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Die Stimme · 1934-07-24 · Heft 372 (24.7.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 372 (24.7.1934)
Date
1934-07-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 872 — 24. Juli 1984 Besuchet Emingers Gaststatten am Praterstern ren Appell richten: Machet Schluß mit den u n j ü d i s e h e n, a s $ i m i 1 atorischen K a m p f m e t h o d e n! Machet. Schluß mit dem Klassenk a m p f 1 Jaget selbst Terroristen aus euren Reihen! Wir wollen nie mehr von der Zerstörung eines Hauses hören, das Revisionisten gehallt haben, nie mehr von der Zerstörung des Fundaments einer Synagoge, nie mehr von Arbeitern, die von einem Baugerüst von andersdenkenden Arbeitern auf die Straße geworfen wurden! Macht, ein Ende, sonst seid ihr die Totengräber de3 politischen Zionismus, Liquidiert die Stawsky-Atmosphäre! Der Stawsky-Frozeß darf nur ein Resultat zur Folge haben, t.'bcr alle Gegensätze hinweg den gemeinsamen Aufbau Erez Israels in einer Organisation, der Zionistischen Weltorganisation. Sensationelle Begründung des Stavsky-Urteils Wie „N o w y D z e n n i k“ meldet, lendete die. Begründung des Freispruches durch den Vorsitzenden icie folgt: „Ich kann nicht die Meinung teilen, daß bei der ersten Verhandlung Fehler begangen wurden, die eine Unrichtigkeit des Urteils verursacht haben. Zugegeben muß werden, daß Fehler gemacht wurden, die vermieden hätten werden sollen. Ich kann nicht beistimmen, daß die Aussage der Zeugin Sima Arlosoroff, die in Stavsky den Mörder erkannt hat, dieser von dem Chef der Polizei Stafford suggeriert wurde. Ich habe wohl vollkommen Respekt vor dem Votum separatum des Richters Valero, meine aber, daß die Behauptung, daß ein Mord aus sexuellen Gründen vorliege, durch nichts begründet erscheint. In England würde die Aussage der Frau Sima Arlosoroff für ein Urteil genügend Beweis sein. Nach dem palästinensischen Gesetz aber sind zu einem Schuldspruch unbedingt Aussagen von zwei Zeugen notwendig, welche den Angeklagten ausreichend belasten. Die Aussagen der Spurensucher kollidieren mit den Aussagen betreffend die Verletzung an der Hand Stavsky». Der Zeuge Moses Weiser kann nicht als unerschütterlicher Beweis für die Richtigkeit der Aussagen der Frau Sima Arlosoroff angesehen werden, da er in der kritischen Zeit nur einen Blick auf den Täter werfen konnte und erst drei Wochen nach der Tat Stavsky gegenübergestellt wurde. Es muß daher berücksichtigt werden, daß die im Gesetz vorgeschriebenen zwei Belastungszeugen nicht vorhanden sind. Es muß daher da# Urteil I. Instanz aufgehoben und der Appellation Begründung zugesprochen und der Angeklagte freigesprochen werden. Nach der Urteilsbegründung des Vorsitzenden erhielten die beiden Beisitzenden das Wort und schlossen sich den Ausführungen des Vorsitzenden an.“ * Der Eindruck des Frei« Spruches in PalKstina Wie der Warschauer „Moment“ aus Jerusalem meldet, erreichte die Spannung des Jlschuw am letzten Tage der Verhandlungen im Staveky-Prozcß vor dem Appellationstribunal den Kulminationspunkt. Vor dem Oerichtegebäude waren riesige Massen versammelt, der Saal selbst zum Bersten voll. Nachdem der Angeklagte Stavsky seinen Platz auf der Anklagebank eingenommen, erschien der Gerichtshof. Unter Totenstille bringt der Vorsitzende des Gerichtshofes, Richter M a c D o n a 1 d, das Urteil von der Freisprechung Stavskys zur Verlesung. Der Freispruch Stavsky hat in ganz Palästina ungeheure Fremde ausgelöst. Der befreite Stavsky wurden durch eine riesige Menschenmenge enthusiastisch begrüßt und hielt vom Balkon aus eine Rede an die versammelte Menge. Rührende Momente gab es, als Stavsky seinen erfolgreichen Verteidiger umarmte und küßte. Jung zu nehmen. Hierüber haben Hunderte von Kollegen — Mitglieder des Verbandes und Nichtmitglieder —, die erdrückende Mehrheit der dem Wiener Kammersprengel angehörenden arischen Kamnierniitgliccler die gleichlautende Erklärung abgegeben, daß sie sieh den vom Verbände unternommenen Schritten anschließen und bereit sind, sich einer über Vorschlag des Verbandes zu bildenden Kammer anzuschließen ... Wir müssen es uns im gegenwärtigen Zeitpunkte versagen, auf nähere Einzelheiten unserer gegenständlichen Bemühungen einzugehen. Wir glauben aber sagen zu können, daß die Zweiteilung der Wiener Kammer auf dem Wege ist. Die bodenständige arische Rechtsanwaltschaft will ihre Angelegenheiten endlich selbst verwalten.