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Die Stimme · 1934-07-20 · Heft 371 (20.7.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 371 (20.7.1934)
Date
1934-07-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Fnli dlMtr Nommtr SO g V.b.b. JÜDISCHE ZEITUNG '■HUffVHSVnM Nr. 171 | Wien, 20. Juli »934 T 10 1*9* LEB..VERS.-CES. PHONIX ABT. TUR TREMDEHVBRKBHR NUN. L WAILNCRSTB. «• TIU U M-51 Redaktion und Administration Wien, . KärntneratraBe 2b I Tal R 97-4-85 Radaktfona^öMuB Montag und Mittwoch vorm. I (8. Ab 5694) | 7« Jahrgang Berufungsverfahren im Stavsky-Prozeß eröffnet Jerusalem, 18. Juli. Das Berufungsverfaliren im Stavsky-Pro* zeß wurde am 16. Juli vor einem ausschließlich aus englischen Richtern, und zwar dem Obersten Richter MacDonn e I und den Richtern Baker und Doktor F r e i t a 8, bestehenden Gerichtshof eröffnet. Die Richterbank bot dadurch, daß sie nur englischen Richter in ihren traditionellen roten Talaren und grauen Perücken umfaßte, jedoch nicht wie sonst auch ein heimische Richter aufwies, ein ungewohntes Bild. Abraham Stavsky erschien ohne Hand schellen, in netter, bürgerlicher Kleidung. Die Vormittägsverhandlung war durch Darlegungen des Verteidigers Horace Samuel über die Gründe,' die für eine Aufhebung des Urteils gegen Abraham Stavsky sprechen, ausgefflllt. Der Verteidiger wies einleitend darauf hin, daß der Fall außerordentlich k o in p 1 i z i e r t Ist, insbe sondere im Hinblick auf die Aussage Abdul Med$ch 1 ds und das Minderheit* Votum des Richters de Valero, der beide Angeklagte für unschuldig befunden hat. Abdul Medschid, erklärte Horace Samuel, hat jetzt sein Geständnis der Teil nähme an dem Mord an Dr. Arlosoroff Dr. Eliash gegenüber , erneuert. Ich verlange, sagte Samuel, daß das Gericht auch Rechtsanwalt Eliash als Zeugen vernehme. Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen betonte der Verteidiger, daß das Urteil gegen Stavsky keine beweiskräftigen Gründe enthalte, daß das Gericht nicht erklärt habe, mit wem zusammen Stavsky den Mord ausgeführt haben soll, denn wenn einer der Angreifer ein Araber gewesen ist, dann stürze damit die ganze Theorie von einem politischen Mord durch Revisionisten zusammen. Horace Samuel erwähnte in diesem Zusammenhänge die wiederholt von Frau Arlosoroff gemachte Aussage, daß der Attentäter ein Araber gewesen ist, und die Bemerkung im Protokoll der Jaffaer Polizei, in der ebenfalls von Arabern als von den Tätern gesprochen wird. Im Anschluß daran erörterte der Verteidiger die Möglichkeit des Erkennens von Personen in der Beleuchtung, wie sie am Abend des Mordes am Strand von Tel-Aviv herrschte, und sprach dann über die Unregelmäßigkeiten bei der Vornahme der Identifizierungen. Der vom Erstgericht freigesprochene Zwi Rosenblatt war während der Verhandlung im Gerichtsgebäude anwesend, hielt sich jedoch nicht im Gerichtssaal, sondern auf einem Korridor auf. Mörder Dr. Arlosoroffs, er selbst sei der Begleitsmann gewesen. Die Polizei hat unter Leitung des Kommandanten Spiee r die Untersuchung wieder aufgen o m m e n. Abdul Medschid wird voraussichtlich abermals dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Unsere dringendste Aufgabe Es gibt namhafte Zionisten, die nach jedem Kongreß , und nach jeder Sitzung des Aktionskomitees Reden halten und Artikel schreiben, in denen frei nach Cou6 behauptet wird, die eben abgeschlossene Tagung sei eine schwere, aber doch gute Tagung Tel-Aviv bestattet Bialik . Tel-Aviv, 17. Juli. Am . Freitag, den 13. Juli, waren' dreißig Führer des jüdischen Jischuw in Palästina dem Dämpfer „Italia“, der Bialiks sterbliche Reste nach Palästina brachte, entgegengefahren und haben ihn bäi der Insel Z