Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 368 (10.7.1934)
- Date
- 1934-07-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 3G8 — 10. Juli 1934 Kurse, fortlaufend für Kochen und Backen, auch für Herren (Berufsumschulung) iiMiiimfiK'tmiitiiiiiiiinmtmiittMimttiMmtnmmii’MuiMutiM'miiftmmiuuiinnmmimtiamuiiiittiiiiMiin Moderne Kochkurse Alice Urbach IV., Goldeggasse 7, Tel. U 42-0-39 Zusammenhängen, ferner eine Reihe anderer den Aufbau des Jüdischen Nationalheims in Palästina betreffender Probleme. Mosche Shertok, neben Ben Gurion Leiter der politischen Angelegenheiten der Exekutive der Jewish Agency in Palästina, befindet sich auf dem Wege von Jerusalem nach London, wo er etwa einen Monat verbleiben wird. ser Angelegenheit inoffiziell mit dem Vertreter Sowjetrußlands in Amerika in Anwesenheit des nach Rußland abreisenden amerikanischen Vertreters Bullit Fühlung genommen hat. Herr Bullit versprach, die diesbezüglichen Verhältnisse in Rußland zu untersuchen. Es wurden noch Resolutionen gefaßt, in denen die Tätigkeit der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation g ebilligt und die Priorität der Palästina- Arbeit in der Tätigkeit der Zionistischen legenheit gegeben werden soll, ihre Meinim-* Organisation Amerikas festgelegt wird. Eine gen zum Ausdruck zu bringen. „Ich kann Resolution fordert die Zulassung jüdischer Siedlung in Transjordanien, eine andere befaßt sich mit der Teilnahme an der Hilfsaktion für die deutschen Juden, eine weitere fordert Unterstützung des antideutschen Boykotts. Morris Rotheberg und seine Liste wurden ohne Gegenkandidaten wiedergewählt. I General Ssnuts über die Mandatspolitik Johannisburg, 5. Juli. Das Präsidium des Keren Hajessod für Südafrika gab in Port Elizabeth zu Ehren des gegenwärtig in Südafrika weilenden Präsidenten der Jewish Agency Dr. Nahum Sokolow ein Diner, dem als der hervorragendste Gast der Premier der südafrikanischen Union General Smuts, Generalissimus de> südafrikanischen Heeres im Weltkriege und Mitglied des britischen Kabinetts, das die Balfour-Deklaration verkündet hatte, beiwohnte. General Smuts ergriff das Wort zu einer Ansprache, in der er unter anderem ausführte: Die britische Regierung wird wegen ihrer Palästina-Politik sehr viel kritisiert, ich aber bin überzeugt, daß diese Regierung, mehr als als jene andere, sich in die Schwierigkeiten anderer Völker hineinleben kann. In Palästina müsse die Regierung die Interessen der Araber wie die der Juden wahrnehmen, was keine leichte Aufgabe ist. Ich bin überzeugt, daß die Regierung bestrebt ist, Gerechtigkeit zu üben. Das Gerede von einem Wechsel der Mandatarmacht ist töricht. Ich würde das British Empire als Mandatarmacht jeder anderen Macht vorziehen. Seit, Sokolows Anwesenheit in Südafrika wurden dort 93.000 Pfund Sterling für den Keren Hajessod aufgebracht, dazu steuerte allein äohannisburg 48.000 Pfund S'nrling bei. Sie essen von 30Groschen aufwärts vorzüglich Im GRABiN-KELLfR Der Legislative Council für Palästina Die Konvention der amerikanischen Zionisten im Atlantic City New York, 8. Juli. Die Beantragung einer Entschließung, in der jene Parteien und Fraktionen, deren Tätigkeit die Stellung der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation zu untergraben droht, scharf verurteilt werden, führte auf der 37. Jahreskonferenz der Zionisten Amerikas in Atlantic-City zu einer großen Debatte, in der L o u i s L i p s k y und andere Redner schwere Vorwürfe, g egen die Revisionisten wegen der von diesen gegen die Exekutive gerichteten Angriffe erhoben. Zu stürmischen Szenen kam es, als der Konferenz eine in einer Privatbesprechung von 60 Delegierten der