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Die Stimme · 1934-07-20 · Heft 371 (20.7.1934) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 371 (20.7.1934)
Date
1934-07-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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leite B DIE STIMME Nr. 871 — 20. Juli 1084 in den einzelnen Wahlbezirken auf verschiedene kleine Listen. So hat sich zum Beispiel in Jerusalem vor kurzer Zeit eine kleine Gruppe unter dem Namen „Hatoschaw“ gebildet, die mit der Parole auftritt, in Jerusalem zwei besondere Stadtxäte, einen jüdischen und einen arabischen zu schaffen. Diese Konzeption hat jedoch keine Aussicht auf Erfolg, und alle verantwortlichen Kreise des Jischuw sind gegen eine gesonderte jüdische Stadtverwaltung, weil dies die Auslieferung der Jerusalemer Altstadt an die Araber und ebenso die Übergabe der politischen Vertretung Jerusalems als Hauptstadt an jene bedeuten würde. Einer der schärfsten Gegner dieser Konzeption ist Herr Ussischkin. Sollte es der jüdischen Bevölkerung gelingen, im neuen Stadtrat sechs Mitglieder zu erhalten, und sollten diese eine kluge, kontinuierliche Politik führen, so ist es möglich, in Jerusalem eine bedeutende Stärkung der jüdischen Stellung zu erlangen. Ein besonders scharfer Wahlkampf, wird, wie erwähnt, in Jerusalem im arabischen Lager erwartet. Hier wird sich die Hauptschlacht zwischen der Familie der Husseinis und der der Naschascbibis abspielen. Beide Parteien stellen als Kandidaten ihre bedeutendsten Führer auf: Die Naschaschibis den bisherigen Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Naschaschibi, die Husseinis den Generalsekretär der arabischen Exekutive, Jamal Husseini, die rechte Hand des Mufti. Zur Verschärfung hat der Kampf um die Person Emir Abdallahs, am Gefolge des letzten Besuchs des Herrn Schertok, des politischen Leiters der Exekutive der Jewish Agency, im Palast de® Emirs beigetragen. Bekanntlich ist nach diesem Besuch eine große Hetzkampagne gegen den Emir in der Mufti-Presse ausgebrochen, die den Emir beschuldigt, geheime Machenschaften mit den Zionisten zu haben, und die arabischen Interessen zu verraten. Die Oppositionsgruppe der Naschaschibis hat den Emir in Schutz genommen und ist zum Gegenangriff übergegangen. Dieser Kampf um die Person Abdallahs hat dazu geführt, daß sich die arabische Opposition in eine Partei Abdallahs verwandelt und einen neuen Inhalt für ihre Existenz und ihren Kampf gegen die Mufti-Partei gefunden hat.' Es ist auch möglich, daß zu den gegenwärtigen Stadtratswahlen in Jerusalem noch eine dritte große, angesehene arabische Familie, die Familie der Chaldis, die sich bisher vom politischen Lehen ferngebalten hat, eingreifen wird. nniMBcm ND i Neues von der Badener jfidlsclien Gemeinde Aus Baden bei Wien wird der „Stimme" berichtet Am Sonntag, den 8. Juli d. J., fand im Sitzungssaale der Badener Kultus gemeinde die konstituierende Sitzung des neugewählten Ausschusses statt. Die jüdi sehe Öffentlichkeit verfolgte dieses durch den Ausgang der Wahl zu solcher Beden tung gelangte Ereignis durch große Beteiligung im Zuhörerraum. . Nach Eröffnung durch den Alterspräsidenten, den bisherigen Kultuspräs.es Anton Stern, schreitet dieser zur Wahl des neuen Präsidenten, als welcher mit Stimmeneinhel ligkeit Herr Dr. Samuel Deutsch (Zio nist) gewählt wird. Enthusiastischer Applaus aller Anwesen den begrüßt den neuen Präsidenten der Ge mernde, der vom .abtretenden Herrn Stern als erstem aufs herzlichste beglückwünscht wird. Herr Stern verweist auf die schwere Arbeit seiner Amtsperiode, die insbesondere durch die