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Die Stimme · 1934-07-03 · Heft 366 (3.7.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 366 (3.7.1934)
Date
1934-07-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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8e?te 4 DIE STIMME Nr. m ~ 8. Julf 1984 Sonderfahrten nach Polen :i,., Aufenthaltsdauer 4 bis 8 Wochen 8. JÜLI! PO LN. VERK. **• j “FRANCOPOL“ "1 | Wien, III., Rennweg 1 Telephon U 16-4-90 historische Gemeinschaft von drei Millibnen Juden in drückendster Armut, die Welle der Selbstmorde steigt von Tag zu Tag. Das Mandat galt nicht dem Jischuw in Palästina, so wichtig dies auch sein möge, sondern dem jüdischen Volk in der ganzen Welt.“ Transjordanien Das arabische Preßbiiro in Ägypten meldet. Emir Abdullah habe in London verlangt, daß das Mandat über Transjordanien nach dem Beispiel Iraks aufgehoben werde, und daß England sich um die Aufnahme T r a n s j o r d a n i e n s in den Völkerbund bemühen soll. Für diesen Fall habe der Emir sich bereit erklärt, für die Sicherung des durch Transjorda.nien führenden Teils der Ölleitung Mossul—Haifa Sorge zu trageai. Ferner soll der Emir bei seinen Verhandlungen mit dem Colonial Office erklärt haben, er sei bereit, jüdische Einwanderung nach Transjordanien unter der Bedingung zuzulassen, daß die Einwanderung nicht auf Grund der Balfour-Deklaration vor sich gehe. PALÄSTINA MELDET: Rücktritt Dr• Berksons Jerusalem, 28. Juni. Dr. I. B. B e r k s o n, der Leiter des Unterriehtsdepartements der Zionistischen Exekutive in Palästina, ist von diesem Posten mit Ende des laufenden Schuljahres zurückgetreten. Die drei Brüder Zondek in Palästina Jerusalem, 29. Juni. Der berühmte Gynäkologe und frühere Professor der Universität Berlin Dr. Bernhard Zondek hat die Stellung eines Leiters der Hadassah-Frauenklinik in Jerusalem angenommen. Die Palästina-Regierung hat an Prof. Zondek ein Zertifikat zur Einreise nach Palästina abgesandt. Gleichzeitig wurde seinen beiden Brüdern, den hervorragenden Internisten Hermann und Samuel Georg Zondek, die sich in Palästina niederzulassen gedenken, die Einwanderungserlaubnis erteilt. Der jüdische Nationalfonds Jerusalem, 28. Juni. Die Leistungen des Jüdischen Nationalfonds beim Aufbau Palästinas und seine Bedeutung für den Jischuw gehen aus dem statistischen Material hervor, das vom Hauptbüro des Keren Kajemeth veröffentlicht wird. Das Hauptbüro weist bei dieser Gelegenheit besonders darauf hin, daß bei der Durchführung von Arbeiten des Fonds jede parteimäßige Erwägung ausgeschlossen bleibt. Darauf stützte sich auch die Nationalfonds-Leitung, als sie sich vor kurzem an die Revisionisten mit der Aufforderung wandte, sie mögen ihre Boykott-Campagne gegen den Fonds im Ausland einstolien. Der Bodenbesitz des Keren Kajemeth umfaßt jetzt über 1,200.000 Dunarn; das ist ein Drittel des gesamten jüdischen Bodenbesitzes in Palästina. Nationalfonds-Boden wird Angehörigen der verschiedensten Schichten uncl KINOPROGRAMME DER WOCHE leopoldstödler VolksHino Telephon H 4^-0-ä'f Dienstag 3. hie Donnerstag 5. Juli Leise flehen meine Lieder mit Martha Kggerth, Hans Jaray und IfanH Moser Woühenlags 7,fl. V*s. 7*10 Uhi, Sonnu. Feiertags ‘fi4 Uhi ErmIBIgte Sommerpreise I Gruppen der jüdischen Bevölkerung zugeteilt. Ein Drittel der 00.000 jüdischen Landarbeiter und Kolonisten ist auf dem vom Keren Kajemeth erworbenen Boden beschäftigt. Gebäude von über hundert öffentlichen jüdischen Einrichtungen stehen auf Nationalfonds-Boden. 