Allgemeinen Zionisten ausgearbeitete Erklärung vorgelegt wurde, in der gegen die am Vortag von Berl Locker und Jacob Fishman gehaltenen Reden protestiert wird. Ungeachtet dieses Zwischenfalles wurde die beantragte Entschließung einstimmig angenommen. Scharfe Auseinandersetzungen löste auch die Vorlage einer zweiten Entschließung aus, in der sich die Konferenz für die Unterstützung der Verteidigung Abrah a m S t a v s k y s einsetzt, ohne daß in ihr eine Meinung über Schuld oder Unschuld dos Verurteilten geäußert wird. Obwohl das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Louis Lip.sky, sich gegen diese Entschließung wandte, wurde sie schließlich einstimmig angenommen. Überraschend kam die Annahme einer weiteren Resolution, in der die neue Leitung beauftragt wird, Schritte einzuleiten, die dazu führen sollen, daß den Juden Rußlands, wo die zionistische Bewegung bekanntlich streng unterdrückt wird, zionistische Betätigung gestattet wird. In der Aussprache über diesen Antrag erfuhr rnan, daß der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, Morris Rothenberg, in die- London, 5. Juli In der Sitzung des Unterhauses brachte der Abgeordnete Colonel Wedgwood die Frage der bevorstehenden Einsetzung eines Legislative Council für Palästina zur Sprache. In Beantwortung der von Wedgwood gestellten Anfragen b ekräftigte der Minister für die Kolonien Sir Philip Cunliffe-Lister seine im November 1933 zu diesem Gegenstand abgegebenen Erklärungen, betonte, daß die Regierungspolitik in bezug auf die Frage des Legislative Council unverändert geblieben sei, und stellte eine Wiederholung seiner grundsätzlichen Erklärung vor der tatsächlichen Einsetzung des Council in Aussicht Abgeordneter Wedgwood fragte den Kolonienminister, ob man dem Hause vor weiteren Schritten zur Einsetzung repräsentativer verantwortlicher Selbstverwaltungs- Einrichtungen in Palästina Gelegenheit geben werde, diese Frage zu diskutieren. Sir Philip Cunliffe-Lister antwortete: „Am 23. November vorigen Jahres habe ich in Beantwortung einer von dem geehrten Mitglied des Hauses gestellten Frage klar zum Ausdruck gebracht, daß keinerlei Vorschlag zur Einsetzung einer verantwortlichen Regierung in Palästina gemacht wurde. Die Absichten der Regierung in bezug auf die Errichtung eines Legislative Council in Palästina sind bei mehr als einer Gelegenheit deutlich bekanntgegeben worden. Wenn eine weitere Erörterung dieser Angelegenheit gewünscht wird, so kann dies anläßlich der Abstimmung über die Vorlagen des Kolonienministeriums geschehen.“ Auf eine Frage Wedgwood, ob die Einsetzung des Legislative Council erfolgen werde, ohne daß das Haus Gelegenheit gehabt hätte, die Sache zu besprechen, wiederholte der Minister, daß es dem Interpellanten freistehe, die Sache anläßlich der Debatte Über Kolonialangelegenheiten zur Sprache zu bringen. Die Politik in dieser Frage habe im Lauf der letzten zehn Jahre keine Änderung erfahren. Wedgwood warnt vor vollendeten Tatsachen Abgeordneter Wedgwood: „Rückt die Zeit (der Einsetzung des Legislative Council) näher heran? Wir stehen jetzt bedauerlicherweise vor der Möglichkeit, uns eines Tages plötzlich der vollendeten Tatsache einer Verfassung in Palästina gegenüber zu sehn. Ich möchte wissen, ob das Haus in der Lage sein wird, die Frage der unmittelbaren Einsetzung, nicht die Frage ihrer letzten Ziele, zu erörtern?“ Der Kolonienminister: „Was die Frage des letzten Zieles betrifft, so wurde in diesem Hause und in der Mandatskommission des Völkerbundes offen erklärt, welchen Kurs die Regierung einzuhalten gedenkt. Es steht dem Herrn Abgeordneten frei, diese Politik, falls er etwa mit ihr nicht übereinstimmt, bei jeder geeigneten Gelegenheit zu besprechen.