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Die Stimme · 1934-07-13 · Heft 369 (13.7.1934) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 369 (13.7.1934)
Date
1934-07-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Fr. 869 - 18. Juli 1994 DIE STIMME Seite 0 m* nraßtmeMdung aus Wien ... Von Erich Gottgetre«. Jerusalem, 5. Juli. „Israel nit' jßtcm“; Israel Ist vencalst — lautet heute die Schlagzeile des „Dawar“. Die Trauerbrilche aus schwarzen Lettern spannt sich über alle Zeitungsspalten hinweg. Bialik starb in der Stadt Theodor Denis. Schwer fällt es den Männern und Frauen, über den bitteren Sinn der Nachricht im schwarzen Rahmen zu sprechen. Mit C hai m Bialik sind sie groß geworden. Sein Wort begleitete und labte ihn schon in der Gallith, Er gehörte allen. Keinen liebten sie wie ihn. Denn Gott gab ihm zu sagen, was das Volk leidet. Wo wird es nun in dunklen Tagen anklopfen, sich Rat und Trost zu holen? Vor wenigen Wochen empfing mich Bialik in seinem Landhaus in Runiatgun bei Tel- Aviv. Ich fragte den literarischen Wächter des jüdischen Volkstums nach dem Nachwuchs und seiner Leistung. Er nannte Namen, viele Namen, Lyriker und Erzähler, und während er sich für die junge hebrä- - ische. Dichtung so herzlich werbend einsetzte, wurden seine Worte fast leidenschaftlich, indessen in seinen Augen, unvergeßbar gütigen Augen, der Glanz väterlicher Liebe lag-• Lange schwärmte der Sechziger, da er van der Jugend, sprach. Er hofft auf sie. Er rechnet auf sie. 'Als ich ging, entrichtete sich der Tag. Singend kehrten Arbeiter vom Felde, heim. Die Trauer um Bialik Oie Treuerteier im Arkadenhof des Wiener Zentral!riedhofes ..||ini||||im|j| CHAIM NACHM AN BIALIK: SEGEN DES VOLKES Wir bringen im folgunden die deutsche Übersetzung der „To ehe se.kB.ab“, die bekanntlich zur Hymne der jüdischen Arbeiter Palästinas geworden ist, wobei wir bemerken aiü6«en, daU tlje deutsche Übersctzuutf die Kraft und den Schwung von Bialiks hebräischer Poesie nie vollendet wiedergeben kann, Red, Die schmerzliche Nachricht wandert durch die Straßen Jerusalem• ..Bialik wt tot!“, ruft einer auf einen Bau hinauf, Das Schreckenswort bleibt lange im Gestänge hängen. Niemand will seine Wahrheit glauben. Das Zeitungsblatt wandert von Band su Band. Der Buchhändler stellt des Dichters Bild ins Fenster und die edle TiWP$ seiner Bücher: Die Lieder des Lichts, die Flammenrolle, die Geschichte vom Pogrom, die Tahnudischen Legenden und die Toten der Wüste: das Buch vom letzten Geschlecht der Knechtschaft und dem ersten des freudig-freien Willens ... Der Verkäufer im Obstgesokäft zitiert Bialik-Verse, Keren Rajessod, Keren Kajemeth, Jewish Agency und die wideren natiomljüdisehen Institutionen beenden um elf Uhr Ihre Arbeit $e1 einer gemeinsamen Trauerfeier spricht Schmarjahu Lewin. Auch die Sohulen schließen; doch vorher erzählen ‘ die Lehrer vom Leben des Diehters, seine Kinderlieder singen die Schüler, ln die Klassenbibliothek ist neben anderen Bialik- Schätzen „Wilhelm Teil“ eingereiht, den er meisterhaft Ins Hebräische übersetzt hat. Nun sollen sie den großen Mann mit dem schwarzen Schlapphut, der allen Kindern sulächelte, nicht mehr sehen? Am Nachmittag öffnet kein Kino, kein Kaffeehaus, geht der Tag herum, leer und trübe, obschon die Sonne leuchtet, die den Boden segnet und den Wein zur Reife und zur Süße bringt. Das ist jetzt die frohe, liederfüllte Zelt der ersten Ernte-. Doch heute singt niemand. Still Ist's Im Land. I Seid starken