y p e r n bestiegen, um den toten Dichter des Geleit bisPalästina zu geben. Die Bestattung fand am Montag, den 16. Juli, nachmittags in Tel-Aviv statt. Sämtliche Geschäfte wären am Nachmittag zum Zeichen der Trauer geschlosse n. Überall in der Stadt wären die Betriebe für zwei Stunden stillgelegt. Viele Tausende. Leidtragende schritten; hinter' dem Sarg' des toten Dichters. Das Begräbnis war so eindrucksvoll, daß es sich allen Teilnehmern tief einprägte Der Tag der Bäeirdfgtmg Biäliks vHirdS vöä det Judenheit Palästinas alsiftationäler Ttauettag begangen. Ad döhi Sarge des Dichters, der Jn der Stadthälle. von Tel-Aviv aufgestellt worden war," zogen während des ganzen Vormittags, fünf Stunden, lang, die Massen vorüber, die zum Teil von weit her gekommen waren, um von dem Dichter des Volkes Abschied zu nehmen. Von 2 Uhr nachmittags an ruhte in Tel-Aviv das Geschäftsleben vollständig, um 8 Uhr wurde der Straßenverkehr eingestellt. Während des Begräbnisses, in der Zeit von 4 bis 6 Uhr nachmittags, ruhte jede Arbeit im ganzes Daniele j Der gesamte Jifcchuw gedachte in stummer Trauer des Dahingeschiedehen. Die rituelle Beerdigungs- Zeremonie auf dem Friedhofe fand auf Wunsch der Witwe Bialiks in einfachster Form, statt. Es wurden keinerlei Grabreden gehalten. Nur das „El mole rachamin“ wurde rezitiert. Von der Verknüpfung Bialiks mit dem nationalen Wiederaufbau und seiner Bedeutung für die geistige Erneuerung jüdischen Lebens kündeten überall nur die trauerumflorten blau-weißen Nationalflaggen. (Weitere Berichte im Innern des Blattes.) Eine Wendung im Prozeß? Jerusalem, 16. Juli. Der Jerusalemer Dr. Eliash hat dem Gericht eine beschworene Erklärung eingereicht, derzufolge der jugendliche Araber Abdul Medschid auf der Richtigkeit seines ursprünglichen Geständnisses hinsichtlich des Mordes an der Arlosoroff besteht, den frelwiUigen Widerruf dieses Geständnisses ln Abrede stellt und erklärt, Issa el Darwjsch sei der Wiederwahl der bisherigen Exekutive des WaadXeumi Tel-Aviv, 18. Juli. In der vor kurzem in Tel-Aviv abgehal tenen Sitzung des Waad Leumi, der ersten seit der jüngsten Tagung der Assefath Haniweharim, wurde die bisherige Exekutive des Waad Leumi mit Ben;Zwi an der Spitze wiedergewählt. Rabbi, Ostrowsky nahm die Wiederwahl als Einzelpersönlichkeit, jedoch nicht als Vertreter des Misrachi-Verbandes an, da der Misrachi dem Waad Leumi zur Kenntis gebracht hatte, daß er in der. Exekutive nicht mehr vertreten sein wolle. Im Mittelpunkte der Beratungen stand die Stellungnahme des Waad Leumi zu derp Beschluß der Exekutive der Jewish Agency, ihren gegenwärtigen Beitrag zur Erhaltung des Schulwesens um 50 Prozent, das heißt von 20.000 auf 10.000 Pfund zu kürzen. Die Versammlung beschloß, die Verantwortung für das Schulwerk in dem Falle der Durchführung der von der Agency angekündigten Kürzung abzulehnen, da r eine solche Kürzung einen chaotischen Zustand in der Finanzierung des Schulwesens herbeiführen müßte. Einheitsgemeinde in Budapest? Budapest, 18. Juli. In den Kreisen der Pester wie der Ofner Jndenscbaft ist eine Bewegung entstanden, die auf die Vereinigung der beiden Kultusgemeinden abzielt. Es ist hiezu ein 500 Mitglieder umfassender Exekutivausschuß gebildet worden. gewesen.. Trotz aller Stürme im Saale habe sich doch der. Wille , zu gemeinsamer Arbeit gezeigt, und wie sonst die Gemeinplätze alle heißen mögen. In Wirklichkeit ist es aber anders. Was im Kongreßsaal gesprochen wird, das ist in der Regel nichts anderes als das Wiederkauen sattsam bekannter Leitartikel aus den zionistischen Parteiblättern. Hinter den Kulissen wird lächerliche Prestigepolitik getrieben und die Königsmacher agieren. Inzwischen zieht sich