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Die Stimme · 1934-07-20 · Heft 371 (20.7.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 371 (20.7.1934)
Date
1934-07-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seit« 2 DIE STIMME Nr. 871 — 20. Juli 1034 Besuchet Emlngers Gaststätten am Praterstern Sitzung erstattet, sondern 2it Beginn des Kongresses den Delegierten schriftlich übermittelt werden. Erfahrungsgemäß hört ein großer Teil der Delegierten den Referaten nicht zu, weil er bei Kotnmissionssitzungen usw. beschäftigt ist. Die Nichtöffentlichkeit der Sitzungen wird auch die Miete von Sälen mit großem Auditorium, die Beistellung von vielen Ordnern überflüssig machen und daher geldsparend wirken. Daß ein sensationslüsternes Publiktun um einige Emotionen und die Presse um einige „Schlager“ kommen wird, kann ruhig in den Kauf genommen werden. Man warte aber nicht mit der Reform des Kongresses bis zu seiner Eröffnung! In einer Zeit, wo die Erregung des Wahlkampfes noch starke Wellen wirft und eine ruhige Arbeit kaum möglich macht, kann die Reform der Organisation ohne entsprechende Vorarbeit nicht erfolgen. Die Exekutive muß die Vorlage der Reform an den Kongreß sofort in Angriff nehmen und das Aktionskomitee muß die Reform in seiner nächsten Sitzung beschließen. Ein Dringlichkeitsantrag, in der Eröffnungssitzung des Kongresses eingebracht, muß sofort die Reform in Kraft setzen. Die Exekutive allein ist nicht in der Lage, diese Reform durchzudrücken. Deswegen sei es nochmals gesagt: Die Frage der Reformierung der Geschäftsordnung des Kongresses geht alle jene Zionisten ohne Rücksicht auf ihre parteimäßige Zugehörigkeit an, denen ein würdiger und arbeitsfähiger Kongreß eine Frage des Gewissens ist. Deswegen müssen alle Parteien schon jetzt zu diesen Fragen Stellung nehmen und den vom Organisationsdepartement sofort auszuarbeitenden Entwurf diskutieren, sowohl intern als öffentlich. Es handelt sich um eine lebenswichtige Frage der Weltorganisation. Auch hier wird Aufbauarbeit geleistet werden. Diese Frage eröffnet den Parteien, die guten Willens sind, ein Feld gemeinsamer Arbeit und wird dazu beitragen, die Kluft zwischen den Parteien zu verringern. Das erste Wort hat nun die Exekutive. Hat der Kongreß in seiner ersten Sitzung die Geschäftsordnung revidiert, dann muß es seine wichtigste Aufgabe sein, das Statut der Organisation einer gründlichen Revision zu unterziehen. Die besten Männer aller Parteien müssen beim nächsten Kongreß in der OrgänisationskommissionsitZen. Dort wird die wichtigste Arbeit zu leisten sein. Die Wichtigkeit der politischen Fragen und die Frage, wie die nächste Exekutive aussehen wird, sollen nicht unterschätzt Werden. In der politischen Kommission können wir nur unsere Meinung sägen, wir sind aber leider noch nicht so Subjekt unserer Politik, wie es wünschenswert ist und die Zusammensetzung der Exekutive ist eine reine Machtfrage. Das beweisen die Vorgänge beim letzten Kongreß und bei der Jerusalemer Tagung des Aktionskomitees. In den Fragen der Organisation aber sind wir vollkommen eigenberechigt und es ist höchste Zeit, Versäumtes nachzuholen. Die Organisation, das Fundament unserer politischen und kulturellen Arbeit und der Aufbauarbeit ist morsch und dem Zerfall nahe. Es ist hier nicht möglich, Detailfragen des Reformwerkes zu erörtern. Nur eine Frage