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Die Stimme · 1934-07-27 · Heft 373 (27.7.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 373 (27.7.1934)
Date
1934-07-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 37-1 — 27. 'Juli UW. suchet Eminsers Gaststätten am Praterstern IaLT'* für seine Erlösung geschaffen. Zwei hinge — hat Bnlfour gesagt — hat der Weltkrieg gebracht: den Völkerbund und 'las jüdisch e X a t i o n a 1 h e i m. Ein ' der schönsten Taten hat der Völkerbund vollzogen, indem er die B.tlfonr-Lrklärung sanktionierte und den Schutz der MimUrheitcn in das neu sich bildende Völkerrecht aufnahiu. In San Remo sind von den Führern der zivilisierten Staaten diese Ziele des Zionismus angenommen worden und das jüdische Volk hat zu bauen begonnen. In Europa ist die gegenseitige Feindschaft der Völker und Staaten fortgeschritten. ist von den tausend Jahre alten Kulturnationen kein einziger fruchtbarer Gedanke zur Bewältigung der Weltnot aufgebracht worden; aber das kleine jüdische Volk hat seine staatsbildende Kraft gezeigt. Mit dem Feldstecher der großen Nationen betrachtet, ist dieses Werk sehr klein und gering: aber während sich in Europa lind Amerika die Substanz verringert, haben die Juden echte und rechte Werte in Palästina geschaffen. Und sie sind heute so weit, daß der Mandatsträger, der ihnen helfen sollte und nie geholfen hat. mißgünstig auf die Arbeit sieht und täglich neue Barrikaden in den Weg stellt. Das ficht uns nicht an. Aber es sind aus dieser Situation Probleme entstanden, die vielleicht den Sinn der Arbeit verfälschen. Es ist Parteiwesen Europas in den Aufbau eingedrungen; und das Gift der alten Welt, linker, starrsinniger Egoismus und rechtsgerichtetes militaristisches Denken macht sich in Palästina fühlbar. Beides ist unjüdisch, beides macht alle Mühe vergeblich. Palästina ist dem Judentum verschrieben worden, aber keiner Partei, und wenn die zionistische Organisation nicht eines Tages vor dem inneren Krieg stehen soll, dann muß sie schon jetzt mit den schärfsten Mitteln gegen die Exaltados vorgehen. Wir werden aber auch dies überwinden. Vor zwanzig Jahren waren in Palästina 50.000 Juden, heute sind es 300.000, nächstes Jahr werden es 400.000 sein. Wir gehen vorwärts. Diese zwanzig Jahre wird das jüdische Volk nie vergessen können, diese Entwicklung von der Judenzählung bis zu Hitler. Aber es ist doch ein trostvoller Gedanke, daß die Idee Herzls, aus dem Ghetto zum Judenland zu kommen, sich durchgesetzt hat. Palästinaabteilung ’wre'unö Josef Popoer Internationale Tran8porte Wien, II., TaborstraBe 22 Telephon R 48-5-10, R 40-5-70 Serie Spezial -Warentransporte, Übersiedlungen, Verpackungen für Palästina, Transport- und Reisegepäckversicherungen. Auskünfte jeder Art über Palästina. guter Deutscher zu sein hat. unterstützt im geschäftlichen Leben zuerst seine deutschen Volksgenossen. Der Jude muß von uns ausgeschaltet werden, wo es nur geht. Jegliche Großmut den Juden gegenüber ist falsch. Wir sehen tagtäglich, wie sich das Wcltjudentum bemüht, die übrigen Völker gegen ms Deutsche aufzuhetzen und Deutschland wirtschaftlich zugrunde zu richten. Wir dürfen nicht dulden, müssen cs vielmehr als Verrat an unserer Bewegung und am deutschen Volle brandmarken, daß .Nationalsozialisten in jüdischen Geschäften kaufen. Pers ö n I i c h c r V e r k e h r m i t Juden ist für Nationalsozialisten ausg e s e h 1 o s s e n.