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Die Stimme · 1934-07-31 · Heft 374 (31.7.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 374 (31.7.1934)
Date
1934-07-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Prda dieser Nanuner V. b. b. JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 374 I Wien, 31. Juli 1934 | 10 $0» ItB.-VERS.-GES. PHONIX ABT. FÜR FRBMBENVCRKBHR NUN, I. WAUNIRITR. *• TKl> U «5-b-l Redaktion und Administration Wien« KAmtnaratiaBe 2b r0l R 1?*4-Ö6 RerfakttonsfChfuß Montan und Miftwooh vorm | (»9. Ab S694) | 7. Jahrgang JÜDISCHE TRAUER- Weg mit den antisemitischen Hochverrätern! KUNDGEBUNGEN Trauersitzung der Israelitischen Kultusgemeinde Das Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde teilt mit: Aus An!a0 der Ermordung des Bundeskanzlers Dr. En-t gelbert Dollfuß trat Donnerstag abends der Vorstand der Israelitischen Kiiltusgemebide Wien zu einer außerordentlichen Plenarversammlung zusammen, in welcher Präsident Dr. Desider Friedmann dem dahingeschiedenen Kanzler einen tiefempfundenen Nachruf hielt. Vom Plenum wurde die Absehdung von Trauerkundgebungen an die Bundesjfeg;ierung und ah die Witwe des Bundeskanzlers, Frau Alwine, Dollfuß, beschlossen. Auf Antrag des Präsidiums wurden auf allen Synagogen, Amtsgebäuden und Anstalten der Kultusgemeinde Trauerflaggen gehißt An dem. am Samstag siattgefundenen Leichenbegängnis für Bundeskanzler Doktor Dollfuß nahm die Kultusgemeinde offiziell durch, Oberrabiner Dr. Pawid Feuohtwang, Präsidenten Dr. Desider Friedmann und Regiörungsrat Fuchsge l b teil. * Trauersitzuitg des Zionistischen «Landeskomitees Aus Anlaß der Ermordung des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß trat das Zionistische Landeskomitee zu einer Trauersitzung zusammen. Der Präsident Dr. GrÜnbaum. rühmte Dr. Dollfuß als großen Patrioten und selbstlosen Menschen, dessen historisches Verdienst e6 ist, den Kampf gegen den im Judenhaß kulminierenden Nationalsozialismus mutig geführt m haben. Wir werden das Andenken des unter so tragischen Umständen verschiedenen Bundeskanzlers, der stets. bemüht war, den Juden Österreichs Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, in Ehren halten. Gesetz zum Schutz der öffentlichen Ruhe iu Holland Amsterdam, 26. Juli. (Z. T. A.) Die Enste Kammer der holländischen Generalstaaten (Parlament) hat ein Gesetz zum Schutz der öffentlichen Ordnung angenommen, das u. a. auch schwere Strafen für die Verbreitung antisemitischer Schriften und für aufreizende Beden gegen den jüdischen Teil der Bevölkerung Vorsicht, Das Gesetz •wurde mit 24 gegen 10 Stimmen beschlossen. Die Gegenstimmen wurden vön den sozialdemokratischen Mitgliedern der Kammer abgegeben, die jedoch erklärten, daß sie mit dem gegen die antisemitische Propaganda gerichteten Passus einverstanden seien. Das Gesetz wird von allen maßgebenden holländischen Zeitungen begrüßt. Österreich hat eine neue Regierung erhalten. Sie ist bis auf geringe Umstellungen die alte Regierung. Aber-ohne Dollfuß... Die Erklärungen, mit denen am Freitag abends Vizekanzler Starhemberg über Beschluß des Ministerrates den Kura de« Kabinette umschrieb, besagen, daß die Linie Dollfuß unverändert bleibt. Doch betonte der Vizekanzler mit schärfster Eindringlichkeit, daßöster* r eich in seiner ,V e r t e i d ig.ung gegen .den Nationalso z i, a 1 i b m u s. kein Ko m promiß a n n e h m e,e, t da$, es mit dieser von Mord und Hetze, triefenden Belegung kein P a k t ie r e n g $ b e und daß Österreich in dieser Frage jedem Einfluß und jedem Rat