Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 373 (27.7.1934)
- Date
- 1934-07-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3054070-3054127--4380-3059993- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Belte i DIE STIMME Nr. 373 — 27. Juli 1034. Palästina Deterdings Interessensphäre? Die in New York erscheinende und vom Sohne von Pr. Stephen i s o herausgegehone Zeitschrift ..O ]'i ni o n“ bringt rinen sensationellen Artikel aus der Feder des bekannten Journalisten Pierre van Aniloiufig der Paläslinaamtskomnui^Bon in Wien P a as s t für D e rr/.ühlt. T u v i a E r d ü 1 : Titel ..P a 1 ä s t i n a Pierre van Paassen Uhaluziiu in Beer inner Bnnmenbohrung auf . Am nächsten Taste erschien 1 n unter dem t e r d i n g". daß kiirzlieh bei üUßen General Yö a u e h o p e mit Herrn Reit h- Roaeh und anderen Beamten und stellte fest, daß tatsächlich Erdöl gefunden worden sei. Er ordnete an. daß das Erdloch sofort verschüttet werden müsse, und diese Arbeit wurdn dann durch Regierungsbeamte überwacht. Außerdem sei durch einen Erlaß der Regierung bis zur Herausgabe weiterer Weisungen d a s Graben von Brunn o n v e r b o t e n worden. Pierre van Paassen behauptet nun. daß die englische Regierung einen "roßen Posten von Aktien der ..Asiatic Petroleum C o m p a n v" besitze, und erinnert an eine diesbezügliche Erklärung des Unterstaatssekretärs des Ministeriums des Äußern. Eden, vom Jänner 1033 im englischen Unterhause. Van Paassen behauptet auch, es seien gegenwärtigen eng- Mitglieder des Ver- „Asiatic Petroleum Präsident der be- Henvier Minister der lischen Regierung waltungsrates der Company“, deren kannte Petroleum-Großindustrielle drik Willem Deterding ist. Pierre van Paassen behauptet weiter, daß zur Zeit der San-Rcmo-Konferenz ein geheimes Abkommen z w isehen der Palästina -Regierung und der Asiatic Petroleum Company geschlossen worden sei, das am 3. September 1932 ratifiziert wurde. Nach diesem Übereinkommen habe sich die Palästina-Regierung verpflichtet, weder in Palästina noch in Transjordanien Ölbohrungen zuzulassen. Die Asiatic Petroleum Company sei nämlich auf Grund der Gutachten ihrer geologischen Sachverständigen davon überzeugt, daß es in Palästina und Transjordanien sehr mächtige Ölvorkommen gebe, die diese Länder zu einem zweiten Mexiko oder Kaukasus machen würden. Palästina sei dadurch potentiell eines der reichsten Länder der Welt. Diese Ölvorkommen gehören aber zum Machtbereich Deterding s, und dürfen daher weder vom Jischuw, noch von den Arabern ausgebeutet werden. Außerdem würde durch die Exploitierung der palästinensischen Ölfelder ein katastrophaler Preissturz eintreten. Deswegen sei derzeit jede Bohrung verboten. Der Artikel erinnert schließlich an die bevorstehende Fertigstellung der ö 1 r ö h r e nleitung von Mossul nach H a i*f a und meint, dieses Unternehmen solle Deterding für die Konfiskation der ihm gehörigen kaukasischen ölfelder der Firma Shell im Kaukasus entschädigen. Diese Mitteilungen der „Opinion“ sind so wichtig, daß eine offizielle Stellungnahme der Zionistischen Exekutive am Platze wäre. Ihre Richtigkeit vorausgesetzt, werfen diese Nachrichten auch ein bezeichnendes Schlaglicht auf die englische Politik in Palästina. Wir wollen noch ergänzend bemerken, daß Deterding einer der Hauptgeldgeber des deutschen Nationalsozialismus sein und daß seine finanzielle lind