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Die Stimme · 1934-07-31 · Heft 374 (31.7.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 374 (31.7.1934)
Date
1934-07-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 374 -* 31. Jul! 1331 achtlos Vorbeigehen. Da die Organisationsfragen weder an die Phantasie noch an die schleppungetaktik betrieben wurde, und daß die Abstimmungen schließlich immer vor halbleeren Bänken vor sich gingen. Ich möchte aiber noch deutlicher werden: E«- ist nach meiner Meinung nicht zu billigen, daß Angestellte der Fonde Delegierte sein dürfen. Man darf Beamte nicht in Gewissenskonflikte bringen. Gerade wer die Beibehaltung einer echten Demokratie verlangt, muß dieser Forderung beipflichten. Zur Schekelfrage begnügt sich das Organisationsdepartement damit, daß es meinen Standpunkt von der Unhaltbarkeit des derzeitigen Zustandes teilt und auf die vergeblichen Versuche zur Einführung des Zwedjahrschekels verweist. Es kann aus sieb I heraus auch nichts durchsetzen. Meine Vorwürfe richten sich aber an alle Parteien, ausgenommen die Allgemeinen Zionisten. In erster Linie mögen sich die Führer der Arbeiterpartei um einen klaren, positiven Beschluß ihrer Partei bemühen. Dann ist die Reform des Schekelwahlrechts Gewißheit. Zur Frage des „Territorialverbandes“ verweise ich darauf, daß in jedem Land ein zionistischer Landesverband besteht, der ideologisch anders gerichtete Gruppen als Sondervereinigungen aufnehmen kann, die sich jener freiwilligen Disziplin fügen, der sich die Allgemeinen Zionisten im Landesverband fügen. Mehr wird nicht verlangt. Diese von mir vertretene Ansicht setzt sich in Österreich langsam durch, und so kann eine mächtige Landesorganisation geschaffen werden, deren Teilorganisationen ihre gesonderte, unbeeinflußte Existenz führen und doch gemeinsam arbeiten. Macht man | Für den Frieden in der i Zionistischen Bewegung | Warschau, 27. Juli. Die Leitung des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten hat die außerordentliche Weltkonferenz, deren Abhaltung zwecks Wiederherstellung des inneren Friedens in •der Zionistischen Organisation vor etwa einem Monat angekündigt worden ist, für den 26. und 27. August nach Krakau einberufen. Mit der'Frage der Befriedung der Zionistischen Organisation wird sich auch die Tagung des Zentralrate des Misrachi-Weltverbandes, die am 22. August, knapp vor der Konferenz der Allgemeinen Zionisten, in Lemberg stattfindet, befassen. Ale Mittel für die Wiederherstellung dee Friedens innerhalb der Zionistischen Organisation bat der Vorsitzende des Misrachi-Weltyerbandes, Rabbi Meir, Berlin, in einer vor einiger Zeit der ITA übergebenen Erklärung, die Schaffung einer Koalitionsexekutdve der Zionistischen Weltorganisation bezeichnet., So lange es nicht eine Exekutive gebe, die Vertreter aller zionistischen Gruppen umfaßt, erklärte Rabbi Meir, gebe es keine Hoffnung auf eine Besserung der Lage, weder in Bezug auf die zionistischen Fonds, Aus der jüdischen Presse es aber so, wie am XVIII. Kongreß, dann erschlägt man die Idee des Territorialverbandes. für die es übrigens mit Rücksicht auf die verschiedenen Verhältnisse in den einzelnen Ländern eine Btarre Schablone nicht schaffen soll. Am XVIII. Kongreß wurde der poale-zionistieche Antrag zu Fall gebracht, weil er die' Zertrümmerung der bestehenden Landesverbände zur Folge gehabt hätte. Die Vorwürfe vorstehenden Briefes über das Unverständnis breiter Kreise gegenüber Organisationsfragen, können den Zionistischen Landesverband für Österreich nicht treffen, der für diese Fragen Verständnis bewiesen bat und keine fakfciöse Opposition kennt. Wenn sieb das Organisationsdepartement