unzugä^lich bleibe. Di€#e Erklärung-zeigt ah,"ääßauch der ^lifeivefsuch des Dritten Reiches, durch' die feihaennüng Papens zum Gesandtenin Wien sich von den Mördern zu distanzieren, erkannt und nach Gebühr beurteilt wird. Die ganze Kui.turwelt ist durch , die Ermordung des Kanzlers in die heftigste Erregung, versetzt worden und auch sie ist nicht geneigt, den Brief Hietiers, der taktlos, wie Berlin nun einmal ist, vorzeitig veröffentlicht worden, als einen ehrlichen Weg zum Frieden zu behandeln. Es ist eine Aktion der Mächte in Vorbereitung, den Willen Europas in Berlin unzweideutig zum Ausdruck zu bringen und es äst von besonderer Bedeutung* daß Mus s o i i n i im Vordergrund dieser diplomatischen Beratungen steht. In seinem Organ, im „Pop o 1 o di R o m a“, wird auch in. wenigen Worten die ganze Leporello-Liste der nationalsozialistischen Untaten zusammengefaßt:. „Die Juden werden verfolgt, weil 6ie Juden, die Katholiken, weil sie Katholiken, die Protestanten, weil sie Protestanten, die Österreicher, weil sie Österreicher sind, alle zusammen als N ich tarier.“ Und der Ungeist, der sich in diesen Einzelheiten. kundgibt,, wollte Österreich erobern, um auch hier von Bregenz bis Eisenstadt alle Sitte und- Ordnung unter seinen Stiefeln zu zertrampeln, auch hier vom Judenmord bis zum Kiroheusturm das W.esen zu bekennen, an dem die Welt genesen soll. Der Märtyrertod des- Bundeskanzlers Dr. Dollfuß hat diesen Plan zerstört. Da* Volk Österreichs hat sich nicht mitreißen lassen, der Aufruhr der Nationalsozialisten in den Alpenlähdem konnte von - der Exekutive niedergeschlagen werden. Die Mordbanden blieben trotz ihrer Uniformen und ihrer äus Deutschland eingeschmuggelten Waffen isoliert. Die neue Regierung kann ans Werk gehen. Der Staat ist schwer getroffen, die Wirtschaft leidet entsetzlich. Es »t notwendig, daß die Regierung «ehr bald das allgemeine Vertrauen festigt Der Staat braucht alle Kräfte, er muß jeden begrüßen, der güten Willens bst, und er muß jedem Versuch, neue, Konflikte zu schaffen, die volle Macht entgegensetzen. Der Nationalsozialismus hat such in Österreich mit *ntbemitfoob6B Programm sofssetst und er hat, wie bekannt, sehr geheime und sehr weitreichende Förderung gefunden. Der Antisemitismus ist, sowie jede andere gegen die Gesellschaft sich richtende Strömung, verbrecherischer.Hochverrat. Wer die Rechtsgleichheit auch nur einer Schächte der Bevölkerung amgreift,'der bleibt hier nicht stehen; erst die Juden, dann die anderen. Es gibt auch im Verbrechen eine Zwangsläufigkeit des Geschehens, und wenn der Schlange nicht sofort das Haupt zertreten wird, so speit sie ihr Gift weiter. Wir haben in Österreich schaudernd erlebt, wie die Reaktion auf alle Versöhnungsreden ausgefallen ißt. Aus dieser Tat- |aohe «injdie nötigen Schlüsse zu ziehen. Es j}j,n4, Veraüche gemacht worden, auch in t^ter/ gihp Jadenfrage unter nationalgospjaiiztischeü Auspizien aufzurollen. Dieses Experiment rührt an sehr heikle Stellen der Beilehungen Österreichs zu Europa, und . alle Bestrebungen dieser Art werden an den .Zentren, europäischer Politik sehr aufmerksam beobachtet. Man sieht heute, ¥ daß sie den Ausganspunkt der nihilistischen Bewegung des deutschen Nationalsozialismus bilden. Es ist für die Ruhe des Landes nicht tragbar, daß hier weiter gehetzt wird, und daß gerade der Bevölkerungßteil bedroht wird, dessen Treue zum Staat, niemals angezweifelt werden konnte und dessen Mitarbeit sich in den schwierigsten Zeiten .bewährt hat. An dieser Tatsache kann niemand vorbei; die Hetze muß