Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 366 (3.7.1934)
- Date
- 1934-07-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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flr. 806 — 8. Juli 1934 DIE STIMME Beffl f An alle Schekelreferenten: Ehrung des Andenkens Leo Motzkins Das Hauptbüro des K. K, L. in Jerusalem wendet sich mit Schreiben vom 8. Juni 1934 an die Schekelkommissionen der einzelnen Länder mit der Anfrage, ob diese bereit wären, eine K. K. L.-Marke mit dem Bilde Motzkins zu übernehmen, die einen Wert von 10 Prozent des Schekels repräsentiert, demnach für Österreich den Betrag von 20 Groschen kostet. Die Einführung dieser Marke wäre der Ausdruck der Verehrung des verstorbenen Vorsitzenden des A. C. und langjährigen Präsidenten der Kongresse. Der Erlös aus dem Verkaufe der Marken werde für Bodenkauf zu Ehren Motzkins verwendet werden. Die Landesschekelkommission für Österreich hat in ihrer Sitzung vom 26. Juni 1934 den Beschluß gefaßt, analog den Beschlüssen der Schekelkommissionen von Erez Israel, Westgalizien, Rumänien usw. den in der Landesschekelkommission vertretenen Förderationen und Gruppen die Propagierung der Motzkin-Marke anzuempfehlen, von einer obligaten Durchführung des Beschlusses jedoch abzusehen. Sie spricht den Wunsch aus, daß alle mit der Propagierung von Schkalim sich befassenden Referenten und Werber dem Verkaufe der Motzkin- Marke ihr besonderes Augenmerk zuwenden, damit das Ergebnis dieser Aktion einen des Andenkens Motzkins würdigen Abschluß erfahre. Die Schekelreferenten werden angewiesen, diese Marken ab 4. Juli 1934 im Büro des K. K. L., I., Kärntnerstraße 28, zu beheben. Die Marke wird gegebenenfalls auf den verkauften Schekel aufgeklebt. Die Verrechnung erfolgt gleichzeitig mit der Verrechnung der verkauften Schkalim. Für die Land essehekeikomm issi on: Dr. Josef Grünberger m. p. ragend geeignet, denn die Gebirgsluft ist immer kühl und erfrischend. Kinder, welche in ähnlichen Bersiedlungen aufgezogen wurden, sind viel gesünder und von kräftigerem Körperbau als die Kinder der Ebene, ln der es für Neueinwanderer schwer ist, die besonders heiße und schwüle Luft der langen Sommerzeit zu ertragen. Durch die Besiedlung der Berge wird nicht nur eine heilige Pflicht gegenüber Erez Israel erfüllt, sondern auch ein Weg zu billiger und gesunder Kolonisation gebahnt. Zins, Geld und Kapital m Palästina Von Hermann Ellern/ Bankier in Tel~Aviv Palästina gehört zum englischen Währungsgebiet. Die Zinssätze, die von den Banken gezahlt werden, gehören zu den niedrigsten innerhalb dieses Gebietes. Die Sätze für langfristige Kapitalanlagen dagegen sind die höchsten. Der Geldmarkt Palästinas ist überfüttert, und auf dem Kapitalmarkt herrschen Zinssätze, die mit der ganzen Weltgeldlage, insbesondere nicht mit der Situation auf dem englischen Kapitalmarkt, in Einklang zu bringen sind. Während bei den Banken Millionen Pfund Sterling nutzlos herumlagen, wurde im Sommer das Standardpapier des Landes, der 7%ige Pfandbrief der General Mortage Bank Ltd., mit ungefähr 90% bewertet. Dabei handelt es sich hier zweifellos um ein Papier von unbedingter Sicherheit und erstklassiger Qualität. Wie ist es erklärlich, daß man hier im Lande noch eine Verzinsung von fast 8% erzielen konnte, während in London die 3H% Konversionsanleihe über 100 notierte? Eine neue Bergsiedlung in Erez Israel Von Georg Cantor, Jerusalem. Bisher ist in Erez Israel das Hauptaugenmerk auf Anpflanzung von Orangenbäumen gerichtet worden. Dieses führte selbstverständlich zu einer spekulativen