der mosaische Jugoslawe Levic hat eine schöne Gelegenheit gefunden, sich als Staatsretter aufzuspielcn. Der Verband der jüdischen Gemeinden Jugoslawiens, die gesetzliche Vertretung der Judenechaft dieses Staates, hat kürzlich zu der Sache Stellung genommen und alle Treibereien dieser Art als schädlich erklärt. - Das Aasimilantentum aller Richtungen, der bürgerlich-chauvinistischen wie der sozialistischen, ist ein Krebs am jüdischen Voikakörper. Es erfindet sich mißliche und mißverständliche Probleme, vertieft die leider Gotes bestehenden Spaltungen im Judentum und biedert sich dem Mehrheitsvolk in würdelosester Weise an. Das Asslmilantentum, das grundsätzlich nichts lernt, versucht sich auch — sicher ist sicher — mit dem Palästinawerk auf guten Fuß zu stellen. Aber dieses Werk ist vom nationalen Zionismus geschaffen worden und es wird keine Verfälschung dulden. Sozialisten, die. sich der Verfolgung samen Mitteln genau Io geholfen, wie seitens ihrer eigenen Parteiangehörigen entzogen. Es ist zu betonen, daß die Flüchtlingshilfe keineswegs allein auf jüdischer Basis durchgeführt wird. Ein bedeutender Prozentsatz der Flüchtlinge ist christlichen Glaubens} ihm wird aus den gemeinden Juden. Es ist zu bemerken, daß die Gelder fast ausschließlich von jüdischer Seite gekommen sind. Es Ist ungehörig, den Judenmördern aus diesen Mitteln Unterstützung zu gewähren. Wiens Judensdiaft trauert um Bundeskanzler Dr.Dollfuß Jüdische Trauirgotttidleniti, Dienstag, den 31. d. M., äbeftds, fanden Gläubigk e i t, Restaurant Blllet Beit renommiert« Küche 'UPjj fUldihaltif «M«ntts 41 l’90u.8’*0 Sch wmhattr Irls II., Hammerpurgitaligasse \ (nächst Salztorbriidte) Telephon A 4J*o*aj Nationalsozialisten verlangen FlUchtllngshllffe London, 30. Juli. (Z.T.A.) Professor Dr. Norfnan Bentwich, Direktor des Hochkommlssariats für deutsche Flüchtlinge, teilte Pressevertretern mit: Infolge der jüngsten Ereignisse in Deutschland befassen sich die Abteilungen des Hochkommissariats nunmehr auch mit der Versorgung der geflüchteten Nationalin überaus eindrucksvoller Weise bei massenhaftem Andrang d@s Publikums die vom Vorstand der Israelitischen Kultus gemeinde Wien, lm Stadttempel in der SeitenstettengaeSfe und lm Großen Leo poldstädter Tempel ln der Tempel gasse veranstalteten Trauergottesdienste für weiland Bundeskanzler Dr. Dollfuß statt lm Stadttempel Das Innere der Gotteshäuser trug Trauer schmuck. Am Altar brannte auf dem Posta ment das Seelenlicht für den Dahlngeschie denen. Der große Stadttempel ln der Sei tenstettengasee war von einer zahlreichen Trauengemelnde gefüllt. Es fanden sich hier ein: Der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Desider F r i e d m a n n mit den Mit glieder des Kultusvorstandes, das Zionistische Landeskomitee mit seinem Präsidenten Dr. Oskar Gr ü n b a u m, das Präsidium der Türkisch-Israelitischen Gemeinde in Wien mit Ihrem. Präsidenten, die „Chewra Kadlscha“, die Leiter der Ämter, Anstalten und Abteilungen der Kultusgemeinde unter Führung des Amtsdirektors, Regierungsrat Fuohsgelb. In Vertretung de« Bundes Präsidenten und der Bundesregierung war erschienen: Ministerialrat Dr. Flohr vom Unterrichteministerium, für die Magistrats abteilung 49 (Amt der Landesregierung) Magistratsoberkommissär Dr. Lanzar, für das Stadtkommiesariat der Bundespollzel Innere Stadt Oberpolizeirat Dr. Welch* g e 1 b a u m, die Zentralleitung des Bundes jüdischer Frontsoldaten mit Hauptmann von Friedemann an der Spitze, eine Delegation der Vaterländischen Front unter Führung von Major Prokowetz, eine Delegation des Deutschmeisterbundes unter Führung von Oberleutnant Kaiser. Ferner Waren anwesend: General Sommer, der Vorstand des Vereinsbureaus der Polizeidirektion, Hofrat Dr. Gans sowie