ununterbrochene Wühlarbeit der jetzt so schmählich unterlegenen früheren Minorität gekennzeichnet war. Mit dem .Wunsche, der neue. Präsident und seine neuen Mitarbeiter mögen insbesondere für die Aufrechterhaltung der Autonomie der Gemeinde energisch eintreten, schließt er mit den besten Wünschen für seine zukünf tige Tätigkeit. Dr. Deutsch dankt für diese Worte und schreitet zunächst znr weiteren Wahl. Zum Vizepräsidenten wurde Herr Benno Schal länger, zu Beiräten im Präsidium die Herren Letzter und Ungar (Wirtschaftsverein) ge wählt. Hierauf erfolgte die Wahl der Kommissionen. In alle wurden zionistische Vertreter entsendet. Die Zionisten besetzten die Obmannstellen in der Ritualen Kaschrutb- Kommission, ferner in der Fürsorge-, Kultur- und Jugend- und in der Juridischen Kommission. Nach vollzogener Wahl gedenkt Präsident Dr. Deutsch vorerst des großen natio nalen Verlustes, den das jüdische Volk durch den Tod seines größten hebräischen Dichters Chaim Naobman B i a 1 i k erlitten hat. Er widmet dem großen Toten warme Worte des Gedenkens, welche von allen ‘Anwesenden zum Zeichen der Trauer stehend angehört werden. Hierauf dankt Dr. Deutsch für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und versichert die Gemeinde stets im Geiste des Friedens führen zu wollen. Man habe die Autonomie der Gemeinde angegriffen, aber er werde dafür sorgen, daß alle diese Arbeit und alle Drohungen an der Eintracht des neuen Ausschusses zuschanden werden. Insbesondere verweist Dr. Deutsch auch auf den bedeutungsvollen erstmaligen Einzug der zionistischen Fraktion ln die Badener Gemeinde, und betont, daß dies einen Wendepunkt in der Geschichte der Kultusgemeinde Baden bedeutet. Die Badener Gemeinde erhält damit zionistisches Gepräge. — Zwischen den Zionisten und dem Wirtschaft sverein besteht nicht der geringste Gegensatz, beide haben ein gemeinsames Programm angenommen, und er werde dafür Damit fand diese erste Sitzung im Zeichen der vom Zionismus eroberten Badener Gemeinde ihren Abschluß, und es wird jetzt allgemein auf die beginnende neue Arbeit der neuen Männer mit großem Interesse entgegengesehen. Die Persönlichkeit des neuen Präsidenten Mit Dr. Samuel Deutsch ist einer der ältesten Badener Zionisten an die Spitze der Jüdischen Gemeinde gekommen. Doktor Samuel Deutsch, der im 50. Lebensjahre steht und seit dem Jahre 1912 als Kurarzt in allen Kreisen, jüdischen und nichtjüdischen, der Kurstadt Baden sich größter Beliebtheit und Wertschätzung erfreut, hat als Bataillonsarzt während des Weltkrieges an der Front gedient und wurde mit beiden „Signa Laudis mit den Schwertern“ ausgezeichnet. Der zionistischen Bewegung schloß sich der neue Präsident der Badener Gemeinde schon in frühester Jugend an. Im Jahre 1911 schon unternahm Dr. Deutsch eine Palästinareise. So ist Dr. Deutsch einer der ersten zionistischen Schrittmacher in Baden geworden, dessen aufopfernder, zionistischer Erziehungsarbeit unter den Badener Juden nicht zuletzt der grandiose zionistische Wahlerfolg zu danken ist. Zur Frage der Arbeitsbeschaffung und Berufsumschichtung Von Dr. A. Schmerler Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis setzt nach erfolgter Übersiedlung seine unentgeltliche- Tätigkeit, die Arbeitsbeschaffung für jüdische Arbeitslose, in den neuen Vereinsräumen, I., Kohlraessergasse 4, fort. Noch immer steigt die Zahl der jüdischen Arbeitssuchenden, an denen man die Wirkungen des entsetzlichen Elends infolge-der Existenzlosigkeit wahrnimmt. Leiter erstrangiger Banken und deren Filialen, Buch halter und Kontoristen großer Unternehmungen, Vertreter bedeutender Firmen, Verkäufer