politische Unterstützung die Machtergreifung Hitlers ermöglicht haben soll. Die Wiener Palästinaamtskommission befand sieh seit längerer Zeit in einer Krise. Die revisionistischen Vertreter erschienen eines Tages zu den Sitzungen in Uniform und mit Stücken versehen. Es kam zu bedauerlichen. tätlichen Auseinandersetzungen, worauf die revisionistischen Vertreter von drei Sitzungen ausgeschlossen wurden. Trotzdem erschienen sie weiter bei den Sitzungen.. Außer dem Vorgehen der Re visionisten bildete auch die Person des Mit gliedes Schnittlich. der von einem Teil der Mitglieder der Kommission wegen seiner an geblich freidenkerischen Einstellung be kämpft wurde, eine schwere Belastung. Der interimistische Leiter des Palästina amtes. Herr Dr. Rothenberg, war mit unendlicher Geduld bemüht, den Frieden wiederherzustellcn. Leider blieben alle seine Bemühungen vergeblich. Die Situation ver schärfte sich noch, als die Revisionisten und die Judenstaatspartei die letzte Verteilun von ehaluzisehon Zertifikaten zum Anlaß nahmen, eine Kampagne einzuleiten, deren Ausmaß in keinem Verhältnis zu dem vor liegenden objektiven Tatbestand steht. Bei der gestrigen Sitzung erschienen die ausgeschlossenen revisionistischen Mitglie der der Kommission neuerlich in Uniform Die Situation lag nun so, daß die Kommis sion seit Wochen arbeitsunfähig war. Wich tige Agenden konnten nicht erledigt werden Die Revisionisten und die übrigen, ihnen Schützenhilfe leistenden kleinen Gruppen hatten es anscheinend darauf angelegt, die Kommission lahmzulegen. Den Revisionisten wurde der Beschluß der Exekutive bekanntgegeben, daß ihr weiteres Erscheinen in Uniform die Auflösung der Kommission nach sich ziehen müßte. Trotzdem lehnten die Re visionisten eine diesbezügliche Erklärung ab. BILLIGE SONDERFAHRT NACH P4LEN vom 7. August 6. September 1934 Paßbe^ünstigungcn auch für polnische Staatsangehörige P Polnisches VerkohrsbUro ff \Vi(;h, UI., Heimweg 1 Tel. U 10-1-5)0 In dieser bedauerlichen Situation machte der interimistische Leiter des Palästinaamtes, Herr Dr. Rothenberg, am 23. Juli d. J. von der ihm seitens des Einwanderungsdepartements der Jewish Agency erteilten Ermächtigung Gebrauch und löste die Palästinaamtskommission auf. Auf Herrn Dr. Rothenberg sind damit sämtliche Agenden der Palästinaamtskommission übergegangen. Diese Vorfälle werden von allen ruhig denkenden Menschen bedauert werden. Vielleicht wird man jetzt den jugendlichen Mitgliedern der Kommission und ihren Hintermännern klar machen, daß die Palästinaamtskommission, auf deren Entscheidungen fast 2000 Bewerber um Zertifikate warten, kein Forum sein darf, in dem sich der Kampf der Parteien im unnützen Reden und in Prügeleien austoben darf. Vielleicht wird man jetzt einsehen, daß ältere und ruhigere Menschen eher das Zeug dazu haben, unter den 2000 Bewerbern um Zertifikate die rieh tige Auswahl zu treffen, als temperamentvolle Jugendliche. Sicher aber wird die Öffentlichkeit mit uns meinen, daß die Palästinaamtskommission nicht der Ort ist, in den man politische Gegensätzlichkeiten, die mit der Verteilung von Zertifikaten nichts zu tun haben, hineintragen darf. Ebenso bedauerliche als grundlose Verdächtigungen der Allgemeinen Zionisten in den Presseorganen der Judenstaatspartei und der Revisionisten können nicht darüber hinwegtäuschen, daß diese Gruppen in der praktischen Umschichtungsarbeit, durch