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Die Stimme · 1934-07-03 · Heft 366 (3.7.1934) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 366 (3.7.1934)
Date
1934-07-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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' Nr. 866 — 8. Juli 1934 DIE STIMME Seite 8 Appellationsgericht für Stavsky-ProzeA tritt am 16* Juli zusammen Jerusalem, 28. Juni. Das Jerusalemer Appellationsgericht hat den Beginn der Verhandlung in der Berufung, die Ahraham Stavsky und sein Verteidiger Horace Samuel gegen das vom Jerusalemer Erstgericht gegen Stavsky ausgesprochene Todesurteil eingelegt haben, für den 16. Juli dieses Jahres festgesetzt. Die Verteilung der Palästina• Anleihe Jerusalem, 28. Juni. Der High Commissioner Sir Arthur W a u ch o p e hat, soeben bekanntgegeben, daß von der Zwei-Millionen-Pfund-Anleihe der Palästina-Regierung 40.000 Pfund für die Errichtung einer arabischen Handelsschule in Haifa, deren Erhaltung einzig und allein dem Regierungsbudget zu Lasten fallen wird, verwendet werden würden. — Ferner gibt der High Commissioner bekannt, daß weitere 20.000 Pfund aus dem Ertrag der Anleihe für jüdische technische Schulen ausgegeben werden würden; diese Summe wird aber den betreffenden jüdischen Institutionen nur als Darlehen gegeben werden. Anläßlich des Zweiten Kongresses der Auslandspolen in Warszawa veranstaltet das Polnie Reisiio JRBir eine außergewöhnlich billige Fahrt in Pullmann-Wagen II. und III. Klasse für 14 Tage nach Polen FAHRPREISE: in Schillingen Wien—Warszawa, Hinfahrt) zurück ab Krakau nach Wien j Wien—Petrovice—Wien . . Wien—Krakow—Wien . . . Wien—Rzeszöw—Wien . . . Wien—Lwow—Wien .... II. KI. III. Kl. 64.50 46*50 49.80 32.50 58.50 40.80 64.50 45.- 72.50 51.— Während der Dauer des Sonderzuges besieht Gelegenheit für außerordentl. billige Gruppenfahrten ab Warschau Visa-Gebühren gratis. Verlängerung abgelaufener polnischer Konsular-Pässe für oben gennanten Termin kostenlos AnmeldeschluA: 15. Juli 1934 Letzter Termin für Einzahlungen: 25. Juli 1934 Abfahrt von Wien: 31. Juli 1934 nachm. Rückkehr nach Wien: 15. August 1934früh ANMELDUNGEN UND AUSKÜNFTE: nur im Polnischen Reisebüro ADDICn Wien I., Kärntnerstraße 41 nV/IvDIJ Taylors Anfrage im Unterhaus London, 29. Juni. ImUnterhaus fragte am 27. Juni Vizeadmiral Taylor den Minister für die Kolonien, ob er in der Lage sei, die Zahl der arbeitslosen Araber in Palästina bekanntzugeben, ob er davon unterrichtet sei, daß gegen jüdische Unternehmungen, die Araber eingestellt hatten, von Juden ein Postendienst durchgeführt wurde, und ob er eine strenge Begrenzung weiterer jüdischer Einwanderung, solange eine Frage arabischer Arbeitslosigkeit bestehe, erwägen wolle. Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte: „Die Zahl der Arbeitslosen Araber betrug Ende April dieses Jahres 14.000. Es sind Fälle von Postenstehen vorgekommen; im vergangenen Monat wurden gesetzliche Bestimmungen zur Verhütung solcher Vorfälle getroffen. Der letzte Teil der Anfrage beruht,, glaube ich, auf einem Mißverständnis. Die Arbeitslosigkeit unter Arabern wird bei der Festsetzung der Halbjahrsquote für Arbeiter - Einwanderer entsprechend den Grundsätzen berücksichtigt, die in dem Briefe des Ministerpräsidenten an Dr. Weizmann vom 12. Februar 1931, der in dem offiziellen Bericht desselben Tages veröffentlicht wurde, niedergelegt sind.