Stadthauptmann Dr. W e y b u r a und eine Abordnung der Helmwehr. Nach einem Orgelprlüudium und de’m vom Synagogenchor gesungenen Refiuiemlied „Seele, was betrübst du dich“ hielt Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang die folgende Trauerrede: „SchmerzerfUllt und in tiefster Trauer sind wir hior versammelt, um den Tod unseres Bundeskanzlers Dr. Engelbert Dollfuß zu beklagen. Die jüdische Gemeinde, in Liebe und Treue dem Vaterland innig verbunden, beweint den Tod des großen Sohnes dieses Vaterlandes, dessen Bedeutung und Größe unmittelbar in seiner glühend heißen Liebe zur Heimat wurzelt und aus dem Mutterboden derselben hoch emporgewachsen ist. Mit Entsetzen und Schmerz erfüllt uns der furchtbare Gedanke, daß es möglich war, daß gerado in einem Österreich, dessen Wesen Ruchlosigkeit, Gewalttat und Aufruhr so gar nicht entsprechen, und das in der ganzen Welt ob seiner ethischen ästhetischen Kultur geliebt wird, daß in diesem Österreich so Entsetzliches geschehen konnte, wie die Ermordung des Bundeskanzlers. Der Genius dieses unseres Vaterlandes verhüllt sein Antlitz; er woiß, daß dieser Mord fremder, entarteter, un* Österreichischer, unmenschlicher Sphäre entstammt. Die ganze gesittete Welt trauert mit uns um diesen seltenen Menschen, don die Natur und Vorsehung mit Eigenschaften ausgestattet hatten, die ihn zum Lenker und Neugestaltcr der Geschichte Österreichs und somit auch zum anerkannten und zum bewunderten Mitaufbauer eines neuen Mitteleuropa werden ließen. Die Wurzeln des Wesens und Willens des Bundeskanzlers waren: tiefste Religiosität und Vaterlandsliebe, Friedensliebe, s t a a t s m finnische Weisheit, menfcc.hliehe Güte und G u.f e c h t i g k e i t, innige Gläubigkeit ließen ihn, unbeirrt und unerschütterlich, nach dem Plane suchen, der für Österreichs Zukunft rettend find heilbringend sein sollte und sein wird; st aatsm finnische Weisheit ohne Hinterhältigkeit, GütO Ohne Schwäche, Gl ä u b i gk c i t ohne Fanatismus, denn mir das ist wahrhaftige Röligiöti,- , WäS jode Reohtsverm Inder ung staats treuer Andersgläubiger ausschließt und unmOglieh ffläöM.- Doktor Dollfuß konnto spreehöfi, M§ der Prophet Jesaia kündet: „Meinen Rückon hot ich des Schlägen, meine Wange den Peinigern duff fißgiii Ant litz verbarg ich nicht vor Beschimpfung und Bespeiung.“ So hätte Kanzler Dollfuß sprechen kön nein Mit eiserner Kraft stand er da, mit Ausdauer erfüllte er seine ihm heilige Pflicht gegenüber dem Vnterlande, mit sittlicher Mühe ging er unbeirrt seinen Weg, der Ihm als von der göttlichen Vorsehung bestimmt und vorgezeichnet erschien. Stand die ganze Kulturwelt trauernd an der Bahre dieses Märtyrers^ so hüben wir Juden Österreichs allen Grund, dessen furchtbaren Tod tief 2u beklagen. Mit der Totenklage verbinden wir das Gebet für Bein Seelenheil, das Gebet aber auch für das Wohl unseres Vaterlandes. Mögen alle seine Bürger ohne Unterschied in Eintracht und Frieden leben,t ihnen Glück und Heil boschieden sein, mögen aller Haß und Zwietracht schwinden, Herz und Geist, der Lenker uhd Leiter des Staates erfüllt Bein vom Geiste der Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit/ Dann wird der sehnsüchtige Wunsch des verstorbenen Kanzlers sich erfüllen, der nichts Höheres «annte, al8 das Heil und Wohl Österreichs» Das Andenken des Bundeskanzlers Dr. Engelbert Dollfuß sei uns allen zum Segen.