“ Keine Besserung inDeutschland zu erwarten Die Lage ist Danzig Warschau, 24. Juli. Von einem aus Danzig zurückgekehrten Kaufmann erhält die JTA folgende Informationen: Vor einiger Zeit hat der Präsident des Danziger Senats eine Erklärung über die Unzulässigkeit des wirtschaftlichen Boykotts der Jaden in Danzig abgegeben. Sofort danach erließ der Gauleiter Forst or, der irn Aufträge von Hitler an der Spitze der Partei in Danzig steht, das folgende Rundschreiben an alle Parteifunktionäre: ,,E inen anständigen Juden gibt es für einen N a t i o u a 1 soziali s fc e n nicht. Diese Rasse ist und bleibt unser Todfeind. Alles, was wir an Not und Elend erlebt haben und noch erleben, hat diesos Volk angezettelt. Unsere Gastfreund s c h a f t darf nicht so weit gehen, daß wir den Juden geschäftlich unterstützen. Ein Nationalsozialist, der ein besonders j ..Die Juden dürfen von Hitler nichts an-! nehmen!“ — Das war die Antwort einer j jetzt vorübergehend im Saarland weisenden angesehenen deutschen Persönlichkeit! an den Vertreter der Jüdischen Telegraphen- | Agentur, der diese Persönlichkeit fragte, ob! im Hinblick auf die Tatsache, daß Hitler ' sich jetzt, statt wie bisher auf die radikale SA., auf die Reichswehr und die konserva-; tiven Kreise stützt, nicht eine Milderung in der Behandlung der Juden und eine Unterbrechung der antijüdischen gesetzgeberischen und praktischen Maßnahmen zu erwarten sei. Auf keinen Fall ist jetzt eine Besserung der jüdischen Lage zu erwarten, wohl aber eine Verschlechterung, erwiderte die Persönlichkeit. Die Juden sind jetzt, wo die Hitlermacht sich auf eine obere herrschende Schicht stützt, gegen die sich eine seit Jahr und Tag verhetzte untere Schicht verbissen stemmt, in eine Zwickmühle geraten; sie sind das Korn zwischen zwei Mühlsteinen. Ihre Lage läßt sich durch folgende drei Sätze charakterisieren: Erstens: Hitler, der sich jetzt in der Abwehr nach unten befindet, muß den ag-ressiven Antisemitismus steig e r n, um auf diese Weise zu versuchen, den Verdacht einer Schwenkung nach rechts zu entkräften. Wohl würden gewisse konservative Kreise um Hitler die - staatliche ■Judenpolitik, die dem Deutschen Reich sq viel geschadet hat, ein wenig gemildert sehen, schon um angesichts der außenpolitischen Spannung ein bißchen Luft zu bekommen. Allein sie werden sich hüten, auf Hitler einen Druck nach dieser Richtung auszuüben, da sie seine Position angesichts des immer schärfer werdenden wirtschaftlichen und sozialen Drucks nicht erschvyeren wollen. Heute wollen die konservativen und die Reichswehrkreise Hitler halten, weil in Deutschland jetzt noch keine Persönlichkeit zu finden ist. die die heterogenen Kräfte im Reiche noch meistern könnte. General Schleicher, der einzige, der heute noch ein staatserhaltendes Regime hätte schaffen könneu, ist — eben darum — hei dem allgemeinen „Aufräumen“ mit beseitigt worden. Zweitens: Angesichts der zunehmenden Verbitterung bei der in ihren Hoffnungen enttäuschten SA-Masse würde eine irgendwie bedeutende Milderung der Juclenpolitik — die übrigens gar nicht zu erwarten ist — gerade auch die jüdische Bevölkerung beunruhigen; denn die Verbitterung und Enttäuschung der seit anderthalb Jahrzehnten zu Judenhaß erzogenen und aufgepeitschteu Massen würde sich in Form von Pogromen gegen