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Die Stimme · 1934-07-27 · Heft 373 (27.7.1934) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 373 (27.7.1934)
Date
1934-07-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 378 - 27. Juli 1934. DIE STIMME Seife 9 habe sich in nicht niedorzuschreibender .Weise einem vierzehnjährigen Mädchen ge nähert,. Das Gericht erklärte, nach den eigenen Mitteilungen des Artikels, die An gaben des Mädchens darüber für unglaub würdig und schickte es in eine Erziehungs anstatt. Hugo Totschek wurde fre gesprochen. Wie es ihm dann weiter nach dem Siege Hitlers erging, darüber be richtet der Artikel in kurzen Worten: Erst die nationalsozialistische Revolution brachte den Verführer („Der Stürmer1 erbringt für diese Verleumdung nicht den Schatten eines Beweises) ins Konzen trationslager. Hier wurde Hugo Tot schek sich selbst zum Richter, er nahm einen Strick und erhängte sich. Der Jude Totschek hat gewuchert und ge raubt, geschändet und vergiftet, er hat ge tan, was das jüdische Gesetzbuch Talmud Schulchan-aruch den Juden vorschreibt (!) Die Denkschrift gibt dann eine Reihe ähn licher im „Stürmer“ geschilderter „Aktio nen“ wieder, weist auf die in jeder „Stür mcr“-Nummer wiederkehrenden gesohäft liehen Verunglimpfungen, Drohungen und Erpressungen hin und zitiert zum Schluß das folgende Beispiel der „Stürmer“-Lyrik „Dem deutschen Mädchen ins Stammbuch Der Teufel soll das Mädchen holen, Das mit dem Jid intim verkehrt, Man sollte ihm den Steiß versohlen, Wenn es nicht deutsche Sitte ehrt. Ein leuchtend Brandmal auf die Stirne Und einen Stempel: ,Judendirne,!<t Billige Idingen sind billig. Sanft, gründlich, rassig und preis* wert ist natürlich nur SWING Dr. Meier Hildesheimer gestorben In Berlin ist Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer im 71. Lebensjahr gestorben. Die Vorgänge ln der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Die Palästina-Korrespondenz meldet: Aus authentischer Quelle haben die leitenden zionistischen Instanzen in Jerusalem eine Reihe wichtiger neuer Einzelheiten über die letzten Vorgänge in der zionistischen Bewegung in Deutschland und über die Umstände erhalten, die zum Verbot zionistischer Versammlungen in Berlin geführt haben. . Eine der Berliner zionistischen Bezirksgruppen hatte in ihr eigenes Lokal in der Landsberger Straße eine Versammlung einberufen. Es erschienen zirka 800 Zionisten, darunter auch etwa 20 bis 80 Revisionisten. In der Diskussion nahm unter anderem auch ein gewisser G e t z 1 e r, Mitglied der revisionistischen Jugendorganisation „Herzlia“, das Wort. In seiner Rede rief er dem Sekretär der Berliner Zionistischen Vereinigung, Herrn Tschertok, zu: „Marxistenschwein!“ Diese Worte riefen im Saale einen gewaltigen Tumult hervor, und die Revisionisten wurden aus der Versammlung hinausgeworfen. Die revisionistische Gruppe stellte sich darauf neben dem Saale auf der Straße auf und begann im Sprechchor zu rufen: „Marxistengesindel heraus!“ Am nächsten Morgen erschienen in der Zeitung „Der Angriff“ die bekannten Enthüllungen über die „Geheiraversammlungen jüdischer Marxisten“ in Berlin und über die unter dem Deckmantel des Zionismus betriebene marxistische Propaganda. Bald darauf führte die Polizei im Büro der Berliner Zionistischen Vereinigung in der Meinekestraße eine Haussuchung durch. Die anderen im selben Hause befindlichen zionistischen Büros wurden von der Polizei nicht berührt. Auch bei allen V orsitzenden der Berliner zionistischen Bezirksgruppen wurden Haussuchungen gehalten und sie selbst in der Geheimen Staatspolizei vernommen. Bei all diesen Haussuchungen wurde nichts Belastendes gefunden. Während des polizeilichen Verhörs, zu dem auch der Revisionist Getzler vorgeladen wurde, wiederholte dieser seine Beschuldigungen