aber über die bedauerliche Stellung weiter Kreise zur derzeitigen Exekutive beklage, so wären Vorwürfe zunächst an jene Kreise zu richten, die am letzten Kongreß die Bildung einer Exekutive auf einer breiter Basis verhindert haben. Nach meiner Ansicht müßte womöglich jede Exekutive aus Vertretern aller, unbedingt zur Organisation stehenden Parteien zusammengesetzt sein. Diese Frage habe ich aber nicht zur Diskussion gestellt und ihre Verquickung mit reinen Organisationsfragen wäre unzweckmäßig. Mein Artikel hatte den Zweck, die Organisation zu popularisieren. Dieser Zweck wird erreicht und die Reform verwirklicht werden, wenn ihre Notwendigkeit von den Massen erfaßt wird, und wenn sie einsehen, daß das Wohl der Weltorganisation dom Parteiprestige vorangehrn muß. noch hin.-i'! h*r politischen Angelegenheiten. « Berliner Staatszionisten für Beendigung des Bruderkampfes Berlin, 27. Juli. Anläßlich der Freisprechung Abraham Stavskys veranstalteten die Berliner Staatezionisten (Vereinigte Revisionisten) eine Kundgebung, in der der vor kurzem aus Palästina zurückgekehrte Vizepräsident der Staatszionistischen Organisation, Adolf Hirschfe'dt, Dr. Justus Schloß und Ernst H a m b u rge r die Bedeutung des Jerusalemer Urteils kennzeichneten und einmütig dem Wunsch Ausdruck gaben, daß der Parteikampf in Zukunft mit Methoden geführt werde, wie sie sich für Gruppen ziemen, d i e b e i a 116 r Verschiedenheit der weltanschaulichen Einstellung letzten Endes doch dasselbe erstreben. Der Bruderkampf müsse nun zu Ende sein. Hirschfeldt erklärte, das zwiespältige Urteil zeige die Tendenz Englands, den innerjüdischen Parte ikampf ebensowenig zur Ruhe kommen zu lassen, wie den Kampf zwischen Arabern und Juden. primitiven Instinkte der Masse appellieren, sondern sich an den nüchternen Verstand und das Sozialbewußtsein wenden, werden sie für trocken und kleinlich angesehen und entsprechend behandelt. Diese überlegene Beziehung zu den Fragen, die mit Unrecht für unwesentlich betrachtet werden und von denen in Wirklichkeit, die Existenz unserer Organisation abhängt, kann sich katastrophal auswirken. Der bisherigen Vernachlässigung der Probleme, die mit der Gestaltung unserer organisatorischen Verhältnisse und der Struktur unserer Bewegung Zusammenhängen, muß ein Ende bereitet werden. Aus diesen Gründen würden auch wir es begrüßen, wenn die besten Männer aus allen Kreisen und Parteien sich zusammenfinden ■würden, um gemeinsam mit uns an der Lösung der brennenden inneren Fragen mitzuwirken und ihren Einfluß auf ihre Partei in der Richtung einer positiven Stellungnahme zur Neugestaltung der Organisation ausüben. V. Ein übertriebener Pessimismus ist nicht am Platze. Aber es ist klar, daß mit einer Festigung der organisatorischen Grundlagen allein eine radikale Änderung der Zustände der Bewegung nicht bewirkt werden kann. Parallel mit den Maßnahmen, die hier erörtert werden, müssen ehrliche Bemühungen unternommen werden, um eine Pazifizierung der Bewegung herbeizuführen und durch den Einfluß der besten Elemente unter den Parteien die I geistigen Voraussetzungen für die Annahme von Reformvorschlägen zu schaffen, nämlich: Sorge um die Einheit und Schlagkraft der von Herzl geschaffenen Organisation, Loyalität gegenüber ihren Gesetzen und Organen, Schutz ihres ' demokratischen Charakters, Wahrung ihrer moralischen Integrität, Unterordnung von Sonderbestrebungen unter die Interessen der Gesamtheit, gerechte Verteilung der Rechte und Pflichten innerhalb der Organisation, Sicherung von Bedingungen für eine von gegenseitigen Vertrauen getragenen Zusammenarbeit. Dies sind die wichtigsten Prinzipien, die nach unserer Überzeugung den