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Die Stimme · 1934-07-27 · Heft 373 (27.7.1934) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 373 (27.7.1934)
Date
1934-07-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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ctischen Ft Blätter l F R E I T A G, 2 7. JULI 1934 * 2. JAHRGANG NR. 10 Eie Ju&g*Wizo „Maffjam“ in Wien Mit Befriedigung können wir auf die Arbeit der J u n g - W i z o „M i r j a m“ im abgelaufenen Jahre zurückblieken. Vor allem ist die Gruppe n u in e r i s c h g e w a c hs e n, was zum Teil darauf zurückzuführen ist, daß die Damen der Wizo ihre heranwachsenden Töchter in die Jung-Wizo eintreten lassen, zum Teil aber darauf, daß viele junge Mädchen, die sich heute vor das Problem der B e r u f s u m s c h i c h t u n g und A 1 i j a h gestellt sehen, den Weg v unsere Reihen finden, um sich hier nicht ir geistig und fachlich für Palästina vorznh reiten, sondern auch mit der jüdischen u: zionistischen Gedankenwelt bekannt z werden. In diesem Jahre wurden zwei Kindergruppen gegründet, die eine für Mädchen von 12 bis 14 Jahren, die andere für solche von 14 bis 16 Jahren. Diese Gruppen arbeiten mit viel Eifer und Freude. Besonders erwähnenswert ist die C h a- , luz-Gruppe, die 20 Mitglieder zählt,! Diese gehört in ihrer Gesamtheit als Chaj luz-Gruppe der Jung-Wizo „Mirjam“, dem i Hechaluz, an und besitzt in den Körperschaf- I ten des Hechaluz eine entsprechende Vertretung. Insgesamt zählt die „Mirjam“ heute acht Gruppen mit 160 Mitgliedern. In allen diesen Gruppen wird intensiv kulturell und praktisch gearbeitet. Es gibt Vorträge, Pressereferate und Kurse, auch Sprachkurse (Hebräisch, Englisch, Französisch). Große Bedeutung wird der Arbeit für den KKL beigelegt, die auch schöne Erfolge aufweist. Wichtig ist die soziale Arbeit, die von unserer Gruppe geleistet wird. Während der ] waltung Baracken gemietet, die ungefähr j 16 bis 20 neueinwandernden Mädchen Aufnähme gewähren können.! Während die Errichtung dieses Heimes eine Aktion der gesamten Jung-Wizo-Organisation gemeinsam mit der Welt-Wizo darstellt, geht unsere Wiener Jung-Wizo „Mir- ’ jam“ daran, aus eigener Kraft gemeinsam i mit Wiener Freunden und Gönnern ein : B e t h - M i r j a m - P o 11 a k in Haifa zu gründen. Die erste Anregung dazu gaben (’hawcroth der Jung-Wizo aus Wien und ' 'ölen, die sich gegenwärtig in Haifa be lnn, und dort eine gemeinsame Wohnung n wollten, um so einerseits einen Teil dien Mietkosten zu sparen, anderseits auch weiterhin in innigem Kontakt iminder zu bleiben und ein organisatori •lies und menschlich geistiges Zentrum zu besitzen. Sie wandten sich nun an ihre Wiener Bundesschwestern mit der Bitte, ihnen dabei behilflich zu sein. Es ist selbstverständlich, daß wir sogleich daran gingen, diesen Wunsch zu erfüllen. Im Laufe der : Arbeit entstand nun der Gedanke, dem1 neuen Heim den Namen unserer Führerin, i Frau Marie Pollak, die uns auch bei dei Durchführung dieser Aktion tatkräftigst zur Seite steht, zu geben. In kürzester Zeit soll also auf Boden des KKL in Haifa das „Beth Mirjam Pollak“ entstehen, da« 10 bis 20 unserer Chawcroth aus der Jung-Wizo I für die erste Zeit nach ihrer Einwanderung Unterkunft und das Gefühl der Heimat und Zusammengehörigkeit geben soll. Die Arbeit dieses Jahres findet ihren Anschluß in einer Sommersiedlung unserer Gruppe, die von Mitte Juli bis Mitte Oktober bei Krnajska Gora (Jugoslawien) stattfindet. Ein Teil der Bundesschwestem wird