Armes, ihr Brüderl der Heltnat | Boden zu hegen, ward euer Teil! I Nicht sink9 euer Mut! Nein, heiter und | jubelnd I Kommt, Schulter an Schulter, dem Volke | zum Beil! t Wir zählen, siehe! der Wanderung Zeiten, f Das Herz nach den Tränen, dem Schweiße ¥ gewandt, f Die tauglich Israels Seele erlaben, I Die matt ist und hilflos nißdergebannt. f Und ewig heilig sei jede dev Tränen, jf Rem Volke gegeben, mehrend die Flut, f Und jeder Sclmeißestropfen, der Wege ¥ Des Herren bahnet, wie Opfer und Blud, ¥ f Den Giebel noch nicht, wenn den Grund I ihr nur grübet, I Wafs dennoch, ihr Brüder, kein Zielloses | Mühn, I Ihr Kommenden bauet mit Mörtel und i Mauer, | Uns galt es genug, erst die Spuren zu »lehn. Ein Volk der Spuren! Hebt Urzeitruinen, Von Spur zu Spur ins Ew’ge zu baun! Einst zieht man von Meere zu Meere, um staunend Des wandernden Völkleins Werk zu erschaun. Warum doch, ihr Säumer, so zagende Schritte? Ist Israel noch nicht vom Knechtsinn erwacht? Auf, bindet und eint euch, zerstobene Kräfte, Dient, Schulter an Schulter, mit sieghafter Macht! Sprecht nicht: „Wir sind schwach!“ Die ihr noch nicht den Führer Der Sehlachten, den Starken Jakobs erkannt? Seit Sembabel nicht schufen wir Gleiches, So herrliches Werk mit eigener Band! Wer schmähet es klein? Die Schmach nur den Spöttern! So schreitet reitend dem Volke vor! Die Pflugschar bereitet — bis mächtig von Schmettert ein göttliches Rufen: Empört BiaUk-Stadt an der HaiSa-Bucht Jerusalem, 10. Juli. Es wurde beschlossen, die an der Haifa- Bucht auf Boden des Keren Kajemeth geplante Siedlung für deutsche Juden als „Kirjat Bialik“ (BiaUk-Stadt) su benennen. Di« Grundsteinlegung für diese neue Siedlung wird demnächst erfolgen, Geplant wird die sofortige Errichtung von vorläufig hundert Häusern. Zu dem Grünclungskapital in Höhe von 40.000 Pfund steuert die Hälfte der südafrikanische „Binyan Haarez“ bei, die andere Hälfte bringen die Siedler selbst auf. „11 o n M e j u e h o d“, das von Meer Großmann herausgegebene Organ der J ude n Staatspartei, unterstützt den Warschauer Vorsohlag, Bialiks Gedächtnis durch Burgfrieden Innerhalb der zionistischen Reihen su ehren, Pas Präsidium der wiener IKuJtMJ* Israel a» der Stätte seines Todes die 1 e t zgemeinde an Frau Biellb Das Präsidium der Wiener Israielitischen Kultusgemeinde hat an die Witwe Chaim Nach man Bialiks das folgende Schreiben gerichtet: „Hochverehrte gnädige Frau! Der Dichterfürst Ohaim Nachman Bialik, der Stolz und die Zierde des Judentums, ist von uns gegangen. Ein Leben höchster Geistigkeit, eine einmalige, unersetzliche Erscheinung’, ißt mit Ihrem unvergeßlichen Gatten dahingegangen, Unvergänglich ißt die Bedeutung des großen Dichtergenies für das jüdische Geistesleben der Gegenwart und für alle Zukunft. Ein Bahnbrecher des neuen jüdische» Lebens in Erez Israel, war es Chaim Naofoma» Bialik beschieden, die letzten Jahre seines ruhmvollen Schaffeus in unserem Urheimatlande zu verleben und, die jüdische Renai«sancebewegung befruchtend, auch von dort au» daß Licht seines großen Geistes Uber die ganze Welt erstrahlen zu lassen. Nun wollte ob das Schicksal, daß Chaim Nachmun Bialik in den Mauern unserer Stadt, v o n w o a u ß H e’r z 1 s R u f z u r Erneuerung des Judentums zum erstenmal erscholl, seine edle Seele aushauchte. Der Wiener jüdischen Gemeinde, die erst vor kurzem Gelegenheit hatte, der Liebe und Verehrung für Bialik in ungewöhnlicher Art Ausdruck zu verleihen, fällt nun die «ohmewUche Pflicht au, dem