konkreten Reformplänen zugrundiiegen sollen, von denen eine Neugestaltung der Organisation! abhängt. Organisationsdepartement ] der Exekutive Dr. Leo Lauterbach. London, 20. Juli 1934. Zu diesen Ausführungen des Organisationsdepartements der Exekutive äußert sich Herr Dr. Oskar Grünbaum wie folgt: loh behalte mir eine erschöpfende Entgegnung vor. Heute soll nur einiges beantwortet werden. Das Organisationsdeparte* ment verweist mit Recht auf die beschämende Tatsache, daß Vertraulichkeit und Diskretion in der Zionistischen Organisation unbekannte Begriffe zu sein scheinen. Ich meine aber, daß man diese leider nur zu bekannte Tatsache nicht ruhig als gegeben hinnehmen soll. Auch hier muß politische Erziehungsarbeit geleistet werden. Das Organisationsdepartement bringt eine Statistik der gefaßten Beschlüsse und gibt sogar die Zahl der Druckseiten an. Interessanter wäre eine Statistik über folgende Umstände: 1. Wie viel von diesen Beschlüssen werden ausgeführt? 2. Wie viel Zeit verging vom Beginn ihrer Beratung bis m ihrer Beschlußfassung. 3. Wäre die exakte Beantwortung dieser Fragen möglich, würde man über die ungeheure Verschwendung von Mühe und Zeit erschrecken. Ich kann es verstehen, daß das O.gamsationsdepartement sich zu dem von mir erhobenen Vorwurf nicht äußern w-ill, daß bei den letzten Kongressen mit Erfolg sog parteipolitischen Gründen .eine Verlitt „Novl Dzennlh“ (Krakau) schreibt L. Lewite, der Vorsitzende der polnisck-palästinensichen Handelskammer, über „Licht- und Schattenseiten der Wirtschaft Palästinas“ u. a.: Die ungesunde Erscheinung, daß neue Emigranten sich meistens auf die Städte konzentrieren, läßt sich zum Teil mit dem Mangel an einer ernsten Parzellierungsgesellschaft, durch*die man kleine Parzellen erwerben könnte, erklären... Obwohl im Bankwesen ein großer Fortschritt zu verzeichnen ist, so würde noch eine größere Industriebank, die billige langjährige Kredite gewähren würde, von großem Nutzen sein, Dasselbe bezieht sich auch auf eine Agrarbank... Es gibt leider im Lande keine autoritative wirtschaftliche Instanz, keine leitende Hand, die einen wirtschaftlichen Plan ausarbeiten würde. Man müßte in der nächsten Zukunft einen Wirtschaftsrat ins Leben rufen, der cats Experten ohne Rücksicht auf deren Parteizugehörigkeit zusammengesetzt sein und über ein entsprechendes Budget verfügen sollte... „Df« Zionistische Woche“ (Lemberg) bringt einen Artikel von Dr. F. Rottenstreich, in welchem es u. o, heißt' Eine derartige Zerklüftung, wie unter den Juden Palästinas, sieht man nicht in den Golus-TAndern. Alles ist dort Parteisacke, nicht nur Politik. Das Recht auf Arbeit hat nur der, welcher einer Partei oder Organisation angehört, die die Arbeit monopolisiert. Für jede Partei hat Palästina nur so viel Interesse, als seine Entwicklung den Wünschen dieser Partei entspricht. Wer respektiert ein Volk, welches sein Land bauen wiU und dessen Parteien mörderisch darum kämpfen, wie es gebaut werden sollt Kann man ein Volk achten, wenn mm sieht, daß Juden Araber beschäftigen, obwohl sie wissen, daß Palästina nur dann jüdisch wird, wen Juden dort arbeiten werden. Es wir unsere Schuld sein, wenn man uns den Vorwurf macht, daß wir nicht würdig sind, ein eigenes Land zu besitzen. Eine größere Schuld als den herrschenden Parteien trifft die allgemeinen Zionisten. Wir haben auf den Kongressen zu wenig Mut bewiesen und uns der Parteiwirtschaft nicht genügend stark entgegengestellt. Wir sind öott sei Dank keine Partei, wir sind an dem verbrecherischen Bruderkampfe nicht schuldig und deshalb haben wir das Recht, aufzutreten. Wir allgemeinen Zionisten haben die, PfUchtt mit einem Manifest an die zionistische