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Die Stimme · 1934-07-13 · Heft 369 (13.7.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 369 (13.7.1934)
Date
1934-07-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Prtii dieser Nummer 20 g V.Kb. JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 369 | Wien, n. Juli X9i7| Redaktion und Administration Wien« KlrntneretmSe 38 Tel. R 97-4-65 RedaktlonaaohluS Montag und Mlttwooh vorm. ENGL. HERRENMODE FEINE MASSWÄSCHE EUGEN PRAGER I, 3 P I E G E LG AS S E 25 FERNRUFS R 22-3-90 | (t Ab $694) 7. Jahrgang Erklärung des türkisdien Minister* Präsidenten Ankara, 12. Juli In der Nationalversammlung gab der Ministerpräsident Ismed Pascha Erklärungen zu der Ausweisung der Juden aus dem Dardanellen-Rayon und dem Terrorismus in Thrazien ab. Die jüdischen Familien, sagte er, könnten ruhig zurückkehren. Die Regierung lasse keinen Antisemitismus aufkommen und werde die Beamten bestrafen. Der Jnnenminister und der Gouverneur von Istambul seien mit der Untersuchung betraut und nach Thrazien abgereist. Berliner Geld In der Kammer verlautet, daß die Untersuchung. bereits die Existenz einer geheimen Organisation ergeben hat, die von deutschen Nationalsozialisten geleitet wird. Diese Organisation werde aufgelöst werden. Jüdische Gemeinde Danzigs interveniert nochmals beim Senat Danzig, 9. Juli. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Danzig brachte beim Senatspräsidenten Dr. Rausehning persönlich die Beschwerden der jüdischen Bevölkerung hinsichtlich de« befürchteten Erlasses eines •iSchkchtverbots für Danzig vor. Auch die Frage des Ehrenschutzes für die jüdische Bevölkerung sowie des Wirtschaftsboykotts, der gegenüber der jüdischen Bevölkerung in zahlreichen öffentlichen Versammlungen propagiert wird, waren Gegenstand der Besprechung. Senatepräsident Dr. Rausehning nahm die Beschwerde entgegen und stellte Prüfung und nach Möglichkeit auch Beseitigung der Miß&täude in Aussicht. Bekanntlich hatte die erste Intervention der Gemeinde den Erfolg, daß Präsident Rausehning in einer öffentlichen Erklärung die Versicherung gab, daß die Zurücksetzung und Benachteiligung der jüdischen Bevölkerung in Danzig in Zukunft nicht mehr Platz greifen soll. Gesamtrepräsentanz der polnischen Zionisten geschaffen Warschau, 11. Juli. Auf Initiative des Führers des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten, Dr. J. Schwarzbart, wurde ein vereinigtes zionistisches Komitee der drei Landesverbände Kongreßpolens, Ost- •und Westgaliziens geschaffen, dem Vertreter aller drei zionistischen Zentralkomitee« angehören, und dessen Aufgabe es ist, eine einheitliche jüdische Landespolitik unter Führung des jüdischen Parlamentsklubs zu treiben. Judenhetze i'sl Hochverrat gegen österreidi Die vergangene Woche hat in Österreich wieder eine ganze Anzahl von Reden verantwortlicher Staatsfunktionäre gebracht, in denen den „Nationalen“ die Bruderhand gereicht wird. Sie mögen nur den Trennungsstrich recht deutlich ziehen und sich auf die vaterländische Linie stellen. Jeder solchen Rede folgen dann in den Zeitungen die kurzen Berichte über Sprengstoffanschläge nationalsozialistischer Terroristen mit der ständigen Anmerkung, daß „größerer Sachschaden“ angerichtet worden ist; und an diese Berichte schließen sich die Meldungen, daß bald hier, bald dort Pakete mit Ekrasit und Ammonit und Eierhandgranaten und Hakenkreuzliteratur auf dein Wege aus dem Dritten Reich angehalten worden sind. Das sind die Antworten auf die wohlgemeinten