“ Colonel Wedgwood: „Von dieser Möglichkeit habe ich Gebrauch gemacht, habe jedoch keine Antwort erhalten. Was ich wissen will, ist, ob die.jüdische Minderheit zu Rate gezogen werden wird, bevor d ic* Politik der Einse tzung von V'ertretungskörporsehaffcen in Palästina endgültig festgelegt wird, und ob die Zustimmung dieser Mindorheit der tatsächlichen Einsetzung vorangehen soll.“ Der Kolonienminister: „Das ist eine ganz andere Frage. Die frühere Frage des Herrn Abgeordneten bezog eich auf die Politik betreffend die Einsetzung eines Legislative Council. Diese wurde wiederholt in diesem Hause und beim Völkerbund sowohl bezüglich des Kurses wie bezüglich des Zeitpunktes der Einsetzung freimütig und deutlich dargelegt. Ich bin durchaus bereit, anläßlich der entsprechenden Abstimmung nochmals die seinerzeit abgegebene äußerst deutliche Erklärung zu wiederholen.“ * In seiner Erklärung vom 23. November 1933 hatte der Kolonienminister die Einsetzung des Legislative Council nach Inkrafttreten der neuen Gemeindeordnung der Palästina-Regierung angekündigt, gleichzeitig aber betont, daß es sich nicht um eine verantwortliche Regierung, sondern um eine repräsentative Körperschaft handeln solle, in der den verschiedenen Teilen der palästinensischen Öffentlichkeit Gedern Haus“, sagte Sir Philip C u n 1 i f e- Lister, „die uneingeschränkte Zusicherung geben, daß die Befugnisse der britischen Regierung, des Unterhauses und des High Commissioner bei der Durchführung der Politik des Mandates, auch wenn der Council eingesetzt sein wird, genau so streng aufrecht erhalten und vollständig unbeeinträchtigt werden, wie sie es heule sind.“ Die Stimmberechtigten bei den Gemeindewahlen Im weiteren Verlauf der Unterhaussitzung fragte der Abgeordnete Wedgwood noch den Kolonienminister, ob er dem Hause eine offizielle Statistik der Bevölkerung jener palästinensischen Städte j vorlegen wolle, denen auf Grund einer jüngst erlassenen Verordnung Selbstverwaltung zugestanden wurde, wobei die Bevölkerungsziffern für Juden und Araber gesondert angeführt werden sollten. Der Kolonialminister antwortete, er werde vom Iligh Commissioner für Palästina Statistiken über die Wählerschaften in den Gebieten der Stadtgemeinden anfordern und sie sodann mitteilen. AKAP. CLUB „B R I U T" Ferien in Makarska dem schönsten Seebad Dalmatiens. 3 Wochen S 138, 4 Wochen S 139 (im Preise inbegriffen: Fahrt Wien—Makarska—Wien. Verpflegung. Unterkunft im Strandhaus,alle Taxen). Anmeldungen und Auskünfte: Isak Horowitz, Wien, II., Sterneckplatz 3/9, Telephon R 45-8-24 wochentags (14 - 18 Uhr), Sonntag vormittags Abfahrten 15., 22. und 29. Juli Nichtstudenten S 17'— Zuschlag Unternehmer und nationale Kontrolle in Palästina Von besonderer Seite erhalten wir den nachstehenden Beitrag zu einer schwierigen Frage, welche heute schon die Interessenahme aller Berufenen erfordert. 'Die Tatsache, daß sich Palästina derzeit im Stadium einer aufblühenden Wirtschaft befindet, lenkt die Blicke verschiedener Besitzer größerer oder kleinerer Kapitalien auf Erez Israel. Wenn man nun mit Leuten in näheren Kontakt kommt, welche beabsichtigen, sich in Palästina wirtschaftlich zu betätigen, so ist man in manchem Falle recht unangenehm überrascht, wie gering oder gar nicht vorhanden die innere Beziehung dieser Juden zu dem Problem Palästina, zur jüdischen Frage schlechthin ist. Solchen Juden bietet sich Palästina oft einfach als ein Feld dar, wo man mit Aussicht auf Erfolg wirtschaftlich etwas unternehmen kann, wenn man im Besitze gewisser nötiger Mittel ist. Daß hinter allen diesen Dingen allgemeine jüdische