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Die Stimme · 1934-07-13 · Heft 369 (13.7.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 369 (13.7.1934)
Date
1934-07-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite S DIE STIMME Nr. 869 — 18. Juli 1934 Palästinaabteilung ’-x-nnTnia Josef Popper internationale Transporte Wien, II., Taborstraße 22 Telephon R 48-5-10, li 40-5-70 Serie Spe2ial-Warentransporte, Ubersiedlunaren, Verpackungen für Palästina, Transport- und Reisegepäckversicherungen. Auskünfte jeder Art über Palästina. Mendel Beilis gestorben x Am 0, Juli starb in New York an Altersschwäche Mendel Beilis, der Angeklagte im Kiewer R i t u a 1 m o r d p r o- 2 e ß vom Jahre 1913, der damals die russische Judenheit und die Juden der ganzen Welt erschüttert hat. Der Ritualmordprozeß in Kiew 1913 hatte in der ganzen Welt ungeheures Aufsehen erregt, Er unterschied sich von den Sahireichen anderen ItltUalmordprosSssen dadurch, daß sich die Zarenregierung und die ober» ste Justizbehörde Rußlands vollständig mit der Blutbeschuldigung identifizierten wurde. Die Plaidoy ers der Verteidiger M a. k 1 a k o w und Grusönberg erregten Bewunderung. Schließlich wurden den Geschwornen zwei Fragen vorgelegt, von denen die erste eindeutig darauf anspielte, daß ein R i t u a 1 m o r d vofllege, die zweite dahin ging, ob Beilis der Mörder sei, Die Geschwornen bejahten die erste und verneinten die zweite Frage, so daß Beilis freigesprochen wurde, während der Ritualmordverdacht anerkannt würde. Streng 1^3 O SEEFEID (Tirol) 1200 tfleUr EtMlgnrt. Höhenkurort, intens. HßhertSfmne,Wassersport Pension Geschwister Scheer im Hotel Hochalm Bekannt erstklassige Verpflegung, mäßige Preise, Fahrpreisermäßigung Auf diese Weise behielten die Judenhasser die Möglichkeit zu behaupten, daß das Gericht den Fall für einen Ritualmord erklärt habe, Mendel Beilis selbst ging später nach Palästina, von dort nach einigen Jahron nach Amerika, wo er nun gestorben Ist. Jüdische und arabische Arbeit in Palästina befürchte den Ausbruch von Epidemien. Die in der Grenzstadt Demotica erscheinende griechische Zeitung „Ebros“ berichtet, die türkische nationalistische Organisation „Hali F e r k a s s i Israeli“ habe einen Boykott der jüdischen Kaufleute proklamiert und vor allen jüdischen Geschäften Boykottposten aufgestellt. Der Gouverneur von Adrianop§l habe sich geäußert, jüdische Proteste könnten die Durchführung des nationalen Willens nicht hindern. Der türkische Innenminister S h u k r y B e y hat sich nach Adrianopel begeben, um an Ort und Stelle das Vorgehen von Beamten zu untersuchen, die beschuldigt sind, daß sie Judenaustreibungen verfügt und judenfeindliche Ausschreitungen geduldet haben. Wie es heißt, wurden mehrere jüdische Familien auf Staatskosten wieder in ihre Heime zurückgebracht, während mehrere . andere sich fürchten, nach Adrianopel und die anderen Orte Thraziens, wo sie furchtbar terrorisiert worden sind, zurückzukehren. Die türkische Regierung erklärt, sie ergreife Maßnahmen, um jede antisemitische Propaganda in der Türkei zu unterbinden. Das Weitererscheinen eines Istambuler antisemitischen Wochenblattes wurde verboten. Bei der jüdischen Gemeinde in Saloniki sind entsetzliche Nachrichten über die Lage der jüdischen Flüchtlinge eingetroffen. Viele der Flüchtlinge verschwanden, man weiß nicht, was aus ihnen geworden ist. Aus Türkisch-Thrazien sollen fast alle Juden vertrieben worden sein, ohne daß ihnen Gelegenheit geboten wurde, etwas für ihren weiteren Lebensunterhalt mit sich zu führen. Die griechischen Eisenbahnstationen auf dem Wege von Thrazien nach Konstantinopel, wie Albulon, Lüle-Burgas und Tialöuis sind belagert von hunderten jüdischen Flüchtlingsfamilien, die tagelang auf Beförderung nach Konstantinopel warten müssen. Man befürchtet den Ausbruch von Epidemien unter den Flüchtlingen. 