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Die Stimme · 1934-07-20 · Heft 371 (20.7.1934) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 371 (20.7.1934)
Date
1934-07-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. an — so. »Tirii im DIE STIMME Seifet Enthaftungen ln HWsehberg Von den ftitif Hirschberger Juden, die die zuletzt; noch ln Haft waren, wurden vier auf freien Fuß gesetzt.; einer, Herr Lehmann, bleibt noch in Haft. Das Gerücht, daß die gesamte Jüdische Bevölkerung Hirschberg verlassen hat, hat sich als unbegründet hcrausgestellt. Jtassentlteorle nur ein Deckmäntel für Panik Im Berliner „Ärzteblatt“ erklärt Doktor Görcke, der Leiter der Abteilung für Rassenforschung beim Innenministerium, die Rassentheorie sei vom biologischen Standpunkt nicht bedeutsam, sie sei aber eine politische Notwendigkeit, sich der Juden zu entledigen. Reichsdeutsche Hettepropaganda in der Tschechoslowakei Prag, 17. Juli. In letzter Zeit wurden in einigen Städten der Tschechoslowakei, besonders in den großen Kurorten, reichsdeutsche Zeitungen verkauft, in dehen in offener Weise für den Nationalsozialismus, dessen Partei bekanntlich in der Tschechoslowakei verböten ist, Propaganda betrieben wird. Daß es sich dabei nicht etwa um Einzelfälle handelt, geht schon aus der äußeren Aufmachung dieser Zeitungen hervor, deren Preis in tsechchoslöwakischer Währung angeführt ist und für deren Vertrieb in der Tschechoslowakei Mr. Geißler, Bodenbach a. d. Elbe, Graben 1, zeichnet. So Wird zum Beispiel in Karlsbad in den Zeitungsständen die „ Neu deutsche Zeitung“ aus Stuttgart verkauft, deren Inhalt nicht viel anders als der des „Stürmer“ ist. Die Juden werden darin alB „T i e r manschen“ bezeichnet und in seitenlangen Abhandlungen wird hier Ritualmordhetze ärgster Sorte betrieben. Unter anderem heißt .es da; „Die Juden sind die fanatischen Gegner der herrlichen Bewegung, die unter der genialen Führung Adolf Hitlers das deutsche Volk jreimachen und ihm seine Eigenart sichern will. Darum — nur eine stramme Gesetzgebung gegen die Juden vermag Deutschland vor schwersten Erschütterungen zu bewahren.“ Abgeordneter Dr. Angeio Goldstein hat an den tschechoslowakischen Innen- und PALÄSTINA- UND MltTELMEER - GESELLSCHAFTSREISEN <nwtmn<mmmninwwniii*miiinilitlhiimi1wiiiHiiiiiit1inimKTmnmiiiiHii»imiillw<m.Hm[imiiimimiimitiiimniiimnninmiiiitnBtHiimniiiiimiuiiiiwiimnnmmiHir<lnmmHim 28. August „VUKaitlft“ * 3. September Zu SuSerst gOnstlgen OeclInCüri&äft. ItSscÜfttMh dtlWScfoöMftch tu ÖrfglttetprefWi NORDISCHES REItEBUREAU Wlan, l., 8«llarga«se 3. Patlstlna-Relsalaitung N. M. Racker, Tel. R 24-2-31. Justizminister eine Interpellation gerichtet, in der ausgeführt wird, daß in diesen Zeitungen in eklatanter Weise gegen die Grundgesetze des tschechoslowakischen Staates verstoßen lind für eine wegen ihres staatsfeindlichen Charakters aufgelöste Bewegung Propaganda betrieben wird. Die zuständigen Stellen werden aufgefordert, hier energisch einzuschreiten und dieser Hetzpropaganda in der Tschechoslowakei ein für allemal das Handwerk zu legen. Palästina meldet: Hitler-Geld in Palästina Jerusalem (Pal cor). Durch die arabischen Städte Palästinas fährt in der letzten Zeit ein ägyptischer Araber, Tufik Di ab, Redakteur einer arabischen Zeitung in Kairo. Dieser ägyptische Gast beruft Versammlungen ein und