Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1934-07-03 · Heft 366 (3.7.1934) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 366 (3.7.1934)
Date
1934-07-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054070-3054120--4335-3059941
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite S DIE STIMME Nr. 366 — 8. Juli 1034 Jug ende che ■ Der Religionsunterricht Bei Drucklegung des Blattes Amerikas Note an Deutschland In der amerikanischen Note, mit der die deutsche Note über das Transfer-Moratorium beantwortet wird, heißt, es u. a.: Den Vereinigten Staaten sind die finanziellen Schwierigkeiten Deutschlands bekannt, doch ist die Regierung der Vereinigten Staaten der Ansicht, daß die deutsche Regierung für die Lage, in die Deutschland nun infolge der von dem Hitler-Regime betriebenen Politik geriet, in hohem Maße verantwortlich ist. Die deutsche Regierung weiß zweifellos, daß diese Politik in zahlreichen Teilen der Welt Widerstand hervorrief, der sich in verschiedenen geschäftlichen Konflikten äußerte und der vielleicht auch zu einer Verminderung der deutschen Transfer-Fähigkeit geführt hat. Die Vereinigten Staaten rechnen trotzdem damit, daß Deutschand alles tun wird, um seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die amerikanischen Zeitungen kommentieren diese Note dahin, daß die amerikanische Regierung der deutschen Regierung den Vorwurf macht, daß sie den wirtschaftlichen Niedergang Deutschlands durch die Zerstörung des jüdischen wirtschaftlichen Elementes in Deutschland und die Herausforderung der Judenheiten in den anderen Ländern 'verschuldet hat. Die Londoner „Time s‘:, die schon vor einigen Tagen die deutsche Moratoriumsnote einer vernichtenden Kritik unterzog, hatte dabei ausgeführt, Deutschland gleiche einem Menschen, der böswillig Vater und Mutter ermordet hat und dann mit dem Hinweis, daß er nun Vollwaise geworden sei, lim mildernde Umstände bittet. Kunst und Literatur Pallenbergs Tod In Anwesenheit zahlreicher Repräsentanten der Kunst sowie offizieller Persönlichkeiten erfolgte Samstag mittags im Krematorium der Stadt Wien die Einäscherung Max Pallenbergs. * Karlsbad, 28. Juni. Am Donnerstag, den 28. Juni, wurde die Leiche des verunglückten großen Darstellers Max Pallenberg nach Wien überführt. Die Leiche des bei dem gleichen Flugunfall zu Tode gekommenen Vorstehers der jüdischen Gemeinde Helsingfors Moses Skurnik wird nach Helsingfors überführt werden. Auf dem Karlsbader Jüdischen Friedhof fand für beide Verunglückten vor der Überführung eine Trauerfeier statt. Berlin, 28. Juni. Die meisten deutschen Zeitungen verzeichnen den tragischen Tod Max Pallenbergs, ohne sich in eine Wertung des Künstlers und Menschen einzulassen, nur ein Teil der deutschen Presse würdigt Pallenbergs Bedeutung und Rang auf der deutschen Bühne. „Berliner Tageblatt“ schreibt, „Max Pallenberg war als Charakterspieler und Komiker eine Erscheinung, die auf der deutschen Bühne einsam dastand“. „Frankfurter Zeitung“ erklärt, Pallenberg sei nicht nur ein großer Komiker, sondern auch ein großer Menschendarsteller gewesen. Dagegen schreibt „Berliner Lokalanzeiger“, Pallenberg habe rechtzeitig eingesehen, daß für seine, auf äußere Wirkung gestellte Komik im „Neuen Reich“ wenig Bedarf und Neigung bestehe. Er habe es jedoch nicht verschmäht, sich als Emigrant an der Neudeutschland herabsetzenden Kritik zu beteiligen. „Deutsche Zeitung“ geht noch weiter und nennt den toten Künstler eine „aha«- verische Clownnatu r“. „A n g r i f f“ erklärt, mit Max Pallenberg sei einer jener jüdischen Schauspieler gestorben, die schon für sich allein für die Wesensfremdheit des Judentums einer deutschen Kunst gegenüber