Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1934-07-10 · Heft 368 (10.7.1934) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 368 (10.7.1934)
Date
1934-07-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054070-3054122--4349-3059957
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 4 DIE STIMME Nr. 368 — 10. Juli 1984 Besonders billige Fahrt nach POLEN! ^AusdemDrlttenJRelch vom 31. Juli bis 15. August. Visa und polnische Paßverlängerungen gratis. Wien—Krakow und retour S 40‘8o, Wien—Lw6w und retour S 51*—, Wien—Warszawa und retour S 46**0 samt allen Nebautationen. Auskünfte und rascheste Anmeldung: Polnisches Verkehrsbfiro »Francopol*, Wien, III., Rennweg 1. (Gebäude des polnischen Konsulats.) Telephon U 16-4-90 Die Judenpolltik des Danziger Senats Danzig, 5. Juli Die letzten Reden des Gauleiters der Nationalsozialistischen Partei Danzigs For ster und des Vizepräsidenten des Senats Greiser bei offiziellen Anlässen, in denen diese Führer der nationalsozialistischen Re gierungspartei in Danzig scharf gegen das Judentum loszogen und antijüdische Maßnahmen, sogar eine Art ge tarnten Judenboykotts, ankündigten, haben die jüdische Bevölkerung des Freistaates Danzig tief beunruhigt und die Leitung der Jüdischen Gemeinde Danzig ver anlaßt, bei dem Präsidenten des Danziger Senats Dr. R a u s c h n i n g zu intervenieren Nunmehr übergab der Präsident des Senats des Freistaates Damzig Dr. Rausch n i n g der Presse ein Communiquö, in dem dargelegt wird, daß die Besorgnisse der jüdischen Bevölkerung wegen einer Sonderbehandlung der Juden im Freistaat Danzig unbegründet seien; auf dem Gebiete des Freistaates werde eine Sonderbehandlung im Hinblick auf Abstammung und Religion nicht Platz greifen. Die Verfassung des Freistaates Danzig schließe die Möglichkeit auch nur der mindesten Vergewaltigung des Rechtes seiner Einwohner oder auch nur eines Teiles seiner Einwohner vollkommen aus. Insbesondere liege die Durchführung eines wirtschaftlichen Boykotts nicht im Bereich der Möglichkeit, weil der Senat des Freistaates allen Bürgern die uneingeschränkten konstitutionellen Rechte garantiert. Der Senat des Freistaates wünsche — in Übereinstimmung mit der Willensmeinung der gesamten Beölkerung — eine korrekte wirtschaftliche Konkurrenz im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften, bei welcher die sachlichen Fähigkeiten den Aus schlag geben. Der Senat werde alle gesetzlichen Mittel zur Stärkung dieses seines Standpunktes zur Anwendung bringen. Pogrom In Hirschberg Prag, 8. Juli. Die SS.-Leute, die in Hirschberg (Oberschlesien) eingetroffen waren, um die zwangsweise in „Urlaub“ geschickte SA. abzulösen, haben als erste „Aktion“ einen Verfolgungsfeldzug gegen die Hirschberger Juden eingeleitet. Am Sonntag, den 1. Juli, wurden ohne ersichtlichen Grund 25 Juden in Hirschberg aus den Betten heraus verhaftet, in die Kaserne gebracht und hier furchtbar verprügelt. Vier Juden, und zwar Rechtsanwalt Förster, Kaufmann Charry, der Arzt Dr. Zweig und seine Frau wurden nach Görlitz abtransportiert und zwei Kilometer von Hirschberg entfernt niedergeschossen. Die SS.