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Die Stimme · 1934-07-13 · Heft 369 (13.7.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 369 (13.7.1934)
Date
1934-07-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 369 — 18. Juli 1984 anstalten. Dies stieß auf gewisse behördliche Schwierigkeiten, so daß um 7 Uhr abends in der Triester großen Synagoge eine Trauerandacht veranstaltet wurde, bei der Rabbiner Zoller die Gedenkrede hielt. Der Trauerandacht wohnten Frau Bialik und die Freunde des verstorbenen Dichters bei. Am Schiffe selbst Übernahmen Chaluzim die Wache, die sie abwechselnd bis Tel-Aviv innehaben werden. Vor dem Sarg brennen Kerzen. Ussischkin ist noch Dienstag abends nach Wien weitergefahren, von wo er sich nach einstündigem Aufenthalt zur Kur nach Karlsbad weiterbegab. BioliSts „8chlma“ Bialik mußte sich dem Operationsmesser zweimal nacheinander unterziehen. Als ihn Dr. Rothblum nach der ersten Operation fragte, wie er sich fühle, erwiderte Bialik hebräisch, er habe, als man ihn auf den Operationstisch legte, das „Schema“ gesagt und seine Seele Gott empfohlen und den Rest den Ärzten überantwortet. Einem anderen Freunde gegenüber sprach sich Bialik kurz vor seinem Ableben gegen den innerjüdischen Parteihader aus. Er sagte: „Wenn ich so nachdenke, welche von den miteinander hadernden jüdischen Parteien denn wirklich das Judentum repräsentiert, so komme ich auf den Gedanken, daß der wahre Repräsentant des Judentums die — Bibel ist.“ Innerzionistischer Burg* frieden zu Ehren Bialiks gefordert Warschau, 9. Juli. Die Proklamierung eines innerzionistischen Burgfriedens in der ganzen Welt wird von dem Warschauer Komitee zur Leitung der Trauerfeiern für Bialik gefordert. Das Komitee hat den ehemaligen Abgeordneten Hartglaß und den dem Misrachi angehörenden Rabbiner Jizchok Nissenbaum bevollmächtigt, die notwendigen Schritte zur Herbeiführung eines allgemeinen innerzionistischen Burgfriedens zu unternehmen. Generalkonsul Dr. Ivo Jorda Ehrenpräsident der Austro - Palästinensischen Handelskammer Bes"s POLEN vom 31. Juli bis ij. August. Visa und polnische Paß Verlängerungen gratis. Wien—Krakow und retour S 40*80, Wien—Lwöw und retour S ji*—, Wien—Warszawa und retour S 46*50 samt allen Nebemtationen. Auskünfte und rascheste Anmeldung: Polnisches Verkehrsbüro »Francopol“, Wien, UL, Rennwev 1. (Gebäude des polnischen Konsulats.) Telephon U 16-4-90 stina zur letzen Ruhe gebracht werden, wird über Verfügung des Zionistischen Landeskomiteee zum Zeichen der Trauer in den Wiener Zionistischen Büros ab 12 Uhr mittags die Arbeit ruhen. DI« Trauerfeier für Bialik in Wien Über die Trauerfeier für Chaim Nachraan Bialik in Wien, über die wir bereits in der um dieselbe Stunde in Druck gegangenen letzten Nummer der „Stimme“ bereits berichteten, ist noch ergänzend folgendes zu berichten: Vor Beginn der offiziellen Trauerfeier hielten die zionistischen Kultusvorsteher, denen sich noch die Herren Dr. Ornstein und Dr. R a u m a n n anschloseen, die Ehrenwache am Sarge Chaim Nachman Bialike. Unter den Trauergästen bemerkte man den Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich, den gesamten Kultusvorstand mit den zwei Vizepräsidenten Dr. Josef L öwenherz und Dr. T i c h 0, das gesamte Rabbinat, 'Dr. Jakob Ornstein, den Vertreter der Allianc Israelite, Doktor A. K a m i n k a, Hofrat Frankfurter und eine Reibe auswärtiger Delegationen. Der jüdische Pen-Klub sowie der Verein der jüdischen Literaten und Journalisten in Polen waren durch Delegierte vertreten. Die Exekutive der zionistischen Organisation