soll gestreift werden, die des Schekelwahlrechtes. Der Zustand, daß der Sehekel in größerem Ausmaße nur im Kongreßjahr entrichtet wird — auch von Gruppen, die hinter der Exekutive stehen — ist lächerlich und würde¬ OK GASTSTÄTTE FOR JEDERMANN I.. KhrfnerifraM Nr 41 Betlhter Olfö Kostrer WIENER RAFHAUSKELLER volkstümliche Preise In aller) Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Qetang Inhaber OHo Kaierer los. Daß sich irgend jemand das Wahlrecht durch ein lächerlich geringes Geldopfer kaufen oder es geschenkt erhalten kann, ist eine Schande für die zionistische Organisation. Budgetäre Erfordernisse der Exekutive beseitigen diese Schande nicht. Daß Parteien, die sich in anderen Fragen erbittert bekämpfen, immer geschlossen Vorgehen. ufii diesen schandbaren ZUStäfid aufrecht zu halten, ist der beste Beweis für die Dringlichkeit seiner Reform. Die Sehe* kelfrage darf keine politische Frage sein. Sie ist die Frage pö* litischer Reinlichkeit. Dieser Augiasstall muß ausgeräumt werden* Wollen die politischen Parteien diese Arbeit nicht leisten, dann müssen sich die anständigen Menschen über die Parteien hinweg die Hände reichen und geschlossen Vorgehen, auch gegen den Willen von Parteiinstanzen. Nur so wird die brennende Schekelfrage gelöst werden. Es bleibe einstweilen unörörtert, wie die Reform des Wahlrechtes aussehen soll. Wer aufrichtig ist, wird sagen: Nur wirkliche Mitglieder der zionistischen Organisation, die in jedem Jahr den Schekel zahlen, sollen wahlberechtigt sedn. Man breche endlich mit einem System, das uns lächerlich macht und der Korruption Tür und Tor Öffnet. Wer für die Beibehaltung des bisherigen Zustandes ist, gibt sein Votum zugunsten politischer Ünänständ igk e i t ab. Die Wahl ist nicht schwer: Bildet eine interfraktionelle Liga zur Bekämpfung der Schekelschande1 Es soll hier nicht untersucht werden, warum das Organisationsdepartement auf orga« nisatorischem Gebiete nichts oder fast nichts geleistet hat und es hat keinen Sinn, sich mit Vorwürfen zu begnügen. Das geschieht durch diese Ausführungen nicht, die den Weg zur Gesundung der Organisation bahnen sollen. Diese Ausführungen haben nichts gemein mit Klagen über den schlechten Zustand der Organisation, die nur vorgebracht werden, um der Exekutive eins am Zeug zu flicken. Solche Angriffe wirken selten produktiv. Sie wirken durch die itn Zionismus eingerissenen Methoden häufig destruktiv und das um so stärker, je schwächer die Organisation ist. Deswegen ist der Hebel zur Neubelebung und Wiederaufriehtung des Zionismus bei der Reform der möf* sehen Organisation anzusetzen. * Hier würde Skizziert, was reformbedürftig ist« Es kommt nicht darauf an, ob die hier gemachten Vorschläge taugliche Mittel zur Behebung krasser Mißstände sind. Es wird nur darauf ankömmen., durch eine Allianz aller gutgesinnten Zionisten gegen die „Ntir- Polltlker“ ln der Zelt höchster Not den Weg zu finden, um die Organisation zu retten. Es ist einfach, immer nür zu diskutieren, und immer erregt und gekränkt zü sein. Manchmal scheint es, daß viele Zionisten in politischen Fragen „auf Vorrat“ gekränkt und aufgeregt sind. Hier aber, in der Or* ganisätiötisfräge, besteht begründeter Anlaß zu Kränkung und Aufregung. Es liegt an uns, diesen Zustand so nasch als möglich zu beenden. Vor dreißig Jahren haben wir Theodor Herzl begraben. Wollt ihr, daß sein Werk, die Zionistische Weltorganisation, demnächst begraben wird und mit ihr der Zionismus als Wel fcbewegung? Diese Ausführungen sind ein SOS.