die Sommermonate zur Abhaltung eines Führefinnenkurses benützen, in dessen Rahmen Hebräisch, jüdische Geschichte, Geschichte der Zionistischen Bewegung, Psychologie und Pädagogik gelernt werden wird. So hoffen wir, dem Führerinnenmangel. der sich infolge der Alijah vielet unserer aktivsten Mitglieder besonders bemerkbar macht,, abhelfen zu können. /In alle Wizo S Liebe Freundinnen! W.i empfehlen al9 Sonunereinnahmequelle die Durchführung der von uns bereits vorgeschlagenen Verzichttage in der Form, daß jedes Wlzo-Mitglied, wo immer es sich zur Zelt befinden mag, zu Hause, auf der Reise oder in einem Ferien« der Wizo-Gruppe der Föderation 'der des Landes, in dem es sich Plätzchen, der Stadt aufliäC das -.gend etwas schenkt, :in Produkt seiner Arbeit rauen im Iiekräisclien Buchdruclc Der Buchdruck ist im allgemeinen ein männlicher Beruf. Von der Herstellung des Satzes bis zur Zurichtung der Presse wird er von männlichen Arbeitern besorgt. Um so merkwürdiger ist es nun, daß wir in der Geschichte der hebräischen Typographie eine ganze Anzahl von Frauen finden, die sich als Setzerinnen und Druckerei-Inhabe rinnen betätigten. Aus einer kürzlich er Wintermonate wurde in den Räumen unseres j schienenen, hebräisch geschriebenen Monoraphie über diesen Gegenstand von dem Heimes (I., Jordangasse 7) eine Tagesheimstätte für Frauen und Kinder geführt. Unsere Gäste hatten einen großen freundlichen Raum zu ihrer Verfügung, mit Zeitungen, Radio und Nähmaschine und erhielten dreimal täglich bescheidene, aber bekömmliche Mahlzeiten. Es wurde auch eine Stellenvermittlung für Mitglieder unserer Gruppe errichtet und vor kurzem eine Berufsberatungsstelle ins Leben gerufen. Einen großen Raum in unserer Arbeit nimmt die Aktion für Tozereth'-Haar e z ein, deren Ertrag zum Teil für die Schaffung eines Jung-Wizo-Heimes in Tei-Aviv verwendet werden soll. Die Schaffung dieses Heimes wurde auf der letzten Wizo-Konferenz in Prag (Juli 1934) von den Vertreterinnen der Jung-Wizo angeregt und von der Konferenz der Wizo-Exekutive zur Annahme empfohlen. Vor wenigen Tagen ging nun der Wiener Zentrale der Jung-Wizo für Mittel- und Osteuropa die Mitteilung zu, daß dieses Projekt von der. einer Vorstadt von Konstantinopel Wizo-Exekutive bereits genehmigt wurde, j Jahren 1593 bis 1598 druckte Assistenten der Jerusalemer Universität A. M. Haberma u n („Naschim Ivrijoth betör Madpissoth“ u.sw„ Berlin 1933) seien hier einige interessante Daten angeführt. Im JahTe 1476 errichtete der Arzt Abraham Conat eine hebräische Druckerei in Mantua, deren Erzeugnisse sich bei den Bibliophilen um so höherer Wertschätzung erfreuen, als .sie mit einer merkwürdigen, besonders schön geschnittenen Type gedruckt sind, die seither (bis auf die Berliner- Festschrift) keine Verwendung mehr fand. In der Nachschrift zu einem dieser Conatschen Drucke wird seine Frau E s t e 11 i n a als Setzerin angegeben. Die Frau des berühmten Don Joseph Herzog von Naxos, besonders bekannt durch sein mißglücktes Projekt einer Kolonisierung der Tiberias-Gegend, errichtete nach dem Tode ihres Gatten und der Konfiskation seines Vermögens durcli den Sultan, eine hebräische Druckerei in Belvedere, In den Donna Die Wizo hat von der Tel-Aviver Stadtver- Key na Werke aus allen Gebieten der hebräischen Literatur, von denen sieben bekannt sind. Eine andere, nicht minder berühmte türkische Jüdin jener Zeit, Esther K i e r a, die in der Politik der Hohen Pforte eine große Rolle spielte und später von politischen Gegnern