Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 372 (24.7.1934)
- Date
- 1934-07-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054070-3054126--4372-3059984- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Preis dieser Nummer 20 g V. b. b. jtie/ JÜDISCHE ZEITUNG I Restaurant-Hotel „Stefanie1* 1 H>> Taborstraße 12,Tel. R 46-5-57 1^5 ff empfiehlt seine reichhaltige ypeise- -s auswahl bei erstklassiger Zubes reitung und exakter Bedienung. H Menü schon von S 1'60 an | Schöner schatllgerGarfen/Speisen I am Rost / Tätlich lris«re Fische Nr. 372 | Wien, 24* Juli 1934 F Redaktion und Administration Wien. Kämtnerstiaße ’ib Tel R 57-4-86 Redaktion88Ch(u3 Montan und Mittwoch vorm | (U Ab 56,4) 7. Jahrgang - 20® zusätzliche ZertiSikate Jerusalem, 22. Juli (Palcor). Nach längeren Unterhandlungen zwischen der Exekutive und dein High Commissioner hat die Palästinaregierung 1200 Zertifikate nicht als Vorschuß für das künftige Semester, sondern noch als Zusatz für die bereits gegebenen Zertifikate bewilligt. Von diesen sind 660 für landwirtschaftliche Arbeiter, 465 für Erwerbsarbeiter und 75 als Reservezertifikate (für den Mittelstand?). 50 Prozent dieser Zertifikate sind für deutsche Chaluzim. Zu bemerken ist, daß seit 1926 die Regierung keine außertourlichen Zertifikate gegeben hat, nachdem die Schedule bereits festgesetzt war. Bewahrheitet sich diese Meldung, dann haben die Bemühungen der Exekutive und der einhellige Protest aller Zionisten einen nennenswerten Erfolg zu verzeichnen. Die Red.) Stavsky freigesprochen Jerusalem, 20. Juli. Am 18. Juli wurde das Berufungsver fahren Im Stavsky-Prozeß vor dem Jerusalemer Appellations-Gerichtshof abgeschlossen. Das Urteil wurde jedoch nicht, wie erwartet worden war, unmittelbar nach Verhandlungsschluß gesprochen, sondern erst am Freitag, den 20. Juli, verkündet. Freitag mittag verkündete der Vorsitzende des Appellations-Gerichtshofes, Oberrichter MacDonnel, das Urteil. Es lautet dahin, daß Abraham Stavsky von der Anklage der Teilnahme am Morde an Dr. Arlosoroff freigesprochen wird. Wauchope in London Aus London wird der „Stimme“ gemeldet: Der britische Oberkommissär fiir Palästina wird heute abends in London erwartet. Dem Vernehmen nach gelten unter anderem seine Verhandlungen der Schaffung eines Gesetzgebenden Rates in Palästina sowie den jüdischen Beschwerden gegen die Einwanderungsbeschränkungen. LoekesvLampson Über London, 22. Juli In einer Versammlung der Arbeiter der Bekleidungsindustrie hielt Walter Ci tri ne, Generalsekretär des Britischen Gewerkschaftskongresses und Vorsitzender des Internationalen Gewerkschaftsbundes, eine große Rede, in der er unter anderem folgendes ausfiihrte: Die englische Gewerkschaftsbewegung kam in die Boykottbawegung hinein ohne Schwanken und ohne Erwägung der ökonomischen Folgen, denn die englischen Arbeiter wußten, daß die Machthaber in Deutschland sich außerhalb der allgemeinen Menschlichkeitsideale gestellt haben. Ich weiß, daß man erwidern könnte, der Boykott, würde bloß den Juden in Deutschland schaden. Aber erst als die anderen Nationen protestiert hatten, wurde das tyrannische Regime in Deutschland etwas milder. Die Judonheit von Großbritannien muß einmütig zum Ausdruck bringen, daß sie entschlossen sei, oinen entscheidenden Schlag zu führen nicht bloß für die Freiheit der Juden, Bondern auch für die Freunde dor Freiheit in der ganzen Welt. Untorhausmitglied Locke r-Lampson erklärte: Der Völkerbund scheint in dieser Krise machtlos zu sein, aber es gibt einen anderen Völkerbund, das Britische Weltreich, das don Juden in ihrer Not helfen wird. Ich habe einmal im Unterhaus einen Gesetzentwurf eingebracht, wonach joder Jude in der Welt Bürger von Palästina werden könnte, ohne je in diesem Lande gewesen zu sein. Eine Entschließung wurd-* angenommen, in dor sich die Arbeiter