Versöhnungisredeh, die wahrscheinlich dar von ausgehen, daß die Vorgänge ito Dritten Reich bei den österreichischen Nationalsozialisten eine Ernüchterung bewirkt hätten. Wie die Tatsachen, wenigstens die bisher erkennbaren, beweisen, ist dies nur in einem sehr geringen Ausmaß der Fall. Es besteht weiter die Situation, daß eine auswärtige Macht fast mit Regienmgsgewalt in die inneren Verhältnisse eingreift und sogar durch den Emigranten Frauenfeld im Münchner Sender mit dem politischen Mord droht. Das ist diesmal sehr ernst zu nehmen, da doch draußen der Mord als Staatsnotwehrreebt sanktioniert worden ist. Daß die Terrorakte fortdauern, ja sogar die Tendenz einer Verschärfung aüfweisen, ist ein Verdienst jener sogenannten nationalen Kreise, die im Herzen mit dem Hitlertum sympathisieren, obzwar sie im gegebenen Falle das Schicksal der Nationalen im Reich teilen würden. An ihrer Spitze stehen die einst so allmächtigen Hochschulprofessoren und mit ihnen eine gewisse Sorte von Mittelschullehrern, deren einzige Privatlektüre die Weisen von Zion bilden. Denn der Judenpunkt ist das maßgebende Moment. Sie haben sieh ausgerechnet, daß in Österreich „600.000 Juden“ leben, aus deren Haut sich gut Riemen schneiden ließe. Ihre ganze Weltanschauung ist von dieser Psychose beherrscht und die Angst vor den Juden überträgt sich von ihnen durch geheime Kanäle in die von der Krise enervierte Bevölkerung. Daß in Deutschland die Ausschaltung der Juden nicht die geringste Wirkung für die Massen gehabt, ja in vielen Zweigen von Industrie und Handel sogar zur Katastrophe treibt, bleibt den österreichischen Gesinnungskameraden, die sich niemals durch besondere volkswirtschaftliche Kenntnis ausgezeichnet haben, entweder unbekannt oder sie glauben’s nicht. Und wenn’s hoch kommt, so erklären sie, daß Frankreich und England im jüdischen Solde stehen, um Deutschland zu verderben. Aber selbst aus dieser Skurrilität wird keine Konsequenz gezogen, die doch darin liegen müßte. Österreich dem Zusammenstoß mit den Mächten lieber nicht auszusetzeri. Logik ist eben ein Fremdwort. Aber diese nationalen Kreise umfassen einen großen Teil der Halbintelligenz, jenes aus dem Schulwesen der alten Monarchie, auf den soviel kleiner gewordenen Staat überkommenen geistigen Proletariats und von hier aus gehen die Stimmungen, die der Regierung ihre Arbeit erschweren, jenes lächelnde Gewährenlassen der tollsten Agitation, die die Jugend in die Anfangsgründe der politischen Kriminalität hineinexerziert. Bei den Wirtshausstammtischen beginnt die Tarnung, daB unheimliche Desinteressement gegenüber dem österreichischen Staat und der im gegenwärtigen Zeitpunkte eigentlich grotesk wirkende Byzantinismus gegenüber dem Dritten Reich. Es ist ein konstanter Hochverrat, der' da, selbstverständlich im geheimen,' betrieben' wird und der sieh nur ini Antisemitismus zu deklarieren wagt. Die Hetze gegen die 11 Prozent Juden in Wien ist nichts anderes als Hochverrat, sie erschüttert das Wirtschaftsgefüge, bedroht den Fremdenverkehr und schafft immer neue Köniliktsstoffe. Immer wieder muß auf die Minoritätsbestimmungen des Friedensvertrages hingewiesen werden, mit denen es sich zum Beispiel nicht verträgt, daß irgend ein Gymnasialgewältiger — nennen wir ihn so wie er heißt, Witzelhuber — eigene Judenklaesen entrichten will, um die Das Helmatsrecht Am 10. d. ist der Heimatsrechtausschuß der. Wiener Bürgerschaft zum erstenmal zusammengetreten. Das christlichsoziale „Weltblatt“ wußte dazu anzukündigen, „daß sich der Ausschuß mit der Überprüfung der unter sozialdemokratischer Herrschaft erfolgten Heimatsrechterteilungen während des Krieges und später nach Wien eingewanderten Fremden beschäftigen wir!!