Westgaliziens hatte den Präsidenten des zionistischen Landeskomdtees für Österreich, Herrn Dr. Oskar Grünbaum, zur Vertretung delegiert. Ferner waren für den zionistischen Landesverband in Ostgalizien und die zionistischen Sejmdeputierten Senator Dr. R i n g 1 sowie Chefredakteur des „Hajnt“ u. a. m. erschienen. Neben dem Metallsarg befand sich ein Tischchen, bedeckt mit den Werken Bialiks; obenauf lag die Bibel, in der der Dichter noch während seiner Sterbestunde gelesen hatte. Das Präsidium der Wiener Kraltusgemeinde hat an die „Knesseth-Israel“ in Palästina und an Bürgermeister D i z e ngoff in Tel-Aviv telegraphisch Beileidstelegramme gesandt. Die Trauerfeier in Triest Wie bereits berichtet, wurde die irdische Hülle Chaim Nachman Bialiks am Montagabend vom Siidbahnhof nach Triest überführt. Zahlreiche Anhänger und die persönlichen Freunde des Dichters fanden sich am Perron ein. Mit Wehmut und Schmerz erinnerte man sich an die erst vor anderthalb Jahren erfolgte Abreise Bialiks aus Wien. In einem an den Leichenwagen unmittelbar angeschlossenen Abteil geleitete Herr M. U n g e r f e 1 d, der Wiener Korrespondent des „Haaretz“, die Leiche bis Triest. Herr M. Ungerfeld, der inzwischen nach Wien zurückgekommen ist, teilt uns freundlicherweise folgendes mit: Während der Fahrt hach Triest brannten im Abteil auf einem Tischchen, das neben dem Sarg aufgestellt war, ununterbrochen Kerzen. Die Formalitäten bei der Grenzkontrolle gingen rasch vorüber. Die österreichischen und italienischen Grenzorgane machten die Ehrenbezeugung. In Triest wurde die Leiche von Ussischkin und Doktor Glücksohn, sowie dem gesamten Vorstand der Triester Kultusgemeinde und den Befchausvorstehern erwartet. Ussischkin war tief ergriffen. Der Triester Kantor verrichtete sofort das Kaddischgebet, und eine Gruppe eines eben in Triest angekommenen deutschen Chaluzim-Transports übernahm sofort die Ehrenwache. Um 8 Uhr nachmittags erfolgte die Einschiffung. Die Triester Kultusgemeinde hatte ursprünglich beabsichtigt, den Sarg im Betbaus aufzubabren and am Nachmittag eine Trauerfeier zu ver¬ Tel-Aviv, 26. Juni. (Eigenbericht der „Stimme“.) Wie die „Stimme“ bereits berichtete, wurde anläßlich der sechsten Levantemesse in Tel-Aviv am 23. Mai die Austro-Palästinensische Handelskammer mit dem Sitze in Tel-Aviv gegründet. Am 26. Juni fand in Tel-Aviv zu Ehren des österreichischen Generalkonsuls in Jerusalem, Dr. Ivo Jorda, und seiner Gemahlin ein von der „Hitachduth Oleh Austria“ und der „Austro-Palästinensischen Handelskammer“ veranstalteter, von 200 Personen besuchter Gesellschaftsabend statt. In seiner hebräischen Eröffnungsansprache gab der Präsident der Hitachduth Oleh Austria, Ing. Ornstein, seiner Freude Ausdruck, den österreichischen Generalkonsul in Jerusalem samt Gemahlin in Tel-Aviv in der Mitte der Österreicher begrüßen zu dürfen. In deutscher Sprache führte der Redner noch folgendes aus: Die Gründung der Hitachduth Oleh Austria war ein Gebot der Zeit. In den letzten zwei Jahren ist eine große Anzahl von Juden aus Österreich eingetroffen, allein in Tel-Aviv dürften es über 2000 sein. Es erwies sich als dringende Notwendigkeit, zunächst den Neueinwanderern die Möglichkeit eines gesellschaftlichen Zusammenschlusses zu schaffen. Den Vorträgen und Veranstaltungen schloß sich ein Informationsdienst an. Dies geschah insbesondere dank der aufopfernden Arbeit unseres Sekretärs Herrn Dr. Walter Eckstein, welcher sich bemühte, unserer Organisation neue Impulse zu verleihen. Wir hatten uns von Anfang an bemüht, den Kontakt mit Österreich