in blühenden Geschäftshäusern, Bauingenieure und Bauarbeiter, Elektrotechniker und Mechaniker, qualifizierte und ungelernte Arbeiter, Bäcker, Friseure usw. suchen Arbeit und alleohne Ausnahme er klären sich bereit, jede Stelle als Geschäfts diener, als Packer und als Hilfsarbeiter anzunehmen, um nur den Hunger ihrer Angehörigen zu stillen. Außerdem erscheinen -jetzt nach Schluß des Schuljahres jüdische Mädchen und Knaben und suchen handwerkliche Lehrstellen. Bei der Anmeldung sagte unlängst eine Mutter, man habe ihr bei einer maßgebenden nichtjüdischen Stelle die Mitteilung gemacht, daß Juden keine jüdischen Arbeiter aufnehmen. Und die Wirkung dieser Mitteilung ist erschütternd, hoffnungsraubend und tatläbmend: schon in diesem zarten Alter müssen unsere Jugendlichen den Ernst des Lebens erkennen und wahrnehmen, daß sie als jüdische Lehrlinge nicht aufgenommen werden. Sollen jüdische Jugendliche trotz guter Schulzeugnisse, Eignungsprüfung und glühender Vorliebe zur manuellen Arbeit keine Lehrstellen in der Elektrobränche, welche auf sie eine starke Anziehungskraft ausübt, finden, und sollen ihre Nachfragen als Lehrjungen bei Tischlern, Bäckern, Schneidern, Mechanikern, Friseuren, Optikern unberücksichtigt bleiben? Es hat den Anschein, daß angesichts der jüdischen Arbeitslosigkeit die Frage der Einschichtung und Einordnung in die Arbeite- und Erwerbsbetriebe dringender erscheint, als die der Umschichtung. Die jüdischen Industriellen, Großkaufleute und Unternehmer dürfen sich nicht länger zuwartend, reservierter oder gleichgültig zu den die jüdischen Arbeitslosen betreffenden Um- und Einschichtungsproblemen verbalenergisch eintreten und alles tun, damit eslten, denn die Folgen können katastrophal b X«t ftoöb SMrMtohtatt wtttok luto. Eine wirtschaftliche Enquete ist dringend vorzubereiten und schleunigst einzuberufen. Bei dieser Gelegenheit, muß folgendes gesagt werden: der vielgeschmähte Handelsvertreter und Reisende müssen wieder itire Tätigkeit im Interesse des Handels und Exportes äufnehraen, denn sie sind — wenn man ihre Tätigkeit vom höheren wirtschaftspolitischen und neuzeitlichen Standpunkt betrachtet, die treibende Kraft der Geschäftsunternehmer. Zuerst müssen die Handelsreisenden und Vertreter den Absatzmarkt erobern und den Betrieb beleben, und dann erst können in diesen Unternehmungen Arbeit und Erwerb für Kontoristen, Lageristen, Disponenten, Buchhalter und Arbeiter beschafft werden. Mit Recht verwies Herr Handelsminister Stokkinger daraufhin, „daß die mit dem Auslande vereinbarten Beziehungen nicht immer hundertprozentig ausgenützt werden, zumal die begünstigten Industriebranchen auf dem betreffenden Arbeitsmarkte nicht zu Hause sind. Es ist Aufgabe der Exportfirmen, sich um den Auslandmarkt zu kümmern und mit dem Auslandskonsum in Verbindung zu treten.“ Man dient sich und Österreich am besten durch eine starke Exporttätigkeit. Hiebei muß auch der jüdische Arbeiter und der jüdische Angestellte und Vertreter seinen Posten finden. Jüdische-Arbeitgeber, erfasset den Ernst der Zeit, fördert die Arbeitsbeschaffungsaktion zugunsten der jüdischen Arbeitslosen und deckt euren Bedarf an Angestellten und Arbeitern beim Jüdischen Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, I., Kohlmessergasse 4 (Tel. U-27-0-65). Die Arbeit des Keren Kajemeth Erfolgreiche Form der Telegrammablöse bei Hochzeiten Gg. Dr. Mair Pais hat anläßlich seiner Hochzeit an seine Bekannten Einladungen ver» sandt, denen er das schriftliche Ersuchen beilegte, ihm mittels Telegrammformularien des Keren Kajemeth zu gratulieren, sofern die Eingeladenen ihm zu gratulieren beabsichtigen. Diesem Ersuchen waT auch da® Telegramm« blankett des Keren Kajemeth sowie ein Erlag' schein des KKL. beigelegt worden. Der Erfolg war ein bedeutender, indem bisher rund S 170.