sprachen. Pallenbergs Spiel verhöhnte mit brutaler Albernheit jede künstlerische Ethik. Seitdem unsere jüdische Gemeinde von Zionisten geleitet wird, ist auf dem Gebiete des Religionsunterrichtes schon sehr viel geschehen und ein gewisser Fortschritt ist unverkennbar. Die Bedeutung des Religionsunterrichtes aber wird von der zionistischen Jugend nicht immer richtig gewürdigt. Gewiß gibt es viele Kleinigkeiten, die die Schüler irritieren. Manche Lehrer sind nicht gerade pädagogische Talente und daraus resultieren primitive Kenntnisse der Schüler. Die Zahl der Abiturienten, die tadellos hebräisch lesen können, ist ja nicht allzu groß. Andere Lehrer, die wohl tüchtige Pädagogen sind, stehen ihren Schülern, die aus einer ganz entjudeten Atmosphäre kommen, vollkommen fremd gegenüber. Der Lehrplan und die Unterrichtsmethoden sind noch immer nicht radikal geändert worden und molestieren Lehrer und Schüler in gleicher Weise. Alle diese Momente führen dazu, daß der Erfolg des Religionsunterrichtes im Vergleich zum Aufwand an Zeit, Mühe und Geld als bescheiden zu bezeichnen ist. Da es also auf diesem Gebiete noch manches zu tun gibt, sollten gerade wir zionistische Jugendliche diesem Problem die größte Aufmerksamkeit zuwenden. Vor allem gilt es zu erkennen, daß auch der Lehrer mit einer Unmenge von Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Sehr viele Kinder treten dem Religionslehrer schon von vornherein mit einer gewissen Voreingenommenheit gegenüber, die sie aus dem Elternhaus oder dem Kreis ihrer Kameraden mitbringen. Das schlechte Beispiel steckt natürlich die anderen Kollegen an. Andere Schüler haben schon zu Hause sehr viel „jüdisch“ gelernt und fühlen sich daher über den Religionsunterricht erhaben. Da/S wären die Schwierigkeiten des „Materials“, Anderseits ist es aber überhaupt sehr schwer, Religion zu unterrichten. Kommt der Religiönslehrer in die Klasse, so erscheint er manchen Schülern als ein Objekt, an dem sie, die beim christlichen Lehrer schön brav sind, ihren Übermut auslassen möchten. Dazu kommt noch, daß der Umfang des Stoffes viel zu groß ist, daß der Lehrer versucht, da und dort anzupacken, und der Schüler am Ende gar nichts behält. Wie soll der Religionslehrer in ein bis zwei Wochenstunden, von denen noch ein Teil durch „Disziplinäres“ entfällt, jüdische Geschichte, hebräische Sprache, Bibel und noch vieles andere unterrichten? So ist der Religionsunterricht ein schwieriges Problem, das nicht so einfach zu lösen ist. Die Jugend sollte aber bedenken, daß der Religionsunterricht, auch wenn er noch so schlecht ist, für viele Schüler doch der einzige positive jüdische Wert ist, der ihnen fürs Leben mitgegeben wird. Wie viele hören daheim kein Wort über Judentum, Palästina oder gar Zionismus! Wie viele Schüler sind noch nie an einem Sedertisch gesessen und kennen das Judentum nur aus den „jüdischen Witzen“ und den Erzählungen jüdischer und nichtjüdischer Antisemiten. Wir Zionisten müssen aber alles positiv Jüdische unterstützen. Wir müssen auch überall für unsere nationale Ehre eintreten. Wenn der Religionslehrer zum Gespött gemacht wird, wollen viele Schüler nicht die Person X treffen, sondern das von ihm repräsentierte Judentum. Das dürfen wir nicht zulassen! Wir müssen uns vielmehr bemühen, in den Religionsunterricht unseren Geist hineinzutragen. Viele Religiönslehrer an Haupt- und Mittelschulen gestatten ihren Schülern, Referate zu halten. Das ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, den anderen Schülern zu zeigen, daß wir es mit dem Judentum ernst meinen, daß wir die jüdische Geschichte, die hebräische Sprache lieben. Man kann aber auch Referate über Erez Israel und Zionismus