-Ruf. Die Antwort darauf wird für das Wohl und Wehe der Zionistischen Organisation von Bedeutung sein. Dt. Oskar Grünbaum. Restaurant Rillet Bestrenommiert« Küche "itO Reichhaltige Menüs AS 1*90 u. 9*60 Schwechater Bräu k., Hamfnerpurgställgaise 3 (nächst Salztorbrücke) Telephon A 4I-0-2J xift Jude in d§r kanadischen tleglerung Montreal, 15. Juli. Dör Bürgermeister von Windsor in der Provinz Ontario, David A. C r o 11, ein Jude, ist zum Minister für das St ä d t e-f und Wohlffthrtswesen in der Regierung von Ontario ernannt worden. Es ist dies das erstemal, daß in Kanada ein Jude als Kronsmlllister vereidigt wird. Ein Ctoß-Wariehau mit einer Meinen indischen Minderheit Warschau, 15. Juli. Im heutigen Warschau leben etwa 850.000 jüdische Seelen, die 80 Prozent der allgemeinen Bevölkerung der Hauptstadt ausinaohen. Trotzdem ist ihr Einfluß klein; in der städtischen Beamtenschaft zum Beispiel machen die Juden nicht viel mehr als ein Prozent aus. Nunmehr wird die Schaffung eines Groß-Warschau vorbereitet, das alle Ortschaften im Radius von 40 Kilometern um die Hauptstadt einschließen und die Zahl der hauptstädtischen Bevölkerung verdoppeln wird. Da in den einzubeziehenden Ortschaften nur wenige Juden wohnen, wird der Prozentsatz der Juden in Groß-Warschau k a um noch die Zahl 15 erreichen. Dubnotv läßt steh in Wttna nieder Warschau, 15. Juli. Der bekannte jüdische Historiker Prof. Simon D u b n 0 w, der im vorigen Jahr aus Berlin nach Riga übersiedelt war, hat nunmehr nach Überwindung ge* wisser Paßschwierigkeiten — Dubnow ist litauischer Staatsbürger — den polnischen Kurort Dfuskanik aufgeöueht. Der Ver* band der jüdischen Schriftsteller in Polen hatte bei den Behörden die Erteilung des Aufenthalterechtes an Prof. Dubnow durchgesetzt. Dubnow beabsichtigt, Sich in Wilna niederzulassen. Palästinafragen im Unterhaus London, 15. Juli. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Jänner im UntCrhäuse, betreffend die jüngsten Zahlen über die Verwendung von Arbeitern im allgeminen und von Juden irrt besonderen bei öffentlichen Arbeiten in Palästina, gab der Minister für die Kolonien Sir Philip Cunliffe-Llster folgendes bekannt: Der Palästina-Jahresbericht für 1938 zeigt, daß in der Zeit vom 1. April bis zum 3i* Dezember für das Departement für öffentliohö Arbeiten 790.085 Arbeitstage geleistet worden sind, von denen auf jüdische Arbeit 68.982 Arbeitstage entfallen. Die Geäarat- Iöhnsumme betrug 125.015 Pfund, davon wurden 28.998 Pfund für jüdische Arbeit bezahlt. Die weitere Frage des Abgeordneten an den Minister, ob Ihm Details über den gegenwärtigen Stand der Arbeit bei Öffentlichen Unternehmungen bekannt seien, wurde vom Minister verneint. Der Abgeordnete T h 0 r n e s fragte, ob der Minister erklären könne, daß Palästina eines der glücklichen Länder ist, in denen es keine Arbeitslosigkeit gibt. Der Minister antwortete» „Ich möchte nicht ganz so weit gehen, aber ich glaube, es ist ein glückliches Land im Vergleiche zu vielen anderen Ländern.