Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 373 (27.7.1934)
- Date
- 1934-07-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 373 — 27. Jul! 1934. DIE STIMME Seite 7 reichen Beiwerken an «gestattete Talraud- ©dition, das bekannte „Wihiacr Schass“, Weltruf und Weltverbreitung. Der Spiritus rector dieser Druckerei war durch vierzig Jahre die Wilwo Komm und nicht die Söhne, die nach dein im Jahre 1903 erfolgten Tode ihrer Mutter an ihrem Lebe ns werk kein Interesse mehr fanden und die Druckerei in fremde Hilnde übergehen ließen. In Berlin bestand bis in die letzten Jahre eine hebräische Druckerei, Itzkowsky. In dieser Presse wurde eine große Anzahl von Wissenschaft liehen hebräischen Drucken hergesfrllt, war sie doch die offizielle Druckerei der Gesellschaft „Mokize Nirdnmim“, die sich die Herausgabe alter hebräischer Texte zum Ziel setzt. Als Setzerin an diesen Werken, die besondere Schulung und Präzision erfordern, arbeitete auch die Tochter des Druckers, Rosalia. ln der Gegenwart ist Frau Sohosohannah P e r s i t, z, die Tochter des russischen Zionistenführers Hille! Zlatopolsky, zu nennen, deren Druckerei und Verlag „Omanuth“ im hebräischen Verlagswesen eine hervorragende Stellung einnimmt. Nach Kriegsende in Frankfurt a. M. begründet, jetzt in Tel- Aviv, pflegt dieser Verlag insbesondere die gute hebräische Jugendliteratur. Ein lobenswerter Grundsatz dieses Verlages ist es, nur punktierte Texte herauszugeben. Nach Zeitungsnachrichten befaßt sich jetzt Frau Persitz, dio auch in der Politik eine Rolle spielt (sie bekleidet die Stelle eines Vizebürgermeisters von Tel-Aviv), mit einem neuen, grandiosen Vcrlagsprojekt für die Herausgabe von Werken jüdischer Schriftsteller und Gelehrter, die durch die Nazirevolution ihre Verleger verloren haben. Die angeführten Namen sind nur eine kleine Auswahl aus der großen Liste, die Habermann mit großer Sachkenntnis und aus zerstreutem Material in seiner dankenswerten Monographie zusammengestellt hat. Sie ist ein wertvoller Beitrag zur Kenntnis des kulturellen Schaffens der jüdischen Frau, die es auch auf diesem Gebiet verstanden hat, sich einen angesehenen Platz zu erobern. Dr. Benjamin Klar. dem“ von 80.60 auf 68.71. Was die jüdischen Mischehen betrifft, so betragen diese in den westlichen Provinzen mehr als 10 vom Hundert der rein jüdischen Ehen; dies wird aber dadurch ausgeglichen, daß es bei den karpathorussischen Juden fast keine Mischehen gibt. Der spuckende Spira Der Munkaoser Wunderrabbi Spira ►steht, wie die „Lid. Nov.“ aus Ungvar berichten. wieder einmal im Mittelpunkt einer Affäre, ln M u n kacs sind einige Kinder des von der zionistischen Partei erhaltenen hebräischen Gymnasium« an Typhus erkrankt; zwei Kinder sind gestorben. Diesen Umstand benutzte der Wunderrabbi, um gegen die Zionisten in schärfster Weise aufzutreten. Tn seiner Synagoge zog er bei der letzten Predigt los: außer verschiedenen Bemerkungen, die die zionistische Bewegung lächerlich machen sollten, sagte er: „Seit zehn Jahren muß ich vor dem hebräischen Gymnasium, diesem Tempel der Unreinheit, ausspucken, so oft ich vorbeifahre. Die Epidemie kt eine Strafe für die Sünden der Zionisten. Jeder Jude ist verpflichtet, diese Unreinen au bekämpfen.