Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 369 (13.7.1934)
- Date
- 1934-07-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nf. 309 — 13. Juli 1934 DIE STIMME 8elts B Herzu. Frauenheilbad Bunenla-td wm * ■ 4 Tatzmannsdorf Mineral-, Moor- und natürliche Kohlensäüfe-Spmdelbttrler. Billiger Pens’on«. preis. — Auskünfte und Prospekte: KurdlrekU*n U. Kurkommliilon lad Tal»** manntdorf, Burga.iland lüßlich der letzten Veranstaltung seiner tiefsten Sympathie für Österreich Ausdruck gegeben hat, für diese Sympath danke und ihm ihr herzliches Gedenken und beste Wünsche für seine Erholung übermittle. Dieser Vorschlag wurde mit lebhaftem Beifall angenommen. * Öst6r*elcbiftch~Pal$&t§neii~ sische WsrtschaSts- und Handelskammer Bekanntlich wurde bereits im Vorjahre zwecks Hebung des österreichisch-palästinensischen Handelsverkehrs der österreichisch-palästinensische Wirtschaftsverband in Wien gegründet, dessen Tätigkeit nunmehr bedeutend erweitert wurde, und zwar auf Grund der persönlichen Erfahrungen, welche die Leitungsmitglieder des Verbandes, die Herren Direktor Josef Kremenetzky, Adolf Böhm und Dr. Hugo Groß, in Palä- «tina gemacht haben. Während der VI. internationalen Levante-Messe in Tel-Aviv, an welcher sich auch eine große Anzahl von österreichischen Firmen beteiligt hat, wurde in Tel-Aviv die Austro-Palästinensische Handelskammer gegründet. Diese Gründung wurde sowohl von den zahlreichen Mitgliedern der österreichischen Kolonie in Palästina als auch von anderen Interessenten lebhaft begrüßt. In der konstituierenden Versammlung, welche am 23. Mai 1. J. in Tel-Aviv stattgefunden hat, hob Herr Doktor Groß die Wichtigkeit der Zusammenarbeit der palästinensisch-österreichischen Kammer und der korrespondierenden Körperschaft In Wien hervor, wodurch erst ein inniger Kontakt zwischen österreichischen Interessenten und. edm palästinensischen Markt hergestellt, werden kann. Am 23. Juni 1. J. fand in Wien die Neukonstituierung der Österreichisch-Palästinensischen Wirtschaft»** und Handelskammer statt, welche ihre Tätigkeit in Wien, IX., Alserplatz 3, Tel. Nr. B 45-2-11, fortsetzen wird. Dem Präsidium der Österreichisch- Palästinensischen Wirtschafts- und Handelskammer gehören an: Als Präsident: Herr Direktor Josef Kremenetzky, als Vizepräsidenten: Herr K.-R. und Konsul a. D. Oswald Schön, Herr K.-R. Arthur Albers und Herr Fabrikant Adolf Böhm, als Geschäfts fObrer: Herr Rechtsanwalt Dr. Hugo Groß. In den Kammerrat wurden weiters gewählt die Herren Arnold Edelstein, Oskar Pro minger,. Robert Glücksmann, Dr. Kurt Offenberger, Direktor Han» Wallis, Bruno Rabi nowitz, Robert Dickstein, Ludwig Planer, Sändor Wolf, Oberbaurat Ing. Fedor Ackermann, Gustav Wilder, Leo Friedlänaer. Zü Konsulenten wurden gewählt die Herren Öberbaurat Ing. Robert Stricker, Dr. Oskar Grünbaum, Dr. Karl Ettinger und Aklm Lewit. Die Kooptientog von weiteren Persönlichkeiten wurde nach Fühlungnahme mit den Interessierten Körperschaften Vorbehalten. Weiters wurde beschlossen, sowohl im Wege der Presse als auch durch persönliche Werbung alle Kreise der Industrie, dos Handels und des Gewerbes zur Mitarbeit aufzufordern, da die rapide Entwicklung in Palästina eine weitere Steigerung der wechselseitigen Beziehungen beider Länder zuläßt. Und die österreichische Wirtschaft sich die Möglichkeit einer entsprechenden Erweiterung des Exportes nach diesem Lande nicht von anderen nehmen lassen darf. heißt es in der Mitteilung, hat in einem sö kurzen Zeitraum einen ftölöhen Biüötfofii von Einwanderern und Kapital *u ver zeichnen. Laut Bericht der