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Die Stimme · 1934-07-31 · Heft 374 (31.7.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 374 (31.7.1934)
Date
1934-07-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 374 - nt. Juli 1034 Besuchet Eminsers rrareBnmm fern! Österreich, glaubten weite Kreise, die | jüdischen Studenten aus den allgemeinen nicht auf den Nationalsozialismus einge- Zeichensillen entfernt wurden und man schworen waren, sich die Rosinen aus dem nationalsozialistischen Kuchen holen zu können. Diese Rosinen bestanden, wie nicht anders zu erwarten, in der Rezeption von Hitlers Judenprogramm. Die Halbgebildeten, die wirtschaftlich und politisch Gestrandeten brüllten ihr: Juda verrecke! Aber auch ernstzunehmende Kreise bliesen gewaltig ins antisemitische Horn, well sie glaubten, dadurch die Jugend an sich ketten zu können. Sie haben sich bitter getäuscht. Die Jugend ging mit fliegenden Fahnen in Hitlers Lager über, die stellengierigen Erwachsenen folgten ihnen nach, und Österreich schien bald nur mehr ein Wrack, das rettungslos gegen die braunen Klippen trieb. Tn dieser Not ist Österreich in Dollfuß der Retter entstanden. Er hat das Staatsschiff unbeirrt durch Lockungen, Drohungen und Bomben geführt. Er hat rechtzeitig erkannt, daß der Nationalsozialismus auf keinem Gebiete Wertvolles schaffen kann, daß er jeder Kultur bar ist und zum Chaos führen muß. Der Kampf des Nationalsozialismus gegen die Kirche hat dann Millionen Christen die Augen geöffnet. Der Opfertod des Kanzlers hat die ganze Kulturwelt in höchste Erregung versetzt. Heute ist es Allgemeingut, daß der Ungeist des Nationalsozialismus ausgemerzt werden muß, weil sonst der Untergang Europas nicht zu vermeiden ist. Die nationalsozialistischen Hetzer, die von der jüdischen Weltherrschaft faselten und selbst die ganze Welt unter ihr Joch zwängen wollten, die von der jüdischen Kulturschande faselten und selbst die größten Kulturschänder seit Olims Zeiten sind, sehen sich heute einer Welt gegenüber, die mit Ekel und Abßcheu auf Deutschland blickt. Daß dieser W’elt die Augen erst jetzt aufgehen und nicht schon zur Zeit, da man Juden, weil sie Juden waren, gepeinigt, gefoltert und ins Elend hinausgejagt hat, ist kein Ehrenmal in der Geschichte dieses 'Jahrhunderts. Nun aber ist die Welt dessen gewahr worden, wohin der Nationalsozialismus zwangsläufig führt. Sein Fundament ist der Judenhaß. Die Christen, die bis heute mit dem Nationalsozialismus liebäugelten, sollten das wohl bedenken. Sie müssen am Beispiel Deutschlands sehen, und wenn sie es noch nicht sehen, so werihnen ein spezielles Zeichonzimmer angewiesen hat. Die jüdischen Studenten empfinden deswegen und wegen anderer Drangsalierungen ihre Lage an der Hochschule als unerträglich. Die Studentenvorcinigung ..Union“, der hauptsächlich Juden angehörtcu, wurde von der Leitung deB Technikums ohne Begründung aufgelöst. den eie bald dessen gswahr werden, daß der Antisemitismus der Bumerang ist, der auf den Schützen zürückschnellt und ihn er schlägt Das nationalsozialistische Deutschland wird zugrunde gehen wie Spanien nach dem Jahre 1492, Gedankenträgheit und eingewurzelte Vorurteile können den Judenhaß nicht entschuldigen und schon gar nicht begründen. Auch die christlichen Völker müssen die Lehre ziehen aus dem, was über kurz oder lang Zwischenspiel Hitler heißen wird. Das jüdische Volk verlangt nichts für sich als Gerechtigkeit, und