“ Im weiteren Verlauf der Sitzung beantwortete der Kolonienminister noch Anfragen des Abgeordneten Dr. Salter betreffend S c h a n k k o n z c s s i o n e n in P a 1 äs t, i n a, wobei der Minister darauf hinwies, daß die Vermehrung der Konzessionen in Tel-Aviv mit dem starken Wachstum dieser Stadt, die bekanntlich so gut wie keine mohammedanischen Einwohner hat, zusammen* hängt. Erklärung über die englische Palästina-Politik im Unterhaus London, 29. Juni. Eine Anfrage Viscount Templetowns im Oberhaus am 27. Juni führte eine durch den l Interstaatssekretär im Ministerium für die Kolonien Earl of Plymouth abgegebene Erklärung über die englische Palästina-Politik herbei, in der betont wird, daß England entschlossen ist, das Mandat seinem Geiste und seinem Wortlaut nach unter gleichzeitiger Berücksichtigung des Passfieldschen Weißbuches und des MacDonald-Brief e s durchzuführen. Die Anfrage bot gleichzeitig dem Mitglied des Oberhauses Lord S n e 11 Gelegenheit, in der Aussprache auf das international verbriefte Recht der Juden, ihre nationale Einheit in Palästina aufzubauen, sowie auf die Vorteile hinzuweisen, die den palästinensischen Arabern aue der jüdischen Kolonisationsarbeit erwachsen sind, während Lord R e a d i n g und Lord M e 1 c h e 11 ihre Bedenken über die Einwanderungsdrosselung im Hinblick auf die durch diese zu erwartende wirtschaftliche Schädigung Palästinas äußerten. Viscount Templetown richtete an die Regierung die Frage, ob sie jetzt bereit sei, in Anerkennung der Rechte der Araber als einer Nation Maßnahmen auf Grund der Passfield-Erklärung zu treffen. Er fragte, wie lange die Araber noch in ihrer gegenwärtigen Stellung minderen Rechts (position of inferiority) in Palästina gehalten werden sollen. Diese Anfrage Viscount Templetowns im Oberhause und die am gleichen Tage im Unterhaus von Vizeadmiral Taylor gestellte Frage, die auf ein Verbot j ü d ischer Einwanderung in Palästina überhaupt hinausgehen will, bilden offenbar die ersten Etappen des erneuten Vorstoßes der Araber-Freunde und Zionisten-Feinde in die englische Politik, den Prof. Brodetsky vor einigen Tagen in einer Beratung in London voraussagte. Zu der Anfrage Lord Templetowns nahm als Erster Lord S n e 11 das Wort, der erklärte, er spreche nicht im Namen der Labour Party, sondern im eigenen Namen. Für das arabische Volk empfinde er größte Hochachtung. Er frage: Wie sieht es in Wirklichkeit mit den Rechten der Araber aus; ist ihnen etwas zugefügt worden, das sie zu Beschwerden berechtigt? Ohne Zweifel hätten die Araber gehofft, in Palästina eine freie arabische Nation zu bilden. Zu einer Klage bezüglich ihrer von Lord Templetown zur Sprache gebrachten Stellung aber hätten sie keinen wirklichen Grund. Die Staatsmänner der Welt seien übereingekommen, daß die Juden ein Volk sind und daß Palästina der Boden für den Wiederzusammenschluß ihres Volkstums sein soll. Die Juden kämen nach Palästina nicht als Geduldete, sondern Kraft eines Rechts. Er wünschte, daß die Araber nicht nur frei wären von der Herrschaft jüdischen Kapitals, sondern auch von der des Kapitals der Effendis und von der Herrschaft der Großgrundbesitzer und Wucherer ihrer eigenen Rasse. Die Araber wären wohl beraten, wenn sie Anschluß an den jüdischen Arbeiterverband Palästinas suchten. Es sei unrichtig zu sagen, die Araber seien heute in schlechterer Lage als früher. In Wirklichkeit habe sich ihre Lage ungeheuer verbessert. Der Zionismus habe Palästina nicht ärmer gemacht. Er habe es im Gegenteil bereichert. Keineswegs habe er die Araber dem Druck der Armut stärker unterworfen. Die palästinensischen Araber konnten sich im Gegenteil einer Sicherung gegen Armut und Elend erfreuen wio kein anderes arabisches Volk in dieser Zeit. Ohne die Durchführung des zionistischen Versuchs in Palästina hätte sich die Lage der Araber in einer Zeit wirtschaftlicher Weltdepression und finanzieller Not verzweifelt gestaltet. Er hoffe, dio Araber würden sich mit der Tatsache a.b finden, daß Palästina ein Land zweier Volksstämmo sein muß, und an die Ausnutzung einer wahrhaft großen Möglichkeit herangehen. | Der Marquis of R e a d i n g lenkte die Aufmerksamkeit des Hauses auf den in Palästina herrschenden Mangel an Arbeitskräften. Von den dadurch hervorgerufenen schweren Wirtschaftsstörungen seien ebenso Juden wie Araber betroffen. Er richte an die Regierung die Bitte, alles, was sie könne, zu tun, um diese Verhältnisse zu ändern, die sonst