“ Bei der Predigt waren mehrere Zionisten anwesend. Darauf beschlossen das Kuratorium und die Prcfoseoren, gegen Spira die Strafanzeige nach § 14 des Schutzgesetzes wegen Aufreizung ein zubring eil, was bereits geschehen ißt. Musikalisch gebildeter Oberkantor mit schrtner Tenorstimme, befähigt mit Chor zu beten, sucht fllr die herannuhendun hohen Feiertage (Rosch Ilaschanah und Jom Kipur) eine Stelle als gellt auch ins Ausland. Honorar für Wien Österreich. S 2000*— oder Provinz und Ausland öst. S 3000’—. Zuschriften nn die Administration dieses Blattes unter „Oberkantor 5605'* Aus Rußland Moskau, 23. Juli. Von den sechs Kommunisten im jüdischen landwirtschaftlichen Kollektiv „Stalin“ im jüdischen Selbstverwaltung srayon F r e y d o r f in der Krim wurden vier als „klassenfeindliche Elemente“ aus der Partei ausgeschlossen, weil sie sich „jüdischer religiöser Akte“ schuldig gemacht haben. Die Kommunisten G I i s k e r und S e h u 1 m a n wurden ausgeschlossen, weil sie ihre Kinder haben beschneiden lassen; es half ihnen nicht die Ausrede, daß ihre Frauen in der Abwesenheit diesen rituellen Akt haben vornehmen lassen, auch wurde festgestellt, daß sie anläßlich der Beschneidung eine Betgemeinsohaft von zehn Juden (Miujan) organisiert hatten. Wegen ähnlicher Delekto wurden die beiden anderen Kommunisten ausgeschlossen. Allgemein wurden bis jetzt im Freydorf er Rayon 41 Parteimitglieder und 23 Parteikandirlaten wogen nicht klassenmäßigen Verhaltens ausgeschlossen, zum Teil wogen Anhänglichkeit an jüdische religiöso Bräuche. Assimiianten ln Jugoslawien Belgrad, 24. Juli. In Belgrad hat sich unter der Leitung des früheren Gehilfen des Finanzministers, Avram L e v i 6, ein Ausschuß jüdischer Assimiianten gebildet, der im Einvernehmen mit der. „Narodna odbrana“ (Organisation für nationale Verteidigung) für ein engeres Zusammenwirken der Juden mit dem Staatsvolk wirken will. Die „Narodna odbrana“ selbst hat zu dieser Aktion öffentlich noch keine Stellung genommen. Der jüdische Assimilantcnaussohuß hat seine Tätigkeit mit einer öffentlichen Erklärung begonnen, in der die Juden au« den früheren ungarischen Gebieten a 1 e u n patriotisch denunziert werden. Die Gruppe ist noch klein. Ihre Aktion hat aber im jugoslawischen Judentum um so mehr Mißfallen hervorgerufen, als alle Juden in Jugoslawien, auch die Zionisten, die Loyalität gegenüber dem jugoslawischen Staate stets streng eingehalten haben. Prozeß um eine Hinterlassenschaft von 80 Mfll. Schweizer Franken Familie Jacques Elias gegen „Akademia Romana“ Vor einem Wiener Gericht fand dieser Tage ein E r b s c h a ftsprozeß statt, wobei cs um den Millionennachlaß des jüdischen Bankiers in Rumänien, Jacques Elias, ging. Der vor etwa fünf Jahren verstorbene Jacques Elias Unterließ sein ganzes Vermögen — rund 80 Millionen Schweizer Franken — einer humanitären Stiftung, die unter dem Namen „Akademia Born a n a“ der Errichtung von Spitälern Schulen und sonstigen Wohlfahrtswerken gewidmet sein soll. Seine Verwandten bedachte Elias in dem Testament überhaupt nicht, sondern bestimmte nur, daß, falls einer seiner Verwandten verarmen sollte für seinen Lebensunterhalt zu sorgen sei. Bald nach dem Tode des Bankiers kam es zu einem Erl) schaftsstreit vor rumänischen Gerichten, der zugunsten der „Akademia Romana“ entschieden wurde Der Prozeß, der dieser Tage in Wien verhandelt wurde, geht, zwischen dem Wiener Großindustriellen Jacques Elias, einem Neffen des verstorbenen Bankiers, und der „Akademia Romana“. Jacques Elias, der bis in die letzten Jahre Millionär war, ist jetzt infolge der Wirtschaftskrise verarmt. Er sah sich gezwungen, an die „Akademia Romana“ um Hilfe heranzutreten. Die „Akademia Romana“ zeigte sich nach umständlichen Verhandlungen bereit, Herrn Elias, der für eine Frau und zwei Söhne zu sorgen hat, eine monatliche Zuwendung von — S 160 zu machen. Demgegenüber wendet Elias ein daß die Stiftung seit ihrem Bestehen allein