1G0.000 Dunam Land sind durch den Nationalfonds entsumpft und malariafrei gemacht worden. Rund VA Millionen Bäume wurden durch ihn gepflanzt, über 50 jüdische Siedlungen wurden durch ihn mit Trinkwasser und Bewässerungsanlagen für die Pflanzungen versorgt. 1 te Haupttätigkeit dos Nationalfonds konzentriert sich jetzt auf das Emek J e s r e e 1. das E m e k So b u 1 u n und andere geschlossene Bodenkomplexe, wo großzügige Arbeiten zur Entwicklung jüdischer Landwirtschaft, jüdischer Pflanzungen oder neuer Industrieanlagen durchgeführt werden. Die Einkünfte des Keren Kajemeth betrugen im Mai J 931 19.482 Pf mul gegenüber nur 11.916 Pfund im Mai 1933. Aus der arabischen Presse „Al Dafaa‘( schreibt, es scheine den Juden nicht zu genügen, daß hunderte Schiffe Einwanderer nach Palästina bringen. Die Juden wollen offenbar in kürzester Zeit Palästina zu einem jüdischen Land machen. Warum werden die Araber bezüglich der Einwanderung nicht um ihren Rat gefragt, wo doch der Simpson-Bericht eine derartige Kontrolle empfehle? Englische Abgeordnete, die Palästina besuchen, finden es nicht der Mühe wert, mit den Arabern zu sprechen. Die Araber haben nicht die Möglichkeiten der Propaganda, wie sie die Juden haben. „AI Islam“ beklagt sich über die schwächliche Haltung der Regierung gegenüber der illegalen Einwanderung. Die Araber müssen vernehmlich •protestieren, sonst würden sie aus einer Majorität in eine Minorität verwandelt werden und eines Tages würde man sie überhaupt aus dem Lande jagen. England solle wissen, daß ihn ein jüdisches Palästina teuer zu stehen kommen würde. „Fatastin“ schreibt, die Beschuldigungen der jüdischen Presse, daß es unter den Arabern eine Nazipropaganda gäbe, sei falsch, (ln der Zwischenzeit wird die Nazipropaganda in den arabischen Zeitungen Öffentlich betrieben, Die Red.) Die Araber brauchen keinen Faschismus. Die antizionistische Bewegung sei schon vor dem Hitlerismus dagewesen. Die Juden behaupten das Vorhandensein einer nationalsozialistischen Bewegung unter den Arabern, um den wahren Grund der arabischen Opposition gegen den Zionismus zu verschleiern. „Al Jama al Islam“ erinnert an die Aufhebung des transjordanischen Gesetzes, nach welchem Fremde keinen Boden erwerben dürfen. Der Emir Abdallah, der jetzt, nach London fahre, dürfe unter keinen Umständen die Balfour-Deklaration anerkennen oder die jüdische Einwanderung nach Palästina oder Transjordanien gut heißen. Tue er das trotzdem, dann werde er auf die heftigste Gegnerschaft des Blattes stoßen. „AI Islam“ wirft Mr. Johnson, dem Vorsitzenden des Schatzamtes der Palästina-Regierung vor, daß er mithelfe, das jüdische Nationalheim zu errichten. Er habe in Abwesenheit der arabischen Beisitzer in der Kommission für Eisenbahnangelegenheiten folgendes beschlossen: 1. Die Verlegung des Eisenbahnknotenpunktes von Ludd nach Tel-Aviv; 2. die Herstellung einer Verbindung zwischen dem Hafen von Jaffa zur Eisenbahnstation Tel-Aviv; 3. den Bau einer neuen Eisenbahnlinie zwischen Tel-Aviv und Haifa, vorbei an den jüdischen Kolonien. Für diese Arbeiten habe er aus der Anleihe 122.000 Pfund und alle Beschlüsse den arabischen Mitgliedern einfach zur Ratifikation übersendet. Organisation