der Bekleidungsindustrie verpflichten, deutsche Stoffe solange nicht zu Vorarbeiten, als es in Deutschland Raissenverfolgungen gibt. Wien, 20. Juli. Das Berufungsgericht in Jerusalem hat das unverständliche Urteil der ersten Instanz aufgehoben und damit — so möchten wir hoffen — den Sohlußpunkt unter ein trauriges Kapitel menschlicher und politischer Verirrungen gesetzt. Wer sich noch ein Gefühl für Anständigkeit bewahrt hatte, mußte tief erschüttert sein über das Ausmaß der Verirrung der Leidenschaften rings um Stawsky. Mord ist keine jüdische Sache. Man hätte daher annehmen müssen, daß der ganze Jisöhuw einmütig hätte bestrebt sein müssen, den klaren Beweis zu führen, daß der Mörder Arlosoroffs kein Jude sei. Das Gegenteil ist geschehen. Der Mord wurde zum höchsten Politikum bei Poale Zion und Revisionismus. Soviel wie in diesem Prozeß, wurde selten in einem Prozeß gelogen. Die Verantwortung für diese beklagenswerte Verrottung der Gemüter tragen die Drahtzieher dieses Prozesses, denen kein Mittel zu schlecht war, um die Schuld der Angeklagten zu beweisen. Die Presse, die öffentliche Meinung, das Gericht wurden unter einem monatelangen Trommelfeuer tendenziöser, aufgebauschter und erlogener Nachrichten gehalten. Im Gerichtssaal ging es nur formell um den Mord an Arlosoroff. In Wirkr lichkeit wurde dort versucht, den Prozeß Poale Zion kontra Revisionismus auszutragen. Wer hat in diesem Prozeß gesiegt? Es ist hier der seltene Fall eingetreten, daß beide Prozeßparteien unterlegen sind. Wer noch Gefühl für politische Reinlichkeit hat, wird sich sagen: Nur frevelhafter Parteidünkel kann Parteien so tief sinken lassen, daß die Auswertung eines tragischen Mordfalles zum Politikum erhoben werden kann. Wir wollen kein Urteil darüber fällen, welche Partei schuldiger ist. Fest steht, daß die Revisionisten die Angegriffenen in der Sache Arlosoroff waren und daß sie 6ieh verteidigen mußten. Stawsky ist nun frei und nach dem unverständlichen Urteil erster Instanz wirkt der Freispruch erleichternd und beruhigend. Und wir wissen, daß auch viele Poalezioni* sten mit diesem Urteil des Berufungsgerichtes zufrieden sein werden. Es ist auch gleichgültig, ob der Freispruch aus Mangel an Beweisen oder auf Grund der erwiesenen Unschuld des Angeklagten erfolgte. Einstweilen fehlen hierüber noch Nachrichten. Aber eines ist sicher: der Prozeß Stawsky gehöit der Vergangenheit an, und wir wollen uns darüber freuen. Im alten Rom hieß es: Roma locuta, causa finita. Das Gericht hat gesprochen, der Fall ist erledigt. Beziehung. Zionistisch-politisch muß der Prozeß Stawsky, richtiger der Prozeß Zionistische Weltorganisation gegen Links und Rechts noch durohgeführt werden. Die Linken und mit ihr die Histadruth muß dazu gebracht werden, ihre Totalitätsbestrebungen aufzugeben. Die Histadruth muß eine unpolitische Gewerkschaft werden. Ihre Leitung muß aus Mitgliedern aller Parteien bestehen. Die Histadruth darf nicht weiter der verlängerte Arm der poalezionistisohen Partei sei, und das ist sie, solange die poalezionistischen Führer gleichzeitig Führer der Histadruth sind. Gleichzeitig aber muß der Revisionismus sich selbst einer Revision unterziehen, oder der nächste Kongreß muß das besorgen. Es ist wohl Sache des Revisionismus, ob er weiter politischen Seifenblasen nachlaufen will und ob er glaubt, daß er durch seine Petition zum Judenstaat gelangen kann. Wir glauben, daß damit nur Makulaturpapier erzeugt wird. Es ist auch Sache des Rivisionismus, ob er glaubt, daß blinder Gehorsam gegenüber dem Führer Faschismus in Reinkultur und braune Hemden nicht blinde Assimilation darstellen. Es ist aber nicht nur Sache des Revisionismus, sondern eine Sache des ganzen Zionismus, daß der Geiist des Revisionismus, der seine bedauerlichen Auswüchse im Sprengen von zionistischen Versammlungen, in