-Leute, die den Transport begleiteten, erklärten, sie mußten wegen einer „Autopanne“ halten und dabei hätten die gefangenen Juden einen „Fluchtversuch“ gemacht, so daß nichts übrig blieb, als sie niederzuschießen. Diese Behauptung wird nach dem Befund eklatant widerlegt. Die Toten hatten Einschüsse in den Schläfen, Frau Zweig lag quer über dem Randstein. Den Verwandten wurde der Zugang zu den Toten verweigert. Unter der Hirschberger Judenschaft herrscht furchtbare Bestürzung und Trauer. Die Panik ist unbeschreiblich. Aber auch unter der christlichen Bevölkerung herrscht ungeheure Empörung. Die vier Erschossenen hatten nichts mit Politik zu tun. Die Meuchelmorde werden als Ablenkungsmorde betrachtet. In Agnetendorf, dem Wohnort Gerhart Hauptmanns im Riesengebirge, wurde ein jüdischer Villenbesitzer Sonntag, 6 Uhr früh, verhaftet und verschleppt. Man nimmt an, daß er ebenfalls getötet wurde. Streicher segnet Hitler» weil er die Juden verfolgt Dortmund, 8. Juli. Kurz nach der Blutnaoht, in der die SA.- Führer enschossen wurden, sprach Julius Streicher in Dortmund gegen die „Wühlmäuse im eigenen Ha.us“, gegen die „Gegner von links, die auf ewig verdorben sind durch die Sünde wider das Blut“. Streicher sagte u. a.: Hitler hat eingesehen, daß der Jude versuche, das Blut der hochstehenden Völker zu vergiften. Mancher pflegt zu sagen, daß es auch anständige Juden gibt. Aber der verlauste Ostgalizier ist vielleicht gar nicht, so gefährlich wie der in Konzernen seinen Einfluß ausübende getaufte Jude.“ Zum Schluß sagte Streicher, Hitler stehe näher zu Gott als die höchsten Wür den träger der Kirche. KINOPROGRAMME DER WOCHl II. UotenalortiRasse Telephon R 40-0-23 Leopoidstfidter VoIhsKino Vollständig neues Programm TBglich 7,6. 7,8. 7,10 Uhr Ermäßigte Sommerpreise oberhalb der zweiten Fensterreiihe ab un ' zeigt in der Lösung des Gedankens ein* köstliche Lebendigkeit, bei for mal er Dynamik. Im Schwerpunkt de: Komposition steht die typische Gestalt eine: beschwörenden Juden mit dem charakteristischen G e 1 d s a e k in der Linken. Hinter ihm ein Tisch mi< Waage. Links ist die ausgezeichnete Gestali eines mittelalterlichen Bauern gruppiert welcher mit entrüsteter Geste den Juden abwehrt.. Zur Rechten des Juden läuft der listige Reinecke eilends davon.“ überfall auf ein Cafe ln Berlin Prag, 5. Juli. Das Cafe „T r i a n o n“ am Bayerischen Marterung des Juden Walter Freund ln Burg Hohenstein an der Elbe Vor Ihrer Abreise in die Sommerfrische sorgen Sie für den regelmäßigen Bezug des Blattes An unsere P. T. Abonnenten! Wir ersuchen Sie, möglichst drei oder vier Tage vor Ihrer Abreise den nachfolgenden Schein genauestens ausgefüllt uns einzusenden, damit Ihnen unser Blatt während Ihrer Abwesenheit von Wien ohne jede Unterbrechung nachgesendet werden kann. Wir bitten, Ihre Verständigung möglichst frühzeitig an uns gelangen zu lassen. Die Administration »Die Stimme« An die Administration »Die Stimme« Wien, I. * Kärntnerstraße 28 Hiedurch ersuche Ich Sic, mir »Die Stimme« welche ich bisher Bezirk, Straße (Gasse) Nr._beziehe vom .... ab an folgende Adresse zu senden 1_ (Vor- und Zuname) (Genaue Wiener Adresse) Prag, 8. Juli. Aus Hohnstein, wo sich ein Konzentrationslager befindet, trifft die folgende furchtbare Meldung ein: Am 20. Mai d. J., dem ersten Pfingstfeier tag, kehrte die SA.-Besatzung des Konzen trationslagers Hohnstein gegen 2 Uhr morgens betrunken nach der Burg zurück. Der Jude Walter Freund, der gerade im Bunker saß, wohin er zur Arbeit dirigiert worden war, wurde von SA.