Notwendigkeiten stehen, daß sich der Sinn der jüdischen Bemühungen in Palästina nicht in der Schaffung von Verdienstgelegenheiten für eine bestimmte Anzahl von Juden erschöpft, kommt diesen Leuten anscheinend gar nicht zum Bewußtsein! Es bedarf keiner weiteren Darlegung, das der Zustrom von produktivem Kapital nach Palästina im zionistischen Interesse liegt und daher erwünscht ist, denn es ist selbstverständlich, daß produktiv arbeitendes Kapital Werte schafft und Arbeitsmöglichkeiten darbietet. Aber es ist darob doch nicht zu übersehen, daß die heute schon vorhandenen Möglichkeiten für das jüdische Kapital eine Folge gewisser nicht bloß ökonomischer Voraussetzungen sind. Dies alles ist vollkommen einleuchtend. Ohne den nationalen Drang des jüdischen Volkes, aus welchem die opferreiche Pionierarbeit der Chaluzim wie der ersten besitzenden Einwanderer Palästinas erflosson sind, gäbe es heute nicht die tragbare Wirtschaftsbasis im Lande. Weniger selbstverständlich aber erscheint, daß es anscheinend keine Möglichkeiten gibt, um unerwünschte Kapitalistenolomento vom Lande fernzuhalten, und ob fragt sich, ob man sich hier einfach mit der Automatik der ökonomischen Tatsachen abflnden muß. Zumindest wäre zu verlangen, daß Kapitalisten, welche sich in Palästina zu betätigen wünschen, von bestehenden oder von zu schaffenden Instanzen eine sichtbare und wertvolle Förderung erfahren, wenn ihre bisherige Haltung zum jüdischen Aufbauwerk in Palästina ihnen diesen Anspruch gibt. Wohl jeder, der direkten Kontakt mit diesen Dingen hat, weiß bereits von Fällen zu berichten, in denen sich Leute um offenkundige Vorteile bemühen, deren sie nicht würdig sind. Man muß ernsthaft fragen, ob es zum Beispiel recht Ist, daß Leute Boden des Keren Kajemeth in Erbpacht erhalten — Boden also, der aus den Spenden der breiten jüdischen Volksmassen erworben wurde —, welche bisher für diese Institution oder für verwandte Zwecke nichts übrig hatten. Wir wollen nicht mißverstanden werden: niemand Ernster wird daran denken, solche Sanktionen zum Beispiel für die deutschen Juden zu fordern, welche in Folge der Umwälzung in Deutschland versuchen, sich mit den Resten ihrer Habe nach Palästina zu retten und sich dort eine neue Existenz zu schaffen, — wenngleich sie bisher der zionistischen Sache fremd oder gar ablehnend gegenüber gestanden sind. Es ist sogar zu sagen, daß sie mehr Hilfe und Berücksichtigung verdienen als gewisse Elemente aus anderen Ländern, in welchen die Judenfrage nicht so akut ist unci in denen der Assimilationsprozeß nicht so weit fortgeschritten war. Es gibt Fälle, in denen Juden, die sich auf ihre nationaljüdischo Gesinnung beriefen und sich trotzdem allen Verpflichtungen und Leistungen für daB Aufbauwerk zu entziehen wußten, plötzlich unter Berufung auf ihre Gesinnung Empfehlungen für die Berücksichtigung bei der Zuteilung von KKL-Bödon anstreben. Es gibt Leute, die außerhalb Palästinas leben, im Lande Häuser errichten und darüber ungehalten sind, daß die Mandatsbehörde — Mieterschutzbestimmungen erläßt. Die Reihe der Beispiele ließe sieb leicht vermehren und man versteht unschwer, daß ein national und menschlich nicht ganz verläßliches Unternohmerelement auf verschiedene Weise, zum Beispiel durch Spekulation auf billigste Kuliarboit, unser Aufbauwerk direkt schädigen kann. Es ergibt sich also eine Frage: Wio orhalton die Zionistische Organisation und ihre Instanzen den entsprechenden Einfluß und die nötig werdende Kontrolle über den Soktor des neuen Unternehmertums in Palästina? — eine Frage, deren Beantwortung freilich mit jener der allgemeinen Stärkung der zio* Distischen Position zusammenhängt.