Messerstichen und Prügeleien gezeitigt hat, weiter nicht geduldet werden kann. Nicht das ist maßgebend, ob ein Revisionist aus politischen Gründen zum Mörder werden konnte. Das Urteil in Sachen Stawsky hat diese Frage bereinigt. Daß aber — ob nun beeinflußt oder nicht, ist gleichgültig — die öffentliche Meinung, den politischen Mord als revisionistisches Kampfmittel bezeichnen konnte, das ist wesentlich. Daß die un verantwortlichen Eisenfressereien eines Achi Meir von offizieller revisionistischer Seite ernst genommen wurde, daß es einen Brith Habirjonim-Prozeß geben konnte, daß ist wesentlich. Hier muß radikal Wandel geschaffen werden. Besorgen es nicht die Revisionisten selbst, dann muß es die Weltorganisation besorgen. Die Weltorganisation muß sich endlich auch aufraffen, um die Stellung der Revisionisten eindeutig zu klären. Hier heißt es: Biegen oder brechen. Wir wissen, daß die Revisionisten auf diese Forderung mit den bekannten hochmütigen Antworten zu reagieren gewohnt sind, wie zum Beispiel der Brith Trumpoldor es nach dem Urteil des Kongreßgerichtes tat. Vielleicht gelingt es aber, zu einer Einigung zu kommen, wenn Jabotinsky sich darau erinnert, was er im deutschen Sond 'hheft des „Rassviet“ (9 bis, in seinem Artikel „Die Ethik der Unabhängigkeit“ geschrieben hat: „In der Frage des Überganges der Union der Zionisten-Revisionisten zur unabhängigen Existenz spielt außer praktischen, politischen und Geliihlsmomenten noch ein Moment mit hinein: der ethische. Die ethische Seite des Problems vergißt man bei uns sehr oft, aber nichtsdestoweniger ist sie vielleicht der allerwichtigste Teil des ganzen Problems.“ Vom sittlich-politischen Standpunkt rückt man zweifellos in eine unangenehme und verfälschte Situation, wenn man selbständige politische Arbeit leisten will und zu gleicher Zeit, anderseits formel ein Teil einer anderen auch politischen Organisation bleibt, die zudem auf das Monopol der politischen Vertretung des Zionismus Anspruch erhebt. Diese Situation wird besonders unbequem werden, wenn wir — was unvermeidlich ist — politische Schritte zu unternehmen gezwungen sein werden, die ganz oder teilweise die politische Linie der Zionistischen Organisation durchkreuzen. Sowohl auf die Mandatsregierung als auch auf den Völkerbund, ja auf unsere besten Freunde in England und überall wird es einen sonderbaren Eindruck machen — sonderbar gerade im Sinne der gemeinschaftlichen Ethik. Hier ist eine Gruppe, die sich als einen Teil der Z. 0. ansieht; sie beteiligt sich an den Kongressen, strebt zur Eroberung der Macht, beeinflußt so oder anders die Politik der %. 0„ das heißt sie übernimmt somit auch die Verantwortung für diese Politik, und keiner zwingt sie hiezu, sie macht es aus freien Stücken. In demselben Atemzug aber erklärt uns die Gruppe: Die Zionistische Organisation handelt falsch, höret nicht auf sie. Höret auf uns. — Das ist „sonderbar“, so handelt man n i c h t.“ Wenn aber Jabotinsky nicht zu dieser so richtigen und ethisch wertvollen Ansicht zurückfindet, dann sollten es seine Anhänger tun! Sie würden sich damit ein großes Verdienst um die zionistische Bewegung erwerben. Das Stawsky-Urteil räumt einen gewaltigen Stein aus dean Wege, der den Zugang zum Frieden versperrt hat. Diese Situation muß ausgenützt werden. Jetzt ist der Augenblick, wo Männer, die dem Parteigetriebe fernstehen, deren Wort noch etwas gilt, zusammentreten müssen, um durch Verhandlungen mit den Parteiführern den Frieden in der Organisation herzustellen. Man beherzige diese Anregung, solange der psychologisch richtige Zeitpunkt noch vorhanden ist. Darüber hinaus aber möchten wir Allgemeine Zionisten an die Flügelparteien unse- Rasiere dich gut mit billig Qualitttfs- Fabrfhaf Das gilt aber nur in formöll-junißtifioher | rue Vineuse, Paris 16, vom 80. August 1931) Ueberall erhältlich