es will daher als gleichwertiges Volk behandelt werden. Wir wollen ruhig und friedlich leben und die anderen Völker friedlich und ruhig wissen. Heute, wo die ganze Welt an einem Wendepunkt angelangt ist, schlägt auch für den Antisemitismus die Entscheidungsstunde. Sie schlägt für das nationalsozialistische Deutschland, das dem Frieden und dem Judentum den Kampf angesagt hat, und dieser Kampf gegen das Judentum wird mit einer Niederlage Deutschlands enden. Daran sollten alle Politiker denken, die Hitlers Juden Programm offen oder verhüllt, brutal oder mit „Kultur“ verbrämt sich zu eigen machen wollen. Hitlers Macht, nach seinen Tiraden und denen seiner Lobhudler für Jahrhunderte aufgerichtet, wird bald zusammenbrechen und Deutschland als Trümmerfeld zurücklassen. Wir Juden sind ein schwaches Volk, aber wir werdon durch Angriffe nicht schwächer, sondern stärker. Wir sind ein ewiges Volk. Warschau, 27. Juli. (Z. T. A.) Der durch die Überschwemmungskatastrophe in Galizien entstandene Schaden wird auf eine Milliarde Zloty geschätzt. davon entfällt mindestens ein Fünftel, also über 200 Millionen Zloty, auf vernichteten jüdischen Besitz. In dem überschwemmten Städtchen Rabka ist der 89jährige jüdische Reserveoffizier Josef Neugasser, nachdem er mehrere Einwohner aus den Fluten gerettet hatte, bei einem neuerlichen Rettungsversuch ertrunken. Er wurde in einem von dor jüdischen Gemeinde gestifteten Ehrengmb beigesetzt. In Sandomierz und Umgebung sind mehr als 100 jüdische Familien durch die Kata Strophe obdach- und mittellos geworden. Etwa 30 jüdische Fruchthändler, Pächter von Obstgärten, die nun durch die Fluten zerstört sind, haben ihr ganzes Vermögen verloren. Jüdische Städtchen, die von der Katastrophe teilweise verschont worden sind, sind ohne jedes Einkommen, da die ruinierte Dorfbevölkerung jetzt ohne jede Kaufkraft ist. So jüdische ToäesopSer Aus sehr vielen Orten treffen verbürgte Nachrichten ein, daß Juden in den Fluten den Tod gefunden haben. Man geht nicht fehl, wenn man die jüdischen Todesopfer der Katastrophe auf ungefähr fünfzig Seelen schätzt. Am schwersten betroffen wurde die jüdische Gemeinde in Nowy Sondz, wo fast alle Häuser des ausschließlich von Juden bewohnten Stadtviertels Uiokla durch die Wellen des Dunajec weggeschwemmt wurden. In dem von Juden bewohnten Städtchen Sztazuzin bei Tarnow wurde die Mehrzahl der Häuser von den Fluten der Weichsel weggeschwemmt. Viele jüdische Städtchen sind wie ausgestorben, alle Chausseen und Wege zu ihnen sind zerstört, der Wiederaufbau wird viel Zeit in Anspruch nehmen müssen. Die Bauernschaft der Umgebung der Städtchen, die einzige Nährquelle für dieselben, ist infolge der Überschwemmung so verarmt, daß der Staat sie bis zur nächstjährigen Ernte wird ernähren müssen. Unter den amtlichen Verzeichnissen von Personen, die sieb Jbei den Rettungsarbeiten hervorgetan und dabei den Tod gefunden haben, befinden sich mehrere Juden, unter ihnen der jüdische Soldat Israel P a 11 e r. 220 Indische Handwerker- Komitees in Polen geschaffen Warschau, 27. Juli. (Z. T. A.) Auf Initiatnve des Vereinigten Komitees für jüdisches Handwerk wurden bis jetzt in der polnischen Provinz insgesamt 220 Komitees z.ur Regelung der Angelegenheiten der jüdischen Handwerker, deren Existenz durch das neue Handwerks-Industriegesetz gefährdet ist, geschaffen. An der Spitze der Komitees stehen Führer angesehener jüdischer Organisationen, die die Handwerker