Juden entladen. Wie gesagt: die Juden selbst wollen und dürfen von Hitler nichts annehmen! Drittens: Es besteht die Gefahr, daß Hitler seine auf die Eliminierung der Juden ausgehende Politik nicht nur nicht mildern, sondern sogar noch verschärfen wird, da er wirklich keine andere Politik hat, die die aufgebrachten Massen irgendwie beschwichtigen könnte. Es sei durchaus zu erwarten, daß Hitler versuchen wird, die immer sich verschärfenden finanziellen und Ernährungs- Schwierigkeiten dadurch zu „meistern“, daß er eine Lieblingsidee der maßgebenden Führer verwirklicht und d a s j ü d i s c h e V.'e rmö g e.n i n. D e.u.t.s.c h.l a n d, s o w e i,t. e s n ö ü h.,, v.q r h an.de p , u n.d g r e i.f b.a x i-st, in irgend einer verschieiert e n g ese tige b e risehen F o r m oderinForm von unterirdischen praktischen M a ß n a hmen „e rfaßt“ ’ und es der hungernden Menge in den Rachen wirft. Dies — so schloß die Persönlichkeit — die w i r k I i c h e S i t u a t i o n; es wäre sträflich, wenn die ausländischen Juden und das Ausland überhaupt sich in bezug auf die Situation cler deutschen Juden irgend welchen Illusionen hingeben würden. Pogrome ln Hessen Zürich, 23. Juli. In Zürich sind einwandfreie Nachrichten eingegangen, wonach am 30. Juni in Langsdorf und Hungen, zwei Orten in Oberhessen bei Gießen, im Verlauf der dort stattgefundenen antijüdischen Ausschreitungen zahlreiche Juden Schuß- und andere Verletzungen erhalten haben. Vater und Sohn der Familie Oppenheimer in Langsdorf wurden von uniformierten SS.-Leuten erschossen. Der Überfall richtete sich gegen die am Samstag abends aus der der Judenschaft beider Orte gemeinsam als Gebetstätte dienenden Synagoge in Hungen heimkehrenden Juden. In Hessen, insbesondere in den Landbezirken, herrscht ausgesprochene Pogromstimmung. Fünfzehn Juden Innerhalb dreier Wochen ermordet Die Saarbrückener Wochenschrift „Westland“ bringt eine Liste von bisher festgestellten 84 Toten in Deutschland seit dor Bartholomäusnacht vom 30. Juni. Als zur „jüdischen Gruppe“ zu zählende Tote rechnet die Zeitung: 1. Freiherrn von G u 11 e n b o r g; 2. Dr. Walter Förster, Rechtsanwalt in Iiirschberg; 3. Dr. Zweig, Arzt in Iiirschberg; 4. Frau Dr. Zweig in Hirschberg; 5. Dr. Charig, Kaufmann in Hirschberg; C. Jacob.sohn, Kaufmann in Iiirschberg; 7. S c hi f t a n, Kaufmann in Lamlshut; 8. Dr. L i n d c m a u n in Glogau; 9, Dr. J a c o b b o h n in Glogauj 10. Leo Stein, Sohn des Kommerzienrates und Juristen Dr. Maximilian Stein in Berlin; 11. Martin Bergmann, Student in Berlin. Zu dieser Liste kommen noch als in den allerletzten Tagen festgestellte jüdischo Tote hinzu: 12. Simon Strauß, Gastwirt in Gunzenhausen; 13. dessen Sohn Julius Strauß in Günzenhausen; 14. und 15. Vater und Sohn Oppenheimer in Langsdorf. Restaurant Rillet "itPD Bestrenommierte Küche . Reichhaltige Menüs äS t*90u.2*6Q Schwechater Bräu II., Hammcrpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke) Telephon A 41-0-23 Die Paderborner Friedhofsschändung Berlin, 24, Juli. Nach einem Bericht des „Westfälischen Volkshlattes“ hat die Friodhofssohändimg in Paderborn ihre Sühne gefunden. Die als Täter festgestellte ti Johann Schmidt, Franz N e h e r in a n n und Hermann W ü 11 n e r haben vor dem Paderborner Schöffengericht gestanden, in der Nacht vom 28. zum 29. Juni den Davulstorn (Mögen David) von der