eingestellt werden. Die Regierung Schuschnigg wird vom Vertrauen aller empfangen; die jüdische Bevölkerung, die den Kabinettschef aus seiner Tätigkeit als Unterrichts- , und JUsfeizminister schätzt, erinnert sich an seine Urteile über den Radauantisemitismus an den Hochschulen. Es gibt auch einen schleichenden Antisemitismus, der mit numerus-claüsus-Ziffera arbeitet und das, was in Deutschland mit Brutalität geschieht, bi£r im Geheimen vollziehen will. Das Kabinett wird hoffentlich’ diesem lichtscheuen Treiben der getarnten Staatsfeihde einen Riegel vorschieben. Italienisches Urteil über die Nationalsozialisten mammmtmmmmammmmamBBsaBammsassgaaBSBamaaEBOBBammmaamammm Rom, 29. Juli. „Popolo di Roma" sagt: Die deutsche Presse ist voll Wut und dummer Arroganz gegen die italienische, Sicher sei in einem Lande, wo der Mord zur normalen Regierungsmaßnahme erhoben wurde, ein Mord nur mehr eine läßliche Sünde. Eine Regierung, die gefestigt und innerlich gekräftigt ist, die Ordnung aufrechterhalten soll und anstatt dessen die niedrigsten menschlichen Leidenschaften entfesselt, sei der B e z e i c h n u n g Regierung unwürdig und bildet eine Gefahr für die Zivilisation. Der Nationalsozialismus, schreibt das Blatt, hat den Antisemitismus entfesselt, er hat eine antichristliche Bewegung gefördert, er hat einen neuen lächerlichen Kult ersonnen und den Rassenmythos ausgeklügelt. Er hat geprügelt,. verwundet und gemordet, die Juden wer den verf olgt, w eil sie Juden, die Katholiken, well sie Katholiken, die Protestanten, weil sie Protestanten, die Österreicher, weil sie Österreicher sind, a 11 e zusammen als Nichtarier. Für den „Völkischen Beobachter", das Organ der Arier, sind die „Herren Faschästen" kleine, schlechterpogene Kinder, die strampeln, weil etwas nicht so geht, wie sie es sich einbilden. Recht so! Wir nehmen gerne diesen Namen an. Wir „Herren Faschisten" slpd Kinder, aber weiß der „Völkische Beobachter", was die „Herren Nazi" sind? Mörder un'dPäderasten, das alleinund sonst nichts. . j - - ■ Der todbringende Bumerang Es hat 6ine Zeit gegeben, das war noch ehe Hitler zur Macht gelangte, da wurden von ernstzunehmenden Menschen Bücher, Broschüren und Artikel über die Ideologie des Nationalsozialismus geschrieben. Mit liebevollem Verzeihen wurde über die Brutalitäten nationalsozialistischer Parteigänger hinweggeseben oder inan setzte sich über sie als Emanationen &iner unvermeidlichen Sturm- und Drangpefiöde hinweg, die bald verschwinden würde.. Die Ideölogieschnüffler fanden, daß der Nationalsozialismus so ziemlich auf allen Gebieten des menschlichen Lebens, in der Volkswirtschaft, Politik, Literatur und Kunst und überall sonst, die deutsche Nation zu neuer Blüte bringen würde. Und sie gingen diesem Vorurteil auf den Lehr., Geschäftstüchtig, wie es die Deutschen nun einmal sind, fanden viele dabei ihren Vorteil durch die Vertreibung der Juden und Judenstäramlinge aus allen wirtschaftlichen Positionen. Daß die Massen dabei zugrunde gingen, daß die Arbeiter heute mehr verelendet sind als zur Zeit der liberalen Wirtschaftsführung, das geniert diese neuen Reichen nicht. Sie trommeln weiter die Phrasen, die ihnen Hitler eingetrommelt hat. Trotzdem dämmert es schon in Deutschland, Vielleicht ist die Zeit nicht mehr ferne, wo die betrogenen Massen gegen die braunen Frohnvögte aufstehen und das nationalsozialistische Kartenhaus, desseu einziges Fundament der Judenhaß ist, zum Einsturz bringen werden. Außerhalb Deutschland, insbesondere io

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