Haifaer Polizei wurden 29 Juden au» Polen in der Stadt Tiberias wogen illegaler Einwanderung verhaftet. (Leben die Razzien wieder auf? Die Red.) Bewährungsfrist für die Anstifter der Novemberunruhen fit Jaffa Jerusalem, 9. Juli. Das Jaffaer Kreisgericht als Berufungsgericht hat die über fünfzehn Führer arabischer Nationalisten wegen Beteiligung an den Unruhen in Jaffa im November 1933 verhängten Strafen abgeändert. Das Gericht beschloß, den Verurteilten eine Bewährungsfrist zuzubilligen, falls sie eine schriftliche Wohlverhaltungsverpflichtung abgeben. Vierzehn Verurteilte haben solche Erklärungen unterfertigt; sie gehen damit vorläufig straflos aus. Nur Scheich Abdul Kader Muzeffar hat die Unterzeichnung der auf drei Jahre lautenden Verpflichtung verweigert. Er wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt und bleibt nach Verbüßung der Strafe noch ein Jahr unter Polizeiaufsicht. 6o Pfund Kaution von Beisenden erster Klasse gefordert Jerusalem, 9. Juli. Die Palästina-Regierung hat die Päßabtei- [ungen der englischen Konsulate angewiesen, von nun an auch von denjenigen jüdischen Touristen, die erster Klasse nach Palästina reisen, die Hinterlegung der bisher nur für Reisende der übrigen Klassen vorgeschriebenen Kaution von 60 Pfund zu fordern. Die diesbezügliche Abänderung der bisher geltenden Kautionsbestimmungen ist bekanntlich vom Kolonialminister auch Im Unterhaus worden. bekanntgegeben Erklärung der Rabbiner Wiens zum Fall Stavsky Die Rabbiner Wiens veröffentlichen folgende Erklärung: „Abraham Stavsky, ein junger Jude ist in Palästina auf Grund einer Indizien beweisführung durch M a j 0 r i t ä t s Spruch des Richterkollegiums des Mordes an dem Zionistenführer Arioso r o f f schuldig erkannt und zum Tode ver urteilt worden. Der Oberrabbiner von Pa lästina Koök und mit ihm das pälästinen sische Rabbinat sowie ein großer Kreis hervorragender Persönlichkeiten haben in einem Aufruf an die Judenheit der ganzen Welt beteuert, daß nach ihrer Ansicht Abraham Stavsky an dem Mord gänz 1 ichunbeteiligt sei. Unter dem Eindrücke dieser Kundgebung und bestärkt durch die Erklärung eines der Richter des ersten Gerichtshofes, De Valero, der gleichfalls von der Unschuld StavBkys überzeugt ist, geben die Rabbiner der Wiener Gemeinde dem innigen Wunsch und der Hoffnung Ausdruck, daß die Überzeugung so vieler hervorragender Menschen von der Unschuld Stavskys durch das weitere gerichtliche Verfahren volle Bestätigung finden möge. Für die Rabbiner Wiens: Der Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang.“ „Gefahr droht!“ Der Oberrabbiner von Wien Dr. David Feuchtwang erhielt folgendes Telegramm vom Oberrabbiner Köök: „G e f ä h r d r o h t. Tun Sie Ihr Möglichstes fürden unschuldigen Stavsky!“ Das Telegramm war merkwürdigerweise nicht in Jerusalem, dem Amtssitze des Rabbiners Kook, sondern in Beirut aufgegeben worden. LIT ERAT U R UNDK UNST Herzl/ der Dramatiker $5»ooo Juden kamen im ersten Holbfohr 1034 nach Palästina Jerusalem, 11. Juli. Laut einer Aufstellung des Einwandeningmbureaus der Jewish Agency kamen iin ersten Halbjahr 1934 mindestens 15.000 Juden ale Einwanderer nach Palästina und siedelten sich hier an. Unter diesen waren etwa 8000 Kapitalisten, die mindestens sechs Millionen Pfund Kapital ins Land brachten. Kein anderes Land in der Welt, Als Theodor H e r z 1 den königlichen Traum des Zionismus. zu träumen begann, war er 35 Jahre alt. Er hatte bereits dreißig Theaterstücke, Dramen, Lustspiele, Schau spiele, geschrieben. Als Journalist und Feuilletonist hatte seift Name einen schönen Klang. Er wurde