zur Förderung der Hebräischen Universität Zni Ehren Sir Herbert Samuels gab der Verband der Freunde der hebräischen Universität in Jerusalem einen Empfang, an dem 300 Personen teilnahmen. Der Vorsitzende des Verbandes, der Richter am Obersten Gerichtshof Palästinas, Frumk i n, richtete an die Judenheit aller Länder den Appell, eine Organisation von 10.000 Förderern der hebräischen Universität zu schaffen. Jedes Mitglied solle einen Jahresbeitrag von einem Pfund leisten. Damit werde die U nabhängigkeit der Universität g ewährleistet sein. Palästina, erklärte Richter Fmunkin, werde 10 Prozent der Mitglieder stellen. Nach einer Ansprache des Präsidenten des Jüdischen Nationalfonds, M. M. U s s i s c h k i n, wies Sir Herbert S amuel auf die besondere Bedeutung der hebräischen Universität im Zusammenhang mit der Lage in Deutschland hin. Ausweisung der Juden aus dem Dardanellengebiet Istambul, 29. Juni. Auf Anordnung der türkischen Militärbehörden sind Hunderte von Juden aus dem Dardanellongebiet, den Schwarzen- Meer-Häfen, und Thrazien a u s g e w i e s o n worden. Die Ausweisung erfolgte ohne Angabe von Gründe n und binnen so kurzer Frist, daß die von allen Seiten in Istambul eintreffemlen Juden nur ihre notwendigste Habe mit sich führen. Sie wird mit den Plänen für eine Befestigung der Dardanellen und Thraziens in Verbindung gebracht. Ferienreisen nach Polen. Unter bewährter Leitung finden am 1. und 8. Juli 1984 billige Reisen nach Polen statt, Krakau, Lemborg, Stanislaw usw. Reservierte Plätze, mäßige Preise. Näheres: Büro Pr. S. Tocker, I., Kärntnerring 12, Tel. U-40-801. Bau eines Großsenders in Jeru* salem Jerusalem, 1. Juli. Die Palästina-Regierung hat Pläne zur Errichtung einer großen Radio-Sendestation in Jerusalem ausgearbeitet. Die Reichweite des Senders soll sich über alle Länder erstrecken. Es wird berichtet, daß die nötigen Apparaturen bereits in England bestellt wurden. Ein objektives Urteil über Palästinas Wirtschaft Herr Regierungsrat Dr. Sattler- Dornbacher, Sekretär der Handols- und Gewerbekammer, der kürzlich Palästina besucht hat, hielt vor einigen Tagen in der „Urani a“ einen viel beachteten Vortrag. Der Redner sprach zunächst über die historische Entwicklung des Landes. Nur an Hand dieser Aufklärungen und Hinweise sei das große Interesse, das einem so kleinen Lande im Vorderen Orient entgegengebracht wird, zu vorstehen. Man müsse auch Einsicht nehmen in das politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben Palästinas, um die wachsende Bedeutung und die Bedürfnisse Palästinas zu vorstehon. Das Wachstum der Siedlung, der erstaunliche Ernst uncl die produktive Tätigkeit der aus allen Herren Ländern einwaiülernden Juden sind zweifellos solide Grundlagen einer ferneren wirtschaftlichen Prosperität. Herr Dr. Sattler ging dabei an den schwierigen politischen Prohlci^en, die einerseits Englands Interessen, anderseits der arabische Nationalismus schaffen, nicht achtlos vorbei. Aber es ist unbestritten, daß der wirtschaftliche Aufschwung, an dem nun auch Österreich einen immer aktiveren Anteil nimmt, zum allergrößten Teil jüdischer Initiative und j ii d i 8 o h o m Kapital zuzuschroiben ist. Die Konjunktur Palästinas ist auf dio dauernde Einfuhr von Menschen und Kapital zurüokzuflihreu. Der Vortrag, der dio gestellte Aufgabe tiefschürfend und von Sachlichkeit orfüllt