Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1934-07-06 · Heft 367 (6.7.1934) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 367 (6.7.1934)
Date
1934-07-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054070-3054121--4340-3059947
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 4 DIE STIMME Nr. 367 — 6. Jntt 1984 etwa vom Hiar!» rommissionär? Lord Plymouth antwortete bloß, er glaube ja, er .«ei nicht ganz sicher. Diese Antwort gab Lord Reading Anlaß zu einer weiteren Frage, wieso denn die Regierung die Behebung des Arbeitermangels versprechen könne, wenn sie gleichzeitig Arbeitslosigkeit feststellt. Diese Zwisc.henfrage blieb ohne Antwort. Es war ferner noch zu bemerken, daß der Araberfreund Lord Templetown in seiner Rede, das Passfield-Weißbuch, die Passfield- Deklaration nannte. wodurch gewollt oder ungewollt eine Ranggleichheit, mit der Balfour-Deklaration erstrebt werden sollte. Es ist. aber noch bezeichnender, daß auch der Regierungsvertreter Lord Plymouth in seiner Antwort diese Bemerkung ohne Widerspruch wiederholt hat. Vielleicht ist auch dies bloß ein belangloser Zufall, obwohl solche Dinge von verantwortungsvollen Regierungsvertretern sehr selten von Zufällen abhanden. Dr. Schwarzbarth Ober die Lage im Allgemeinen Zionismus Über die Lage im Allgemeinen Zionismus äußerte sich Herr Dr. Schwarzbart folgen dermaßen: Der Weltverband der Allgemeinen Zionisten befindet sich noch immer in einer inneren Krise. Die Sonderbestrebungen der beiden Gruppen innerhalb des Weltverbandes haben zwar zu keiner Sonderorganisation geführt, aber die Tendenzen bestehen und wirken verwirrend. Es ist absurd, Sonderorganisationen zu fordern und gleich zeitig einen einheitlichen Verband zu wollen. Hier gibt es nur ein Entweder — Oder. Die beiden Gruppen müssen ihre Sondertendenzen aufgeben, sie müssen ihre Sonderorganisationen, soweit solche bestehen, auflösen und geeint der Festigung eines einheitlichen Weltverbandes dienen, oder aber sie müssen die Verantwortung für die Vertiefung des gegenwärtigen organisatorischen Chaos in der zionistischen Bewegung übernehmen. Die Organisation mit dem Programm des sogenannten progressiven Allgemeinen Zionismus ist ohne Inhalt, weil der soziale und politische Charakter des Programmes des Weltverbandes von beiden Gruppen gemeinsam und einhellig fixiert worden ist. Progressivität ist also kein Monopol einer Gruppe, wie diese es die öffentliche zionistische Meinung glauben zu machen versucht. Es ist klar und selbstverständlich, daß Sonderbestrebungen auch in der Gruppe B unzulässig sind. Die nächste Weltkonferenz des Welt verbandes Allgemeiner Zionisten, die vielleicht im August dieses Jahres Zusammentritt, muß endgültig Klarheit schaffen. So oder so. Ich für meine Person — erklärte Dr. Schwarzbarth — werde trotz aller Hindernisse um die Einheit des Weltverbandes kämpfen und diesen Kampf bis zum Zusammentritt der Weltkonferenz fortsetzen. Ich hoffe zuversichtlich, daß die allgemein-zionistische Bewegung, die eine Synthese der schöpferischen zionistischen Kräfte auf ihren Schild gehoben hat, der Zersetzung der Bewegung in Parteien Einhalt bieten wird. In T c 1 - A v i v wurde soeben eine Fabrik für pharmazeutische Artikel eröffnet, die von zwei in Deutschland geschulten Fachleuten geleitet wird und Medikamente herstellt, die früher nur in Deutschland produziert werden konnten. KINOPROGRAMME DER WOCHE il. |{on-.nBto.mKB8Re 7a Telephon ti 40-0-23 Gegen die Drosselung der jüdischen Einwanderung in Palästina London, 2. Juli. Das Kolonialamt teilt mit: Der Minister für die Kolonien. Sir Philip Cunliffe- L i s t e r, empfing in Anwesenheit, seines parlamentarischen