die Zahl ihrer Mitglieder und durch ihre zionistischen Leistungen weit hinter den Allgemeinen Zionisten zurückstehen. Ein biß zwei Bczirkssektionen der Allgemeinen Zionisten haben mehr Mitglieder, als alle anderen in Wien neben den Allgemeinen Zionisten existierenden zionistischen Gruppen. Schon aus diesem Grunde hat die Judenstaatspartei bei der Bewerbung um Zertifikate nur eine geringe Zahl von tauglichen Zertifikatsbewerbern aufzuweisen. Bei den Revisionisten ist nicht einmal das der Fall. Wir werden es nicht weiter zulassen, daß diese Tatsachen durch politische Verdächtigungen der Allgemeinen Zionisten weiter verdunkelt werden, und warnen davor, die Hetze gegen die Allgemeinen Zionisten fortzusetzen. Und die Revisionisten müssen endlich begreifen, daß man in einer Organisation nur dann Rechte beanspruchen kann, wenn man sich den Nonnen dieser Organisation fügt. Will man sich nicht fügen, dann hat man in dieser Organisation nichts zu suchen. Darüber können auch noch so oft und mit noch so großem Stimmaufwand wiederholte überhebliche Deklamationen nicht himveghelfen, auch nicht Aktentaschen, die man einem Gegner ins Gesicht schleudert. Wir Allgemeine Zionisten werden uns durch keinerlei Geschrei, von wem immer es kommt, von unserem Weg abbringen lassen. Wir lassen uns von niemandem ins Schlepptau nehmen, und werden stets als Zentrum, das der ganzen Nation dient und nicht eins zelnen Klassen und Ständen, unseren Weg gehen. Wir tragen an den bedauerlichen Zuständen im Palästinaamt keino Schuld. Wie' die Dinge heute liegen, glauben wir, daß Dr. Rothenberg, ein durch und durch objektiver Gesinnungsgenosse, das Palästinaamt besser verwalten wird als die aufgelöste Kommission, deron Entscheidungen leider nicht immer von der Würdigkeit der Einwanderungsbewerber bestimmt waren. Auch die Verteilung der Zertifikate durch den Hechaluz liegt Übrigens im argen. Wir sind überzeugt, daß Dr. Rothenberg sein Ehrenamt tadellos verwalten wird. Es wird bei den Parteien liegen, auf deren Schuldkonto die Auflösung der Palästinaamtskommission zu setzen ist, ob und wann eine neue, bessere Palästinaamtskommission ihm die schwere und verantwortungsvolle Arbeit, zu der er sich nicht gedrängt hat, wird abnehmen können. Palästina meldet: Die Erhöhung der Zahl der Zertifikate Durch die von der „Stimm e“ bereits gemeldete Erhöhung der Arbeiterschedule für das laufende Halbjahr um 1200 Zertifikate wird den dringenden Wünschen der Jewish Agency und der palästinensischen Judenheit nach Anpassung der Arbeitereinrungsgesetze für alle Einwanderer gleichmäßig Geltung haben und von ihm nicht geändert werden könnten. Defizit der syrischen Regierung Jerusalem (Palcor). Wie aus Damaskus gemeldet wird, beträgt das Defizit im diesjährigen Budget der Wanderung an den Arbeiterbedarf des Lau-; syrischen Regierung insgesamt 700.000 syrides und Berücksichtigung des Auswan-; sehe Pfund. Im vorigen Jahre hatte die derungsdranges in den Ländern der Zersyrische Regierung ein Defizit von 300.000 Streuung, wenn schränktem tragen. auch in ziemlich be- Umfang, Rechnung ge- Shertoh beim Kolonienminister Jerusalem, 23. Juli. Mosche S h e r t o k, neben Ben Gurion Leiter des politischen Departements der Pfund. •Zur selben Zeit hat die Regierung Palästinas, des nächsten Nachbarlandes Syriens, in ihrem Staatsschatz einen Betrag von mehr als 2,800.000 