“ Mieten und Elnwanderungserl&ubnis Captäin Strickland fragte den KölohienmlniBter, ob es Ihm bekannt sei, daß die Nachfrage nach Wohnhäusern und Geschäftslokalen in Tel-Aviv und Haifa das Angebot weit übersteigt. Der Abgeordnete fragte, wie hoch die sich aus diesem Zustand ergebende prozentuale Steigerung der Mieten sei, und welche Schtitte getan wur* den, um die Nachfrage nach weiteren Arbeitskräften im Baugewerbe zu befriedigen. Sir Philip Cunliffe-Lister antwortete: „Auf Vorschlag eines lokalen Komitee« wurde Im Monat April eine zeitlich be« grenzte Verordnung zur Verhinderung der Erhöhung von Mieten für Wöbnräume in den größeren Städten erlassen. Nach Schätzungen deB Komitees betrüg die Erhöhung der im Jahre 1934 für Wohüräume in Tel-Aviv geforderten Mietet: gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt 40 bis 50%. Bezüglich Haifas hat das Komitee keine Schätzung der Mietensteigeruüg vorgenommen, jedoch bemerkt, daß die Mieten, die seit Ende 1929 ziemlich niedrig waren, vom Juli vorigen Jahres an jäh zu steigen begannen. Der Direktor des Einwanderungsamtes für Palästina ist durch Gesetz ermächtigt, Personen zur Einwanderung zuzulasSen, die ln Gewerben Und Handwerk b* zweigen aungebildet sind und ein Mindestkapltal von 250 Pfund besitzen, wenn erüberzeligt ist, daß die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit Palästinas daß Unterkommen solcher Personen in dem Gewerbe oder Handwerk, das sie auszuüben beabsichtigen, ermöglicht. Wie ich erfahre, sollen demnächst 500 Personen dieser Kategorie zur Einwanderung zugelassen werden.“ Verwaltungsüberschufi und Geldumlauf Abgeordneter Barnett Jänner fragte, wie hoch der Verwaltungsttberschuß der Palästinaregierung am 30. April 1934 und am Schlüsse des Finanzjahres, am 31. März, gewesen sei. Der Kolonienminister antwortete: „Der Gesamtüberschuß Palästinas am 30. April 1934 betrug 2,694.460 Pfund, der Überschuß am 31. März 1934 2,510.982 Pfund.“ Wie aus Palästina gemeldet wird, betrug der VerWaltungsübersohüß der Palästirtareglorung Ende Mal nach amtlichen Angaben 2,820.062 Pfund* ln den Monaten April Und Mai wurde oin Überschuß von 309.130 Pfund erzielt. Der Geldumlauf in Palästina betrug am 5. JllU 4,209.604 Pfund. Bluttat in einer Versammlung der Judenttaattpartei in Polen Warschau, 15. Juli. Wie die J u d e n s t a a t s p a r t e i be« richtet, Ist es in einer Versammlung des Brith Hakanaim, des Wehrverbandes der Judenstaatspartei, im Staat* Chen Novy Karczyn zü einem blutigen Zwischenfall gekommen. Ein Mitglied des revisionistischen Brith Trumpeldor stach den Angehörigen des Brith Hakftnaim, Josef Ohaimowicz, nieder. Dieser wurde in schwerverletztem Zustand ins Krankenhaus elhgeliefort. Der Messerstecher wurde verhaftet. Palästlnaabtellung vK*ro'?nö er iniiiin Internationale Transporte Wien, II., Yaborstraßa 22 Telephon R 48-MO, R 40-5-70 Serie Spezial -Warentransporte, Übersiedlungen, Verpackungen für Palästina, Transport- und Reisegepäckversicherttngen. Auskünfte jeder Art Uber Palästina. Statistisches aus Bulgarien Sofia, 16. Juli. Wie dem Kultusministerium auf dessen Verlangen mitgetoilt wurde, gibt es gegenwärtig in Bulgarien 87 Synagogen und vior Bethäuuet. Die älteste ßynagogo ist die in Plowdiw (Philipoppel) aus dem Jahre 1884, Es gibt in Bulgarien 84 jüdische Gemeinden (81 »ephardiSohe, 8 asoUkenasisohe). Von historischer Bedeutung ist die Gemeind« det Donaustadt Nicopol, wo der Verfasser des Söhulchan Aruch Joseph Oaro gelebt Und diesen religiösen Kodex ZU schreiben begonnen hat.

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