Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 374 (31.7.1934)
- Date
- 1934-07-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054070-3054128--4390-3060004- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 374 — 31. .Tüll 1934 DIE STIMME Seite 5 Bie Zertilikatsvertellung auf die einzelnen Linder Jerusalem (Palcor). Die Arbeiter-Zertifikate, die die Exekutive der Jewish Agency für das laufende Halbjahr, endend mit dem 1. Oktober 1984, erhalten hat, sind auf die einzelnen Länder in folgender Weiße verteilt worden: Deutschland 1202 Zertifikate, darunter 400 für Verwandte und 25 für Spezialfachleute für die palästinensische Industrie; Polen 1086, darunter 400 für Verwandte und 126 für industrielle Facharbeiter; Rumänien 157; Litauen 113; Lettland 64; 'Tschechoslowakei 43; Österreich 61; Bulgarien 20; Ungarn 12; Belgien 18; Frankreich 35; Danzig 5; Estland 5; Jugoslawien 16; Saloniki 40; Vereinigte Staaten 38; Holland 23; Ägypten 39; England 6; Portugal 3; Südafrika 5; Sowjetrußland 35; Jemen 150; Irak 27; Persien 12; Türkei 32; Syrien 17; Tripolis 10;. Karpatorußland 35; Schweiz 10; Finnland 3; Schweden 6; Italien 10; Kanada 5; Rio de Janeiro 6; Buenos Aires 12; Montevideo 4; Santiago 3; Havanna 6; Mexiko 3; Melbourne 2; Charbin 4; Shanghai 2; für Hafenarbeiter aus Saloniki 70; russische Flüchtlinge 50; außerordentliche Fälle 155. Von den 185 Frauenzertifikaten hat Deutschland 80 erhalten, die restlichen 105 gingen in die anderen Länder. Insgc samt sind jetzt 3920 Zertifikate verteilt worden. Rechnet man die 1230 Zertifikate hinzu, die im Monat März im Voraus ver teilt worden sind, so sind durch die Jewish Agency im laufenden Halbjahr 5150 Zertifikate verteilt worden. ,TrÄnSE GRABEN-KELLf RD'e S7Berbp"iä,Hn.rp"' Sie essen aufwärts vorzüglich LONDON MELDET: Grolles Palästina-Meeting In London der Psychiatrische Lehrkanzel an Universität Jerusalem Tel-Aviv. Vor-einigen Monaten wurde der bekannte Wiener Psychiater und frühere Leiter der neurologischen Abteilung am Krankenhaus der Gemeinde Wien in Lainz, Universitätsprofessor Dr. Martin P a p p e n h e i m, nach Tel-Aviv berufen, wo er gegenwärtig seine Praxis als* Privatarzt ausübt Nunmehr wird geplant''an :üer Universität, Jerusalem eine psychiatrische Lehrkanzel zu schaffen, die Professor Pappenheim übertragen werden soll. : Spaltung im Misraehi Jerusalem (Palcor), Eine Gruppe führender Mitglieder des Misraohi veröffentlicht' eine Erklärung über die Gründung einer neuen Misrachi-Örganisation, die den Namen „Der alte Misraehi** liihien wird. In der Erklärung wird festgestellt, daß schon seit Jahren in weiten Kreisen des Misraehi in und außerhalb Palästinas starke und ätändig wachsende Unzufriedenheit mit der Tätigkeit der Gesamtleitung des Misraehi herrscht, die die Misraohi-Bewegung zu sclnveron inneren und äußeren Niederlagen geführt hat. Der Misraehi in Deusehland hat infolgedessen bereits vor einiger Zeit seine .Verbindung mit der Gesamtleitung des Misrachi gelöst und sich selbständig erklärt. Die Leitung des Misraehi, so heißt es in dor Erklärung, .führe eine Politik, die schließlich zur völligen Isolierung des Misraehi und sogar zu seinem Austritt aus der Knesset Israel fuhren .wird. Die neue Organisation, „Der alte Misraohi**, wird, wio sie in ihror Programmerklärung sagt, die religiösen Fragen beim Aufbau Palästinas höher stellen als die politischen Fragen, sie wird sfeh bemühen, mit allen konstruktiven Kräften im Judentum und im Zionismus zusammenzuarbeiten, wird die Tätigkeit für die zionistischen B’cnds verstärken, in enger