aus den Zinsen des ungeheuren Kapitals 10 Millionen Schilling' eingenommen hat. Überdies erklärt er, daß die „Akademia Romana“ bisher nicht einmal Anstalten getroffen hat, um dem vom Erblasser gesetzten Stiftungszweck zu entsprechen. Da die „Akademia Romana“ auch in Wien und in den österreichischen Provinzen aus gedehnten Grundbesitz hat und Elias ständig in Wien wohnt, wird der Prozeß vor einem Wiener Gericht unter dem Vorsitze des Oberlandesgerichtsrates Dr. Ettmayer geführt. Jacques Elias begehrte eine monat liehe Zuwendung von 2000 Schilling, welche Forderung jedoch vom Gericht abgewiesen wurde. Die Entscheidung gründet sich im wesentlichen auf die Aussage des Dr. Pantasij, der angab, Jacques Elias hätte bei der Errichtung des Testaments gemeint: „Ach, was — meine Verwandten sollen sich selbst forthelfen!“ Gegen das abweisende Urteil der ersten Instanz ist Berufung eingelegt worden, Unsere dringendsteAttfgal»* Zu dem unter diesem Titel iu uneerer Nummer vom 20. Juli erschienenen Artikel des Präsidenten de« Zionistischen Landeskomitees. D r. Oskar G r ü n <b a u m, sind uns aus dein In- und Auslande zahlreiche Zuschriften angegangen. Wir werden iu unßcrer nächsten. Nummer die Stellungnahme de« Organisationsdepartements der zionIstischen Exekutive in London zu diesem Artikel veröffentlichen. IHHHBIQIQOQIBISlDIDIBaiGaill Jüdische Mischehen in der Tschechoslowakei fast 10 Prozent der füdischen Ehen Prag, 13. Juli. Wie Dr. F. F a j f r im „S t a t i s t i c k y O b z o r“ mitteilt, sind religiöse Mischehen in der Tschechoslowakei in rapidem Aufstieg. Bei den Katholiken waren 1921 noch 85.05 vom Hundert beiderseits katholische Ehen, 1930 nur mehr 72.78; heim tschechoslowakischen Glaubensbekenntnis fällt dor analogo Prozentsatz von 90.21 auf 78.36; bei den Konfessionslosen von 75.66 auf 46.66; b e i d o n J u d c n v o n 93.58 auf 90.38; bei den „Böhmischen Brli- Juden werden zur Berliner Olympiade gelocht Du. Carl D i e m, der Generalsekretär des deutschen Olympischen Komitees, hat einem französischen Journalisten folgendes über die Teilnahme von Juden an der Berliner Olympiade 1936 erklärt: „Das Rassenprinzip besteht nicht mehr für die Vorbereitung und die Organisation der Spiele. Ich kann nur wiederholen, was Dr. Lewald in Wien und in Athen feierlich erklärt hat. Alle deutschen und ausländischen -Sportsleuto und Athleten, die dio olympischen Bedingungen erfüllem, werden iu Berlin willkommen sein. Wir haben zum Beispiel den jüdischen Sportsmann Rudi Ball zum offiziellen Mitglied der deutschen Eishockeymannschaft berufen. Ferner haben wir vor Monaten schon die gegenwärtig in Kalifornien studierende Helene Mayer davon verständigt, daß sie a n die Spitze unserer weiblichen Fechtmanns c h a f t gestellt werden soll. Schließlich haben wir eben erst sechs hoffnungsvolle athletische Begabungen eines jüdischen Sportklubs ausgewählt, dio an den demnächst beginnenden olympischen Vorbereitungskurseii für Deutschland teilnehmen werden. Sie sehen also, mit welcher Loyalität Deutschland soino in Wien eingegangenen olypischen Verpflichtungen zu halten gewillt ist.