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Die Stimme · 1934-07-06 · Heft 367 (6.7.1934) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 367 (6.7.1934)
Date
1934-07-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 367 — 6. Jalf 1934 DIE STIMME Seite 8 Der Jiistizmiiiister gegen Radauantisemitieimis In einer Rede über Hochschulpolitik sagte am 4. d. der Justizminister Dr. S c h u s c hnigg: Aufgabe der Führung wird es sein, alles, was nur irgendwie möglich und realpolitisch vertretbar ist, zu unternehmen, um das Bodenständige, Hochwertige und Lebenswerte im Staate zu schützen und zu fördern. Klarheit tut not. Radauantisemitismus lehne ich absolut ab, wie jedes Phrasengeklingel. Mit großen Worten kann man Scheingefechte führen, die allzu leicht in Spiegelfechterei entarten. Um so größer ist dann die Enttäuschung, wenn man sieht, daß in Wirklichkeit das, was mit großem Lärm verkündet wurde, bloßes Theater war; wenn der Vorhang sich schließt, merkt man erst, daß vieles nur zum Schein gewesen ist, die wirklich zu bekämpfenden Wurzeln des Übels aber nach wie vor nicht entfernt sind. An einer anderen Stelle der Rede forderte der Minister die Bodenständigkeit für die freien Berufe. Er definierte jedoch nicht, was unter Bodenständigkeit zu verstehen ist. Die Juden, die in Wien schon zur Zeit der Kelten gelebt haben, sind hier sicherlich als Bodenständig anzusehen zum Unterschied von den Schreiern, die der Bundeskanzler kürzlich als „Hergelaufene“ abgelehnt hat. Es wird aber genau zu umschreiben sein, wann die Bodenständigkeit beginnt. Beginnt sie 1918 oder 918? Katastrophaler Zertifikate* Mangel in Wien Vom Wiener Palästina-Amt erfahren wir: Die außerordentlich geringfügige Zuteilung von Zertifikaten für die jüdischen Aliah-Bedürfnisse wirkt sich speziell in Wien geradezu katastrophal aus. Es herrschte ein außerordentlich starker Andrang von Chaluzim und Professionisten, dabei konnte das Palästina-Amt im abgelaufenen Monate bloß 42 Personen auf Chaluzim-Zertifikate nach Palästina dirigieren, während etwa 25 Personen auf Kapitalisten-Visa die Reise antraten. Seft Dezember und in einzelnen Fällen sogar seit September 1933 sind Visaansuchen unerledigt. Der Palästina-Anwärter bemächtigt sich nachgerade : V e rz w e i f 1 u n g. Besonders schwierig aber ist die Lage der. Professionisten, die bereits alle Vorbereitungen getroffen haben, mit denen sie sich in Palästina eine gesunde Existenzbasis schaffen könnten, dies aber wegen der antijüdischen Aliahpolitik der Palästina-Regierung hinausschieben müssen, bis sie ihr vorbereitetes Kapital aufgezehrt haben und ihnen dann das Land für immer versperrt bleibt. 500 zusätzliche Palästlna-Elnwanderungszertthate für Handwerker Jerusalem, 4. Juli. Wie der Ita mitgeteilt wird, hat die Palästinaregierung der Jewish Agency weitere 500 Einwanderungszertifikate für Handwerker mit einem'Eigenkapital von mindestens 250 Pfund außerhalb des Rahmens der Arbeiter-Schedulc bewilligt. Von diesen Zertifikaten sind 200 zur Verteilung in Polen, 200 zur Ausgabe in Deutschland und 100 für aus Deutsch Imul ausgewanderte Juden in verschicdi-uen Ländern bestimmt. * Die Ausgabe von zusätzlichen 500 Handwerkerzertifikaten ist das vorläufige Ergebnis von Verhandlungen, die seit einiger Zeit seitens der Palästina-Exekutive der Jewish Agency mit dem Einwanderungsamt der Palästinaregierung geführt werden. Orangenexport Palästinas ln dieser Saison: 5lA Millionen Kisten Jerusalem, 4. Juli. Nach einer soeben veröffentlichten offiziellen Statistik wurden aus Palästina im Laufe dieser Saison 5,526.097 Kisten Orangen ausgeführt. 