beraten und ihnen, wo dies geht, zu einer Registration in den Handwerkerkammern gemäß den Vorschriften des neuen Gesetzes verhelfen. Vom Danztger Polytechnikum Danzig, 27. Juli. (Z. T. A.) An der Danziger Technischen HochschUie ist eine Art Judenghetto Dr.Perls Klage vor der Gemischten Kommission in Kattowitz Warschau, 27. Juli. (Z. T. A.) Am 24. Juli befaßte sich die unter dem Vorsitz des früheren schweizerischen Bundespräsidenten Calonder in Kattowitz tagende Gemischte Kommissionfür Oberschlesien mit der Klage des deutschen Bürgers Dr. Per 1, früheren Arztes in Hindenburg, Deutsch-Oberschlesien, der nach Übernahme der Macht durch Hitler gezwungen wurde, aus Deutsch-Oberschlesien nach Polen zu flüchten, nachdem Polizei in seine Wohnung eingedrungen war, um ihn zu verhaften und in ein Konzentrationslager zu bringen. Dieser Prozeß hat eine große prinzipielle Bedeutung für die Juden in Deutsch-Oberschlesien, da im Zusammenhang mit diesem Falle die Gemischte Kommission darüber zu befinden hat, ob der Hitler-Umsturz als hinreichender Grund für die Flucht von Juden aus Oberschlesien zu erachten sei und ob die deutsche Regierung — gemäß den Bestimmungen der Genfer Konvention — für den Schaden, der den Flüchtlingen entstanden ist, verantwortlich sei. Gemäß der vorgeschriebenen Prozedur findet der Prozeß bei verschlossenen Türen statt. Mitteilungen über den Verlauf werden nicht herausgegeben. Das Urteil darf nur mit Zustimmung des Vorsitzenden der Gemischten Kommission veröffentlicht werden. Man erwartet, daß die öffentliche Meinung schon in nächster Zeit über die Resultate der vor der Gemischten Kommission geführten Prozesse jüdischer Kläger gegen Deutschland informiert werden wird. Von maßgebender jüdischer Seite wird betont, daß die Haltung des Präsidenten der Gemischten Kommission, C a 1 o n d o r, in den Angelegenheiten der geschädigten und zurückgesetzton Juden Deutsch-Oberschlesiens weit davon ontfernt ist, eine eindeutige zu sein. Obwohl seit den mündlichen Gerichtsverhandlungen, Oberscblesien, die Angelegenheit Bernheim u. a. m. genug Zeit verflossen ist, hat Präsident Calonder bis jetzt kein einziges Urteil veröffentlicht. Auch der Prozeß in Sachen Dr. Perls schleppt sich bereits längere Zeit hin. Man wartet mit Spannung darauf, daß Präsident Calon der sich endlich entschließt, die Urteile in allen diesen prinzipiell wichtigen und. für die betroffenen Juden auch leben« wichtigen Angelegenheiten zu veröffentlichen. AUS DEM DRITTEN REICH Kilbe weiht eine Theodor- FHtseh-Schule eiet Der Oberpriisident und Gauleiter von Brandenburg Wilhelm K u b e, hat in C h or i n (Brandenburg) einer Gauamtsschule der „Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt“ den Namen „Theodor-Fritsch- Schule“ gegeben. Laut „Hammer“, Leipzig, hat Kuba bei der Einweihungsfeier ausgeführt: „Wir haben der Schule den Namen eines Mannes gegeben, der schon in den Siebzlgerjahren im Kampf gegen das Judentum gestanden hat. Wenn wir dieser Schule den Namen eines alten Antisemiten gegeben haben, so soll damit zum Ausdruck gebracht werden, daß der Nationalsozialismus antisemitisch war und antisemitisch bleibt. Wir versprechen, daß der Geist, der von Theodor Fritsch zu Adolf Hitler führt, in diesen Räumen der ausschlaggebende sein soll.