Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 369 (13.7.1934)
- Date
- 1934-07-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 6 DIE STIMME Nr. 960 — 18, Juli 1984 Der Zionist Dr. Samuel Deutsch — Präsident der Badetter Kultusgemeinde Aus Baden bei Wien wird der „Stimme“ berichtet: In der am Sonntag, den 8. Juli, stattgrefundenen konstituierenden Sitzung des neugewählten Badener Kultusvorstandes wurden Dr. Samuel Deutsch zum Präsidenten. Herr Schallinger zum Vizepräsidenten, die Herren Josef Ungar und Moritz Letzter zu Beiräten gewählt. Gamlsonskommandant von Turin Vorsitzender der Turiner Jüdischen Gemeinde Rom, 11. Juli. Der Kommandant, der Garnison von Turin, General Guido L i u z z i, wurde zum Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Turin gewählt. General Liuzzi ist einer der bedeutendsten Militärs Italiens. Im Kriege war er Chefintendant der italienischen Armee. In der faschistischen Partei uimmt der neue Vorsitzende der Turiner Jüdischen Gemeinde eine bedeutende Stellung ein. Auch die italienischen Juden boy hottieren deutsche Waren Mailand, 11. Juli. Ohne daß eine offizielle Boykottparole ausgegeben worden wir, sind die italienischen Juden alle stillschweigend übereingekommen, deutsche Waren nicht zu kaufen und jeden geschäftlichen Kontakt mit Hitler-Deutschland zu meiden. Lettiändische Regierung bestraft antisemitische Hetze Riga, 11. Juli. Die lettiändische Regierung belegte die Zeitung „Latwis“ mit einer Geldstrafe wegen Abdrucks von Hetzartikeln gegen Juden. Das radlhal-natlonai* Lager in Polen aufgelöst Warschau, 11. Juli. Nachdem die polnische Regierung vor kurzem die polnische nationalsozialistische Partei aufgelöst, hat, ist sie nun auch an: die Auflösung des radikal-nationalen Lagers,' auf dessen Konto die blutigen Judenverfolgungen der letzten Monate zu setzen sind, geschritten. Definitiv aufgelöst wurden vorläufig die Verbände dieser Partei in den Wojwodschaften, Warschau und Posen. Das Organ der Partei „Sztafeta“ bleibt verboten. Der Chefredakteur der „Sza-feta“, Jan Mosdorf, der nach dem Attentat auf Pieracki verhaftet und dann freigelassen wurde, konnte ins Ausland flüchten. Sein Stellvertreter wurde ebenso wie andere radikal-nationale Führer in das Konzentrationslager Bereza-Kartuszka eingeliefert. Das Tragen von Abzeichen der verbotenen Partei wird strafgerichtlich verfolgt. Das Lager hatte 30.000 Mitglieder, die Uniform trugen. Aus dem Dritten Reich Judenpogrom in Idstein Prag, 9. Juli. Am Freitag vormittag begann, so berichtet die „Frankfurter Zeitung“, voi dem Schwurgericht in Wiesbaden die Strafsache gegen Reichart und Genossen wegen Körperverletzung usw. Für die Anklage sind mehrere Sitzungstage vorgesehen. Insgesamt 15 Angeklagten wird vorgeworfen, daß sie in Idstein am 26. März, gemeinsam und fortgesetzt handelnd, vorsätzlich und rechtswidrig einen Menschen des Gebrauches persönlicher Freiheit beraubt hätten, wobei durch die während der Freiheitsentziehung erfolgte Behandlung der Tod verursacht worden ist, ferner gebt die Anklage dahin, daß Angeklagte durch teilweise dieselbe Handlung vorsätzlich einen anderen körperlich mißhandelt und an der Gesundheit geschädigt hätten, wobei durch die Körperverletzung der Tod verursacht wurde; schließlich wird den Angeklagten zum Vorwurf gemacht, daß