der Kongreß über die fiir ihn vorgesehene Zeit in die Länge und immer mehr Delegierte reisen nach Hause. Das sind nicht die schlechtesten. Sie müssen aber abreisen, weil ihnen das Geld ausgeht. Zurück bleiben nur wenige Unentwegte und Delegierte, .die es sich leisten können. Das sind.entweder Beamte der Organisation und der Fonde, oder Delegierte, denen eine wohlgefüllte Parteikasss den weiteren Aufenthalt im Kongreßorte ermöglicht. Schließlich kommt doch die traditionelle’Nacbtsirtzung. Die Hände heben und senken .sich im halbleeren Saal. Die spärlich Anwesenden beglückwünschen sich gegenseitig, singen die „Tikwah“ und fahren nach Hause. Der Kongreß ist aus. So war es wieder einmal beim 18. Kongreß. Darf sich dieses klägliche Schauspiel im nächsten Jahre wiederholen? Früher einmal übten die Kongresse eine gute propagandistische Wirkung aus. Der letzte Kongreß war eine ausgezeichnete Propaganda — gegen den Zionismus. Wer sich daher heute noch immer gegen eine gründliche Erneuerung der Kongreßmaschinerie wehrt I oder sich mit „Empfehlungen“ und Resolutionen begnügt, trägt mit die Verantwortung für den Niedergang der zionistischen Bewegung. Der letzte Kongreß* bedeutete eine nutzlose Verschwendung von Geld und Energien. Nur mit größter Besorgnis kann man dem nächsten Kongreß entgegensehen. Über alle Parteiunterschiede hinweg muß eine Allianz geschlossen werden, um den Kongreß und mit ihm die Organisation zu retten. Zwei große Arbeiten müssen am nächsten Kongreß bewältigt werden: 1. Eine organisatorische Reform, um den Kongreß zu einer Stätte fruchtbarer Arbeit zu machen; . 2. Wahlrecht und Statut müssen reformiert werden, um geordnete. Zustände in der Organisation zu schaffen. Das Organisationsdepartement der Zionistischen Exekutive muß sofort und ernsthaft an die Arbeit gehen und ehestens der Öffentlichkeit Abänderungen des Statuts Vorschlägen, die dann die ausschließliche oder zumindest hauptsächlichste Tagesordnung der nächsten, noch in diesem Jahre einzuberufenden Sitzung des Aktionskomitees zu bilden haben. Die bei dieser Sitzung gefaßten Beschlüsse stehen als erster Punkt auf der Tagesordnung des nächsten Kongresses und sind sofort zur Abstimmung zu bringen, bevor noch der Kongreß seinen Fortgang nimmt. Der Grundgedanke der Reform soll darin bestehen, daß nur die Eröffnungssitzung und die Schlußsitzung des Kongresses öffentlich sind. Von ihnen soll eine mächtige Manifestation für den zionistischen Gedanken ausgehen. Gleichzeitig sollen Beschlüsse gefaßt werden, die eine rasche Abwicklung der Arbeiten im Plenum und in den Kommissionen gewährleisten. Es sei daran erinnert, daß Arlosoroff knapp vor seinem Tode ähnliche Gedanken geäußert hat. Es wird sicher Widerstände geben. Man muß aber den Prinzipienreitern in die Zügel fallen. Hier handelt es sich nicht um Demokratie oder Faschismus. Es handelt sich bei der Forderung der Reform der Geschäftsordnung des Kongresses um ein Gebot der Vernunft. Soll man wieder eine Woche lang beraten, wer Präsident. des Kongresses sein soll und aus welchen Personen sich das Präsidium zusammensetzen soll? Es geschieht den . Verfechtern der Demokratie . kein Abbruch, wenn die öffentlichen Sitzungen eingeschränkt und eine vernünftige Änderung der Geschäftsordnung erfolgt, die in geschlossenen Sitzungen erfahrungsgemäß raschere Arbeit sichert. Der Kongreß wird auch dadurch beschleunigt arbeiten können, daß die Referate nicht in öffentlicher '.h ' Für unser,e Leser, nur: INeudegger Fahrschulen Wien, VIII., Neudeggerg. 18 Tel. B 46-5-72 und Inxcrsdorf (Nieder-Östqrreiqh) 7: Prüfungserleichterung durch :v;;!! Laufender Auto im LchrsaaH!

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