Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 375 (3.8.1934)
- Date
- 1934-08-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer SO g V« b. b. JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 37* Wien, 3« August 1934 Redaktion und Administration: Wien, u Kärntnerstraße 28, neanKuon unu «amimsiraiion: Wien, u r\arrHnor»i.*auo Tel. R 27-4-85: Redaktion,Schluß Montag und Mittwooh vorm. Polnisches Reisebüro „Orbis" Billige Gesellschaftsreisen nach Polen Abfahrt: 15. August 1934 Rüdefahrt: 5. September und 4. Oktober 1934 Fahrpreise: Wien-Krak6w-W!en S 52*- Wien-Rzeszow-Wien S 62*- Wien-Lwow-Wien S 80*- itiiiiifltmnmnrmnmmmiimmmiMniiminimmtimmmimmimiimmtmiiMimtmmmmimmnmtimmitmitminiitmn» Anmeldungen und Auskünfte: Polnisches Reisebüro „ORBIS“ Wien, I., Kärntnerstraße 41 Tel. R 26-1-43 (U. Ab 5694) | 7« Jahrgang Hindenburg gestorben, Hitler Reichspräsident Gestern früh ist in N e u d e c k Reichspräsident Hindenburg gestorben. Das Reichskabinett hat durch Gesetz verfügt, daß das Amt des Reichspräsidenten mit dem des Reichskanzlers vereinigt wird. Infolgedessen ist Hitler mit sofortiger Wirkung Reichspräsident. Für den Frieden der Welt ist dieses Ereignis insoferne von Bedeutung, als Hitler yon nun an auch oberster Chef der deutschen Armee ist. Die Situation der Juden erfährt sicherlich keine Änderung zum Bessern. Sie sind mit der. stillschweigenden Billigung Hindenburgs, zu dessen Wählern sie gehört hatten, unterdrückt, entrechtet und mißhandelt worden. Der dies tat, war Hitler. Er ist jetzt Reichspräsident.», -v Bialiks letzte Fährt Der Trauerzug durdt die AllenbyktrsBe in Tel-Aviv «kl V 4 ' '! ___ J mM Emir Abdullab für Revision der arabischen Politik gegenüber England Jerusalem, 31. Juli. (Z. T. A.). i Emir Abdullah von Transjordanien* dem von der arabischen Bevölkerung Pa« lästinas und Transjordaniens nach seiner Rückkehr aus England, wo er sich eeöha Wochen lang aufgehalten hatte, ein be« geisterter Empfang bereitet worden war, erklärt in einem Presse-Interview, er sei von den Ergebnissen seiner Mission in England vollkommen befriedigt. Er rate den Arabern, ihre Politik der Non« Kooperation gegenüber England auf z u« geben und für ihre Beziehungen zu Eng« land ein positives Programm aus« zuarbeiten. Hiebei betonte der Emir, wie groß der Einfluß sei, den die Juden in« folge ihrer andersartigen politischen Hai« tung auf die öffentliche Meinung Englands ausübten. Auf dem Wege zum inneren Frieden in Palästina? I iiHiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiii Tel-Aviv, 1..August. (Z. T. Ä.)\ Auf Anregung der Judenstaatspartei haben die hebräischen Tageszeitungen in ihrer Mehrzahl vereinbart, die weitere Erörterung des Arlosoroff-Mordes einzustellen, um so zur Wiederkehr von Ruhe und Frieden innerhalb der jüdischen Bevölkerung Palästinas beizutragen. Revisionistische Exekutive für Round Table-Konferenz mit der Arbeiterpartei Paris, 1. August. (Z. T. A.) Die Exekutive der Weltunion der Zionisten-Revisionisten hat an die Leitung der palästinensischen Arbeiterpartei ein Schreiben gerichtet, in dem sie vorschlägt, eine Round Table-Konferenz von Vertretern der Revisionisten und der Arbeiterpartei einzuberufen. Auf dieser Konferenz sollen Maßnahmen beschlossen werden, die die Wiederholung von Gewalttaten von Parteigängern der einen gegen die andere Gruppe unmöglich machen. Die Revisionistische Exekutive erklärt, angesichts der Gefahren-, die durch den innerzionistischen Streit für den Jischuw und für den Zionismus heraufbeschworen wurden, sei es unerläßlich, Schritte zur Herstellung eines technischen modus vivendi zu unternehmen. (Diese leider reichlich verspätete Erkenntnis isf zu begrüßen. Hoffentlich kommt 'die Konferenz zustande und zeitigt ein gutes Ergebnis. Die Red.) Metzger und Kälber ........... Dr. Stephen Wise für innerjüdischen Frieden London, 80. Juli. (Z.T.A.) Der vor einigen Tagen in London eingetroffene Ehrenpräsident des American Jewish Congress, Dr. Stephen S. Wise, sprach ln einer Unterhaltung mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur sein Bedauern darüber aus, daß sich der innerjüdische Hader in Palästina nach der Freisprechung Stavskys nicht nur nicht vermindert, sondern sogar verschärft hat. Das Hitler tu m, fuhr Dr. Wise fort, hat nicht nur in Deutschland, sondern auch in verschiedenen