“ Es bleibt abzuwarten, ob das Justizministerium auf die „gegenständlichen Bemühungen“ des „Verbandes der deutscharischen Anwälte“ „einzugehen“ gewillt ist. Das Programm der Genfer jttdasehen Weltkonferenz Genf, 20. Juli. Die vom Comit§ des D61£gation9 Juives für 20. bis 23. August einberufene Weltberatung hat auf ihre provisorische Tagesordnung die folgenden Punkte gestellt: 1. Die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern der Welt (politisches Referat: Doki tor N. Goldmann, wirtschafts-soziales Referat: Jakob Lestschinsky). 2. Die Lage der Juden in Deutschland. 3. Maßnahmen einer organisierten Verteidigung a) auf politischem, moralischem und religiösem Gebiete (z. B. die jüdischen Minderheitenrechte im Saargebiet im Hinblick auf das Plebiszit und die Frage eventueller Verhandlungen mit der Sowjet-Regierung über gewisse, die Lage der Juden in Sowjet-Rußland betreffenden Probleme), b) auf wirtschaftlichem Gebiet. 4. Verteidigung der jüdischen Minderheitenrechte im Rahmen der dem Völkerbund auf diesem Gebiete zustehenden Rolle. Dieser Punkt gewinnt an Aktualität im Zusammenhang mit dem von der polnischen Regierung gestellten Antrag auf Generalisierung der Minderheitenverpfllchtungen, der auf der Septembertagung der Völkerbundversammlung zur Sprache kommen wird. 5. Maßnahmen zum Kampf gegen die antisemitische Propaganda. Im Kur-Casino Baden bei Wien wurde heute eino neue Attraktion, genau nach dem Musber von Monte Carlo, geschaffen. Im Freien, in der gedeckten Colonnade, wurden weitere drei Roullettetische aufgestellt, damit das Publikum vergnügt, bequem und kühl spielen kann, Durch tadellose Sicherhoitsvorkelirungen und Privatdetektive ist alles vorgosorgt worden, damit keine Zwischenfälle sich ereignen können. Die Tische im Freien haben bereits großen Zuspruch gefunden und sind bei den Spielern sehr beliebt. m )GS. LIB.-VERS.-CES PHONIX ABT. FÜR FREMDENVERKEHR^ WIEN, I. WALINERSTR. 6a 1EL. U 855-81 WA Von Schönerer zu Hitler Am vorletzten Sonntag hat der Unterrichtsminister Dr. Schuschnigg in einer Rede in dem Grenzstätdtchen Litschau im Waldviertel über das Dritte Reich gesprochen. Er hat dabei daran erinnert, daß von dieser Gegend Österreichs aus um die Jahrhundertwende Schönerers Antiösterreich- Propaganda geführt worden ist, die die Zerstörung der Monarchie anstrebte, weil sie dem gesamtdeutschen Interesse im Wege stehe. Der Minister hat hervorgehoben, daß auch die nationalsozialistische Argumentation gegen das heutige Österreich die gleiche Todfeindschaft aufweist. Der Parallelismus ist in die Augen springend, und wei heute nach 16 Jahren an den Leidensweg des österreichischen Bundesstaates denkt, der erkennt, wie stark die Zersetzungselemente waren, die aus der Schönererschen Agitation befruchtet wurden, und in den letzten Jahren vor dem großen Krieg jeden Versuch der kaiserlichen Regierungen, einen vernünftigen Ausgleich zwischen den Nationen zu erzielen, vereitelten. Vor allem aber war es der von Schönerer gepredigte wüste Antisemitismus, der, genau wie heute, darauf abgestellt war, das Rechtsgefühl in der Bevölkerung zu untergraben. Schönerer, dessen Nachkommen im heutigen Dritten Reich aus gewissen Großmuttergründen kaum ruhig leben dürften, hat es nie verwinden können, daß an seinem berühmten Linzer Programm zwei Juden maßgebend mitgearbeitet hatten: Dr. Viktor Adler und der Historiker Dr. Friedjung. Beide sind dann, wie man weiß, andere Wege gegangen. Ihren Abgang benützte der Rosenauer Schloßherr, dessen Vermögen von der Rothschild-Bahn herstammte, dazu, in daB Programm rasch den Kampf gegen das Judentum hineinzuarbeiten. In der politischen Tätigkeit des Alldeutschtums von damals ist alles zu finden, was den Nationalsozialismus von heute zu einem Greuel .für alle Welt gemacht hat: die Brutalität der Methoden, die selbstherrliche Autokratie, die unbedingte Ablehnung jedes gegnerischen Gedankens ohne Kenntnis sejneß Inhaltes und den Ritualmord an den Juden. Eine Ähnlichkeit besteht zwischen dem 30. .Juni und dem Vorgehen Schönerers gegen K. H. Wolf, wobei Bich sogar das sexuelle Moment findet. Und wie Schönerers Studenten an den Universitäten gehaust hatten, das hat bis ln spätere Zelten nachgewirkt. Das Waidhofner Programm, das jeden Juden als der Ehre bar verfemt, stammt aus dem Schönererschen Arsenal. In