Privatsekretärs Dugdale und einer Reihe Beamten dos Office eine Abordnung desJewish Board of D e p u t i e s (Vertreterschaft der englischjüdischen Gemeinden) im Unterhaus. Die Abordnung setzte sieh aus dom Präsidenten des Board Neville Laski und den Herren Israel Feldman, Sir Osmond Elim d'Avigdor G o 1 d s m i d und Isidore S a 1m o n zusammen. Die Abordnung überreichte eine a.m 10. Juni gefaßte Resolution zur Frage der jüdischen Einwanderung in Palästina. An die Überreichung schloß sich eine eingehende Aussprache. In der Resolution wird zum Ausdruck gebracht, daß der Board of Deputies die Entscheidung der Palästinaregierung über die neue Arbeitereinwanderungs-Schedulc im Hinblick darauf sehr bedauert, daß der sich dauernd verschärfende Mangel an Arbeitskräften bereits gezeigt hat, daß der Umfang der zugelassenen Arbeitereinwanderung ungenügend ist. Dieser schwere Arbeitermangel habe jetzt ein Ausmaß erreicht, das tiefe Besorgnis in bezug auf seine Folgen für die gesamte Struktur der jüdischen Kolonisation in Palästina erweckt. Der Board sei der Ansicht, daß die Einwanderungspolitik der Regierung weder mit den Bedürfnissen Palästinas noch mit denjenigen der breiten jüdischen Massen im Einklang steht. Für diese Massen ist es angesichts ihrer Notlage von lebenswichtiger Bedeutung, daß die Tore Palästinas so weit wie möglich geöffnet werden. Deshalb erwarte der Board, daß dem Grundsatz, die Einwanderung nach Palästina in den Grenzen der Aufnahmefähigkeit des Landes zuzulassen, in vollem Ausmaß Rechnung getra gen werden wird. Die Abordnung schilderte dem Minister die Stimmung innerhalb der Judenheit Palästinas und der anderen Länder angesichts der Tatsache, daß die Arbeiter-Schedulcn der Aufnahmefähig k o i t Palästinas nicht entsprechen und Palästina dadurch an der vollen Ausnutzung seiner wirtschaftlichen und natürlichen Hilfsquellen gehindert ist. Die Angelegenheit wurde hierauf in einer Aussprache in allen Einzelheiten erörtert. Die Abordnung wies nachdrücklich darauf hin, daß eine große Zahl eigens für Palästina geschulter Jugendlicher auf die Erlaubnis zur Einwanderung wartet. Der Minister gab seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß diese Frage in gründlicher und praktischer Art diskutiert wurde. Über die Grundsätze der Einwanderungs- Politik, erklärte der Minister, hätten keine Meinungsverschiedenheiten bestanden. Der Umfang der Einwanderung müsse bestimmt werden von der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes. Die in Übereinstim mung mit dieser Politik zu treffenden Ent Scheidungen, über ihre Durchführung müßten wie bisher einem an Ort und Stelle befindlichen Mann, dem High Commis s i o n e r, überlassen bleiben. Er beabsichtige, dem High Coinmissioner einen ausführlichen Bericht über die stattgefundene Besprechung zugehen zu lassen. Diese nichtssagende amtliche Mitteilung wird nur durch ihren Schluß bemerkens wert. Der Oberkommissär bleibt die entscheidende Stelle. Es ändert sich nichts. UopoMstfldter VoMino Vom (t. bis 0. Juli ATLANTIC (Die Schiffskatastrophe der „Titanic“) niif Willy Forst Wochentags 7,0. VA 7,10 Ulu, Sonnn. Feiertags 7,4 Uhr Ermäßigte Sommerprefse AUS DEM DRITTEN REICH Aus der jüdischen Presse „Davar“ (Jerusalem) kritisiert das Begleitschreiben zum Memoran dum der Jewisch Agency an die Mandats kommission ähnlich wie Dr. Schwarzbart in der Chwila, nur schärfer: „Dieses Lob der Mandatarmacht steht im. krassen Ge g e ns atz zum Geiste der vom Aktionskomitee und dem W a ad Leumi angenommenen Resolutionen und der Kenntnis der wahren Lage bei allen Zionisten. Wozu war es gut, diese Phrase zu gebrauchen? Wir Juden haben wenige Waffen in unserem