nichtdeutschen Ländern die Grundlagen des jüdischen Lebens erschüttert. Ich konnte beobachten, wie in den Vereinigten Staaten eine Hitler-Bewegung entsteht und sich entfaltet. Bei alledem ist nirgends eine jüdische Einheitsbewegung bemerkbar, die das jüdische Volk zusammenkitten soll. Die jüdische Arbeiterorganisation Histadruth bildet faktisch die jüdische Regierung in Palästina. Wir haben darum das" Recht, von ihr und ihren Anhängern Mäßigkeit und Toleranz zu fordern. Das jüdische Volk erwartet von der Histadruth, daß sie die Würde einer verantwortlichen Regierung wahrt. Aber auch von den Revisionisten hat das jüdische Volk Recht zu fordern, daß sie mehr Mäßigkeit und Überlegenheit an den Tag legen. In Amerika, schloß Dr. Stephen S. Wise, nähert sich der Gedanke einer jüdischen Einheitsfront der Verwirklichung; wir sind hierin im letzten Jahre weiter gekommen. Auch in der Judenfrage zeigt der Nationalsozialismus . ein doppeltes Gesicht. Auf Vorhalte aus dem Ausland antwortete er, daß es sich lediglich darum handle, die „jüdische Überfremdung“ auf dem Geibiete der Wirtschaft, der freien Berufe und der Kunst zurückzudrängen; in seiner sonstigen Propaganda sind die Juden eine minderwertige, verbrecherische Rasse, die vernichtet werden muß. Die Zugehörigkeit zum Judentum an sich wird für den Einzelnen unter Strafe gestellt. Die Volksseele ist für die Verbreitung solcher Thesen sehr empfänglich und dort, wo ihr Gewöhnung, Erziehung oder eigene Erfahrung das Nachdenken aufzwingt, sorgt ein virtuoser „Aufklärungs“apparat, hinter dem sich die ganze Macht des Staates aufbaut, für gehorsame Befolgung aller vorgeschriebener Quälereien. Und wenn in einem Staat wiie dem deutschen die Verfemung einer ganzen Menschenschichte den amtlichen Stempel trägt, wenn für Generationen hinaus das gesamte Erziehungswesen von diesem Haßbrunnen tief vergiftet wird, so wirkt das auch über die Grenzen Deutschlands hinaus. Überall gibt es Unzufriedene, aus der Bahn geworfene, Nichtarrivierte, überall gibt es beschäftigungslose Jugend, und für sie ist der Judenhaß, die Lehre von der Erbschuld der Juden an allem Ungemach, das am ersten und am leichtesten erfaßbare Thema. Sie greift begierig nach dieser Lehre, die sich als Wissenschaft gibt, und die den halbflüggen jungen Menschen dort packt, wo er am empfindlichsten ist: bei seinem romantischen Gefühl für Staat und Vaterland. Es wird ihm eingetrichtert und mit suggestiver Eintönigkeit immer wieder ins Hirn getropft, daß „die Juden“, seit sie leben, das Verderben der Menschheit bedeuten; sie seien Ritualmörder, Wirtschaftszerstörer, des Empfindens für Ehre, für Autorität bar, streben die Herrschaft über die Welt an, um sich der Früchte der Arbeit zu bemächtigen. Daraus ergebe sich', daß sie in keinem Staat selbstlose Liebe zur Gemeinschaft, den Patriotismus aufbringen und deshalb sei der Kampf gegeh sie ein Gebot der Selbeterhaltung. Es ist nun Tatsache, die hundertfach zu belegen ist, daß die Verbreiter dieser Haßgedanken seit je kriminelle Individuen gewesen sind. Das ist ja eine Selbstvenständ« liohkeit. Denn da noch niemals irgend ein der jüdischen Gemeinschaft gemachter Vorwurf bewiesen werden konnte, so mußte mit Lüge und Fälschung gearbeitet werden. Din Gegenschritte, die von den Juden unternommen wurden, wendeten sich stets gegen' die falschen Behauptungen. Aber da diel Erfinder dieser Greuelmärchen, vom Ritualmord und der Hostienschändung angefangen bis zu den Weisen von Zion, genau wußten, daß sie gelogen hatten, und da ihnen für ihre Tätigkeit immer riesige Geldmittel, oft auch der staatliche Apparat zun Verfügung standen, so ging der Gegenbeweis ins Leere. Das einzige Mittel, die Vorkämpfer und Vorredner des Judenhasses auf ihre sittliche Beschaffenheit, auf ihr sonstiges Tun und Treiben zu beobachten, wurde nicht angewendet. Unsummen wurden von jüdischer Seite für Broschüren, für, Schriften und dicke Bücher ausgegeben, in denen mit viel Fleiß und Präzision die Lüge festgestellt wurde, aber außer Juden haben nur sehr, sehr wenige Nichtjuden diese Druckschriften gelesen. Man hat sich wissenschaftlich mit Rohling, mit Dinter, k | Für unsere Leser nur: Neudegger Fahrschulen Wien, VIII., Neudeggerg. 18 M B 46-5-72 und Inxcrsdorf (Nieder-Öslerreich) Prüfungserleichterung durch:.!! Laufendes Auto im Lehrsaal H