“ Im Gefühl, daß der Judenpunkt der An- Olympiade ist, beeilen sich die deutschen Sport-Propagandisten, Versprechungen zu machen, deren Erfüllung gar nicht in ihren Händen liegt. Wie zum Beispiel können diese Herren die persönliche Sicherheit der Helene Mayer garantieren, gegen die von der Presse so heftig gehetzt worden ist? Unbeschadet der von Dr. Diem genannten Beispiele kann selbstverständlich keine Rede davon sein, daß die Juden im deutschen Sport vollberechtigt seien. Ein neuer Sieg des Makkabi-Boxers Blau In der Vorschlußrunde der Juniorenkonkurrenz des österreichischen Amateurboxverbaiules, welche am 17. Juli im Festsaale des Hotels Bayrischer Hof stattfand, konnte Blau (Makkabi) gegen Stehlik (Sportklub) iu überlegener Form und unter größter Anteilnahme des Publikums siegen. Jüan, dor durch soino letzten Erfolge zu den besten österreichischen Mittelgewichtlern zu ist, wird wie sein Klubkollege, der gewichtler Pfeffer, am 31. Juli zählen Federder Sehlußrundo der Konkurrenz Meistertitel kämpfen. in um den Ehrung Dr« Josef Löwen» herz anläßlich seines 50« Geburtstages Unser Gg. Dr. Josef Löwenherz begeht am 6. August 1934 seinen 50. Geburtstag. Die Ehrungen dieses um den Zionismus so verdienten Gg. wurden von einem Komitee vorbereitet, dem u. a. angehören: Kommerzialrat Artair Albere; Adolf B ö h m, Prä«, des Keren Kajemeth; Doktor Jakob Ehrlich, Rat der Stadt Wien; Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang; Dr. Z. F. Finkelstein; Dr. Desiider Friedman n, Prä«, der israelitischen Kultusgemeinde; Dr. Oskar G r ü n b a ti m, Präs, dee Zionistischen Landeskomitees; Dr. J. H. Körner; Dr. Leo Landau; Isidor L e b e n s o h n; Dr. Gyula M i k 1 o ß, Prä«. der ungarischen Organisation; Israel Müller, Frau Sabine Pass weg; Sejmdeputierter Dr. Henryk Rosmarin, Lemberg; Dr. Abraham Schmerler, Leo Schräge; Direktor Gerson Wittlin; Herr und Frau Dr. Chaim Tartakower. Der Keren Kajemeth hat ans diesem Anlässe ein spezielles, mit der Photographie des Dr. Löwen herz versehenes Telegramm - Blanketfc herausgegeben, welches 1. von Gruppen (Zionistische Sektionen, Vereine und Verbindungen, Wizo-Gruppen, Bethäuser u. dgl.), 2. von Einzelpersonen ausgefiillt wird. Alle T elegramme w e r den beim K e r e n IC a j e in e t k gesammelt und in künstlerisch ausgeführter Buchform dem Jubilar nach seiner Rückkehr aus Amerika, wo er derzeit weilt, überreicht werden. Die Telegramm-Blankette eind im Keren Kajemet-Büro erhältlich. Preis für GrappenformuJare S 10.—, für Einzelpersonen S 1.—. Der Erlös wird zu einerEhrung des Dr. Josef Löwenherz im Rahmen der Keren Kajemeth-Anfbauarbeit in Erez Ierael verwendetwerden. Prachtvolle Aufnahmen von der Trauerfeier, für Bialik auf dem Wiener Zentralfriedhof sind zum Preise von S 2.— ian Zionistischen Landeskomitee, Wien, I., Kärntnerstraße 28, erhältlich. KUNSTCHRONIK österreichische Schauspieler aus Deutschland. Die „F ü n f e r - T r u p p e“, die in Berlin und Wien großen Erfolg hatte, veranstaltet am Mittwoch, den 8. August 1934, >£9 Uhr abends, im Festsaale dos Hotel Continental, H„ Taborstraße 4, einen aktuellen Abend unter dem Titel: „Aus verbrannten Büchern“. \us dem Programm: Feuchtwanger, Kestner, Klabund, Mann, Z^weig u. a. Es wirken mit: Elisabeth Graaff, Inge Wendt., Herbert Berg-* hof, Hans Groß, Jaro Klüger. Leitung: Walter FILM „Feuer im Nachtexpreß.“ Ein neuer Fox- Film, der in sensationeller Weise die Geheimnisse der amerikanischen Unterwelt entschleiert, wird demnächst in mehreren Wiener Kinos zu sehen sein. Touristik und Skiklub „Hakoah“. Bonntag, den 29. Juli: Badeausflug. Zusammenkunft 8 Uhr, Nußdorferplatz. Klubabende jedeu Freitag im Iilubhoim, I., Wiesingerstraße 11, Tel. R25-Ö-10. Werdot Mitglieder des einzigen jüdischen Touristenvereinos. Gäste immer willkommen. Ganzjährige Ermäßigung auf den gelpunkt für das Gelingen der Berliner österreichischen Bundesbahnen. JÜDISCHER KALENDER 27. Juli — 1. August 1934 ij.—21* Ab J694 Freitag, 27. Sabbath-Eingang 7 Uhr 35 Samstag, *8. Sabbath-Ausgang 8 Uhr 3 t Wochenabschnllt t Waetchanan