politischen Kampf zur Verfügung. Die wichtigste ist, daß wir unsere Meinung der Welt mitteilen. Die Sprache des Briefes der Jewish Agency Ist geeignet, die begrenzte Macht, die unseren Protesten innewohnt, lahmzulegen. Palsätina macht sich von deutschen Medikamenten frei Jerusalem, 3. Juli. Der Verband jüdischer Ärzte in Palästina hat den restlosen Boykott deutscher medizinischer Produkte proklamiert. Dieser Entschluß fiel dem Verband um so leichter, als palästinensische Fabriken gegenwärtig medizinische Präparate produzieren, die denen in Deutschland vollkommen gleichwertig, wenn nicht gar überlegen, jedenfalls erheblich billiger als die deutschen Erzeugnisse sind. Das palästinensische „Aspizurin“ ist dazu angetan, das deutsche Monopolerzeugnis „Aspirin“ vollkommen zu verdrängen. Das hebräische medizinische Journal „Harephua“, herausgegeben vom Verband jüdischer Ärzte Palästinas, bringt eine erschöpfende Liste von in Palästina und in anderen Ländern erzeugten Medikamenten, die die deutschen Medikamente auch vom strengsten ärztlichen Standpunkt restlos überflüssig machen. „Hazioni Haklall“ (Jerusalem) birngt einen Artikel Ussischkins, der die Arbeit der Exekutive kritisiert. Die Exekutive beschränke sich darauf, dem Staats Sekretär für die Kolonien und dem General Wauhope ihre Wünsche vorzutragen und tue dies rein apologetisch. Es sei notwendig, die zionistischen Forderungen vor der englischen Öffentlichkeit zu vertreten. Das erfordere auch eine starke Aktivität des jüdischen Volkes 'wie zur Zeit von San Rerno. Die „Jüdische Rundschau“ (Berlin) schreibt über den Austritt des Misrachi aus dem Waad Leumi: „Der neue Konflikt ist ein bedauerlicher Berceis dafür, daß die Gesamtorganisation der palästinensischen Juden zu zerfallen droht... Der Hauptträger der Knesseth Jisrael war neben der Arbeiterschaft bisher der Misrachi. Die Revisionisten sind bereits vor einem Jahr ausgetreten. Wenn nun auch der Misrachi sich zurückzieht, so entsteht für den Jischuw die Aufgabe, mit der Organisation von Grund auf neu zu beginnen. Die unselige Zerrissenheit in zwei Lager, die in der letzten Zeit innerhalb des palästinensischen Judentums überhand genommen hat, zeigt sich auch in dieser Sache. Nicht äußere Kräfte und nicht der Widerstand Englands bedrohen das Palästina-Werk so sehr wie die innere Uneinigkeit.“ „Die Selbstwehr“ (Prag) schreibt: „Wir müssen einen letzten Appell an diejenigen verblendeten Menschen innerhalb der revisionistischen Organisation richten, bei denen das zionistische Pflichtbewußtsein noch nicht ganz erstorben ist und solcher Menschen gibt es noch recht viele, sie vor die Wahl stellend, sich bis zu einem befristeten Termin von dem Palästina schädigenden Revisionismus abzuwenden und im übrigen den Revisionismus selbst als eine das Gesamtjudentum bedrohende Organisation zu erklären, die mit allen erlaubten Mitteln bekämpft werden muß.“ „Der Ruf“ (Krakau) das Zentralorgan des Weltverbandes der Allgemeinen ZÄonislen, fragt, ob der Parteienkampf in Palästina bis zum bitteren Ende fortgeführt werden soll und ob die Zeit nicht endlich für eine nationale Orientierung reif sei. Eine gründliche Einkehr lue Not. Der Kampf der Parteien und die Parteiambition müssen ausgeschaltet werden. Es gibt nur eine gemeinsame Aufgabe, der sich alle widmen müssen und das ist der Aufbau Palästinas. Vielen werde diese Formel naiv erscheinen, sie zeige aber den einzigen Weg zur Gesundung der zionistischen Organisation, die am Scheidewege stehe. Ein ascher Entschluß tue not, sonst wird es zu Eine Mahnung der Reichs« Vertretung der deutschen Juden Berlin, 2. Juli. Die Reichsvertretung der deutschen Juden hat folgende K u n d g