Steigerung der Bodenpreise, da1 ja nur gewisse Bodenflächen eich für diese Kulturen eignen. Während die gesamte Siedlungstätigkeit auf die Bodenflächen in der Ebene konzentriert wurde, blieben die Berge und die Hügel von der jüdischen Kolonisation fast unberührt. Während man Mittel in der Produktion für Auslandmärkte investiert, vernachlässigt man vollständig die Obstzucht für die Deckung des eigenen Bedarfes im Lande. Es weiden jährlich viele Hunderttausende von Pfunden für importierte Früchte ausgegebem. Eine neue Bergsiedlung — nur 21 km von 'Jerusalem entfernt — soll nun speziell der Anpflanzung von Obstbäumen dienen. Dieser Ort hieß Migdal-Eder und trägt jetzt den Namen „Kfar-Etzion“. Die wirtschaftliche Basis dieser Bergsiedlung werden die Pflanzungen verschiedener Fruchtbäume bilden, die folgende Obstsorten liefern sollen: Pflaumen, Äpfel, Birnen, Mirabellen, Pfirsiche, Weintrauben, Kirschon, Beeren und Nüsse aller Arten. Ein großer Vorteil gemachter Pflanzungen liegt darin, daß der Siedlor während des ganzen Jahres gleichmäßig beschäftigt ist. Ferner werden noch folgende Hilfszweige eingeführt werden: 1. Milchwirtschaft, 2. Geflügelzucht, 8. Bienenzucht. Die Erfahrung in der Milchwirtschaft hat gezeigt, daß die Gebirgsgegenden für die Viehzucht besonders geeignet sind. Auch können im Gebirge mit Geflügelzucht weit bessere Erfolge als ln der Ebene erreicht werden. Die Bienenzucht hat in der Gebirgzone ganz besondere Vorteile, da verschiedene Bergsträucher die Bienen während des größten Teiles des Jahres mit Nahrung versorgen, so daß die Fütterung keine Kosten verursacht. Bekanntlich Bpiolen die Bionen bei der Befruchtung der verschiedenen Obstbäumo eine nützliche Rollo. Die Gebirgsluft hellt Körper und Seele. Das Klima in den Bergen ist für Nouankommondc, die zum größten Teil aus Ländern der gemäßigten Zon stammen* hervor- Seit Juli v. J. haben sich die Verhältnisse etwas gebessert. Der Kurs der Pfandbriefe hat jetzt die Parigrenze erreicht, aber auch damit ist das Zinsniveau weit davon entfernt, ein richtiges Spiegelbild der Wirtschaft des Landes zu geben. Die starke Übersättigung des Geldmarktes ist durch die große Einwanderung entstanden. Demgegenüber besteht eine Scheu vor langfristiger Kapitalanlage, die bei genauerer Prüfung durchaus unbegründet erscheint. Der Einwanderer ist zunächst überhaupt skeptisch gegenüber den wirtschaftlichen Möglichkeiten Palästinas. Jeder unbefangene Beobachter jedoch, wird recht bald von der Lebensenergie dieses Landes gepackt und gewinnt Vertrauen zu der zukünftigen Entwicklung. Vielfach wollen die ganz Vorsichtigen ihr Geld flüssig halten, um in der Zeit einer Krise billig kaufen zu können. Es ist aber auch eine alte Erfahrung, daß in einer Krise Gelder nicht gesucht, sondern angeboten werden. Die hohen Zinssätze sind überhaupt nur tragbar, und werden auch jetzt gezahlt, weil die Geschäfte gut gehen. In Krisenzeiten ermäßigt sich erfahrungsgemäß der Zinssatz. Kapitalien für Neuanlage von Unternehmungen, Bautätigkeit und Handelsgeschäfte werden kaum benötigt, da es ja das Kennzeichen einer Krise ist, daß das Vertrauen zu neuen Unternehmungen fehlt. Es ist also durchaus normal, daß in Krisenzeiten erstklassige Wertpapiere mit fester Verzinsung gesucht werden und im Kurs steigen. Selbst der kritischeste Sachkenner kann jedoch keine realen Momente finden, die die Annahme rechtfertigen, daß einer Krise bevorsteht. Es ist erstaunlich, daß selbst in zionistischen Zeitungen von der „bevorstehenden Krise“ als etwas Selbstverständliches gesprochen