sie einen anderen widerrechtlich durch Gewalt und durch Bedrohung mit Verbrechen und Vergehen zu Handlungen, Duldungen und Unterlassungen genötigt hätten, Verbrechen zu begehen. Die Angeklagten sind in Haft. Die Zahl der geladenen Zeugen beträgt 50. Als Beweisstücke sind vorhanden ein Pfahl, ein Plakat, Kleidungsstücke und Gummiknüppel. Bei Beginn des Prozesses wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Dazu schreibt die Saarbrückener „Deutsche Freiheit“: „Kein Wort davon, daß in Idstein ein wüster Judenpogrom mit Todeserfolg war. Nie hat eine deutsche Zeitung darüber berichten dürfen. Darum muß jetzt auch der Prozeßberieht die Wahrheit verhüllen.“ Prag, 11. Juli. Aus Ilirschberg in Schlesien, dem Hauptort des deutschen Teils des Riesengebirges, trifft die Nachricht ein, daß dem zwei Kilometer hinter Hirschberg auf dem Wege nach Görlitz vorgenommenen Pogrom an jüdischen Häftlingen außer den bereits gemeldeten Rechtsanwalt Förster, Kaufmann Charry, Arzt Dr. Zweig und dessen Ehegattin Frau Zweig noch der Hirschberger Jude Jacobsohn und ein weiterer jüdischer Bürger Hirschbergs zuin Opfer fielen. Bei den beiden letzteren trat der Tod nicht durch Erschießung ein, sondern sie sind nachträglich den ihnen zugefügten bestialischen Mißhandlungen erlegen. Aus der schlesischen Stadt -Glog.au treffen Nachrichten ein, daß dort antisemitische Unruhen stattgefunden haben, in deren Verlauf zwei Juden getötet und mehrere verletzt wurden. Näheres über die Glogauer Vorfälle, die im allgemeinen verbürgt sind, war bis jetzt nicht zu erfahren. Die Judenschaft der schlesischen Städte ist zutiefst beunruhigt. Auch in Berlin bat sich eip Vorfall abgespielt, der die jüdische Gesellschaft dort erschüttert hat. Polizei kam in die Wohnung des hervorragenden Rechtsgelehrten Jußtizrat Dr. Maximilian Stein und führte dessen 20jährigen Sohn mit sich fort. Am selben Abend schon wurde der verstümmelte Leichnam des jungen Mannes den Eltern zurückgeschickt, mit der Erklärung, daß er sich im Polizeigebäude aus dem Fenster gestürzt habe. Die Bestattimg des jungen Stein mußte in aller Stille stattfinden. Die Eltern sind vollständig gebrochen. Fristlos entlassen, weil er nicht an den Ritualmord glaubt Mannheim, 11. Juli. In einem Mannheimer Betrieb wurde ein 54jähriger Expedient fristlos entlassen, weil er einem Arbeitskollegen gegenüber die Wahrheit eines Artikels in der Ritualmord-Nummer des „Stürmer“ bezweifelt hatte. Der Arbeitskollege, der Betriebszellenöbmann ist, versetzte dazu noch dem entlassenen Angestellten eine Ohrfeige. Vor dem Arbeitsgericht erklärte die Firma, der Kläger habe in einem psychologisch ungünstigen Augenblick die Wahrhaftigkeit der Parteipresse angegriffen, als sie gerade ihren Feldzug gegen die Kritiker und Nörgler geführt habe; er mußte deshalb entlassen werden. Das Gericht verurteilte die Firma, den Kläger weiter zu beschäftigen, und führte in der Begründung aus, aus der Kritik an einem einzigen Artikel einer Zeitung könne nicht der Schluß gezogen werden, daß der Kläger die Parteipresse angegriffen habe; dies umso weniger, als die betreffende Ausgabe des „Stürmer“ von der Regierung verboten wurde. Dem Kläger wird im Urteil aber der Vorwurf gemacht, daß er sich Überhaupt auf solche Gespräch'' cirrr-lassen habe. LOKALCHRONIK JÜDISCHER KALENDER 13.