61 Prozent des Exports gingen um '■ "• •••'!>,'>7iiut iro'b Deutschland. Palästina vor dem englischen Oberhaus Von Dr. Ignaz Schwa rzbarth (Aus einem Gespräch) Herr Dr. Ignaz Schwarzbarth, der Vorsitzende des Weltverbandes Allgemeiner Ziönisten. weilte auf seiner Durchreise aus London, wo er an der Beratung der Politischen Kommission der Jewish Agency teilnahm, einen Tag in Wien. Herr Dr. Schwarzbarth, der bei der Palästina-Debatte im englischen Oberhaus anwesend war, hatte die Freundlichkeit, sich in einem Gespräch mit unserem J. R.-Redakteur über seine Eindrücke dieser Debatte folgendermaßen zu äußern: Die letzte Palästina-Debatte in „House of Lords“ war ein Beweis dafür, daß die Araber ihre politische Offensive wieder aufgenommen haben. Die Rollen der pro-arabischen Redner waren klar verteilt. Es sprachen für die Araber: Lord T e m p l e t o w n, Lord Lammington und Earl of Harew o o d. Sie sprachen der Reihe nach über die Arbeitslage im Lande, den Bodenschutz und den Legeslativ Council. Als charakteristisches Merkmal dieser Reden konnte man feststellen, daß das politische Moment in den Vordergrund gerückt wurde: Die Grundsentenz ihrer Reden war, daß die Interessen der englischen Regierung mit der Araberfrage in Palästina verknüpft sind und daß es im Interesse des englischen Imperiums liegt, im Verhältnis zu den Mohammedanern aller Welt keine Trübung aufkommen zu lassen. Ganz anders haben die zionistisch - freundlichen Redner gesprochen: also: Lord S n e 11, Lord L i g h t o n, Lord R e a d i n g, Lord M e 1 c h e 11 und Lord Kennworth. ■Sie unterstrichen mit. Ausnahme Snells das aktuelle wirtschaftliche Problem der Juden in Palästina und erklärten, daß sie den ganzen Fragenkomplex nicht vom politischen Standpunkt behandeln wollen. Durch diese verschiedenen Gesichtspunkte war die Debatte gekennzeichnet, so daß beide Parteien An das jüdische Volk? Dreißig Jahre sind seit dem Tode Theodor Herzls verflossen, des großen, politischen Sehers und Führers unserer Nation, der vor aller Welt die Fahne der nationalen und staatlichen Wiedergeburt des wandernden Volkes erhoben hat. Theodor Herzl brachte die Not und den Freiheitsdrang des jüdischen Volkes auf die Arena der internationalen Politik; er gestaltete die Organisationsformen unserer Bewegung: den Zionistenkongreß und die zionistische Organisation; er schuf die ersten Instrumente zur Verwirklichung der Rückkehr nach Zion: den Nationalfonds und die Kolonialbank; er verkündete die große Vision der neuen jüdischen Gesellschaftsordnung im jüdischen Heimatlande, gebaut auf den Grundlagen: der Arbeit, der Brüderlichkeit und der Gerechtigkeit, er ebnete den Weg für die Anerkennung unseres historischen Rechtes auf Palästina durch die Völker der Welt, Herzls prophetische Worte über die wachsende Not der Juden in den Ländern der Zerstreuung sind leider in einem damals unvorstellbaren Maße Wirklichkeit geworden. Nicht in zurückgebliebenen und unzivilisierten Ländern, sondern mitten in Zentren europäischer Kultur tobt ein wilder, barbarischer Judenhaß, dessen Beispiel das schwärzeste Mittelalter nicht