in der Folge zum Begründer eines neuen Fettilletönstiie in der Wiener Presse. Aber auch als Autor von Büh* nenstücken blickte er auf schöne Erfolge zurück. Seine in leichtbeschwingtem Plauderstil mit französischem Charme und Witz geschriebenen SalonBtücke, seine Stücke aus tieferen sozialen Bezirken wurden gerne auf den verschiedensten Bühnen Europas und Amerikas mit größtem Erfolg gespielt. Und doch, nur ein paar Jahre nooh, lind der Dramatiker Herzl, der Verfasser btihnensicherer Stücke, wird vergessen sein. Übrig aber bleiben wird Theodor H e r z i, der Schöpfer des Zionismus, der letzte und größte nationale RevolteUr des jüdischen Volkes in der Zeit seiner Diaspora. Übrigbloiben wird Theodor Herzl, der Schöpfer jenes grandiosen und Wahrhaft gigantischen Dramas, das die Rückkehr der Juden nach Palästina, den Auszug in das Gelobte Land zum Gegenstände hat. Dieses titanische Schauspiel hat Theodor Herzl mit seinem Herzblut geschrieben, und deshalb ist es dieses Werk, das den Schöpfer unsterblich gemacht hat. Demgegenüber erscheinen die größten und rausohendsten Erfolge des Dramatikers und des Bühnenautors schal und blaß. Trotzdem war es eine dankbare Aufgabe, sioh mit dem Dramatiker Herzl zu beschäftigen, die Spuren Herzls zu verfolgen, bevor er seinen Königsgedanken zu leben begann. Dieser Aufgabe unterzog sich Josei Frankel in einem zum Anlaß des dreißigsten Todestages Herzls im Wiener „F i b a“- Verlag erschienenen Buche „Theodor Herzl, des Schöpfers erstes Wolle n“. Es war eine dankbare Aufgabe, die der Autor auch durch liebevolles Studium und Erforschen der einschlägigen Quellen löste. Dankbar aus dem Grunde schon," weil das Buch in der Tat nicht nur dem Zionisten, dem Anhänger Herzls, sondern auch dem kulturpolitisch interessierten Leser Neuland vermittelt. Durch übersichtliche Anordnung der reichhaltigen Korrespondenz Theodor Herzls, vom Autor mit verbindendem Text erläutert, mit den damaligen Mächtigen des k. k. Hofburgtheaters, fühlen Wir den Hauch und die Atmosphäre der kulturpolitischen Epoche um die Jahrhundertwende. Wir sehen auch hier, wie Herzl einen mühevollen Kampf mit der Kunstkamarilla der k. k. Höfintendanz führt. Das Buch bringt ausschließlich die Korrespondenz Herzls mit dem Burgtheater, welches von elf eingereichten Büh nenwerken Herzls fünf zur Aufführung brachte, und zwar: „Der Flüchtling“, „Wilddiebe“, „Die Dame in Schwarz“, „Tabarin“ und ,,I iöve you“, die insgesamt 99 mal ata Wiener Bürgtheater aufgeftihrt wurden. Darüber hinaus gingen seine Stücke über die Theater Hamburgs, Berlins, Frankfurts, Münchens, Prags u. a. m. Bemerkenswert ist, daß sein weitaus erfolgreichstes Lustspiel „Die Wilddiebe“, das in wenigen Jahren von etwa 50 Bühnen erworben wurde, dem kürzlich so tragisch* verstorbenen Künstler Max Pallenberg die erste Rolle auf dem Theaterzettel brachte. Ein heftiger Kampf tobte insbesondere um das Stück „Unser Kätbchen“, das, von der Zensur bereits begutachtet, dennoch am Burgtheater nicht aufgeführt werden könnte. Das, auch äußerlich schön ausgestattete, mit zahlreichen unbekannten Bildern und Faksimilebriefen versehene Buch, das die überaus interessante Korrespondenz Herzls mit Sonnonthal, Burckhard, Mitte r w u r z e r, August Förster und Schlenther zura erstenmal aus der Versenkung des Archivs der breiteren Öffentlichkeit zugänglich macht, stellt schon seines reichen Quellenmaterials wegen »ine interessante Neuerscheinung in der Literatur um Herzl dar. Vorwort, in dem der Autor gegen da» ®odeine hebräische Schrifttu-m den Vorwurf erhebt, den Dramatiker Herzl statt