—20. Juli 1934 1.—7. Ab 3694 Freitag, 13. Sabbath - Eingang 7 Uhr jo Samstag, 14. Sabbath-Ausgang 8 Uhr 50 Wochenabschnitt t Matoth-Mase Rosch-Chodesch 1 Freitag, 13. Juli Zionistischer Vortragskalender Montag, 16. Jul] 1934: 2. Bezirk. Zionistisches Landeskomltee, II., Praterstraße 13, 149 Uhr abends: öffentliche Trauersitzung für Ch. N. B i a 1 i k. Eröffnung: Dr. Oskar Grünbaum. Präsident des zionistischen Landeskomitees für Österreich. Gedenkworte: Dr. Dawid Rotbblum. Mittwoch, 18. Juli 1934: 6. Bezirk. IClub junger Zionisten, VI., Loquaiplat-z 11, Kö Uhr abends: Dr. A. Schmerler: Bialik und sein Werk. Mitteilungen des Keren Kafemeth Wien, I., Kärntnerstraße 28, Tel. R 27-3-20, Postsparkassenkonto A 100.208. Juni-Leerung. I. Bezirk: Zerkowifcz 14.35; Rosenzweig & Finkler 2.38; Dr. Leopold Meisel 13.39; Anna Schauer 16.—; Dr. L. Friedmann 5.—; Dr. Ad. Bernay 2.—; Horowitz & Weintraub 4.29; Brüder Ernst 6.—; Kamila Segall 4.06; Simon Gaspard 2.15; Münz & Weißeiberger 2.08; lag. Fedor Ackermann 2.—; Dr. Leopold Plaschkes 2.20; Dr. Simon Fischl 2.—; Doktor Leonhard Ekstein 9.40. U. Bezirk: Ch. Rumelt 2.03; Charlotte Silbiger 5.88; Walter Strasser 30.58; S. Becher 20 Kö; S. Reichmann 2.—; Kolnik & Stupp 2. —; (Mas Grau 2.09; Markus Pfeffer 2.57; W. M. Radzichower 2.10; Josef Mehl 3.50; Israel' Lerner 4.26; Richard Schacherl 2.—; Ing. Hermann Kirschenbaum 5.—; Israel Müller 2.80; O. Löwenthal 11.—; Henriette Färber 2.50; Dr. Fleischmann 4.40; Kranz 3.20*, Jakob Nußbaum 2.40; Bina Weinberg 2.—; Jüd. Kulturverein Kaisermüblen 3.33. IH. Bezirk: Dr. Artur Czeczowiezka 10.—; Irene Steiner 2.—; Hermiine Gutter 2.50; Dr. Jona Prochnik 3.—; Josef Diamant 2.50; Dr. Manfred Sperber 2.—; Gewitsoh 5.28; Bruno Rabinowitz 2.13; Moses Margulies 3.—; Viktor Frankfurter 5.29; Otto Drechsler 6.—. IV. Bezirk: Felix Taussig 3.—; Dr. H. Löw 6.64; Leopold Adler 5.—; Grätzer 3.79; Doktor Henriette Lichtenstein 2.10; Hermann Engler 3. —. V. Bezirk: Ing. Ludwig Braun 2.—; Leopold Gutter 2.75; Adele Bär 2.—; Berta Demmer 2.70; Eva Gruber 3.—; Ing. Goldschläger 12.80; Adele Mayer 2—; Alois Mandler 2.—; Minna Tennenbaum 2.50. VL Bezirk: Jakob Spitzmann 5.—. VII. Bezirk: Cäcilie Heller 2.04; M. Bernstein 3.—; Paml Glückselig 2.89; Ciily Singer 2.60. VIH. Bezirk: Dir. Josef Deutsch 2.68; Paula Pfau 3.50; Mandolbaum 3.32; Erna Sternberg 3.—; M. H. Landau 3.—; Leo Liohtenstein 2.—; Apotheker Isidor Groß 2.70. IX. Bezirk: Min.-Rat Moses Weiner 2.—; Markus Gerstel 2.24; Dr. Moses Margulies 2. —; Dr. Hugo Neumann 2.68; Dr. Ckaim Wolfmann 4.41; Josef Walltuoh 3.55; Edmund Läufer 2.—; Simon Picker 3.82; Dr. B. Mautner 2.—; H. Knisbacher 4.—; Hofrat Pollak- Wachtel 10.—; Dr. Frieda Lazersohn 3.—; Ing. Georg Farkas 4.67; Adolf Ginsberg 2.65; Adolf Glasz 3.54; Otto Schick 3.—; Richard Pappenhelm 32.50; Julius Bleier 5.30; Meier Hönisch 2.—; Dr. Herbert Elias 2.10; Dr. Josef Nobl 13.50;Karl Liebei 5.—; Dr. Max Frenreich 2.—; Jakob Spieß 3.99; Martha Grün 2.22; Kreisel 2.—; Abr. Morer 4.40; Lazar Grün 3. —; Dr. Georg Weiner 2.—; Isr. Bauer 2.50; Josef Schmerz 2.—; Paul Riemer 2.02; Rudolf Böhmer ,4.28; Dr. Wladimir Eliasberg 11.10; Kalmann Littmann 2.50; Dr. Alfred Brückner 2.10; L. Lohl 2.20; Ing. Rudolf Janowsky 2.18; Dr. Leo Goldhammer 8.10; Artur Neumann 4.98; Jusel Klausner 3.11; Paul Richter 3.05; Samuel Unger 2.