kannte. Unsere menschliche Ehre und unsere fundamentalen Daseinsrechte werden mit einer tierischen Grausamkeit zertreten; körperliche Ausrottung, wirtschaftliche Vernichtung und kulturelle Verkrüppelung, dies ist. das drohende Schwert über den Häuptern des jüdißchen Volkes der Diaspora. Die Illusion der Emanzipation ist ohne Erbarmen und ohne Hoff nung zerstört worden und dem jüdischen Volke ist einzig und allein der von Herzl vorgezeichnete Weg verblieben: die Erlösung des Heimatlandes. Nur wenige Jahre durfte sich unsere Bewegung der stolzen, weitblickenden Führerschaft Theodor Herzls erfreuen. Das große Herz, in dem die HoiTnungen von jüdischen Generationen pulsierten, hat jäh zu schlagen aufgehört; aber die Erlösungsbewegung, an deren Spitze Herzl stand, überlebte den Tod des Führers. Die Persönlichkeit Herzls ist in seinen historischen Schöpfungen verkörpert: der zionistischen Organisation und ihrem kolonisatorisch-politischen Werke. Herzls große Vision hat sich noch nicht voll verwirklichen lassen, aber die Grundlagen hierfür sind gelegt worden: durch öffentlich-rechtliche Anerkennung der Völker ist das Recht des jüdischen Volkes, in seine Heimat zurückzukehren und sie aufzubauen, gesichert worden; über eine Viertel Million Juden haben seither in Palästina Fuß gefaßt; ansehnliche Strecken Bodens sind erlöst worden; es entstand ein arbeitendes jüdisches Volk, in Landwirtschaft, Industrie und Bauwesen; die hebräische Sprache lebt wieder im Munde des Volkes in seinem Lande; die Besten der jüdischen Jugend sind als Chaluzim aus dem Golus nach Palästina gegangen; Zehntausende sind ihnen gefolgt, ein Strom jüdischen Kapitals und jüdischer Kraft hat jahrhunderte alte Wüsten urbar gemacht und die Rückkehr nach Zion ist zum Lebenstraum der Judenheit in den Ländern der Zerstreuung geworden. Erez Israel ist die Heimstätte und das einzige Rettungsland für die jüdischen Massen, die ihrer letzten Positionen in der Diaspora verlustig werden. Jedoch weit ist noch der Weg. Auf diesem Wege wird uns die ewige Erinnerung an Herzl leuchten: seine politische Lehre und sein Lebenswerk, die zionistische Organisation und ihre kolonisatorischen und politischen Schöpfungen. Durch die Sammlung aller Volksschichten unter die Fahne Zions; durch die Vergrößerung der schöpferischen Möglichkeiten der zionistischen Organisation; durch die Verstärkung ihres Einflusses und ihrer Kraft nach innen und nach außen; durch ununterbrochene Anstrengungen zum Ausbau unseres Siedlungswerkes und zur Erweiterung der Alijah; durch würdige Verteidigung unserer politischen Rechte und durch fanatische und lautere Treue zur Vision der vollen Erlösung Israels — wird die Legende Herzls zur historischen Wirklichkeit werden. Jerusalem—London, 20. Tamus 5694. EXEKUTIVE DER ZIONISTISCHEN ORGANISATION. VERJÜNGUNG, GESUNDUNG UND ERHOLUNG IM ALPENKURORTE BiAJ^C5 1083 Meter über dem Meere Radioaktivste Therme dei Welt. Verdankt seinen Weltrut den seit Iaht hunderten erzielten Heilerfolgen bei Gicht, Rheuma, vorzeitigem Altern. Blasenleiden usw. Prospekte und ärztliche Fachzeitschriften durch KURKOMMISSION BADGASTEIN A U S T K i A Anläßlich des Zweiten Kongresses der Auslandspolen in Warszawa veranstaltet das Polnische Reisebüro eine außergewöhnlich billige Fahrt in Pullmann-Wagen II. und III. Klasse für 14 Tage nach Polen FAHRPREISE * in Schillingen II. KI. III. Kl. 64.50 46*50 Wien—Petrovice—Wien . . 