und fügte hinzu, daß die sogenannte U m s c, h i c h t u n g szu anderen produktiven Berufen zu helfen — die durch den Hechaluz unter den deutschen Juden durchgeführt wird, nichts weiter sei, als die verkappte Ausbildung „u n iformierter Ordnerabteilungen der Berliner Zionistischen Verein i g u n g“. Der Polizelbeamte machte Herrn Getzler darauf aufmerksam, welche Folgen seine Beschuldigung haben könne; dieser hielt sie jedoch aufrecht. Am nächsten Tage erschien im „Angriff“ erneut ein Artikel über die geheimen Marxisten und die „uniformierten zionistischen Ordnergruppen“ usw. Als Ergebnis verbot die Polizei die Veranstaltung zionistischer Versammlungen. Eine Frauenvcrsammlung der Wizo, die eine Woche später stattfand, wurde durch eine Gruppe nationaldeutscher Juden gesprengt. An der Sprengung dieser Versammlung beteiligte sieb aktiv ein gewisser Schwarz, der, wie zuverlässig festgestellt wurde, von Herrn Kareski, dem Führer der deutschen Revisionisten, regelmäßige Belohn nungen erhält. Das polizeiliche Verbot zio* nist.ischer Versammlungen wurde offiziell mit „polizeilichen Sicherheitsgründen“ begründet und vorläufig auf Berlin beschränkt. In allen zionistischen Kreisen Deutschlands hat die Haltung der Revisionisten, die kein Mittel scheut, um ein offizielles Verbot der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und des Hecbaluz herbeizuführen, ungeheuere Aufregung hervorgerufen. Des Emirs Londoner Sendung Von unserem Korrespondenten Ch. Haller, Tel-flviv Tel-Aviv, 15. Juli 1934. Der Emir von Transjordanien trifft dieser Tage von seinem Besuch in London ein, wo er während zwei Wochen die zuvorkom mende, gastliche Behandlung eines brifci sehen Vasallen genoß — eines der unzäh ligen, die die von Interessenverknüpfung Entgegenkommen und Gewalt geleitete Taktik der britischen Staatskunst bei der Stange des Imperiums zu halten versteht Wie man hört, kehrt der Emir glücklich und befriedigt nach seiner weit stilleren und beschaulicheren Residenz zurück. In eiuem Brief, der von ihm bei seinem Privat sekretär in Amman eintraf, meldete er von seiner geglückten Sendung, und da er Details mitzuteilen unterließ, so gab er der orientalischen Phantasie seiner Volksgenossen für einige Zeit freie Bahn. Denn der Kombinationen über das Ziel der Londoner Reise des Emirs waren viele, von denen der angebliche Plan einer Vereinigung von Trans- und Ziejordanien mit dem Emir als König die Geister am meisten beschäftigte. Der Emir selbst gab nicht wenig Anlaß zu der fruchtbaren Tätigkeit der Phantasie durch die Art seiner Vor bereitungen und der vielen Konferenzen mit palästinensischen Notabein, die seiner Abreise vorangingen und die ihn autorisieren sollten, auch im Namen des arabischen Palästina als Sprecher auftreten zu können Der Emir ist während der letzten zwei Jahre etwas mehr aus dem Dunkel eines unbedeutenden und abhängigen Regenten eines ebenso unbedeutenden Landes infolge zweier Umstände in den Vordergrund getreten: die wachsende Aktualität Transjordaniens als präsumptives Ansiedlungsgebiet für die Juden, und der vorzeitige Tod seines um vieles bedeutenderen Bruders Faissal, des Königs von Irak. Dieser genoß infolge seiner repräsentativen Rolle während des Weltkrieges und der Zeit der Friedensverhandlungcn, wie wegen seines größeren persönlichen Gewichts ein moralisches Ansehen in der arabischen Welt über seine Grenzen hinaus, und er suchte auch die palästinensische Politik inoffiziell zu beeinflussen. Seit seinem Tode prätendiert Abdallah als heute einziger regierender Sohn Hussein von Hedschas auf diese Führung. Aber darin, wie in seinen zweifellos vorhandenen palästinensischen Aspirationen, ist ihm ein starker Widersacher in der Familie Husseini, deren Führer der Obermufti von Jerusalem ist, entstanden. Die Frage der Zulassung