Verbindung mit dem „Hapoel Hamisrachi“ stehen und ihn aktiv fördern. Die Gründer dos „alten Misraehi“ sind die bekannten langjährigen Misrachiführer und -mitarbeiter: Prof. H. Pick (ehemaliger Vertreter dos Misraehi in der Zionistischen Exekutive), Raw David Hakohen K o o k, Raw S, W i n o g r ad, Raw S. A s s a f, Raw M. O s t r o w b k i, Raw J. B e r m a n n, Hermann Struck, Dr. A. Barth (Kougreßanwalt der Zionistischen Organisation), und Dr. O. W o 1 f s b e r g. London, Ende Juli. Im Mai hatte eine aus Vertretern aller Partoien des englischen Unterhauses zusammengesetzte Studienkommission unter der Führung von Herrn und Frau Barnett Jänner Palästina besucht. Vergangenen Dienstag fand nun ein Massenmeeting im Londoner Judenviertel statt, bei dem die Mitglieder dieser Studienkommission Be rieht erstatteten. Als Vertreter der veranstaltenden Londoner Zionistischen Föderation leitete und begrüßte diese aue allen Teilen der jüdischen Bevölkerung besuchte Versammlung Mr. Paul Goodmann. Er hob die besondere Situation dee jüdischen Volkes in den Tagen hervor, da es genau 30 Jahre nach dem Tode Herzls ist, jenes Mannes, der vor 34 Jahren im gleichen Saal zuih erstenmal der Londoner, jüdischen Bevölkerung sein Palästina-, sein Judenstaatsprojekt vorgelegt hat. Dann sprach der konservative Abgeord nete Capt. Strickland in knappen, aber sehr eindrucksvollen Worten über den tiefen Eindruck, den das Palästina von heute auf ihn gemacht hat, nachdem er es zuletzt in Kriegszeiten in seiner militärischen Eigenschaft kennengelernt hatte. Er sprach von dem leider nur sehr geringen englischen Einfluß auf die Entwicklung des Landes, man höre sehr wenig englisch sprechen, dann von den großen Problemen, die sich aus der langsamen Verschmelzung der aus den verschiedensten Teilen der Welt zurückkehrenden Juden ergeben. Begeistert sprach Capt. Strickland von der Arbeitsbereitwilligkeit aller Juden, die ins Land kommen und stets freundlich und zufrieden ihren Berufen nachgehen. Diese Immigration habe der arabischen Bevölkerung nur Vor t eil e gebracht. Die Ausführungen Strickiands .fanden begeisterten Beifall* Der liberale Abgeordnete S u m m e r s b y gab in eindringlichen Worten den tiefen Eindruck wieder, den das neue Palästina, das zukunfts versprechend ist, auf ihn gemacht hat. Abgeordneter Major Proctor-von der Labour Partei hielt .eine begeisterte Rede für das jüdische Palästina. Der Araber könne und dürfe die Entwicklung des jüdischen Nationalheimes nicht hindern. Das Land schreie nach neuer Einwanderung. Heute können 20.000 jüdische Arbeiter im Lande Arbeit finden, und er werde gemeinsam mit seinen Freunden bei den anderen Parteien für eine Öffnung der Tore Palästinas für jüdische Arbeiter eintreten. Die allzu große Rücksichtnahme auf die Araber sei unberechtigt, denn England habe es übernommen, aus Palästina ein jüdische« Na tionalheim zu machen. Aber alle Schwierigkeiten können am Ende nur dann überwunden werden und das Judentum werde nur dann den vollen Sieg erringen, wenn es innerlich einig werde. Als letzter sprach Barnett Jänner. Er genießt im Parlament ein ganz großes Ansehen. Er steht der zionistischen Exekutive stet« gerne zur Verfügung und seine politische Tätigkeit wird überall anerkannt. Nur die wenigen kommunistischen Jünglinge, die sich gerade oei jüdischen Meetings hervortun, versuchten .ge rade bei der Rede des jüdischen Abgeordneten einen Mißton in die Begeisterung der Versammlung hineinzu tragen. Mr. Jänner rechnete sehr entschieden mit diesen Schädlingen des Judentums ab und berichtete dann