halten. Die Aufgabe der zionistischen Jugend ist es also, sich am Religionsunterricht möglichst aktiv zu beteiligen. Die Führer inj den Bünden mögen ihre Wanderer in diesem Sinne beeinflussen. Gleichzeitig müssen wir aber jüdischen Institutionen gegenüber und in erster Linie vor der jüdischen Gemeinde unbeirrbar die Forderung nach jüdischen Schulen erheben. In zwei Wochenstunden kann der Religionslehrer, wenn er noch so tüchtig ist, nicht alle seelischen Schäden beheben, alle Minderwertigkeitskomplexe beseitigen, die den jüdischen Schülern in sechs Tagen der Woche zugefügt werden. Das jüdische Kind gehört in die jüdische Schule! Jüdische Erziehung in einer nichtjüdischen Schule ist eine Unmöglichkeit. Bis wir aber dieses Ziel erreicht haben, müssen wir die von der jüdischen Gemeinde begründeten Bibel- und Talmud-Thoraschulen fleißig besuchen und zu Hause und in unseren Organisationen fleißig Hebräisch lernen. Insbesondere ist es die Aufgabe der zionistischen Schüler, gutwillige Lehrer gegen unbotmäßige Schülerelemente zu unterstützen. Wir wollen hoffen, daß die von der Kultusgemeinde eingeleitete Reform des Religionsunterrichtes bald durchgeführt wird. Aber auch wenn dies der Fall sein wird, bleibt der jüdische Religionsunterricht ein Torso, wenn der Jugendliche nicht zu Hause die Achtung von der jüdischen Tradition lernt. Halten die Eltern nicht die Kinder zur Pflege alles Jüdischen an, dann müssen wir zionistische Jugendliche alles unternehmen, um unsere Eltern zu „erziehen“. Das mag überheblich klingen, aber die Tatsachen beweisen, daß so manches entjudete Elternhaus durch die zionistischen Kinder wieder „jüdisch“ wurde. Die Forderungen der allgemeinzionistischen Jugend Auf der letzten zionistischen Landeskonferenz wurden die folgenden von dem Jugendbund „Sidud Zirim“ eingebrachten Resolutionen angenommen: Die Landeskonferenz beauftragt den Zionistischen Landesverband sich an das Bureau des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten mit der Forderung zu wenden, jene Mitglieder des Verbandes, die in Erez Israel nichtjüdische Arbeiter in ihren Betrieben beschäftigen, unverzüglich aus der Partei der Allgemeinen Zionisten auszuschließen. Die Landeskonferenz beauftragt den Zionistischen Landesverband die dem Judentum und dem Zionismus fern stehenden zionistischen Jugendlichen um sich zu sammeln. Die Landeskonferenz beauftragt den Zionistischen Landesverband ehestens eine landwirtschaftliche Farm zum Zwecke der Umschichtung der jüdischen Jugend zu schaffen. Der Landesverband möge Mittel und Wege finden, um diese Farm zu gründen. Die Landeskonferenz legt es den Delegierten, wie allen Sektionsmitgliedern nahe, sich für Hachscharahmöglichkelten zum Zwocke der Umschichtung der jüdischen Jugend zu interessieren. Die Landeskonferenz beauftragt den Zionistischen Landesverband alle dem österreichischen Landesverband angehörigen Zionisten den Stadtkibbuz des allgemein-zionistischen Jugendbundes Gdud Z’irim durch Vermittlung von Arbeiten aller Art zu unterstützen und in jeder Weise die Vergrößerung der städtischen Haohscharah zu fördern. Zionisten! Unterstützt den Stadtkibbuz des jüdischen Jugendbundes Gdud-Z’irim. Schäftet Arbeit! für Schneider, Schuhmacher, Tapezierer, Tischler, Elektriker, Mechaniker, Chauffeure, Friseure, Zimmermaler und Anstreicher. Wenden Sie sich bei Arbeitsvergebung aller Art an uns. Stadtkibbuz der Gdud-Z’irim Wien, II., Ferdlnandstraüe 4/9. Tel. R 45-0-91 Zionistischer Vortragshalender Dienstag, den 3. Juli 1934. 20. Bez.: Sektion XX, XX., Jägerstraßo 30, Uhr abends, Generalversammlung, Dr. Richard Pokorny: „Rasse und Judentum.“ Mittwoch, den 4. Juli 1934. 