ermordet wurde, förderte mit reichen Geldmitteln die Drucklegung einiger Werke, so der bekannten Chronik ..Scfer Juchassin“ von Abraham Sacuto. Besonders groß ist die Zahl der im hebräischen Buchdruck tätigen Frauen auf deutschem Sprachgebiet, so daß wir hier in zahlreichen Druckwerken neben dem berüchtigten „Habaehur Hasetzer“ auch der „Hapoeleth Ha-setzerin“ begegnen. In erster Reihe sind es hier Bücher in jüdisch-deutscher Mundart, Pentateuch- und Psalmenübersetzungen, das bekannte „Zeenah Ureenah“, sogenannte Techinnoth usw., die, für den Gebrauch der Frauen bestimmt., vielfach auch von Frauen herausgegeben und gesetzt sind. Fori den vielen Namen, die die besprochene Monographie hier anführt, seien zwei Mädchen genannt, Ella und Gella, die mit ganz jungen Jahren, neun- und zwölfjährig, in der Buehdruckcroi ihres Vaters in Dessau und Halle als Setzerinnen arbeiteten. Der Vater war ein zum Judentum übergetretener Christ und nannte sich Moscheh ben Awraham Awinu. In einem in Dessau 1696 erschienenen Siddur mit jüdisch-deutscher Übersetzung schreibt Ella: „Die teutsohe Otijoth (Buchstaben) hab ich sein nit mehr als neun, zwischen sechs Eingesetzt mit meiner Hand, Ella bath (Tochter des) Moscheh aus Holland, meine Jahr ist, z. B, selbstgezogenes Obst oder Gemüse, Früchte, die selbst eingemacht wurden, Blumen aus dem eigenen Garten, Handarbeiten aller Art, alles kann und soll fröhlichen Herzens gespendet und wieder an Wlzo-Mitglieder und Freunde zum Verkauf ausgeboten werden. Auf diese Weise wird es allen, selbst den kleinsten Wizo Gruppen, möglich sein, inj Sommer für Budget B, dieses bisher so schmerzlich vernachlässigte Kind unserer Finanzverwaltung, zu arbeiten. Es wäre zu empfehlen, die gelungensten Gegenstände und Verkaufsstände zu photographieren und die Abbildungen propagandistisch ausziinützen. Daher wetteifert um das Gelingen der Ver« zichttage im Sommer 1934. Mit besten Zionsgrüßen und guten Ferien, wünschen Für die Exekutive: Romana Goodman, Vors. d. Org. u. Prop.-Dep. F. Grubwieser, Sekr. f. Org. u. Prop. dern bin ich ©ine Bath Jeohida (einzige Tochter) allein, drum wenn ihr ein Tauth (Druckfehler) gefindt, so gedenkt, daß es hat neiert (nur) gesetzt ein Kind.“ Ihr© Schwester Gella, die 14 Jahre später denselben Siddur in Halle gesetzt hat, gibt in einer Nachschrift zu diesem Druck ihr Alter mit zwölf Jahren an. In neuerer Zeit ist es besonders die Witwe nach dem Drucker David R o m m, Deborah, die zu großer Berühmtheit gelangt ist. Unter ihrer Führung wurde die Druckerei der „Witwe und Gebrüder Romrn“ in Wilna eine wahre Kulturträgerin nicht nur des russischen, sondern des Gesamtjudentums. Unter den unzähligen Werken, die diese Offizin herausgebracht hat, genießt die mit zahl- Gisela Schönfeld Die diamantne Jubelbraut!... Ich, die ich das Glück hatte, diese wahrhaft jüdische Lady vor zirka 25 Jahren kennen und in der Folge schätzen und lieben zu lernen — ich weiß mir keine, die solcher hohen Gnade des Schicksals würdiger wäre! — an der Seite eines edlen Gatten! Denn das soll von vornherein gesagt werden: zu liebroich, zu feinfühlend, zu klug und vornehm im Denken und Handeln war Gisela Schönfeld — um je etwas zu tun, dem ihr Lebensgefährte nicht voll und ganz zugestimmt hätte. So gebührt dem ausgezeichneten Menschen und Juden unser Dank für sein Teil an dem, was seine unvergleichliche Gattin hier — in Lwow — der einstigen Hauptstadt Ostgaliziens getan: auf charitativem, vor allem auf jüdisch-kulturellem und nationalem