c b u n g erlassen: „In Übereinstimmung mit der großen Mehrheit der deutschen Juden und unter Zustimmung der Vertreter a 11er Organisationen hatte die Reichsvertretvmg der deutschen Juden an die verschiedenen jüdischen Gruppen die dringende Mahnung erlassen, in dieser ernsten Zeit den polemischen R i c h t u n g s k a ni p f einzustelleix. Die verschiedenen Gruppen hatten denn auch, ohne damit irgend etwas von ihrer Eigenart aufzugeben, bis vor kurzem diese gegenseitige Bekämpfung unterlassen. In letzter Zeit ist aber wieder bedauerlicher Streit ausgebrochen. Die Reiohsvertretung muß deshalb mit allem Nachdruck feststellen: Vaterländische Gesinnung und Hingabe an das deutsche Vaterland sind, ebenso wie jüdische Gesinnung und Treue gegen das Judentum, kein Sonderbesitz irgendwelcher Gruppe der deutschen Judenheit. Die Anhänger keiner Gruppe des deutschen Judentums haben es an vaterländischer Treue fohlen lassen. Keine Gruppe darf es für sich allein beanspruchen, die vaterländischen Gosam tauf gaben dos deutschem Judentums zu vertreten. Dieses Recht kommt der Reiohsvertretung der deutschen’ Juden ziu. Sie wissen es zu wahren und außzuüben.“ Die Kundgebung bezieht sich insbesondere auf den seit einiger Zeit mit Erbitterung geführten Meinungskampf zwischen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und dem Reichst) und jüdischer Frontsoldaten, wobei der R. j. F. seine vaterländische n u n g überbetonte. Es kam daß die Zionistische Vereinigung barte, daß eine Zugehörigkeit zum eine Mitgliedschaft in der Zionistischen Ver-< einigung ausschließt. Aus der Erklärung der Reichsvertretung ist ein gewisser Tadel gegen die Haltung des R. j. F. herauszulesen. Weitere Nachrichten aus Deutschland auf Seite 7 G e e i nßo weit, verlaufe« R. j. F. Österreichisch® Postsparkasse9 Geschäftsbericht 1934 Die leichte Entspannung in der Wirtschaftslage Österreichs, die gegen Ende des Jahres 1933 cingotreteu ist, konnto sich auf die geschäftliche Entwicklung der Postsparkasse im Berichtsjahr noch nicht merkbar auswirken. Immerhin weist clor Spareinlagonstand am Jahresschluß einen Zuwachs von 1Y- Millionen Schilling, die Zahl der Sparkonten eine Vermehrung um rund 10.000 aus. Ungünstiger gestaltete sieh der Scheckverkehr. Der Jahresumsatz hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 1*1 Milliarden Schilling verringert; allerdings zeigte sich auch hier in den letzten Monaten dos Berichtsjahres eine Tendenz zur Steigerung dos Geldumsatzes, dio bis in dio jüngste Zeit nnkHU Wir. A .. L .. l _ spät sein. Ferienfahrten nach Polen (4 bis 8 Wochen, mehrere Abfahrtstermine). Wer angenehme Ferien verbringen will, muß auch eine angenehme Fahrt hinter sich haben. Eine klaglose und wirklich angeuehme Ferienstützt auf lau ölen garantiert („Francopol“), gjülmge Tradition und Erfahr gefahruiig. Polnisches Reisebüro „Francopol“. Gebäude des polnischen Konsulats, Wien, III., Kennweg 1. Telephon U lü-4-90. anhält. Die Zahl der Oesehäftsfällo" hat um rund 1 Million abgenommon, die Summe der Guthaben auf den Scheckkonton hat sich weiter gesenkt. Bei den Einnahmen zeigt sich gegenüber dem Vorjahr als Folge dieses Rückganges ein namhafter Ausfall an Gebühren im Scheckverkehr; dazu kommt noch eine starke Verminderung des Zirisonerträgnisscs, dio mit der Rückzahlung einos größeren Guthabens dos Bundes und der Senkung der Bankrato zusammenhängt. So sind in der laufenden Gebarung dio Einnahmen hinter den Ausgaben um den Botrag von 1-3 Millionen Schilling zurückgeblieben. Zur Ausgleichung der Gewinn- und Vorlustrcehuung wurde dieser Betrag auf das Biinileshaltiijigskonto übertragen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.