-Leuten geholt. Sie jagten ihn auf dem Burghof hin und her, stachen mit Messern auf ihn los, traten ihn mit Füßen und schlugen mit Fäusten auf ihn ein. Durch seine Sohmerzensschreie aus der Nachtruhe geweckt, traten einige Häftlinge an ihr Zeilenfenster. Nunmehr wurden auch diese Häftlinge .in den Burghof getrieben. Sie mußten sich an einer Wand aufstellen und die SA. ging mit Messern, Peit sehen und Ehrendolchen auf sie los. Je lauter die Schmerzensschreie, um so heftiger das Toben der SA.-Leute. Das dauerte biß 11 Uhr vormittags, als die Kirohenglooken zum Gottesdienst riefen. Das Ergebnis dieser Blutnaoht: Vielen Gefangenen waren Stichwunden am ganzen Körper beigebraoht worden. Vier Häftlinge, darunter Walter Freund und Kretzschmar, der ebenfalls Jude ißt, wurden besonders schwer durch Lungen- und Rückenstiohe verletzt. Einem anderen Gefangenen, dem ehemaligen Leipziger Landtagsabgeordneten Liebmann, wurden beide Augen so zugerichtet, daß er auf dem einen inzwischen vollständig die Sehkraft verloren hat. Der Rückgang der jüdischen Bevölkerung In Deutschland Nach einer Zusammenstellung der statistischen Angaben aus 16 deutschen Großstädten ist, wie daß „Nürnberger 8-Uhr- Abendblatt“ meldet, seit Jahresbeginn ein starker Rückgang der jüdischen Bevölkerung feetzustellen. In Berlin erreicht der Rückgang 10.6 Prozent, in Hamburg 18.7 Prozent, in Frankfurt 10.2 Prozent und in Pforzheim über 18 Prozent. Platz zu Berlin war am 3. Juli abends der Schauplatz eines kleinen Pogroms, der von SA-Leuten arrangiert worden war. Ein in Berlin lebender amerikanischer Journalist erhielt eine Warnung aus nationalsozialistischen Kreisen, daß ein starker Trupp der am 1. Juli zwangsweise in Urlaub geschickten SA die Absicht hat, einen Überfall auf das Cafe „T r i a n 0 n“ durchzufüh ren. In Berlin haben sich die Verhältnisse der öffentlichen Verkehrslokale nach und nach so gestaltet, daß gewisse Lokale ausschließlich von jüdischen Gästen frequentiert werden. Dies ist der Fall bei dem Caf6 „Trianon“, das am erwähnten Abend von etwa 250 jüdischen Gästen besucht war. Der amerikanische Journalist verständigte die Polizei und begab sich sofort nach dem Cafe „Trianon“, wo der Überfall bereits in Gang war. 16 SA-Leute schlugen die Einrichtung in Trümmer und verletzten eine Anzahl der Gäste, unter denen sich auch die beiden amerikanischen Juden Michael S c h a p i r a und Agduker befanden. Ersterer erhielt ebenfalls leichte Verletzungen. Nach 20 Minuten traf die Polizei ein und ersuchte die randalierenden SA, das Lokal zu verlassen und sich aufs Kommissariat zu begeben. Die sistierten SA-Leute taten dies auch, kehrten aber nach ganz kurzer Zeit zum Cafe „Trianon“ zurück, das' sie aber bereits geschlossen fanden; die angegriffenen jüdischen Gäste batten schleunigst das Cafö verlassen. Sie konnten es nicht versuchen, den 16 SA-Leuten Widerstand entgegenzusetzen, weil weitere 150 SA- Leute vor dem Caf6 Aufstellung nahmen und auf ein Signal zum Eingreifen seitens ihrer vorgeschickten Kollegen warteten Die Reichswehr und die Judenfrage Saarbrücken, 8. Juli. „Deutsche Freiheit“ bringt Äußerungen eines einflußreichen Offiziers der Reichswehr, der Uber weitreichende Beziehungen verfügt und der volkßmonarchistisohen Bewegung nabeßteht. Auf die Frage, ob die Monarchie den Terror und die Judenverfolgungen beenden wird, erwiderte der Offizier: „Wir wollen einen Rechtsstaat, in dem jeder gleiches Recht haben soll. Wir sind Feinde der Judenhetze. Es war eine unglaubliche Dummheit, eine Emigration zu echaffen.