“ Oberkantor M a t y a s, begleitet vom Synagogenchor, sang den ergreifenden 16. Psalm, worauf der Oberrabbiner das Kaddisch-Gübot sprach. Mit der Absi-ngung der Bundeshymne fand die eindrucksvolle Feier ihren Abschluß. Bitprochuiig det Exekutive der Jewl*lt Agency mit fülirenden NiefafrZfonisten London, 30. Juli. (Z.T.A.) Das Pressbüro der Londoner Exekutivo der Jewish Agency meldet: Anläßlich der Anwesenheit prominenter amerikanischer Nichtzionisten in Europa, beschloß die Exekutive, eine nichtformelle Besprechung mit nichtzionistischen Freunden der Jewish Agency aus verschiedenen Ländern einzuberufen, um gemeinsam über dio Methoden einer Aktivierung und Reorganisierung des nichtzionifltischen Teiles der Jewish Agency im Sinne der Beschlüsse der Prager Tagung des Council ztt beraten. Diese Besprechung wird in Zürich am 16. August 1934 stattfinden. GASTSTÄTTE FÖR JEDERMANN!.. KärlnerslM&e Nr 61 Besitzer Ollo Kasefer WIENER RATHAUSKELLER volkstümliche Preise In allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Ollo Kdserer Bürgermeister Schmitz war in letzter Stunde verhindert, der Feier belzuwoh^on und hat, ebenso wie der Staatssekretär für Landesverteidigung Generalmajor Zehner, seih Fernbleiben entschuldigt. Im LeopoIdstBdter Tempel Im Loopoldstädter Tempel füllten die Mit glieder der jüdischen Vereinigungen und die Gemoindemitglieder den weiten Raum. Die Trauerrede hielt hier Rabbiner Doktor Roscnmann, der einleitend betonte, daß das österreichische Judentum gleich der ganzen gesitteten Welt tleftrauernd am Gfabc des Bundeskanzlers Dr. Engelbert Dollfuß stehe. Rabbiner Dr. Roseninann felöjrto den auf der Höhe Beines »Schaffens Ermordeten als hervorragenden Staats mann, glühenden Patrioten, treuen Bekenner seines Glaubens und vorurteilslos' gerechten Beurteiler des Judentums und schloß mit einem Innigen Gebet für das »Seelenheil des Bundeskanzlers seine ergreifende Rode. Die kantoralen Funktionen versah Oberkahtorstellvertretör Funke. Verwöhnte $tr«hwlWr«r speisen voriUtjiloh Im RRtannmt Hotel „stemme“ '■WS U., Taborstraße 12, Tel. R 46-5*57 ^5 Rllthliilllos Menüs v. 11*60 Spill«» am Rost — Schöner eohattlg«r Outen Der alte jüdische Friedhof Roms au£gelassesi Auf Befehl Mussolinis werden in Rom demnächst Ausgrabungn auf dem Terrain'des berühmten Zirkus Maximus beginnen. Auf diesem Terrain aber hat schon seit mehreren Jahrhunderten die jüdische Gemeinde von Rom ihren Friedhof gehabt, der erst 1894 geschlossen wurde. Alle angesehenen jüdischen Familien von Rom haben auf diesem Friedhof ihre; Familienbegrftbnisstfttten, dio‘ mit alten, oft Wertvollen Denkmälern ausgestattet sind. Deshalb hat Mussolini angeordnet, daß au ß e r ha 1 b der Stadt ein neues Terrain für den alten Judenfriedhof angewiesen werde. Die Gräber werden geöffnet, die Gebeine dör Töten werden ln neue Grüfte transportiert, die auf Kosten des Staates errichtet und genaue Kopien derjenigen bilden sollen, aus denen die Toten vertrieben werden. Auf dem alten Friedhof ruhen unter anderen die Gebeine von 30 Großrabbinern. Alle bisherigen Versuche der maßgebenden jüdischen Stellen Italiens, die Unantastbarkeit dieser historisch und religiös bedeutsamen jüdischen Begräbnisstätte zu wahren, haben nichts gefruchtet. Pal&tinaabteiluns mvo'jnis Josef Poop .Illllilllllllfi (ntetnattonale Transporte Wien, II., Taborstraße Telephon R 48-5-10, R 40-5-70 Serie 22 Spezial -Warentransporte, Übersiedlungen, Verpackungen für Palästina» Transport- und Reisegepäck Versicherungen. Auskünfte jeder Art über Palästina, Oie antisemitischen Unruhen in Thrazien . Saloniki, 81. Juli. (Z. T. A.) Aus Adrianopel wird gemeldet, daß von dom dortigen Kreisgorieht drei Porno* non wegen Beteiligung an den jüngsten antisemitischen Ausschreitungen zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt wurden. Ein Angeklagter wurde freigesprochen. Dio türkischen Zeitungen weisen bei dieser Gelegenheit auf dio Schnelligkeit hin, mit der' das türkische Gerichtswesen dio Schuldigen der Bestrafung zuführte, und erklären, in der Türkei gebe es keine Judenfrage.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.