10. Bez.: Sektion X, X., Hasengasse 17, Zwanglose Zusammenkunft, 8 Uhr abends. Donnerstag, den 5. Juli 1934. 6. Bez.: Sektion VI/VIT undWizo, V., Loquaiplatz 11, Bruno Rabinowitz: Wirtschaftsmöglichkeiten in Palästina; Bericht über die Levante-Messe, 40 Uhr abends. JÜDISCHER SPORT Jacht Brown behält die WeltmeU sterschaft Im Box-FUegengewlcht Jackie Brown, der jüdische Weltmeister im Fliegengewicht, verteidigte zum dritten Male gegenüber dem französischen Meister Valentin A n g e Imann seinen Weltmeistertitel mit Erfolg. Der Turnverein „Makkabi“, H., Leopoldsgasse 3, hat, der Wirtschaftskrise Rechnung tragend, den Beitrag für alle Abteilungen auf S 1*50 monatlich ermäßigt. Montag und Donnerstag Geräteturnen, Mittwoch Gymnastik. Turnsaal: II., Leopoldsgasse 3. Turnzeit von 7 bis 9 Uhr. Ferner hat der Verein für jeden Freitag in seinem Heim eine Tischtennissektion ins Leben gerufen. Bei entsprechender Beteiligung wird auch ein Hebräisch-Kurs unter bester Leitung geschaffen. Amtliche Verlautbarungen der israelitischen Kultusgemeinde Über Anfragen gibt das Friedhofamt der israelitischen Kultusgemeinde bekannt, daß vom religionsgesetzlichen Standpunkte kein Hindernis obwaltet, Grabsteine schon nach Ablauf von 30 Trauentagen ( ) errichten zu lassen. Die P. T. Bethausvereine werden aufmerksam; gemacht, daß für die Vergrabung von alten, unbrauchbar gewordenen, hebräischen Druckschriften auf dem alten israelitischen Friedhofe in Währing, vor Durchführung des Transportes die erforderliche schriftliche Bewilligung bei dem gefertigten Amte einzuholen ist. Friedhoftamt der israel. Kultusgemeinde Wien. „Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis“, Wien, I., Kohlmessergasse 4, Tel. U 27-0-.65, gibt bekannt, daß derselbe nunmehr in dem unter dieser Adresse befindlichen Büro tätig ist und bittet die P. T. Arbeitgeber bei Bedarf von kaufmännischem und gewerblichem Personal sich an den obbezeichneten Verein wenden zu wollen. Floromalt Die Edelkraftnahrung für Allel Floromalt ist ein auf moderner, wissenschaftlicher Grundlage aus edelsten Naturprodukten zusammengesetztes, wohlschmeckendes Frühstücks- und Jausengetränkt. Floromalt für Gesundo zur Hebung der Leistungsfähigkeit und Erhaltung dei geistigen und körperlichen Elastizität. Floromalt bei Ermüdungserscheinungen zur Erfrischung der Nerven. Floromalt bei Blutarmut, Bleichsucht, Herzbeschwerden, Appetitlosigkeit, Rekonvaleszenz. Floromalt. bei schwächlichen und blutleeren Kindern zur Entwicklung der Knochengebilde. Floromalt für werdendo und stillende Mütter. Floromalt gibt neue Lebensenergion und Spannkraft und schafft Lebensfreude. Floromalt erhält jung und gesund. Floromalt einmal erprobt, wird immer verlangtl Ärztlich bestens empfohlen. Floromalt in Apotheken, Drogerien und ein- Bchließlichen Geschäften erhältlich. Floromalt Zentralbüro und Vertrieb: Wien IV. Bezugsbedingungen: Monatlich S 1.50, vierteljährlich S 4.20, ganzjährig S 16.—. Für das Ausland: Deutschland vierteljährlich RM 3.--, Tschechoslowakei vierteljührli.h Kö 24.—, Jugoslawien vierteljährlich Dinar 40.—, Polen vierteljährlich Zloty 6.50, Ungarn vierteljährlich Pengö 4.20. Rumänien viertelährllcb Lei 120.—. übriges Ausland vierteljährlich Schweizer Franken 4.50. Postscheck Konti: Österreich Nutntner D 113.546. Polen Nr. 191.199. Tschechoslowakei Nr. 500.230. Jugoslawien Nr. 40.879. Eigentümer. Verleger und Herausgeber: Zionistischer Landesverbarid für Österreich. Wien, I.. Kärntnerstraße 28. — Verantwortlicher Redakteur: Dr Rudolf Glücklich Wien. I., Kürntnerstraße 28. Druck: Vernay AG., Wien, IX., Canisiusgasse 8—10. 485323535348534823488923485348534823 ^9999999999999994

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.