aufrechtzuerhalten und wir sind durch die Kultusgemeinde in Wien in direkter Verbindung mit dem Wanderungsamte der österreichischen Bundes re gierung. Hieraus kann man schon ersehen, daß wir unser ganz besonderes Augenmerk darauf lenken, den Neueinwanderern bei ihrer wirtschaftlichen Einordnung behilflich zu sein. Weiters glauben wir, durch unsere Mithilfe bei der Einwanderung auch den Arbeitsmarkt in Österreich entlastet zu haben. Anderseits wurde der österreichischen Industrie die Möglichkeit geboten, neue Absatzgebiete zu erschließen. Auf unsere Initiative ist auch die Gründung der Austro- Palästinensischen Handelskammer zurückzuführen. Wir dürfen selbstbewußt behaupten, daß vermittels der Kenntnisse, die wir in Österreich erworben haben, es uns überall in diesem Lande gelungen ist, Sympathien für Österreich zu erwerben. Auf welchem Gebiete sich unsere Brüder aus Österreich .betätigt haben, sei es in freien Berufen, als Ärzte oder Ingenieure, sei es als Geschäftsleute oder Industrielle, sei es als Facharbeiter oder Handwerker, die Österreicher haben immer ihren Mann gestellt und haben hiedurch Achtung für die österreichische Schule erworben. Unsere Mitglieder erzählen in privatem Kreis viel von den landschaftlichen Schönheiten Österreichs und machen hiedurch Propaganda für deD Fremdenverkehr. Auf Grund dieser Erzählungen haben viele Palästinenser österreichische Heilanstalten, Kurorte und Sommerfrischen aufgesucht. Mit besonderer Genugtuung darf ich feststellen, daß Österreich, getreu seiner alten Tradition, auch in der neuen Bundesverfassung keine Unterschiede zwischen Rasse, Religion und Nation macht und alle Staatsbürger gleich behandelt Wir hoffen, daß diese Gleichberechtigung nicht nur auf dem Papier bleibt, sondern auch in der Tat gehandhabt wird. Direktor P i n k a s, Präsident der Austro- Palästinensischen Handelskammer, führte in hebräischer Sprache aus: Der Besuch des Vertreters der österreichischen Regierung, des Herrn Generalkonsuls Dr. Jorda, ist das bewußte Zeichen für die Verbundenheit zwischen dem Lande, wo wir geboren sind, und unserer neuen Heimat, welche wir aufbauen wollen. Im letzten Monate blickten wir oft mit Besorgnis nach Wien, und wir sind froh, daß sich unsere Befürchtungen nicht erfüllt haben. Österreich hat, getreu seiner alten Geschichte, den Grundsatz der Menschenrechte geschützt und zu wahren gewußt. Es liegt auch im Interesse des Wirtsvolkes, daß die Verhältnisse in Österreich sich konsolidieren und gut bleiben. Die wirtschaftlichen Beziehungen zweier Länder müssen gegenseitig sein. Es ist unmöglich, daß nur der eine Teil von den Beziehungen profitiert. Durch die starke Einwanderung ist der Konsum Palästinas gestiegen. Es wurden im letzten Jahre nicht nur Konsumgüter, sondern auch Produktionsgüter in großem Maße eingeführt, insbesondere Maschinen usw. Wir wollen, daß, soweit importiert werden muß, die österreichische Industrie eine gute Stellung im Importe Palästinas einnehmen soll. Anderseits wollen wir ans Palästina unsere Produkte exportieren, insbesondere unsere Orangen. Wir hoffen, daß die Palä¬ Monatliche Paifistinarelsen Nächste Abfahrt: 22. Juli Auskünfte und Prospekte: REISE •VEREINIGUNG iPl II., PRATERSTRASSE 11 TELEPHON Nr. R 46-3^8 Technische Durchführung: SCHENKERS Ce, stina-Orange auch in Österreich ihren Markt finden wird, da es nicht gut ist, wenn unser Orangenexport auf ein bis zwei Länder angewiesen bleibt. Wir wollen auch den Österreichern den Gruß der palästinensischen Sonne in Form der Palästina-Orange im Winter auf den Tisch stellen. Hiedurch