über seine tiefen Erlebnisse, die sein erster Besuch Palästinas ihm gebracht habe, und daß er, da er weiß, daß in England die Sprache Withechapels bei der Beurteilung der jüdischen Fragen entscheidend ist, für eine große und einheitliche jüdische Organisation Jlntrete. Der Vertreter der Executive, Prof, Bro detzky, mahnte vor allem zur Einigkeit im eigenen Lager und beschwor dabei besonders auch seine engeren Gesinnungsgenossen von der Poale-Zion, doch endlich mit dem Bruderkrieg aufzuhören, wenn nicht das ganze Werk gestört werden soll. Prof. Brodetzky benützte auch die Ge legenheit, um auf die an diesem Tage vom Spezialberichterstatter in der „Time s“ dem Zionismus gemachten Vorwürfe zu entkräften. Der Berichterstatter der „Times“ irre sich, wenn er meine, daß höchstens zehntausende, aber nicht hunderttausende voii Juden ins Land kommen sollen. . Die Juden, werden-sp. viel ,Juden nach Palästina schicken, als si e w oll en un d lc ö nne n. Noch ein zweiter% „Irrtum“ sei dem „Times“-Berichtersfcatter unterlaufen. Er meint, da die Araber nicht so rasch vorwärts kommen können, müsse auch die Einwanderung der Juden mit diesen langsamen Fortschritten in Einklang gebracht werden. „Wir werden uns“, -sagte zum Schluß Prof. Brodetzky, „nie und nimmer das Tempo der Aufbauarbeit unserer Heimat vorschreiben lassen So rasch und so gut, als irgend möglich, wollen und werden wir Erez Israel aufbauen.“ Mit der Absingung der „Hatikwah“ und des „God save the King“ endete diese bemerkenswerte Massenversammlung im Londoner East-End. b. r. Die in letzter Zeit immer wicderkehrende’4 Gerüchte über die bevorstehende Erricin tung eines Legislative Council (Gin [.getzgebender Rat) in Palästina haben in dee Mitteilung einer Jerusalemer Zeitung festere; Form angenommen. In dieser Veröffen*n Iichung wird der angebliche Plait über die Einsetzung der gesetzgebenden Körperschaft dargelegt, den der High Cooh missioner bei seinem jetzigen Aufenthalt in' England — Sir Arthur W a u c h o p e ist am 21. Juli abends in England eingetroffeu mit dem Minister für die Kolonien Sir Philipp Cunliffe-Lister und anderen ständigen Beamten des Colonial Office erörtern will. Im September soll dann eine offizielle Verlautbarung der Palästina-: Regierung Über den Legislative Council erfolgen. Wie die Zeitung weiter zu melden weiß, soll sich der Rat aus 20 Mitgliedern zusammensetzen. Den Vorsitz wird der High Commissioner führen. Acht Sitze sollen den Mohammedanern, vier bis sechs den Juden, zwei den Christen unrl vier den englischen Leitern der Regierungs- Departements eingeräumt werden. Sämtliche Mitglieder des Rates werden ernannt, nicht gewählt werden. Die Funktion der Körperschaft soll eine rein beratende, keineswegs gesetzgebende sein. Bekanntlich setzt die jüdische Bevölke-: rung der Errichtung eines Legislative Coun-: eil energischen Widerstand entgegen, während sie von den Arabern als erster Schritt zur Selbstregierung und zu einem „freien arabischen Palästina“ hingenommen wird. Grundsteinlegung zu Kirfath Bialik Haifa, 25. Juli. In Gegenwart des arabischen Bürgermeisters von Haifa, von Vertretern des Dietriktskommifisars für den Nord-Distrikt und zahlreicher jüdischer Institutionen fand auf dem Gelände des . jüdischen National* fonds an der Haifa-Bucht die Grundsteinlegung zu dem neuen Wohnviertel für Siedler aus Deutschland statt, das zum An-, denken an Chaim Nachman Bialik „Kirj a t h B i a 1 i k“ benannt wird. Zunächst werden mit eigenem Kapital der Siedler und mit Hilfe von Darlehen der südafrikanisch-palästinensischen „Binjan