wird. Gewiß wachsen auch hier die Bäume nicht in den Himmel und auf die Zeit der guten Konjunktur wird es auch Rückschläge geben und eine Zeit der ruhigeren Entwicklungsfolgen. Aber daß der Weg ä la longue bergauf geht, das fühlt wohl jeder, der an der Entwicklung des Landes teilnjmmt. Das schlechte Urteil über Anlagemöglichkeiten in Palästina ist auch dem Umstand zuzuschreiben, daß das Land sich wohl geändert und entwickelt hat, die Methoden der K ap i t a 1 w e r b u n g aber noch nicht. Es ist kein Geheimnis im Ausland, daß die Banken des Landes riesige Vermögen verwalten, die nach Anlago suchen. Man kann daher nicht verstehen, daß diese Investierungen in Palästina auch gut sind, wenn das brachliegende Geld davon keinen Gebrauch macht. Wichtig ist es, die Vertrauensbasis zu schaffen und an dem Funktionieren der Kanäle zwischen Geld- und Kapitalmarkt zu arbeiten. So ontsteht dio Anomalie, daß erste und besto Gesellschaften, wie Palestino Electric Corporation, Jerusalem Electric Power, Pottash Syndicathe, nach dem Ausland gehen müssen und die Erträgnisse •dieser Gesellschaften nach dem Auslande fließen, während Millionen Depositen der Banken fast nutzlos in London brachliegen. So soll auch die Stadt Tel-Aviv mit London verhandeln wegen einer Anleihe zu dem relativ hohen Zinsfuß von 5%, während anderseits im Inlande vielleicht genügend Kapitalisten vorhanden sind, eine solche Anleihe abzunehmen. Ein Versuch müßte wenigstens unternommen werden, die Anleihe hier zu verkaufen, bevor man sich an das Ausland wendet. Es schadet dem Lande, wenn eine offizielle jüdische Behörde sich zu langjährigen Zahlungen nach dem Auslände verpflichtet, solange die Geld Situation derartig ist. Es dürfte heute durchaus die Möglichkeit zur Schaffung eines tragfähigen Kapitalmarktes gegeben sein. Die Ansätze hiefür sind vorhanden. Dann werden auch ausländische Kapitalisten bald erkennen, daß man in Palästina sein Geld gut verzinslich und relativ sicher anlegen kann. Ebenso wie man französische Wertpapiere in Paris, englische in London kauft, wird man dann dazu kommen, palästinensische Wertpapiere in Palästina durch die bereits in ausreichender Zahl vorhandenen Stellen, die sich damit befassen, wie Banken, Makler und Trustgesellschaften, zu erwerben. Ein gut funktionierender Kapitalmarkt wird der Entwicklung des Landes neue Impulse geben und wichtige industrielle Pläne können dann ausgeführt werden. Auch die überhöhten Preise auf dem Wohnungsmarkt werden dadurch die unbedingt erforderliche Korrektur erfahren. ' ' ' i-- Handbuch dev IIndustrie*, Handels- und Gewevbeuvtternehtvmmgen in Palästina — das erste nach amtlichen Daten verfaßte vollständige Nachschlagewerk seiner Art ■— ist soeben im Verlag Ludwig Nath, Wien, III., Rennweg 94, erschienen. Das Büchlein, dessen Verfasser Diplomingenieur R. Seiden, der Autor des Palästina-Informationsbuches und Mitbegründer der „Pag“ Palästina-Aufbau-Gesellsohaft ist, bringt auf 186 Seiten (Oktav) unter anderem ein alphabetisches Verzeichnis von über 2000, also aller bedeutenden Industrie-, Handels,- und Gewerbeunternehmungen Palästinas mit vollem Firmenwortlaut und Anschrift (und zwar sowohl jüdische, als auch arabische, deutsche, englische Firmen usw.), einen vorzüglichen Nachschlagebehelf zu diesem Firmenverzeichnis, ein überaus wertvolles Branchenverzeichnis (deutsch, englisch, französisch!), weitestgehend spezialisiert und besonders dadurch ausgezeichnet (und mustergeschützt), daß durch neun Unterteilungen sofort erkennbar ist, ob der betreffende Artikel von einer Firma