Leichenhalle des. israelitischen .Friedhofeü heruntergeholt und sodann 54 Grabsteine auf dom Friedhof umgeworfen und zum Teil zerbrochen zu haben. Nehermann war nur bei der ersten Tat beteiligt, Die Umwertung der 54 Grabsteine besorgte Schmidt, während Wüllner draußen ..Schmiere“ stand. Die Angeklagten verantworteten sich mit Trunken h 0 i t. Der Staatsanwalt wies nach, daß von einer Trunkenheit bei einer so syvtcmutisch durchgefllhrten Aktion nicht die Rede sein könne. Da« Urteil lautete gegen den Nauptn»geklagten Schmidt wegen Grabschändung und Sachbeschädigung auf ein Jahr, gegen Wüllner auf sechs Monate und gegen Nehermann auf vier Monate Gefängnis. Streng- SEEFELD (Tirol) 1200 Meter Kinztßarl. Höhenkurort, intens. Höhensonne,Wassersport Pension Geschwister Scheer im Hotel Hochalm Rekanut erstklassige Verpflegung, mllBige Preise, Fahr- Preisermäßigung Wie SA.*Leiite Ihre Schulden los werden Saarbrücken, 24. Juli. Dem „Westland“ wird gemeldet, daß in einem Dorf im Taunus SA-Leute den Kaufmann Oppenheim zwangen, seine Geschäftsbücher, in denen ihre Schulden verzeichnet waren, herauszugeben und ihn dann totschlugen. Zur Vernehm1111g geladen, erklärten sie, sie wollten die letzte Gelegenheit benützen, um ihre Schulden los zu werden, bevor sie aus der SA ausscheiden. Liga für Menschenrechte über Streichers „Stürmer“ Prag, 22. Juli. Die Deutsche Liga für Menschenrechte, Sektion Prag, gibt eine Denkschrift heraus, in der auf die gefährliche Judenhetze des von Julius- Streicher in Nürnberg herausgegebenen „Stürmer“ hingewieseu .wird,. In der Denkschrift wird dargelegt, daß die! in der ganzen Welt berüchtigt gewordene. .Rltualmbrcl-Nummer des „Stürmer“' keine Sondererscheinung darstellte, sondern nur dem normalen Habitus der Zeitschrift entsprach. Es werden dann die der Ritualmord-Nummer vorangegangenen Nummern des Monats. April und die nachfolgenden Nummern des Monate Mai analysiert und der Öffentlichkeit unterbreitet als „beachtliches Dokument zur Beurteilung des deutschen Antisemitismus und der Kulturzustände im Dritten Reich“. Mehrere dieser Nummern enthalten Zeichnungen von Juden mit widerlich verzerrten Physiognomien, teilweise in verfänglichen Situationen mit „arischen“ jungen Mädchen, Die Bilder sind durchaus obszönen Charakters, so zum Beispiel das Bild „Rassenschande“ (Nr. 21), auf dem ein alter jüdischer Mann ein junges, halb ausgezogenes Mädchen gierig umklammert hält. Das Bild trägt die Unterschrift: „Wer das noch fertig bringt, ist keine Frau, denn nur ein Schwein verkehrt mit einer Sau.“ In der Denkschrift wird die Ritualmord- Nummer eingehender charakterisiert und ein Artikel wiedergegeben, in dem erzählt wird, wie dio Emmericher SA. ein von den Juden am 4. März 1934 abgehaltenes „Mordfest“ beobachtete und störte. Die Denkschrift fährt dann fort: Blutrünstiger Sadismus, wie er aus dem vorhergehenden Zitat spricht, wechselt im „Stürmer“ ab mit sexuellen Schmutzoreien. Da heißt es unter der Überschrift „Kleiderjude Totschek, der Mädchenschänder von Döbeln“, ein gewisser Hugo Totschek in Döbeln in Sachsen GASTSTÄTTE FÜR JEDERMANN I.. Kärlnerslra|je Nr 61 Besitzet Olto Kaserer WIENER RAIHAUSKELLER volkstümliche Preise ln allen Lokalilälen Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wlonei Musik und Gesang Inhaber Ollo Kaserer

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