Welt hervorzutreten, wir müssen an- Hagen und zur Einstellung des Bruderkampfes auffordern, der unsere Heimstätte, bedroht. „Bor Huf“ (Krakau) schreibt zur Frage der jüdischen Arbeit: Es gibt für uns keinen anderen Ausweg als die unbedingte Verwirklichung des Awodah-lwritk-Prinzipes... Wir sind uns der Schwere dieses Problems bewußt, und nur der Glaube an die nationale Einstellung beider Volksteile kam den Weg zum erwarteten Ausgleich bahnen. Zu diesem Zwecke muß die nationale Wirtschafts- und Arbitrage-Instanz geschaffen werden, die die rationale Grenze zwischen den Forderungen des Kapitals und den des Arbeiters festzustellen haben wird... Den Konflikt zwischen dem jüdischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer kann nur der Einfluß des allgemeinen Zionismus lösen, weil nur er entsprechend seinem Programme, die Rechte des Arbeiters und die des privaten Kapitals vom Standpunkte und den Bedürfnissen des nationalen Aufbaues zu schützen, sich bemüht. Auch diese Frage ist mit eine Ursache, die die Lebensnot h-endigkeit eines starken allgemeinen Zionismus und eines starken Weltverbandes unserer Bewegung begründet. PALÄSTINA MELDET: 36S-ooo Juden in Palästina j * Jerusalem, 19. Juli. Laut Mitteilung des Statistischen Büros der Jewish Agency in Jerusalem betrug die Zahl der in Palästina lebenden Juden am 1. Juli 1934 rund 265.000 Seelen gegenüber 209.000 Seelen im Juli 1933. Demnach hat sich die Zahl der Juden in Palästina im Verlauf eines Jahres um 56.000 Seelen vermehrt. Während der letzten von der Palästinaregierung im November 1931 durchgeführten Volkszählung lebten damals in Palästina 474.610 jüdische Seelen. Demnach hat sich der jüdische Jischuw im Verlauf von 2A Jahren um 90.000 Seelen vermehrt. Die Zahl der nichtjüdischen Bevölkerung in Palästina am 1. Juli 1934 wird vom Star tistischen Büro der Jewish Agency auf 920.600 Seelen geschätzt, davon sind 809.600 Moslems (unter ihnen 60.600 Beduinen), 100.000 Christen und 11.000 Angehörige anderer Konfessionen. Der Prozentsatz des jüdischen Jischuw machte am 1. Juli 1934 23*8 Prozent der Gesamtbeyölkerung des Landes aus. Rechnet man auch die Beduinen und die Durchwanderer mit, so bildeten die Juden 22*4 Prozent der Gesamtbevölkerung. Am 1. Juli 1933 machten die Juden 20 Prozent der allgemeinen Bevölkerung aus. Im November 1931, zur Zeit der Volkszählung, betrug der Prozentsatz der Juden 18*1. Somit ist der Prozentsatz der Juden unter der Gesamtbevölkerung im Verlauf von 2*A Jahren um 5’5 Prozent gestiegen. Nach den offiziellen Ziffern der Palästinaregierung kamen in den ersten vier Monaten 1934, das heißt bis 1. Mai, 9552 Touristen ins Land, in der gleichen Zeit wandelten 6119 Touristen ab. Somit blieben im Verlauf dieser vier Monate 3483 Touristen im Lande. Nach Mitteilungen der Regierung verteilen sich die Einwanderer der ersten vier Monate 1934 auf die Herkunftsländer wie folgt: aus Polen kamen 4734, aus Deutschland 2381, aus Rumänien 554, aus Griechen* land 420, aus Litauen 342, aus Amerika 245, aus dem Yemen 561, aus England 99 Juden nach Palästina. 33 eingewanderte Frauen im Gefängnis Jerusalem, 27. Juli 32 jüdische Frauen, die der illegalen Einwanderung beschuldigt werden, schmachten im Frauengefängnis zu Bethlehem. Sie klagen, daß sie gezwungen sind, auf steinernem Fußboden zu schlafen, die ihnen gereichte Nahrung ist ungenießbar. In dem für 00 Gefangene eingerichteten Gefängnis sind jetzt über 100 Frauenhäftlinge untergebvaoht. Die Palästina-Presse beklagt das Schicksal der jüdischen Frauen, deren einziges Verbrechen darin best.ht, daß sie zu ihren FarailieainPaläetina wollten,

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