Pfund Sterling, der ihr als Überschuß der Einnahmen über die Ausgaben geblieben ist. Allein im Monat Mai d. J. hat der Überschuß der Einnahmen über die Ausgaben bei der Palästina-Regie- Palästina-Exekutive der Jewish Agency, ist j rung 200.000 Pfund Sterling betragen. Dieser in L o n d o n eingetroffen. Shertok hatte be- | ungeheure Unterschied in der finanziellen reits eine einstttndigo Unterredung mit dem Kolonienminister Sir Philipp Cunliffe-Lister, i der insbesondere Fragen der j ii d ichen Einwanderung nach Palästina erörtert wurden. Situation der beiden Nachbarländer erklärt sich naturgemäß ausschließlich aus dem Geldstrom, den die jüdische Einwanderung nach Palästina führt. Fatsche Gerüchte über Rücktritt Wauchopes Das Büro des Chefsekretärs der Palästina- Regierung dementiert das Gerücht, Wauchope werde in diesem Jahre aus dem Amte scheiden. Alle Gerüchte über einen Rücktritt des High Coinmissioners sind vollkommen unbegründet. Tisch« b‘Aw in Jerusalem Jerusalem, 23. Juli. Das Polizei-Communique, das Samstag Abend herausgegeben wurde, stellt fest, daß in Jerusalem eine gewisse Spannung zu bemerken ist. Große Judenmassen strömten zur Klagemauer, um dort anläßlich des Vorabends von Tischa b‘Aw ihr Klagegehet zu verrichten. Palästinensisches Komitee zum Schutze der arabischen Einwanderung Jerusalem (Palcor). Wie die arabische Presse meldet, wurde in Palästina ein besonderes Komitee zum Schutze der arabischen Einwanderung gebildet. Die Vertreter dieses Komitees haben vor einigen Tagen dem Leiter des Einwanderungsdepartements der Regierung, Mills, oino Reihe von Forderungen zur Erleichterung der Einwanderung von Arabern, die früher einmal in Palästina wohnten und vor einigen Jahren uusgewandert sind, vorgetragen. Diese Einwanderer sollten vom Nachweis des Vermögens befreit werden. Mills hat geantwortet, daß dio Einwande- Die Einwanderung in Palästina int Mai Im Monat Mai wand ertön in Palästina 2109 Personen, unter ihnen 2035 Juden, zu ständigem Aufenthalt ein. Untex den eingewanderten Juden waren 355 Kapitalisten mit einem Mindestvermögen von je 1000 Pfund. Der Budgetübersehuß der Palästina-Regierung betrug Ende Mai 2,820.062 Pfund. In T i b e r i a s wurden 36 jüdische Männer, Frauen und Kinder auf Grund der Denunziation arabischer Chauffeure als illegale Einwanderer verhaftet. An der transjordanischen Grenze wurden drei Juden aus Bagdad, die nach Palästina gehen wollten, verhaftet. Acht Juden wurden beim Versuch, die Nordgrenze Palästinas von Syrien her zu überschreiten, verhaftet. An der gleichen Grenze wurden drei jüdische Frauen in Haft ge-- nommen. Das Deutsch-Palästinensische Transfer-Abkommen Haifa, 23. Juli. Nach dem Bericht der Haavara Ltd., dio die Abwicklung des doutsch-palästin onsi sehen W a r e n - Transferabkommens auf palästinensischer Seite besorgt, betrugen bis 1, Juli dio Gesamteinzahlungen auf Sonderkonto I 4,93 Millionen Reichsmark, auf Sonderkonto II 1,61 Millionen Reichsmark. Die Summe der Transfermeldungen in der Zeit vom Abschluß des ersten Abkommens im Herbst 1933 bis zum 17. Juni belief sich auf 8,13 Millionen Reichsmark. Außerdem wurden 1,05 Millionen Reichsmark zum Transfer über dio drei WIEHS! Beteiligt Euch an der Vo!ksadresse zu Ehren Dr« Josef Idwenherz anläßlich seines 50. Geburtstages. Telegrammblnnkette ä S 1’— im Keren Kajemelh- Büro, I., Kärntnerstraße 28 erhältlich