“. Von informierter Seite wird uns mitgeteilt, daß diese Hoffnung vergeblich ist. Der Ausschuß hat sich nur mit neu einlaufenden Gesuchen zu befassen. Eine Überprüfung der legal erfolgten bisherigen Einbürgerungen hat er nicht vorzunehmen. Die Überprüfung fällt in die Kompetenz der A bteilung Inner es des Bundeskanzleramt es, das auch bisher alle Heimatsrechterteilungen überprüft hat. Die vertriebenen Dardanellen-Juden London, 9. Juli. Die türkische Gesandtschaft in London teilt auf eine Anfrage mit, die türkische Regierung habe, als sie erfuhr, daß eine Anzahl jüdischer Bürger in gewissen Provinzen durch vollkommen falsche Maßnahmen der lokalen Behörden gezwungen wurde, ihr» Wohnstätten zu verlassen, und daß diese jüdischen Bürger nach Stambul gekommen sind, sofort an geordnet, daß die für, diese Maßnahmen verantwortlichen Behör-1 geistige Erlösung des deutschen Volkes zu beschleunigen. Solche Versuche sind gerade jetzt gefährlich, wo alle Regierungen die- Autorität des Völkerbundes erhöhen und stärken wollen. Aber auch der Ruf Österreichs im Ausland verträgt solche Scherze nicht und da sich das Renommee außenpolitisch in den Export- und Importziffern kondensiert, so kann nicht nachdrücklich genug auf die Gefährlichkeit kultureller oder anderer Diskriminierungen hingewiesen werden. Numerus-clausus-Hetze, das Gerede, von der Überprüfung der Einbürgerungen und ähnliche Belustigungen der getarnten: Eidbrecher sind letzten Endes in der Ar-' beitslosenstatistik zu merken. Es ist schon gut, daß der Trennungsstrich gefordert :wird.; Er ist vor der Judenhetze zu ziehen. Mit d’er Sympathie für die Herbstzeitlosen; für die Antisemitenbündler und die Dietwart- Hakenkreuzler ist keine Ehre einzulegen. Eine Versöhnung mit Elementen, die von vorneherein den Staat Österreich negieren und ihn nur als Vorort der Wilhelmstraße gelten lassen wollen, ist ausgeschlossen. Es gibt keinen Eid, den die nicht brechen, und wer mit ihnen paktiert, der setzt sich der Gefahr aus, von der Maschine der Gleichschalterei zerrissen zu werden. den zur Rechenschaft gezogen werden, und habe erklärt, den Juden, die nach Stambul gekommen sind, stehe es frei, in ihre Heimatorte zurückzukehren. Der Fall sei nunmehr erledigt. Die Zahl der Betroffenen übersteige nicht hundert (?!). Über die veizweifelto. Lage der Vertriebenen liegt noch die folgende Meldung aus Saloniki vor; Die täglich aus Adrianopel in Orestiada eint/reffenden Züge sind voll von jüdischen Frauen und Kindern, die mit unbestimmtem Reiseziel weitertransportiert werden. Sie berichten, daß die Männer in der Ortschaft Ouzoinkiipru konzentriert wurden. Ihr Schicksal ist unbekannt. E i.n e A n zahl von Kindern wird vermißt. Die Flüchtlinge erzählen, alle Juden des türkischen Teiles von Thrazien hätten ihre Wohnorte verlassen müssen, nachdem sie ihre Habe zu Spottpreisen losgeschlagen oder überhaupt Im Stiche gelassen hatten. Die Eisenbahnstationen Alboulou, Alulebourga-s und Tylolois seien von tausenden Juden überfüllt, die auf Waggons zur Reise nach Konstanifüopel warten. Doch stünden nur wenige Viehwagen zur Verfügung. Die Lage sei katastrophal, man NFUr unsere Leser nur: eudegger Fahrsdiulen Wien, VIII., Ncudeggerg. 18 Tel. B 46-5-72 und Inxersdorf (Nieder-Östorreich) Prüfungserleichterung durch :!! Laufendes Auto im Lelmaal!!

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