1700 Flüchtlinge in Utambul ein• getroffen Istambul, 10. Juli. Im Gegensatz zu der Mitteilung der türkischen Regierung, daß bloß hundert jüdische Familien infolge Mißverstehens einer Order aus der europäischen Türkei vertrieben worden waren und daß die Regierung Maßnahmen zur Wiedergutmachung getroffen hat, meldet das Büro Reuter, daß aus Thrazien, der Dardanellen- und Marmarameerküste, nicht weniger als 1700 jüdische Flüchtlinge in Istambul eingetroffen sind und daß weitere hunderte Juden unterwegs auf der Wanderschaft sind. GASTSTÄTTE FÖR JEDERMANN I., Kärtnerstraju» Nr 61 Besitzer Ollo Käserei- WIENER RATHAUSKELLER volkstümliche Preise ln dien Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Qesang Inhaber Ollo Kaserer und alle Mittel anwändfcen, um sie nachzuweisen. Die Regierung und die extrem reaktionären Parteien in Rußland suchten die Erregung der Revolutionsperiode auf die Juden abzulenken und bedienten Bfeh hierzu der RituaJmordlegende. Dadurch erhielt der Beilis-Prozeß in Kiew einen ähnlichen Charakter wie seinerzeit der Dreyfus-Prozeß in Frankreich. Anlaß zum Beilis-Prozeß bot die Etmordung des zwölfjährigen Knaben Andreas Juschtsehlnsky in Kiew, dessen Leiche in einer Höhle aufgefunden würde. Obwohl bei der ersten Obduktion in Gegenwart des Untersuchungsrichters festgestellt wurde, daß die Kleider, die Oberfläohe des Körpers und die inneren Organe ganz vom Blut (lurchtränkt waren und kein Blut fehlte, richtete die Fraktion der äußersten Rechten in der Reichsduma eine Interpellation an die Regierung, „ob es ihr bekannt sei, daß Ritualmorde existieren und daß in Kiew der Knabe Juschtsehlnsky zu rituellen Zwecken von Juden ermordet worden sei.“ Inzwischen hatte der Chef der Kiewer Kriminalpolizei festgestellt, daß der Knabe von gewerbsmäßigen Dieben ermordet worden war, die das Märchen vom Ritualmord verbreiteten, um den Verdacht von sich abzulenken. Dennoch nahm nach der Interpellation in der Duma die Sache eine ganz andere Wendling. Es wurde eine neue „Obduktion“ vorgenommen, bei der „festgestellt“ wurde, daß an der Leiche gar kein Blut gefunden, sondern, daß es dieser „abgezapft“ worden sei. Die Staatsanwaltschaft handelte ganz im Einvernehmen mit den antisemitischen Organisationen, die den Ritualmordprozeß haben wollten. Schließlich erhielt die Behörde auch die Möglichkeit, einen Juden zu verhaften, auf Grund der Aussage. eines Laternenanzünders und seiner Frau, beide notorische Trunkenbolde, die bekundet hatten, der ermordete Knabe habe auf' dem Hof einer Ziegelei gespielt und sei von einem „Mann mit schwarzem Bart“ fortgeschleppt worden. Als ein „Mann mit schwarzem Bart“ wurde der Aufseher der Ziegelei Mendel Beilis festgestellt, verhaftet und vor Gericht gestellt, dies, obwohl sich die Auslagen der Trunkenbolde widersprachen und jeden Tag anders lauteten. Der Arohimandrit Ambrosius erklärte als Experte der Justizbehörde, er sei zu der Überzeugung gelangt, daß die Juden christliches Blut zur Herstellung der M a zzoth brauchen und zu diesem Zwecke christliche Kinder