erzeugt, importiert, exportiert, gehandelt wird usw. Motiv aus Haifa Photo Ing. Braun beschäftigen. Man müsse Opfer auch von: den Arbeitern verlangen; kleine Farmer, die 10 bis 20 Dunam bebauen und schwer ihre Familie erhalten können, können nicht Löhne bezahlen, wie Besitzer von Hunderten von Dunam. Die Histadruth vertrete nur die Berufsinteressen ihrer Anhänger. Es müsse eine nationale Instanz geschaffen werden, die unparteiisch und bindend entscheide. Beide Parteien müssen Opfer bringen. Das Problem der jüdischen Arbeit Das Warschauer „W o r t<{ schreibt, die Palästina-Regierung sei der Kapitalisteneinwanderung gegenüber „liberal“, weil sie sich davon erhöhte Einnahmen erhoffe. Gegen die Einwanderung von Arbeitern aber betreibe sie eine grausame Politik. Diese zielo darauf ab, den Kapitalisten billige arabische Arbeitskräfte zu verschaffen und gleichzeitig die jüdische Einwanderung zu drosseln. Sie werde hiebei von Kapitalisten unterstützt, die in Palästina oin Feld für die Ausbeutung billiger, nichtjüdischer Arbeitskräfte schaffen wollen. Zu dieser Frage schreibt Dr. Schmor a k in der „Zionistischen Woche“ (Lwow), es sei sehr einfach, wenn dio Arbeiterpresse die Kolonisten als Verräter bezeichne, weil manche ndchtjüdische Arbeiter Erinnerungen an die jüdische Legion ln Johannesburg, Südafrika, fand kürzlich ein Bankett zu Ehren des Oberstleutnants J. H. Patterson statt, der während des Weltkrieges in Palästina das jüdische Regiment kommandierte Oberstleutnant Patterson führte hiebei in einer Rede aus, er sei stolq darauf, daß sich das jüdische Regiment zu jeder Zeit wacker, gehalten und die besten Traditionen der, britischen Armee verkörpert habe. Das jüdische Volk könne stolz darauf sein, daß das jüdische Regiment bei der Befreiung Palästinas von den Türken eine hervorragende Rolle gespielt und so mitgeholfen habe, daß Palästina die Heimstätte für das jüdische Volk werden könne. Oberstleutnant Patterson sprach, auch über das nationalsozialistische Regime in Deutschland. Er führte aus: „Hitler hat 65 Millionen Menschen eingeredet, daß alle ihre gegenwärtigen Nöte daher rühren, daß 1%j der Bevölkerung in Deutschland Juden seien. Was kann man über eine Nation denken, dis behauptet, daß dieses eine Prozent in ihrer Mitte das Leben der Nation vernichtet habe? Wir alle wissen, daß Hitler das selbst nicht glaubt und daß das alles Humbug ist.** Oberstleutnant Patterson erzählte auch, daß er seine ehemaligen Soldaten in Palästina besucht habe, die als Landarbeiter glücklich leben und fuhr fort: „Ich habe Dinge in Palästina gesehen, die mir nicht gefallen. Ich sah Dinge, von denen mir mein „goisc her Ko p p‘* sagt, daß sie nicht in Ordnung sind. Aber trotzdem macht das Land Fortschritte und blüht auf. Durch die Anstrengungen der Chaluzim wird das Land von Jahr zu Jahr schöner. Bei jedem Besuch, den ich in Palästina mache, wächst mein Glaube an das jüdische Volk.** Mittelstandssiedlung in Haifa Alle Interessenten, die sich für die Stadtrandsiedlung bei Haifa bereits angemeldet haben, werden eingeladen, an der Dienstag, den 3. Juli laufenden Jahres, um 8 Uhr abends, im Heime der Zionistischen Bezirkssektion, II., Praterstraße 13 (Lloydhof), statt* findenden gemeinsamen Besprechung teil* zunehmen. Wichtig für Polenreisende. Zu Pfingsten findet vom 17. Mai bis 4. Juni eiuo besonders billige Reise nach Polen statt. Wegen Platzreservierung ist es notwendig, sich schon jetzt anmoldon zu wollen. Auskünfte und Anmeldungon: Polnisches Verkehrsbureau „Francopol“, Wien, in., Rennweg 1, Telephon U 16-4-90.