“ Poesie ht Streichers Reich• In Nürnberg wird jetzt der Adolf- Hitler-Platz neu dekoriert. Auf der Rückseite des ehemaligen Telegraphengebäudes wird eine Uhr angebracht und daneben ein Wandgemälde geschaffen, das den folgenden darunter geschriebenen Spruch, der nach einem Preisausschreiben ausgewählt wurde, illustriert-: „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid Und keinem Jud bei seinem Eid.“ Die „Nürnberger Zeitung“ gibt den Eindruck des Bildes wie folgt wieder: „Die gesamte Darstellung, welcho sich auf drei Figuren beschränkt, spielt sich im Raum Nun hat ein Jude den Mord in Sarajevo verübt Wir lesen im Berner „Bund“: Das Organ der Schweizer Hakenkreuzler „Die Front.' hat den Weltkriegschuldigen „entdeckt...'' In der Nr. 99 vom 28. Juni bringt, „Die Front“ auf der letzten Seite unter der Überschrift „Achtung“ die sensationelle Enthüllung, daß der Gymnasiast Princi p, der am 28. Juni 1914 die tödlichen S c h ti s s e auf den österreichischen Thronfolger und seine Gemahlin abfeuerte — ein Jude und ein Freimaurer gewesen sei, somit, so heißt es weiter im Text, haben Juden und Freimaurer den Weltkrieg entfacht ... Diese Tartarenmeldung kommt, nicht etwa aus einem dunklen Flecken des Balkans. Nein, in der aufgeklärten Stadt Zürich erscheint im Jahre 1934 eine solche Geschichte, ohne daß sich jemand dagegen empört,. Haben wir noch ein Recht, gegen die Ritualmord-Nummer des Nürnberger „Stürme r'‘ Einspruch zu erheben? Darf in der Schweiz gegen besseres Wissen eine solche niederträchtige Verleumdung in einer Tageszeitung erscheinen? Der Zweck dieser Lüge ist allzu durchsichtig. Damit will man die so schwer beschädigten „Zionistenprotokolle“ durch einen „chirurgischen Eingriff“ wieder einigermaßen in Kredit bringen. Dabei gehen diese „Politiker“ allzu dumm und plump zu Werke. Sie rechnen damit, daß die Massen noch dümmer sind. Abgesehen davon, daß jener Gymnasiast Princip und seine neun Mitverschwörer ungefähr solchen Kreisen angehörten, die sich bei uns „Die Front“ heißen, wissen sogar diese Hakenkreuzblätter, daß Princip niemals Jude gewesen und daß er als Gymnasiast gewiß koin Mitglied der Freimaurer gewesen sein kann. Es wäre höchste Zeit, den Brunnenvergiftern das schändliche Handwerk zu legen. Deutsche Nazi-Partei in Rumänien behördlich aufgelöst Bukarest, 5. Juli. Der Minist errat hat nach Anhörung des Berichtes de« Ministers des Innern angeordnet, daß sämtliche politische Formationen der deutschen Minderheit in Rumänien, die ein Programm haben, das im Widerspruch zum Wortlaut des Gesetzes über den Schutz der Sicherheit des Staates steht, aufgelöst werden. Dieso Anordnung betrifft vor allem die politischen Formationen nationalsozialistischen Charakters. NEU ERSCHIENEN- Z.F. Finkelfteln SdUoksalssümdeH eines fiiUcecs 128 Selten, reich Illustriert Pr«lsSSa>vGebundenS5‘-,GanzleInenS6‘~ Zu beziehen duren den SAWITRA-VERLAG l.,WipplingersU.12 sowie alle Buchhandlungen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.