diesem Dunstkreis wurden alle | die zukünftigen Führer des deutschen Volj kes in Österreich erzogen und ausgebildet, ■ deren Lebensinhalt es war,, zu schauen und { nicht zu schielen; und sogar der Haß gegen die katholische Kirche findet sich in Schönerers alldeutscher Lehre; die Los-von-Rom- Bewegung ist heute in Deutschland sogar Bestandteil des Regierungssystems, das im übrigen in bezug auf den Judenpunkt alle Ideale Schönerers realisiert hat. Der Ministerpräsident Graf Thun hat die Gefährlichkeit des Antisemitismus erkannt und unter deutlichem Hinweis auf Schönerer gesagt, daß die Konstruierung einer Volksklasse minderen Rechtes jeden Staat sprengen muß; wie sehr dies wahr ist, kann man am Dritten Reich sehen, das vom Rechtsraub an den Juden bis zur Negierung des menschlichen Rechtes überhaupt vorgeschritten ist und heilte ohnmächtiger wie nach der Kriegsniederlage geworden ist.! Schönerers Erbe repräsentieren heute in Österreich nebst den nationalsozialistischen Bombenwerfern und Fememördern die nationalen Gruppen, um deren Freundschaft die Regierenden sich heiß bemühen. Diese Nationalen sind dort stehen geblieben, wo Bismarcks Bezeichnung als Herbstzeitlose fiel. Ihr Vorbild ist heute noch Schönerer. Sie haben die Monarchie durch ihre Forderungen nach der deutschen Staatssprache, nach kultureller Niederhaltung der Tschechen, Italiener und Südslawen ruiniert; seither ist der Staat national homogener geworden; Tschechen, Italiener und Südslawen haben ihre Mutterreiche und leben in ihrem Schutz. Bleiben die Juden übrig als das Objekt, an dem der aufgespeicherte Haß sich gütlich tun könnte — wenn nicht das Minorität.enrecht von St. Germain da wäre, j Unter den Nichtnationalen bestehen Strö- ' mungen, die meinen, daß auf dem Juden- 1 gebiet e\n Arrangement mit den Nationalen möglich wäre. So machen auch Nichtnationale den Schönererschen Erben gern Avancen; sie haben die Forderung nach dem Numerus clausus für Juden aufgenommen; sie verfechten die Wunschträume nach Besetzung der von Juden gehaltenen Posten, nach Ausbürgerung, nach Einrichtung eines Schulghettos für Judenkinder. Die1 Realisierung stößt sich freilich an der Realität der außenpolitischen Tatsachen, an dei Möglichkeit von Repressalien, die die deutschen Minderheiten zu verspüren hätten, wie nicht minder daran, daß die Verarmung des österreichischen Judentums so weit gegangen ist, daß man sich um die paar Stellen, die es noch hat, nicht zu reißen braucht. Aber als Agitationsstoff sind sie noch gut zu verwerten, als schöne Gelegenheit, den Nationalen zu beweisen, daß man. doch eigentlich gar nicht so weit von ihnen entfernt ist. Aber hier sind doch einige Fehler in der Rechnung. Erstens lassen sich die Juden kein Recht nehmen, und in diesem Punkt sind sie einig; zweitens aber ist eine positive Mitarbeit der Nationalen am Staat unmöglich. Sie stehen gesinnungsmäßig auf dem Standpunkt der Lebensunfähigkeit Österreichs, sie negieren programmatisch seine Unabhängigkeit und sie sehen, da sie in der Mehrzahl aus Emigranten bestehen, alle Dinge vom Gesichtspunkt ihres Dia- ^poradaseins. Sie sind Herbstzeitlose geblieben, in jeder Hinsicht, sie hassen Österreich und sie wollen zu den hitlerischen Preußen. Das sehen die katholischen Kreise Österreichs und das sehen wir Juden, deren Eintreten für ein freies, unabhängiges Österreich nicht gebunden ist an die so viel beliebten Kompensationen und politischen Gegengeschäfte. Hitler hat die Linie Schönerers fortgeführt. Bis wohin — das erkennt man heute bereits in Deutschland. Den Nationalen Österreichs ist der Knopf noch nicht aufgegangen. Zweiteilung der Wiener RecSa* sanwaltskammer? Der Obmann des Verbandes deutscharischer Rechtsanwälte, Dr. Viktor Tschade s c h, fordert in den „Mitteilungen“ des Verbandes die Zweiteilung der Wiener Kammer: „Die Zweiteilung der Wiener Kammer ist die notwendige Voraussetzung für die Lösung des Numerus clausus, und darum ist die Zweiteilung der Wiener Kammer auch eine Angelegenheit, welche die gesamte arische Rechtsanwaltschaft Österreichs auf das tiefste borührt. Der Verband deutscharischer Rechtsanwälte Österreichs hat demzufolge die arischen Kollegen des Wiener Kammorsprcngels aufgefordert, zur Frage der Zweiteilung der Wiener Kammer Stel- Sie essen von 30Groschen aufwärts vorzüglich Im GRABENKEIL

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