löste, fand verdientermaßen lebhaftesten Beifall. b. r, Die Zionistische Bezlrkssektlon Leopoldstadt und Klub „Erez Israel" gratulieren herzlichst ihren Mitgliedern Fräulein Mela Pollak und Herrn Max Pluznik anläßlich ihrer Verlobung Dr, Otto Petschek gestorben Im Cottage-Sanatorium in V^ien verschied am 29. Juli mittags im 52. Lebensjahre der Prager Bankier und Großindustrielle Doktor Otto Petschek, Gesellschafter der Firma Petschek & Co., nach längerem Leiden. AUS DEM DRITTEN REICH Zionistische Arbeit in Deutschland wieder möglich Prag, 28. Juni. Aus Berlin eintreffende Nachrichten besagen, daß die Geheime Staatspolizei (Gestapo) die Zionistische Vereinigung für Deutschland benachrichtigt hat, daß sie ihre Büros und Heime wieder Öffnen könne; daß sie aber in Zuknuft darauf sehen müsse, daß Vorkommnisse wie die, die zur vorübergehenden Unterbrechung der zionistischen Arbeit geführt haben, sich nicht mehr ereignen. Bekanntlich geschah die Unterbrechung der Arbeit nach einem Zusammenstoß zwischen Revisionisten und anders gesinnten Zionisten auf einer gemeinsam abgehaltenen Beratung, wobei ein Revisionist die anders Gesinnten als „M a r-i x i s t e n“ und die Beratung als eine „marxis stische“ kennzeichnete. Dies gab dem „An-* griff“ Veranlassung zu zwei groß aufgemach-* ten Artikeln, in denen die zionistische und die hebraistische Arbeit in Deutschland als getarnte marxistische Arbeit denunziert wurde. Wie es heißt, haben die verantwort-* liehen Stellen des deutschen Zionismus nun-* mehr Vorkehrungen getroffen, die weitere Zusammenstöße mit Revisionisten unmöglich,' machen sollen. Die Wiederermöglichung der zionistischen Arbeit in Deutschland hat auf die jüdischen Kreise beruhigend gewirkt. Aus dem „Stürmar** Prag, 29. Juni. | In der letzten Nummer des vom Hitler-* Intimus Juilus Streicher in Nürnberg! herausgegebonen „Stürmer“ läßt sich ein gej wisser H., offenbar ein S A - F u n k t i o n ä wie folgt vernehmen: „Der Jude Alfred S e e 1 i g von Arnstein gehört zu den frechsten im ganzen Arnsteiner Land. Kürzlich sah ich mich gezwungen, ihn auf die Ortsgruppenstello zu laden. Dabei benahm er sich so herausfordernd, daß ich mich gezwungen sah, ihn etwas handgreiflich zurechtzuwoisen. Durch; den Rechtsanwalt Rosenthal in Wiirz-i burg zeigte er mich wegen angeblicher Miß-i handlung bei der Staatsanwaltschaft an, Wegen Fluchtgofahr ins Aus* land mußte Ju d S e e 1 ig in Sc h u t zh ha ft genommen werde n.“ Ebenfalls im „Stürmer“ ist folgendes zu lesen: „Frankfurt am Main. Die Stadt der Synagogen und der Rassenschando. Frankfurt- Main hat zehn Synagogen und nannte sich schon vor dem Kriego Neu-Jerusalem. Nach dem Kriege wurde es ganz besonders von Galiziern bevorzugt... Die schönsten Häuser gehörten den Juden... Dio Machtergreifung unseres Führers Adolf Hitler h a t einige vertrieben... Es kehrte etwas Ruhe ein ins Land und schon ist die Saubande frecher wiojo. Sie sagen: „Uns darf man nicht angreifen, wir stehen unter Denkmalschutz.“ Frankfurt hat einen sehr schönen Stadtwald, in welchem verschiedene Gastwirtschaften liegen. Auch die „Untorscliweinstioge“ Ist darunter, diese wird von den Frankfurter und Offenbacher Juden gern besucht. Allem Anschein nach fühlen sieh die Juden schon wogen des Namens der Gaststätte dort besonders wohl,.s“

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