— öingegangen sind. Die Gg. und Freunde des Keren Kajemeth werden gebeten, diesen von Dr. Pais eingesohlagenen Weg bei Familienfeierliohkeiten zu geben. Außerdem wurde bei der Hochzeit des Dr. Pais der Betrag von S 439.— für den Keren Kajemeth gesammelt, der zur Eintragung des Brautpaares ins Goldene Buch des Keren Kajemeth verwendet wurde. Hochzeit Dr. Adolf Lesers Jüngst fand die Hochzeit des Gg. Dr. Adolf Leser und des Frl. Dr. Ruth Safier statt. Genannter Gg. ist der Sohn der Frau Rosalie Leser, die seit Jahren Vertreterin der „Wizo“ in der Landeskommission des Keren Kajemeth ist und zu den treuesten Mitarbeiterinnen des Keren Kajemeth gehört. Dr. Adolf Leser ge« hört seit seinen jungen Jahren der zionisti« sehen Bewegung an und besitzt ein großes jüdisches Wissen. Der Keren Kajemeth gratuliert auf diesem Wege den Eltern und dem Brautpaar aufs herzlichste. Bei dieser Hochzeit wurde für den Keren Kajemeth der Betrag von S 260.— gesammelt. Das ausgezeichnete Buch de«' Gg. Doktor S. Finkelst.ei.n: ,,S ch i ck s al « s t unden eines Führer s“, das . er anläßlich des 30. Todestages von Herzl herausgegeben hat und das zum großen Teil bisher unbekannte ausgezeichnete Illustrationen enthält, ist im Keren-Kajemeth-Büro . erhältlich.. (Preis in Leinwand S 6.—.) RESTAURANT ROTH fl., PraterstraBe 54 Tel. R 47-0-41 empfiehlt seine reichhaltigen Menüs: Suppe, Braten, Gemüse, Mehlspeise ... $ 1*30 Suppe, Braten oder ‘/* Huhn, Gemüse, Kompott, Mehlspeise .. S 1*60 Kalbs- und Rindsbraten ä la oarte . . S —*90 IO dkg gebratenes Gansl.S —*60 Alleinstehende ältere Waise aus Rabbinerhaus stammend, infolge ihrer langen Krankheit in größter Not und Verzweiflung, aller Mittel entblößt, bittet vielmals edle, gute Menschen, ihr in ihrer furchtbaren Lage hilfreich beizustehen. Letzte Rettung und größte Dankbarkeit. Spenden nimmt entgegen und weist aus die Administration des Blattes. Die Zionistische Bezirkssektion Prater, Jungstraße 8, gratuliert Herrn Rabb. Elias Glaser anläßlich seiner Promotion zum Doctor der Philosophie JÜDISCHER KALENDER .20.-—*7. Juli 1934 8.—x j. Ab 3694 Freitag, 20. Sabbath* Eingang 7 Uhr 43 Samstag, 21. Sabbath-Ausgang 8 Uhr 45 Wochanabschnltt 1 Dtwarlm Zionistischer Vortrogshalender Mltwoch, 25. Juli 1934 10. Bez.: Sektion X, X., HaaeugaßBe 17, H9 Uhr abend«. Dr. Hugo Groß:! wRtltteiodrllok« wa Palästina,“ 1 Bilttye SiudenieHceCs^h. ml dec Judäa" NACH NOVI (JUGOSLAWIEN) 29. Juli u. 12. August 3 Wochen S ISA.» VARNA - KONSTANTINOPEL 29. Juli Varna S 173.- Auakünfte und Anmeldungen täglich von 12 bla 1 Uhr u. von 6 bla 8 Uhr, Tel. A 25-2-28 „Judäa", IX., Alserstraße S6 Bezugsbedingungen: Monatlich 6 IAO, vierteljährlich S 4.20, ganzjährig S 16.—. Für das Ausland: Deutschland vierteljährlich RM 3.—. Tschechoslowakei vierteljährlich Kö 24.—, Jugoslawien vierteljährlich Dinar 40.—, Polen vierteljährlich Zloty 6.50, Ungarn vierteljährlich Pengö 4.20,. Rumänien vierteljährlich Lei 120.—. übriges Ausland vierteljährlich Schweizer Franken 4.50. Postscheck-Konti: Österreich Nummer D 113.546, Polen Nr. 19M99, Tschechoslowakei Nr. 500.230, Jugoslawien Nr, 40.879. Eigentümer. Verleger und Herausgeber: Zionistischer l^ndesverband für Österreich. Wien, I.. Rdrntnerstraße 28. — Verantwortlicher Redakteur: Dr. Rudolf Glücklich. Wien, I., Kärntnerstraße 28. — Druck: Vernay A.-G., . ... Wien, UU fiaoielnsgacso &—JA

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