—; Rudolf Rudinger 2.25; Gutwillig 10.—; Käthe Kürth 8.19; Dr. Juüub Mannheim 4.59; Moritz Bloch 2.56; Heinrich Kessler 14.60; Dr. Max Lauer 2.—; Prof. Doktor Leo Menczer 8.70. X. Bezirk: Alfred Knie 4.—; Dr. Albert Weiner 2.—; Joseflne Wadler &—; Bernhard Wrasylek 2.20; Max Diamant 3.28; Risa Steine® 6.15. XIII. Bezirk: Hermann Kudisch 3.-HJ Otto Ruzek 8.10; Ernst Schlesinger 3.—; Doktor S. Tamar 3.-—; Hermine KaJiai 4.15; Id» Salzer 3.59; Rosa Ehrenfeld 4,49; Johann» Froscheis 2.20; Paula Hermann 3.—; Hans Goldmann 6.—; Fanny Fuchs 10.46; Ern» Feldmann 2.—; Emil Kahanc 4.20; Simon Saß 11.50; Malwinc Bondv 3.—; Kom.-Rat Josef Berger 4.—; Felix Lederer 2.—; Dr. Roel Fleischer 2.—; Marie Abraham 5.—* Dr. Max Eirew 2.—; Leo Stein 3.—; Friedländer 2.10; Edith Wagner 2.85; Hella Bergmann 4.2-5; S. Rosen 18.—; Elias Mann 2.20. XV. Bezirk: Paul Katz 3.—; Wilhelm Neumann 3.—; Erwin Rotter 2.—; S. Schwarz 3.70; Hirschl 5.—, XVI. Bezirk: Samuel Brandes 2.27; Fritz Königstein 2.—; Dr. Jul. Becker 5.—; Rosa. Hahn 2.74; Regine Feldmar 2.—. XVII. Bezirk: Ludwig Knöpf er 2.—; Trude Klinger 2.—; Silberschatz 4.52; Frau Dr. Ornstein 2.40; Michael Spatz 2.58. XVIH. Bezirk: M. Fried mann 16.05. XX. Bezirk: Bibelsohule für Mittelschüler, XX., Kluckygasee 9.75; Moses Aron Tauber 4.29; Ebenstein 2.30; T. Hey 2.75; Oskar Mautner 2.47. Gmünd durch J. Eisler 116.29; Friedrich Schwarz 32.00; Karl Löwy 20.—; Mina Reich 20.65; Dr. Otto Pollak 5.68; Dr. M. Friedmann 22.08; Hermann Löwy 15.82. M a r c h e g g: Milcher 7.—. Stettenmarkt. Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien, I., Kohlmessergasse 4, Telephon U-27-0-65, sucht dringend: a) Stellen für Kontoristen, Buchhalter, Handelsbiilfsarbeiter, Geschäftsdiener, Pak-, ker, Manipulanten, Inkassanten, Lageristen« b) Arbeit für gewerbliche Fachkräfte aller Art (darunter auch Bäcker, Bauingenieure, Anstreicher) sowie ungelernte Arbeiter. c) Handwerkliche Lehrstellen für Knaben und Mädchen. •BBBBBHnQHHBnBDBBI LeouolÄstödter VoMino II. Rotensterngaese 7a Telephon R 49-0-23 Freitag, 13. bis Montag, IS. Juli; Ihre Majestät des Stubenmädchen Täglich 7,6. VA 7*10 ühi Ermäßigt« Sommerpreise Praktinant aus suient Hause wird für Taschner- und Leder- Warengeschäft mit Anfangsgehalt aufgenommen , W. WA G S C H A L, VIII., Alsersfraüe 39 -i-;— Die Lese- und Redehalle jüd. Hochschüler in Wien gratuliert herzlichst ihrem lieben A. H. Kafob. Israel Meitner anläßlich seiner Promotion zum Doktor der Philosophie und spendet auf seinen Namen einen Baum im Chajeswalde Internationa]« Ostmessel Im September 1934 findet in L w 6 w die XIV. Internationale Messe statt, die den Besuchern und Ausstellern besondere Begünstigungen bietet: Visa gratis, einfuhrfreie Kontingente, bedeutende Fahrt- und Frachtermäßigungen. Nähere« Polnisches Verkehrsbüro „Francopol“, (Wien, IH., Rennweg 1. Bezugsbedingungen: Monatlich S 1.50, vierteljährlich S 4.20, ganzjährig S 16.—. Für das Ausland: Deutschland vierteljährlich RM 3.—, Tschechoslowakei vlerteljährlLh Kö 24.—, Jugoslawien vierteljährlich Dinar 40.—, Polen vierteljährlich Zloty 6.50, Ungarn vierteljährlich Pengö 420. Rumänien vierteljährlich Lei 120.—. übriges Ausland vierteljährlich Schweizer Franken 4.50. 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