hält Referate, die sich in der Hauptsache gegen die britische Mandatarmacht wenden. Wie wir aus gut informierter Quelle hören, steht Tufik Diab mit Hitlers Propagandaministerium in Verbindung und Beine Zeitung erhält von der Hitler-Partei dauernde Subventionen. Aus derselben Quelle hören wir, daß auch die neue arabisch-nationalsozialistische Tageszeitung „A1 -Dif a“ in Jaffa eine ständige Subvention von der Hitler-Partei erhält. Schließung der Tür an der Klage“ mauer AUS Jerusalem Wird der jüdischen Telegraphenagentur berichtet: Der Distrikts* kommisear von Jerusalem hat ängeordnet, daß die von den Mohammedanern vor einem halben Jahre in der Umfassungsmauer des Platzes vor der Klagemauer geöffnete Tür, die zu dem Platz führt, auf Welchem die Omar-Moschee steht, wieder geschlossen werde. In dem Befehl des DistriktskommiSsars heißt es, das öffnen der Tür Sei zu Unterlassen, weil dies eine Verletzung des Statusquo darstelle. Gesren die äußeren Veränderungen an der Klagemaüer, die im Jahre 1928 begonnen haben, ist von jüdischer Seite immer wieder schärfster Protest erhoben worden. Durch die Öffnung der Tür zum Platz der Omar-Moschee war der Raum vor der Klagemauer, auf dem die Juden von altersher ihre Gebete verrichteten, zu einem Durchgangsweg geworden, wodurch die Andacht der Beter in erheblichem Maße gestört wurde. Pension Eckstein Welche Facharbeiter werden in Palästina gesucht Jerusalem (Palcor.). Das EinwandefUngsdepartement der Jewish Agency hat eine gründliche Untersuchung über die Arbeitslage in den verschiedenen Berufen Palästinas dufchgeführt, um festzustellen, welche Facharbeiter augenblicklich in Palästina besonders gebraucht werden. Es wurde festgestellt, daß der Mangel an qttäliflzierten Facharbeitern in erster Linie in fölgendenBetufeft besteht: Bauarbeit, Bautischlerei, Betonarbeit, Stubenmaierei, Schlosserei, Installation, Elektrotechnik, Mechanikerarbeit, Möbeltischlerei (güte Facharbeiter), Weberei, Lederarbeit, Hafenarbeit beim Ausladen und Verladen von Waren, Schneiderei, Schuhmacherei und Bäckerei (in den letztgenanten drei Berufen besteht ein Mangel nur für erstrangige Fachleute). Vom gegenwärtigen Schedule wurde seitens der Palästinaregierung die Zahl von 600 Zertifikaten speziell für Facharbeiter festgesetzt. Gemäß Verordnung der Regierung Wird von diesen Facharbeitern gefordert werden, daß sie mindestens vier Jahre inihtem Fache gearbeitet haben. ScharferW^ilkainpHürdenJeriwalemerStadtrat Jerusalem (Palcor). Die Wahlen zu den städtischen Selbstverwaltungekörpern Palästinas sind in vollem Gange. Sie wurden bisher in Jaffa und Gaza durchgeführt. Die Jischuw wurde bisher in den Wahlkampf kaum hineingezogen. Die beiden jüdischen Stadtratsmitglieder in Jaffa wurden ohne Kampf gewählt. Ein scharfer Wahlkampf spielt sich dagegen im arabischen Lager ab, Hier stehen einander,' vde immer, die beiden großen arabischen Familien gegenüber: Die Familie H u s e.e i n i, an deren . Spitze der Jerusalemer Größ-Mufti steht, und die Familie N a s c h a s c h i b i, die die arabische Opposition bildet. Wie es scheint, ist der Kampf zwischen den arabischen Parteien bedeutend verschärft worden durch das iiiiiiiiiniiiliiiiiiiiiiiintuiiinininninniiiiiiiiiiimiiiiiiinniiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuniiiiiiiniiiiiiniiiiiliniiiiiiiitiiininniiiiliiiiiniiiniintniiiiiiiiinuniiitinniilttiiiiiiiitiniiifrnniinilittiiiilii