49.80 32.50 Wien—Krakow—Wien . . . 58.50 40.80 Wien—Rzeszow —Wien . . . 64.50 45.— Wien—Lwow—Wien .... 72.50 51.— Während der Dauer des Sonderzuges besieht Gelegenheit für außerordentl. billige Gruppenfahrten ab Warschau Visa-Gebühren gratis. Verlängerung abgelaufener polnischer Konsular-Pässe für oben gennanten Termin kostenlos Anmeldeschluß: 15. Juli 1934 Letzter Termin für Einzahlungen i 25. Juli 1934 Abfahrt von Wien: 37. Juli 1934 nachm. Rüdekehr nach Wien; 15. August 1934 früh ANMELDUNGEN UND AUSKÜNFTE: nur im Polnischen Reisebüro ApD|Cff Wien I., Kärntnerstraße 41 ||V/liD W nicht gegeneinander, sondern n ebe nein ander sprachen. Vom zionistischen Standpunkt berachtet, ist dies insofeme wichtig festzustellen, als die politischen Einwände der Gegner unerwidert blieben. Bezeichnend war, daß sämtliche Redner, die für die gerechten Forderungen der Juden, sprachen, für die Regierungskunst des High Commissionärs in Palästina wahre Huldigungsworte fanden. Diesen Umstand benützte der Vertreter, der Regierung Earl Plymouth und fing unsere Freunde mit ihren eigenen Worten. Bezeichnenderweise hat der Interpellant Lord Templetown, der pro-arabische Redner, mit keinem Worte Wauchope ehrwähnt. Allerdings kann diese Huldigung zum Teile auch als die Gepflogenheit gelten, zuerst zu loben und dann unter dem Schutzwall dieser Reverenz um so eher Kritik üben zu können. Anspruchsvolle Starkbärtige, Empfindliche, Eilige, nehmen nur die sanft-scharfe 81VINO Eine Überraschung war es im gewissen; Sinne, daß der Schwiegersohn des Königs, Lord Harewood, ebenfalls, das Wort ausschließlich für die arabischen- Interessen ergriff, obwohl er die Erklärung, vorausschickte, daß man ihm keinesfalls des Antisemitismus verdächtigen könne. Lord Harewood wies darauf hin, daß er bei seinem letzten Besuch in Palästina nach einem Zeitraum von sechs Jahren einen „p hänomenalen Fortschritt“ feststellen konnte. In diesem Zusammenhang muß daran erinnert werden, daß Lord Harewood auf seiner letzten Palästina-Reise nicht dazu zu bewegen war, das jüdische Palästina zu besichtigen, hingegen aber war er oft der Gast arabischer Notabein. Es ist daher kein Wunder, daß er sich zum Sprachrohr ihrer Wünsche hergab. Der Zufall fügte es, daß die pro-arabischen Redner der Reihe nach zu Schluß, während die pro-zionistischen Redner zu Beginn der Debatte sprachen. Sehr eindrucksvoll war die Rede Snells. Sie war die einzige, die sozusagen die Palästinafrag« vom Standpunkt der Lösung der nationalen Judenfrage behandelt hat. Sie war auch sonst nicht nur sachlich, sondern auch im Ton überaus herzlich. Der Standpunkt des Regierungsvertreters, des Earl of Plymouth, war der Ausdruck der in der letzten Zeit üblichen Deklarationen. Allerdings hat er es mit. besonderem Nachdruck unterstrichen, daß das Passfield-Weißbuch und der MacDonald-Brief an Prof. Weitzmanfi ein unzertrennliches Ganzes bilden. Der Regierungsvertreter behauptete ferner, daß es gegenwärtig 400 arbeitslose Juden und 14.000 arbeitslose Araber im Lande gibt* Diese Behauptung bildete eine große Überraschung und veranlaßte sogar Lord Reading zu einem Zwischenruf, woher denn der i Regierungsvertreter diese Daten besitze, ob Wien—Warszawa, Hinfahrt j zurück ab Krakau nach Wien j

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