Große» in ten Liebesdienste zu erweisen, bevor das, was an ihm sterblich ist, in unser Ur-. heimatland Erez Israel ,zur letzte» Ruhestätte überführt wird. Sie tut es mit jener Liebe und jener Ehrfurcht, dje dem Mensche® und Jude» Bialik gebührt. Die ganze jüdische Welt und mit ihr unsere Gemeinde ist durch den eo schweren Verlust aufs tiefste erschüttert, Selbst das Trostes bedürftig, fällt eg uns schwer, Ihnen, sehr geehrte gnädige Frau, die Sie den groß ten persönlichen Verlust erlitte» haben, Worte zu sagen, die eine Linderung Ihres Schmerzes bewirken könnten. Wenn Ihnen aber etwas in diesen schweren Tagen Trost zu verleihen vermag, so ist es das Bewußtsein, daß es Ihnen veigönnt war, Weggen ossin unseres großen Bialik gewesen zu sein und da« irdische Dasein de« Schönheit und Liebe umstrahlenden genialsten hebräischen Dichters verschönt zu haben. — ln innigster Anteilnahme und tiefster Verehrung: Der Vizepräsident Dr. Löwenhefz,“ Bialik wird neben Achad Haam beigesetzt Bialik hatte bereits vor einiger Zeit einen Begräbnisplatz für sich auf dem Friedhof in Tel-Aviv anschließend a» das Grab von Achad Haam gewählt. In seinem Testament hat der Dichter verfügt, daß sein Haus, die allen Palästinesern bekannt» Villa in der Bialik-Straße zu Tel- Aviv, nach dem Ableben seiner Frau in de» Besitz der Stadt Tel-Aviv tibergeh&n §oh, An die Zionisten Österreichs! In tiefster Erschütterung und Trauer haben wir die Nachricht vom Tode Chaim Nachman Bialiks vernommen. Was sterblich an ihm war, haben wir zur letzten Ruhe begleitet, die er in der heiligen Erde Erez Israels finden wird. Vor wenigen Tagen erst gedachten wir Theodor Herzls, der unserem gequälten Volke den einzigen Weg zur Lösung der Judenfrage gewiesen hat, und nun haben wir Chaim Nachman Bialik verloren, den Wiedererwecker der hebräischen Sprache, den gottbegnadeten Dichter, den Schöpfer der neujüdischen Kultur. In schwerer Zeit ist das jüdische Volk, arm an großen Geistern, seines größten Volksgenossen beraubt worden. Trotz der Zerrissenheit unseres politischen Kampfes hat das Judentum innegehalten, als es die Kunde vernahm, daß Bialik dahingegangen sei, und verneigt sich in Ehrfurcht und Dankbarkeit vor seinem Genius. Lasset das Gefühl der allgemeinen Trauer ausklingen in das Gelöbnis; Wir wollen Bialiks Gedankengut, die hebräische Sprache, unser Schrifttum und alle kulturellen Bestrebungen liebevoll pflegen. Wir wollen in Bialiks Geist, brüderlich vereint, Erez Israel stark und mächtig machen. So werden wir am besten Chaim Nachman Bialik ehren. Zionistischer Landesverband für Österreich Dr. Oskar Grünbaum Dr. Paul Beger Sabine Paß weg Trauersitzimg des Zio» Montag, den 16. d., an welchem Tage die sterblichen Überreste Chaim Nachman B i alik8 in Tel-Aviv zur letzten Ruhe gebracht werden, veranstaltet das Zionistische Landeskomitee für Österreich im Heim der Zionistischen Sektion Leopoldstadt, II., Praterstraße 13, eine öffentliche Trauersitzung für Chaim Nachman Bialik. Eröffnungsworte: Dr. Oskar Grünb a u m, Präsident des Zionistischen Landes« komitees für Österreich. Gedenkwortej Dr, David Roth bl um, Präsident der Hi« stadruth Iwrith. Beginn: %9 Uhr abends. Gegcto den Stricli zeigt sich die Qualität. Elastisch, rasch und sicher gleitet die SWING Montag Arbeitsruhe ln den Wiener zionistischen Büros Montag, den 16. Juli, an welchem Tage die sterblichen Überreßte Bialiks in Palü- (M'lRÜi'siilll ■0*4.-'...

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