wollen wir nicht nur Propaganda machen für unsere Orange, sondern auch für die Sonne unseres Landes, die von oben Licht in un? alle bringen soll. Dieses Licht soll mithilfen, den Frieden der Welt zu erhalten. Generalkonsul Dr. Ivo Jorda führte aus: Ich habe in den letzten Monaten Tel-Aviv sehr oft besucht und auch schon einige Male, insbesondere anläßlich der letzten Messe, in Ihrer Mitte geweilt. Jedesmal jedoch habe ich neue angenehme Überraschungen erlebt., doch eine derartige Veranstaltung von solcher Größe, Macht und Schönheit habe ich noch nicht erlebt. Ich danke Ihnen vielmals für diesen freundlichen Empfang, der jedoch nur indirekt mir gilt. Ich habe in meiner früheren Tätigkeit schon öfters mit den österreichischen Kolonien zu tun gehabt, habe daher schon darin eine ziemlich große Erfahrung. Auf Grund meiner Auslandspraxis habe ich immer wieder erlebt, daß der Kreis der österreichischen Kolonie sich nicht nur auf die Staatsbürger des jetzigen Österreichs beschränkt, sondern auch ohne jeden politischen Hintergedanken Angehörige, insbesondere der sogenannten Nachfolgestaaten und überhaupt alle diejenigen in sich schloß, welche Sympathien für Österreich’ und speziell für Wien hegten. Wohin ich hier in Palästina gekommen bin, habe ich Verständnis und Freundschaft für österrei eh gefunden-, niemals habe ich eine gegenteilige Beobachtung gemacht. Das ist sicherlich das Verdienst meiner Landsleute, sie haben durch ihre Tätigkeit unsere Heimat bekanntgemacht. Es wurde vorher gesprochen von den wirtschaftlichen Beziehungen und gesagt, daß man eigentlich an diesem geselligen Abend über Wirtschaft nicht sprechen solle. Dies ist jedoch nicht möglich, heute ist Wirtschaft so notwendig, daß man an ihr unmöglich vorbeikommen darf. Bei dem letzten Besuch der Herren der Handelskammer* bei mir in Jerusalem haben wir die wichtigsten Grundlagen der Arbeit der Handelskammer bereits besprochen. Ich finde Ihre Forderung nach Förderung des Exportes der Palästina-Orangen als gerechtfertigt. Schon während meines Aufenthaltes in Paris habe ich die „Oranges de Jerusalemme“ — bekanntlich wachsen jedoch in Jerusalem keine Orangen — kennen und schätzen gelernt. Ich bin daher auch überzeugt, daß sich Wege und Mittel finden werden, um den Import von Orangen nach Österreich zu fördern. Man hat mich gebeten, das Ehrenpräsidium der Handelskammer zu übernehmen. Ich erkläre nun, daß ich dieses Ehrenpräsidium a n n e h m e. (Beifall und Händeklatschen.) Ich danke Ihnen dafür, daß Sie mitgeholfen haben, gegen den Rufmord, welcher in den letzten Monaten gegen Österreich verübt wird, aufzutreten. Ich habe anläßlich einer Deputation am 13. Februar 1934 diesen Herren schon damals gesagt, daß den österreichischen Juden nichts geschehen werde. Ich habe auch in dieser Hinsicht recht behalten, und gb ist in der neuen Bundesverfassung, welche das österreichische Volk im Mai 1934 erhalten hat, die Gleichberechtigung sämtlicher Staatsbürger ohne Unterschied von Rasse, Religion und Nation enthalten. Dies wäre unter normalen Zeitläuften selbstverständlich; leider ist in den heutigen Zeiten diese Selbstverständlichkeit nicht überall duvchgesetzt. * Generalkonsul Dr. Jorda regte dann an, daß die Versammlung dem Bürgermeister Dizengoff von Tel-Aviv, welcher $n- ROSCH-HASCHANAH IN PALÄSTINA Gesellschaftsreise des Internationalen Touristenklub am 30. August 1934 ab Neapel mit dem RIESEN- OZEAN-LUXUSDAMPFER,,VULCANIA“ Anmeldungen und Auskünfte: Reisebüro: GIOBE TOURS Telephon-Nummer B4S-2-38

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