“ In dem gleichen Sinne sprach Bischof Hossenfelder. Theodor Fritsch, der vor zwei Jahren gestorben ist, hat die bösartigsten antijüdischen Aufsätze in dem „Handbuch der Judenfrage“ zusammengetragen. Er hat auch Fords „Internationalen Juden“ übersetzt, und daran viel verdient. Wegen Beleidigung der jüdischen Religion stand er wiederholt unter Anklage, und wurde noch 1929 von einem Hamburger Gericht wegen offenbarer Geistesgestörtheit freigesprochen. Was Streicher schreiben darf Dr, Alois Hilf gestorben Mährisch-Ostrau, 27. Juli. (Z. T. A.) Im Alter von 83 Jahren verstarb in Mährisch-Ostrau Dr. Alois Hilf, ein hervor ragender Jurist, Präsident der Kultus gemeinde in Ostrau und des Landesverban des der israelitischen Gemeinden in Mähren, erster Vizepräsident des Obersten Rates der jüdischen Gemeinde verbände. in dar Weise geschaffen worden} daß die betreffend das Schächtvsrbot in Deutsch- Dr. Max Köhler gestorben New York, 27. Juli. Der als Jurist und durch «eine umfassende Tätigkeit auf jüdisch-öffentlichem Gebiet bekannte Anwalt Dr. Max Köhler, ein Sohn des berühmten Führers dee amerikani sehen Reformjudontums und eeinerzeitigen Präsidenten des Hobrew Union College von Cincinnati, I>r. Kaufmann Köhler, ist in Kong Lake N. Y. im 63. Lebensjahr einem Herzschlag erlegen. Dr. Köhler Hatto seit dem Jahre 1005 der Exekutive des Ameri can Jewish Coraittee angohört. Schöner und billiger Sommer¬ und Herbsteufenthalt »Pension fennruh« Isis* Wie wenig die deutschen regierenden Kreise auf die Empfindungen des tschechoslowakischen Volkes Rücksicht nehmen, beweist die Tatsache, daß Julius Streicher, der Gauleiter und Regierungspräsident von Franken, der als solcher Mitglied der bayerischen Regierung ist, . im „Stürmer“ (Nr. 27, Juli 1934) einen Artikel „Prager Episode“ veröffentlicht und sich darin folgende unflätige Beschimpfung des Präsidenten M a s a r y k leistet: „In diesen Tagen wurde Thomas Gaorigue Masaryk zum viertenmal zum Präsidenten der tschechoslowakischen Republik gewählt. An den Wahlakt schloß sich eine Fahrt durch die Stadt Prag. Interessant war dabei folgendes: ,Auf dem Weg zum Rathaus1, so schreibt eine deutschschreibende Judengazette, ,hielt der Wagen des Herrn Präsidenten vor der ehrwürdigen A 11 n e usynagoge und der Herr Präsident vorn weilte mit abgenommenem Hute in andachtvollem Schweigen minutenlang vor dem Gotteshaus, dessen steinerne Quadern so viel von der Verfolgung und Marter eines Volkes erzählen, das Gott sich zu seinem Führervolke auserwählte.4 —- Wir können es nachträglich nicht feststellcn, ob der Bericht auf Wahrheit beruht, ob sich alles tatsäcfc lieh so abspielte, wie das Blatt es schilderte. Wir wissen nur, daß Masaryks Frau Jüdin war (unwahr!) und daß er seinerzeit selbst, noch Wiener Hochschulprofessor, sich leidenschaftlich für den Judon Hilsner oinsetzte, der wegen eines grauonerrogendon Ritualmordes sogar von den liberalistischen altösterreichischen Gerichten zum Tode verurteilt, dann aber zu lebenslänglichem Kerker begnadigt wurde. (Masaryk war damals Professor in Prag.) Nach der Ausrufung dos neuen Staates, verschaffte Masaryk diesem Verbrecher die Stolle eines jüdischen Religionslehrers in einer böhmischen Kleinstadt (unwahr!), er empfing ihn mehrmals in privater Audienz (unwahr!) und ließ ihm vom tschechischen Staat annähernd eine Million Tschechenkronon für die unschuldig4 verbüßte Haft auszahlen (unwahr!). Stimme des Blutes? Sollte es wahr sein, daß M* sarylc der uneheliche Sohn eines polnischen Juden ist? Es würde manches erklären.“

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