Von David DotQblum Er wohnte auf den Höhen der Tatra und war Besitzer einer Dorfschenke. Zehn Meilen in der Runde fand man keinen zweiten Juden. Er verließ die Berge nur dreimal im Jahr, am Possach, Sobewuoth und Büköth. Da ging er zu Fuß zu seinem Rabbi nach Sandec. Sonst sah er durch das ganze Jahr keinen 'Juden. Wer hätte sieh auch dorthin verirrt, so hoch hina/uf, wo der Enzian blüht... - Was er von seinem Judentum wußte ...? Nicht viel. Die Gebräuche waren ihm fremd. Außer der Waldschenke hatte er von seinem Vater die Kenntnis der jüdisohen Gebete geerbt, und auoh da war ihm nicht alles geläufig . . . Aber eines wußte er, und das wußte er gut. Er wußte, daß sein Volk einmal ein Königreich hatte Und die Hauptstadt dieses Königreiches war Jeruscholajim . . . Und daß sein Großväter und sein Vater In den Näohten von ihren Lagern auf standen und beim trüben Licht einer Kerze Gebete aufsteigen ließen, heiße, sehnsuchtinnige Gebete um Wiedererbauung der vorwüsteten Stadt ... um die Erlösung von Jeruscholajim. In häßlichen Nächten, wo tausend böse Geister ihren Jatnmertanz in den Lüften ausführten, der Sturm seufzend um Einlaß bat und die Föhren aneinandergerieten . . . da saßen sie am Fenster, gebeugt, aufgelöst und Tränen ln Strömen vergießend um Jeruscholajim . . . Und wenn in winterlichen Nächten die Bäume vor Frost erstarben, die Tiere deB Waldes ihren Schraerzensruf ertönen ließen und die Hüttentür sich mit Weiß bedeckte . . . da sah er sie beide auf niedrigen Schemmeln Bitzen, wie die Leidtragenden, die einen Toten beweinen, und tropfenweise fiel es ihnen aus den Augen, und hie und da vernahm er unter den fremden Worten das einzige, das er schon in seiner Wiege verstand . . . Jeruscholajim . . . Und wenn in Frühlingszeiten die Bäche erwachten und der Wind ihr Gemurmel an sein Bettchen brachte . . . wenn im Sommer die Tage nie zur Gähze erblaßten, die Nächte mir wie eine Dämmerung auf den Bergen lagen ... da saßen sie beide, noch lag die Lerche im Schlafe, uüd beteten Ohazoth *) für die gottvergessene Stadt, für das sündige, zertretene, ewig unvergeßliche Jeruscholajim . . . Und als der Alte starb, da saß sein Vater allein. . . Und dann weckte er aüoh ihn zu Ohazoth. Und nach dem Tode seines Vaters saß er allein zu Chazoth. Da erfuhr er eines Tages etwas Gewaltiges, etwaß Unfaßbares ... Da saß der Rabbi Unter seinen Treuen und sprach . . ♦ Man stand dichtgedrängt, um alles zii hören, um kein Wort zu verlieren . . . auch er horchte andächtig ... da sagte der *) Chaizot heißt Mitternacht. So heißen auch die Gebet«, die von den frommen Juden um die Mitternachtsstunde verrichtet werden. Sie enthalten größtenteils Klagen um Jerusalem und Bitten um baldige Befreiung aus dem Exil. Rabbi deutlich: „Solange Jeruscholajim trauert, ist auch die Gottheit in Trauer solange die Juden im Golus sind, ist auch die Schechinah im Golus . . . Und der Golus kann nur durch die Erlösung Jeruscholajims beendigt werden . . . deshalb muß jeder Jude trachten, Jeruscholajim zu erlösen i . und dann schluohzte der Rabbi . * « Und es schluchzte mit ihm die andächtige Gemeinde ... Und als er keuchend die Bergabhänge hinaufklomm, um in seine Hütte zu gelangen, da kam ihm die sohwere Last zum Bewußtsein, die der Jude auf sich trägt . . . Die