töten. Das gleiche behauptete der P s ychiatrieprofessor in Kiew Sikorsky. Gegen die Blutbeschuldigung wandten sich der Professor der Geistlichen Akademie in Kiew G 1 a g o 1 e w und der Professor der Geistlichen Akademie in Petersburg T r o i t z k i, während auf die Seite der Judengegner der katholische Geistliche Pranajtls trat. Am 13. April 1913 wurde die Anklageschrift gegen den seit 22. Juni 1911 im Gefängnis sitzenden Mendel Beilis fertiggestellt. Da mit der Anklage die Rltualmordbcschuldigung gegen das gesamte Judentum erhoben war, wurde ln Rußland von zahlreichen Gelehrten, Schriftstellern und anderen Persönlichkeiten ein Protest veröffentlicht, dem sich Persönlichkeiten ln der ganzen Welt anschlossen. Am 25. September 1913" begann ln Kiew der Prozeß, der in der ganzen Welt mit Spannung verfolgt Man schreibt uns aus Palästina: Die Ausdehnung nichtjüdischer Arbeit in jüdischen Unternehmungen, und zwar sowohl in der Landwirtschaft als in der Stadt nimmt einen alarmierenden Charakter an. Wichtige Lebensinteressen des Nationalhelme« stehen auf dem Spiel- Hier einige Daten: Im Jahre 1980 umfaßte die jüdische Siedlung in Palästina 43.000 Dunam, heute 140.000 Dunam. Normalerweise hätte sich der Umfang der jüdischen Arbeit analog vermehren müssen. Das ist leider nicht der Fall. Auf jüdischem Grundbesitz werden derzeit nur zirka 4000 bis 4500 Arbeiter beschäftigt. Das ist sogar weniger als vor drei Jahren. Die Zahl der arabischen Arbeiter hat eich aber auf jüdischem Gebiet um viele tausende vermehrt. Auf zirka 70.000 Dunam jüdischen Boden, und zwar in Petach Tikwah, Rischon le Zion, Neß Zionah, R echowoth, Ekron, Gederah, Benjamin a ist jüdische Arbeit fast gänzlich unbekannt. Auf einer weiteren Fläche von 30.000 Dunam finden nur zirka 1000 jüdische Arbeiter Beschäftigung. Auf den restlichen 40.000 Dunam, dos ist im Scharon, Pardeß -Ghana, Wadi Risikt, Karkur und anderen Plätzen in Judäa und in Schomrom werden regelmäßig jüdische Arbeiter beschäftigt. So wird die jüdische Arbeit in weiten Landstrecken verdrängt. Ihre Stelle, nehmen tausende Araber aus dem Hauran, Beduinen und andere Araber ein. Aber selbst in der Scharon- Ebene dringt arabische Arbeit ein und manche Orangenpflanzer ebnen ihr die Wege, da sie billiger ist als jüdische Arbeit. Diesen Weg gehen auch unsere Städte. In T e 1 - A v 1 v arbeiten hunderte Araber bereits im Transportgewerbe, bei Bauten, in Fabriken und Werkstätten. Dies gilt auch für die Vorstädte von Tel-Aviv, Montefiore, Barsilai, Schapiro und ln der neuen Siedlung B a j i t - V e g a n. In letzterer arbeiten neben 150 Juden bereits 100 Araber; zirka 1500 Araber arbeiten bereits in Tel-Aviv und seinen Vorstädten. In Haifa geht eine Anzahl jüdischer Unternehmer offen daran, die Juden zu entlassen. 500 Araber arbeiten bereits in jüdischen Unternehmungen. In Jerusalem gibt es jüdische Viertel, die für jüdische Arbeit überhaupt gesperrt sind. Noch ernster ist die Lage in den Hafenstädten und bei den öffentlichen Arbeitern. Unter 3000 Arbeitern, die in den Häfen von Jaffa und Haifa arbeiten, gibt ee nur zirka 200 Juden. In diesem Jahre wird eine halbe Million Pfund für Regierung«gebäude und öffentliche Arbeiten ausgegeben werden; Davon werden einige hunderttausend Pfund der neuen Anleihe entnommen werden. Tausende Arbeiter werden hiebei Beschäftigung finden, aber nicht mehr als 30 jüdische Arbeiter. In Neß Zionah, das 0000 Dunam kultivierten Boden besitzt, haben die Grundeigentümer schon vor Jahren den Ausschluß jüdisoher Arbeiter in die Wege geleitet und heute arbeiten dort noben 600 Arabern, nur mehi einige Dutzend Juden. Die Folge davon Ist, daß die Araber «loh dort derartig festgesetzt haben, daß das jüdische Gemeindeleben kaum mehr von Bedeutung ist. Ähnlich liegen die Verhältnisse in Bonjam i n a. Diese Kolonie verdankt hauptsächlich Öffentlichen Fonden ihre Entstehung. Die Pica hat zirka 80.000 Pfund investiert. Benjamina hat 6000 Dunam Grund, der den Kolonisten gehört. 