zu Übersetzen, zu übergehen. Inwieweit dieser Vorwurf berechtigt ist, kann hier nicht Gegenstand einer Untersuchung sein. Jedesfalls hätte er nur sachlich sein und nicht eine .persönlich scheinende Spitze tragen dürfen. Der junge Autor scheint da im Übereifer bei der Behandlung der zur Bearbeitung erwählten Materie ein wenig übers Ziel geschossen zu haben. J. ß. Gastspiel Alex Stein Schalorn Asch’ Drama „Rabbi Silber“ in der Jüdischen Bühne Alex Stein, der ausgezeichnete Schauspieler der Wilnaer Truppe, den Besuchern des jüdischen Theaters in Wien von den unvergeßlichen Tagen des ersten Gastspiels der „Wilnaer“ in der Röland-Bühne in den Jahren 1920/21 und dem letzten Gastspiel vor drei Jahren in den Jüdischen Künstlerspielen noch in bester Erinnerung, absolviert gegenwärtig in der Jüdischen Bühne des Hotels Stefanie (II., Taborstraße 12) eiu kurzes Sommergastspdel. Um es gleich vörwegzuttehmen: Es ist schade, daß dieses interessante Gastspiel — interessant nicht nur durch Alex Stein und seine Partnerin Frau Magda Carmen, sondern auch, weil das Gastspiel uns die Bekanntschaft des in Wien noch nicht gespielten Dramas „Rabbi Silber“ von- Schalom Asch vermittelt — in diesen heißen Tagen vor halb leerem Saale vor sioh geht. Es verdiente weit mehr Beachtung durch das jüdische TheaterpublL kum und auch durch die Presse. Die Gestalt des Reverend Silber, vom Dichter mit Kraft und innerer Dynamik ausgestattet, wird von Alex Stein meisterhaft dargestellt. Er umgibt sie mit dem ganzen Pathos des alten Wilnaer Schauspielergeistes und schenkt ihr sein warm schlagendes Herz. In Maske schafft Alex Stein überdies eine verblüffende Herzl-Kopie. Sein Rabbi Silber reiht sich jedenfalls würdig an die schönen Gestalten Stein» im „Dybuk“ und in „Tag und Nacht“ an. Frau Miigda Carmen, die Trägerin der weiblichen Hauptrolle,. die insbesondere im ersten Akt hohes Können zeigt, hat, nach zweijährigem Aufenthalt in den jüdischen Zentren Polens, den Übertritt von der deutschen zur jüdischen Bühne mit bemerkenswertem Erfolg vollzogen. Ihr Jiddisch’ klingt schön und natürlich. Bestens bewährt, wie immer, die einheimischen Künstler Frau Lea Weihträub- Graf, sowie die Herren Kamay, Sögft! und Tunis. Nicht zu vergessen noch die schöne musikalische Illustration Henoch Kohns. j, jr. Pension Eckstein Soweit das Buch. Aufklärungsbedlüftig bleibt die Stelle im Die Zahl der Juden in Jugoslawien Das Statistische Jahrbuch für Jugoslawien enthält Angaben über Zahl und Verteilung der Juden im jugoslawischen Königreich. Nach den Ergebnissen der Volks zählung vom 31. März 1931 gab ee in ganz Jugoslawien 68.405 Juden, das ist 0*49% der Gesamtbevölkerung. In den einzelnen Banaten (politische Verwaltungseinheiten) wohnen: Im Drau-B.anat (Slovenien) 820 Juden (0 07% der Gesamtbevöikerung), im Drina-Banat (Bosnien) 10.043 (0-65%), hn Donau-Banat (frühere ungarische Geibiete) 18.518 (0*78%), im Morava-Banat (Alt-Serbien) 586 (0'04%), im Ktisten-Banat (Dalmatien) 578 (0*07%\ im Save-Banat (Kroatien) 19.575 (0*72%), im V a r d a r- Bauat (Süd-Serbien) 7579 (0*48%), im Vrbas-Banat (Nord-Bosnien) 1000 (0*11 %), im Zeta-Banat (Montenegro) 610 (0*07%) und in der zu keinem Banat gehörenden Hauptstadt Belgrad 8936 (3*09%). An der Universität Zagreb (Agram) waren im Sommersemeeter 1033/34 360 jüdische Hörer bei einer Geeamfchörerzahl vön 5078 inskribiert. Wichtig für Polenreisende. Wir machen unsere geehrten Leser atif die Gelegenheit einer besonders billigen Fahrt nach Polen, veranstaltet vom Polnischen VerkehrsbHro „Franoopol“, besonders aufmerksam, (Siehe Inserat)