der Jude seit undenklicher Zeit trägt, seitdem es dem König aller Könige gefiel, seine Residenz zu verderben und mit seinem Volk iü die Gefangenschaft zu ziehen . . . Die Last, die seine Ahnen getragen, die er seinen Großvater und seinen Vater tragen sah in den Nächten ... Die Last des einzelnen für das ganze Volk. Und er wollte diese Last mit Liehe tragen und mit Geduld, mit Hinopferung und Frömmigkeit ... Und die Sterne können es bezeugen, daß er es getan; denn sie sahen ihn auf der Erde sitzen und schluchzen. Und aüoh die Winde können es bezeugen, die seine Seufzer bis zum Jordan trugen.., Und auch die Tiere des Waldes . . . Als Cr Bterben wollte, standen zu beiden Seiten seines Lagers sein Weib und sein Söhn. Er drückte die Hand seines Erben . . * dieser erwiderte, und sie haben sich verstanden . . . Und er fiel zurück, röchelnd: Jeruscholajim ... Das Herz hörte auf zu schlagen. Auf den Lippen aber zitterte es nach; Jerusobolajim sin Gerücht, daß der Gesetzgebende Rat für Palästina, der durch die Regiö» r.Ung nach den Stadträtswahlem gebildet werden soll, alte den Leitern dieser Stadträte bestehen wird. Obwohl dießee Gerücht keine Behr ernste Grundlage zu haben scheint, hat es doch zu einer Verschärfung der politischen Leidenschaften bei den Arabern geführt. In den beaden Städten, in denen bisher äie Wahlen durchgeführt wurden, Gaza und Jaffa, hat die Oppositionspartei der Familie N a s c h a .B c h i b i g e e i e g t, die aüch bis-! her den größten Teil 'der Verwaltung der arabischen Städte in der Hand hatte. Es ist leicht vorauszusehen, daß sich der schärfste Wahlkampf in Jerusalem abspielen Wird. Die Ergebnisse der dortigen Wahlen sind noch mit einer Reihe von Fragezeichen zu versehen. Nach den dieser Tage veröffentlichten Wählerlisten beträgt die Zahl der jüdischen Wähler genau die Hälfte der. Gesamtzahl, und demgemäß müßte der nöue. Jerusalemer Stadtrat eigentlich aus sechs Juden und sechs Arabern bestehen (im bisherigen Stadtrat saßen acht Araber und vier Juden). In diesem Verhältnis sind jedoch noch gewisse Veränderungen möglich, insbesondere bei der endgültigen Entscheidung über die zweifelhaften arabischen und jüdisohen Wähler. Es iet daher nicht ausgeschlossen, daß die jüdische Bevölkerung in dem komllic scliarf-scliarfe Klinge, die den wildesten Bort in einem Schwung umlegt, ist •Vllfi inenden Jerusalemer Städtrafc nur durch eine Minderheit von fünf Ratsmit-i gliedern unter zwölf vertreten sein wird, Diese Gefahr ist noch größer infolge der Tateaohe, daß das neue palästinensische Selbstverwaltungsgesetz das frühere Kurien* Wahlsystem abgesehafft und ein System von Wahlbezirken eingeführt hat, in denen die Kandidaten auf Grund, einfaoher Mehrheit gewählt werden. Bei den früheren Kurienwahlen war es leiohter, die Disziplin innerhalb der jüdisohen Kurie aufrechtzuerhalten, und die bisherige jüdische Vertretung im Jerusalemer Stadtrat wurde auf Grund einer Vereinbarung aller jüdisohen Parteien gewählt, Dementsprechend wurden bei den vorigen Stadtratewahlen zwei sefardisohe Juden (darunter ein Vertreter der Agudas Jisroel) und gwei aschkenasische Juden (darunter ein Vertreter der Histadrut ^gewählt. Durch die Einführung des neuen Wahlsystems besteht die Gefahr der Z e r s p 1 i t- 11erung der. jüdischen Stimmen

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