Gebiete. Aus der reichen Fülle dieses Wirkens will ich — als Beitrag zur Charakteristik der teuren Jubilarin — eine nicht unwesentliche Episode herausgreifen. Wir, das heißt die zionistischen Frauen Lembergs (dazumal noch ein Leidensposten) erfuhren zu unserem Schrecken, daß eine Anzahl jüdischer Eltern aus der Provinz ihre Töchter in einem bekannten (auch als — bis auf das non ölet — nicht eben judenfreundlich bekannten) nichtjüdischen Internat zur Erziehung und Ausbildung untergebracht haben. Konsternation im zionistischen Frauenverein (den ich und Frau Gisela Schönfeld leiteten). Es war uns von vornherein klar, daß mit Kopfschütteln, Händ erlügen und Zornesausbrüohen da nichts zu erreichen wäre. „Es muß etwas geschehen“, sagte die von uns allen hochgeschätzte Frau Gisela. „Wir müssen unverzüglich ein feines, jüdisches Pensionat für unsere Mädchen aus der Provinz schaffen, wo sie gut jüdisch erzogen werden sollen“, antwortete ich — schon ein klein wenig erschrocken über meinen kühnen Antrag. Eine unheimliche, verlegene Stille folgte. Selbstverständlich! Denn alle anwesenden Frauen, gute Zionistinneri durchwegs, waren zwar einig im Prinzip, in der Meinung, mein Vorschlag sei der einzig richtige, aber allen schwebte die Frage vor: Woher die Mittel beschaffen? "V” g<-\y::b'‘ einem zionistischen Frauen verein Kredit? Da erhob eich Frau Gisela Sch., um mit der schönsten Selbstverständlichkeit — ohne gebeten zu werden — einfach zu erklären: „Sie haben recht, Frau M.l Ich bin bereit, den nötigen Betrag vorzustrecken!“ Meine Freude war unsagbar: „Ich werde diese Ehrenschuld mit Bestimmtheit bald tilgen!“ rief Ich. Frau Gisela nickte und lächelte leicht.. Das Pensionat wurde errichtet — elegant nach außen, gediegen nach innen —, das heißt mit bezug auf Leitung, Wirksamkeit und den Geist der dort herrschen konnte. Mit mir widmete sich Gisela Sch. dem idealen Unternehmen aus allen Kräften. Die jüdischen Eltern brachten uns das größte Vertrauen entgegen. Die damals wichtige Schöpfung hatte die besten Aussichten auf Entwicklung und Erfolg. (Heute machen es Hitler und Stürmer noch griindlrher.) Man schrieb das .fahr 1912. Schon 1914 wurde das schöne Heim ein Raub der russischen Invasion. Als ich — nach Ablauf des ersten Arbeitsjahres 1912—1913 unserer lieben Frau Gisela die vorgestreckle Summe: 11i 1.' •: »:••• ii' m ’ zer Franken, dankend einhändigte, glitt jenes stille, ernste Lächeln — wie bei jener „Gründungssitzung“ — wieder über ihr kluges Antlitz. Diesmal begriff ich es: und wenn ihr nicht oder nicht ganz rückerstattet — es war und wäre dennoch meine Pflicht... Zu den jüdischen Familien, die vor dem Feinde nach Wien entflohen — um nicht mehr hierher zurückzukohren, gehörte auch die von uns am meisten geschätzte David und Gisela Schönfeld mit ihren Kindern. Dioser Verlust konnte nicht verschmerzt werden! E r i s t e« bis heute nicht! Die erste und vornehmste zionistische Familie Lembergs! Der Mittelpunkt, um den sich alle scharton! Dio Stätte, wo man Verständnis für alle nationalen Strebungen und Beistand, moralische und materielle Unterstützung dafür finden konnte! Das Haus, in dem die Tochter — Frau »Sophie l.öivcnlmrz — zu der jüdischen Frau erzogen wurde, die wir heute kennen!... Möge die diamantne Jubelbraut — an der Seite des einst in Liebe erwählten Gatten.— noch lange in geistiger und körperlicher! •’ I!'-i!•! ■“;!uen »'linden, ihren i i unden, ihrem Volke! Rosa Mel zer.

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