der Juden in Transjordanien bildet einen Teilungsfaktor, der in der innerarabischen Politik beider Hälften des Landes eine eigene Linie zieht. Die schwierigste Stellung hat der Emir selbst, für den sich mit den Chancen, die eine wirtschaftliche Stärkung durch die Ausnützung des jüdischen Elements zur Folge haben kann, noch andere Perspektiven eröffnen, denen gegenüber die kleinen Gegnerschaften dor extremistischen Dorfpolitiker für ihn gering abfalleu. Ein erster Anlauf wurde von ihm vor zwei Jahren durch den transjordanisch-jüdiisehen Pachtvertrag, dessen Gegenstand die ihm vom Lande zum Geschenk gemachten, bisher nutzlosen Böden von Gur-el-Kibad waren, gemacht, der jedoch mit einem Rückzug enden mußte. Er trat vor dem fanatischen Geschrei deT nationalistischen Gegner zurück. Aber so elend und bar jeder Kultur Frage der Judenaufnahme, in der nach außen hin alle Kreise ihre nationale Einwandfreiheit zu bewahren bemüht sind, steht im Hintergründe aller Kampfprobleme. Sie ist der Maßstab für die nationale Zuverläsigkeit. Das Spiel mit dem Verdachte in der Judenfrage bildet eine wirksame Waffe in den Händen der Gegner des Emir, die vom Mufti Emin Hussein! angeführt werden. Dieser ehrgeizige religiöse Potentat von Herbert Samuels Gnaden, der ihn bekanntlich in die Stellung einsetzte, präten diert für sich die Führung der palästinensischen Araber. Die verbreitete Version von der Vereinigung beider Landeshälften mit dem Emir als König, die das Ende der vorherrschenden Stellung der Mufti-Familie in Palästina bedeuten würde, wirkte auf diese wie das rote Tuch. Das Mufti-Organ „Al Dschamieh“ wurde gegen den Emir in einer Weise ausfällig, die den Widerspruch in den Reihen der eigenen Anhänger erregte. Die ganze Londoner Reise wurde als „zionistische Intrigue“ hingestellt. Aber die Gegnerschaft greift über das Gebiet der persönlichen Ambitionen in das der großen arabischen Politik hinaus, worüber in einem anderen Zusammenhänge gehandelt werden soll. Soweit aus . den bisherigen Londoner Nachrichten geschlossen werden kann, bewegten sich die Besprechungen des Emirs im Kolonialamt um das eigentliche Ziel der Reise, das einige Verbesserungen des englisch-transjordanischen Vertrages in der Richtung deT Verbreitung des Souveränitätsrahmens zum Zwecke hatte, und in der Hauptsache: um wirtschaftliche Hilfe. Denn die Lage auf diesem Gebiete ist um so schmerzvoller, als die von der Not festgehaltenen Einwohner Transjordaniens auf der anderen Seite des Jordans Brot und Wohlstand sehen. Die einsichtigen Araber, zu denen offenbar der Emir selbst gehört, sind sich darüber im Reinen, daß die Lage nur durch die gleichen Mittel wie in Zisjordanien, durch Hinzuziehung von Juden und jüdischen Kapital, zum Besseren gewendet werden kann. Schon vor Monaten kam die ägyptisch-arabische Zeitung „El- Akbibar“ in einer ausführlichen Darstellung zu dem Ergebnis, daß „Transjordanien nur durch die Juden erlöst werden kann“. Die englische Presse wußte vor kurzem zu melden, daß der Emir seine Anwesenheit in London dazu benützte, um englische Finanzkreise für sein Land zu interessieren, und daß er damit vollständig abfiel. Und das ist kein Wunder. Transjordanien bietet kein Objekt schnell ausbeutungsfähiger Gewinnchancen dar, wie es das internationale Anlagekapital sucht. Es kann nur das Ziel eines bodensuchenden Volkes sein, daß nicht Reichtum, sondern Existenz sucht. Für den Emir blieben somit zwei Hilfsquellen übrig: das englische Kolomalamt — und die Juden. Die Regierung versprach aus ihren Mitteln die Entwicklung der Wasserkräfte des Landes zu fördern, um eß weniger auf die in diesen Gebieten unzuverlässigen Regenfälle angewiesen sein zu lassen. Sie wird ferner, vorausichtlich, eine beschränkte Anleihe für den Bau von Straßen und anderer öffentlicher Werke