Corporation“ hundert Siedlung«* h ä u s e r errichtet. In jedes jüdische Haus „Die Stimme“ Im Unterhaus fragte Captain Strickland den Kolonienminister, ob die 600 gelernten Arbeiter, die demnächst für bestimmte Gewerbe- und Handwerkszweige zur Einreise nach Palästina zugelassen werden sollen, außerhalb der vorher für das Halbjahr bestimmten Z e r t i f ikate-Quote bleiben sollen. Der Kolonienminister antwortete, diese 500 geschulten Personen fielen nicht in die Kategorie der Arbeiter-Einwanderer; ihre Einwanderung habe daher auf die Halbjahrsquote der Arbeiter-Einwanderungszertifikate keinen Einfluß. Captain Strickland fragte weiter, ob er im Hinblick darauf, daß der Bericht des Landwirtschaftsdepartements der Palästinaregierung für Juni 1934 Uber die Erntoaussichten Arbeitermangel besonders in den Dörfern der Ebene und an den Hügelabhängen in dem ausgesprochen arabischen Distrikt Gaza-Meschde! feststellt, der auch durch die Zuwanderung von Beduinen aus der Sinai-Halbinsel nicht behoben wird, von Sip Philip Cunliffe-Lister antwortete, er habe den erwähnten Bericht nicht erhalten, würde aber die Feststellung von Arbeitermangel in einem einzelnen Dorf oder Distrikt nicht als ein Anzeichen für die Unzuverlässigkeit der Arbeitslosenstatistik' für ganz Palästina betrachten, derzufolge es Ende April d. J. 14.000 arbeitslose Araber gab. In den letzten Jahren seien verschiedene Maßnahmen getroffen worden, um das System der Sammlung statistischer Daten zu verbessern; jetzt habe man die Errichtung eines statistischen Zentralbüros vorbereitet und man hoffe, durch dieses mit der Zeit genauere Statistiken über Arbeitslosigkeit und andere Gebiete erhalten zu können. Vortrag über Palästina. Hans Ambor, Haifa, ehrenamtlicher Vertreter der Wiener Handelskammer, spricht Mittwoch) den 1. August 1034, halb 9 Uhr abends, ] im separierten Garten des I. Kaffeehauder Art befriedigt sei, wie die Statistik übers es, Prater, Hauptallee, über das Thema: die Arbeitslosigkeit unter den Arabern „Gewerbe, Industrie und Handel in Palästina.“ Palästinas geführt wird, Gäste willkommen, Unterhaus-Anfrage über das Stavsky-Urfell London, 27. Juli. Im Unterhaus fragte Abg. Wedgwood den Kolonieummieter, ob die Verhandlungen im Statsky-Prozeß einschließlich des Urteils des Obersten Gerichte« durch den Rechtskonsulenten des Colonial Office geprüft werden würden. Der Minister ant* wortete, er habe zu seiner am 14. Juli er* teilten Antwort (in der er mitteilte, daß der Prozeßbericht nach seinem Eintreffen von den Rechtsberatern des Colonial Office durchgesehen werden würde, jedoch nicht zum Zweck einer Revision der gerichtlichen Entscheidung, zu der der Minister nicht befugt sei) nichts hinzuzufügen. Abg. Wedgwood fragte weiter, ob nicht mit Rücksicht darauf, daß der Vorsitzende bemerkte, vor einem englischen Gericht wäre Stavsky schuldigbefunden worden, die Durchsicht des Falles durch den Rechtsberater des Ministers angezeigt wäre. Sir Philipp Ciuiliffe-Litster erwiderte, er habe in der erwähnten Antwort auseiuanderg'esetztf, welche Funktionen dem Colonial Office zustünden. Er sei vollkommen überzeugt, daß es für ihn höchst u nu u gebracht wäre, das Urteil irgendwie zu kommentieren. Abg. Wedgwood: „Wenn es auch für den Minister unangebracht sein sollte, einen Kommentar zu dem Fall zu geben, wäre es nicht wünschenswert, daß der Fall von einem juristisch geschulten, in englischer Reohtspraxiß geschulten Kopf überprüft wird?“ Der Kolonialminister. „Pas ist wohl eine tadelnde Bemerkung gegen den Oberrichter, der den Vorsitz in dem Prozeß führte»“