2000 weitere Dunam sind von der Pica gepachtet. Von der gesamten Grundfläche sind 2100 Dunam Orangehpflanzungen, der Rest sind verschiedene Getreidefelder. So wie in Neß Zionah gibt es hier nur einige Dutzend jüdische Arbeiter, und die Zahl der jüdischen Einwohner wächst nicht. Kfar Saba, das bis vor kurzer Zelt nur jüdische Arbeiter beschäftigt hat, besitzt 4000 Dunam bepflanzten Boden, wovon erst 2000 Dunam Ertrag abwerfen; doch hat diese Kolonie 24Ö0 jüdische Einwohner, also viermal so viel als Neß Zionah. In der Kolonie stehen 500 Häuser, fünfmal soviel als in Neß Zionah. Handel und Geschäfte blühen. Die Gemeinde hat verschiedene Institutionen gegründet, die Zeugnis von. einer aktiven jüdischen Gemeindetätigkeit geben. Wozu nichtjtidische Arbeit führen muß, zeigt am besten Sichren Jak ob. Der. Jahresbericht dieser Kolonie ieigt Hoffnungslosigkeit. Die Kolonie wächst nicht, jüdische Einwanderer wandern wieder aus, und man fürchtet, daß die Kolonie Ihren jüdischen Charakter nicht behalten wird. Ein weiteres Beispiel ist das alte Petach- Tikwah, die „Mutter der Kolonie“. Fast. 2000 Araber werden in der Landwirtschaft, im Transportgewerbe, im Haushalt usw. beschäftigt. Beim Orangenpacken werden 3500 Araber, Beduinen und Haurania, und kaum einige Juden beschäftigt. So sieht man also, daß die Araber den Verteil der jüdischen Einwanderung genießen. Im Jahre 1922 besaßen die Araber 22.000 Dunam Pflanzungsboden, heute, nach 10 Jahren jüdischer Einwanderung, bereits 9Ö.ÖÖ0 Dunam. Während die Araber im Jahre 1924 in der städtischen und ländlichen Siedlung nur 150.000 Pfund investiert hatten, waren es im Jahre 1932 bereits 3Ö0.0Ö0 Pfund. Aber auch diese Summe ist in den letzten Jahren gestiegen. Die großen Geldsummen, welche die Juden nach Palästina bringen, die von ihnen gezahlten Abgaben, Zölle usw., werden von der Regierung den Arabern in der Form von Anleihen zugewendet, und dazu kommen noch die Befreiungen von Steuern. Diese Regierungshilfe wird ln den letzten Jahren allein auf 500.000 Pfund geschätzt. Die öffentlichen Arbeiten, die durch die jüdischen Steuerleistungen ermöglicht worden, geben tausenden von Arabern Beschäftigung. Die jüdische Einwanderung hat auch zur Belebung der Industrie unter den Arabern geführt. In der Zigarettenindustrie zum Beispiel wurden im Jahre 1923 nur 250 Araber beschäftigt, heute mehr äle 800 Araber. Das sind nur einige charakteristische Beispiele. In derselben Zeit, in der z e h ntausende Arabor in Syrien arbeitslos sind und unter erbärmlichen Bedingungen leben, nehmen die Araber ln Palästina einen grandiosen wirtschaftlichen Aufschwung. Das ist nur die Folge der jüdischen Einwanderung. Mau muß wohl sagen, daß wir das Recht und die Pflicht haben, auf jüdischem B o d o n, dor mit jüdieohem Geld gekauft und durch jüdische Arbeit fruchttragend gemacht wurde, nur jüdische Arbeiter zu verwenden. * mi aa

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