flüssig machen. Aber nach dem Londoner „Daily Express“ sei nicht daran zu zweifeln, daß der Emir bei dieser Gelegenheit dem englischen Kolonialminister naebzuweisen gesucht hat, daß, um die Lage von Kapital unumgänglich notwendig sei. Und nach der Meinung des englischen Artikelsohreibers dürften die Folgen dieser Unterredung in der nächsten Zukunft in Erscheinung treten. Ob und inwieweit dies den Tatsachen entspricht, wollen wir vorläufig dahingestellt ßein lassen. Die englischen Mühlen mahlen bekanntlich sehr langsam. Zunächst sind noch allzustarke Widerstände wegzuräumen — nicht zum wenigsten die in der englischen Einstellung selbst. Denn diese ist ja für uns Juden besondere interessant. Transjordanien bietet da3 Bild einer Politik von zweierlei Maß in einer nichts zu wünschen übrig lassenden Unverhülltheit. Die Einwanderung von Juden nach diesem Teil Palästinas ist verboten, während dem umgekehrten Vorgang praktisch kein Hindernis im Woge steht, Es ist kein Geheimnis, daß bei dem Rückzug des Emirs vom El Kibad-Pachtvertrag weniger der Widerstand der Extremisten, den er wohl mehr oder weniger in Rechnung gezogen hatte, aJe das Abwinken der Mandatsmacht den Ausschlag gab. Und dabei ist kein Zweifel darüber möglich, daß die ganze Politik in dieser Frage im Widerspruch zum gesetzlichen Status steht. Vor der Mandatskommission des Völkerbundes begründete der englische Vertreter diese Stellungnahme mit den schwierigen Sicherheitsverhältniiesen in Transjordanien, unter denen die Mandatarmacht nicht leicht die Verantwortung für die Sicherheit jüdischer Siedlungen übernehmen könne. Dieses Argument ist zweifellos nicht von der Hand zu weisen, wenn es auch kaum den entscheidenden Grund darstellen dürfte. Vielmehr wird in dieser Haftung eine Konzession an die extreme arabische Richtung zu erblicken sein. Vielleicht paßt es vorläufig England auch besser, wenn sich bloß der zisjordanische Teil Palästinas entwickelt und dadurch eine wirtschaftlich-günstige Basis für den' Ausbau des politisch-strategischen Punktes abgibt, auf den es ankommt, während Transjordanien als störungsloses und von Komplikationen freies (dadurch, daß es politisch und wirtschaftlich in seiner Abhängigkeit bleibt) Glacis zu jenem Stützpunkt erhalten wird. Und es ist nichts leichter als dies: es hält die Grenzen nach dem diesseitigen wirtschaftlichen Dorado offen. Wer von den 300.000 Transjordaniem nach dem Verdienst bietenden Palästina gehen will, braucht bloß die Jordanbrücke au passieren. Und dies geschieht auch. Hat der Staatshaushalt besondere Sorgen, eo sind sie mit einem kleinen Vorschuß aus der reichlich gefüllten Kasse Palästinas schnell zu beseitigen. Damit sind wohl nicht alle Teile zufrieden, aber das ist ja gar nicht nötig. Einer allzu starken Spannung stehen ja jene Ventile offen — und so kann es noch zunächst weitergehen. Aber wie Immer ee sei, nach den bisherigen Gestaltungen haben wir hier keinen Grund, pessimistisch in die Zukunft zu sehen. Die Zeit war uns bisher nicht ungünstig und es ist zu hoffen, daß sie je länger, je mehr uns die Menschen und die Dinge uns entgegenreifen lassen werden. Die Engländer wie die Transjordanier sind uns gute Treuhänder für die fruchtbaren Gebiete der zweieinhalb Stämme Reuben, Gad und Menasse. Nur jüdische Hände wenden von diesen Böden die in Jahrhunderten der Vernachlässigung entstandene sterile Kruste entfernen und ihnen die alte a r b o i t — eino Aktion mit der Aufgabe, den das Land in jedem Betracht ist, so scharf dem gegenwärtigen toten Punkt wegzubrin-, Fruchtbarkeit, die sie zur Kornkammer des deutschen Juden freier Berufe beim Übergang | sind in ihm die politischen Gegensätze. Die | gen, der Einfluß von Juden und jüdischem J alten Roms machten, Wiedergaben,

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