zu ernsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Palästina führen würden. Das Anhalten der so bemerkenswerten Prosperität in Palästina werde bei Fortdauer dieser Verhältnisse unmöglich gemacht. Er ersuche deshalb die Regierung, sich mit dem High Commissioner zu beraten und Maßnahmen zur Verhütung so verhängnisvoller Folgen zu treffen. Lord M e 1 c h e 1.1 berichtete über seine Beobachtungen während einer vor kurzem nach Palästina unternommenen Reise und Die Antwort Passfield-Weißbuch und MacDonald-Brief nicht notwendig. — Legislative Auf die Anfrage Lord Templetowns und die in der Aussprache vorgebrachten Meinungen antwortete der Unterstaatssekretär für die Kolonien Earl of Plymouth mit einer die Grundsätze der englischen Regierungspolitik in bezug auf Palästina zusammenfassenden Erklärung. Die Regierung, sagte der Unterstaatssekretär, beabsichtige, das ihr übertragene Mandat sowohl dem Geiste wie dem Buchstaben nach zu erfüllen. Die P a s s f i e 1 d- Deklaration und der Brief des Ministerpräsidenten an Dr. Weizmann müßten zusammen berücksichtigt werden. Die Regierung beabsichtige nicht, von der in diesen beiden Dokumenten festgelegten Politik abzugehen und sehe es nicht als notwendig an, ein weiteres erläuterndes Statement in dieser Sache zu machen. Was die verfassungsmäßige Entwicklung in Palästina betreffe, so sei es nicht möglich gewesen, einen Legislativ Council einzusetzen. erklärte, die Stimmung sei dort weit besser als in den letzten Jahren. Ungeheuer viel könne und müsse in Palästina geleistet werden, er sehe aber nicht, wo man die Leute für diese Arbeiten hernehmen solle, wenn man die Einwanderung nicht in verstärktem Umfang zulasse. Die Aussichten seien nicht so, daß sio düstere Voraussagen bewahrheiten könnten, und es sei nicht wahrscheinlich, daß das Tempo des Fortschrittes rasch abnehmen werde. Palästina stehe am Vorabend einer großen Entwicklung; es sei ein schwerer Irrtum zu glauben, daß der Aufschwung bereits seinen Höhepunkt erreicht hat. Der Earl of Harewood setzte sich für den arabischen Bauern ein und verlangte, daß jede Anstrengung gemacht werde, um zu verhüten, daß er seines Bodens verlustig gehe. der Regierung bleiben in Kraft, eine neue Erläuterung Council und Einwanderung In dieser Angelegenheit sei es die Absicht der Regierung, sich an die vorgezeichneten Richtlinien zu halten. Es sei dies natürlich eine Sache, die sorgfältigster Erwägung bedürfe. Es werde notwendig sein, daß der High Commissioner die ganze Frage mit den Vertretern aller Gemeinschaften Palästinas bespreche. Die Zulassung von Einwanderern nach Palästina müsse bestimmt werden durch die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit des Landes. Der High Commissioner habe dargelegt, daß er es, als er seine Entscheidung traf, als seine Pflicht ansah, nicht nur die gegenwärtigen Verhältnisse des Landes, sondern auch die künftigen Möglichkeiten zu berücksichtigen. Nach diesen Erklärungen des Unterstaatssekretärs wurde der Antrag, eine neue politische Erklärung zu erlassen, zurückgezogen. Engländer für jüdische Siedlung inTransjordanien „Zulassung und Ansiedlung Als Vorsitzender einer von jüdischen Jugendorganisationen Londons veranstalteten Protestkundgebung gegen die Einschränkung der jüdischen Einwanderung nach Palästina hielt der bekannte Freund des jüdischen Palästinaaufbaus Lord S t rata o 1 gi (früher Abg. Commander Kenw o r t h y) eine Ansprache, in der er erklärte, die endgültige Lösung des Palästinaproblems liege in der Zulassung der Ansiedlung jenseits des Jordans. „Es ist richtig“, fuhr Lord Strabolgi fort, „daß das Ausmaß freien Landes in Palästina begrenzt ist, aber jenseits des Flusses liegen Ländereien, die einst die Kornkammer des Römischen Reiches waren und eine große Bevölkerung aufnehmen konnten, jetzt aber entweder völlig vernachlässigt oder nur gering kultiviert sind. Palästina scheint allein als kleines Land dem allgemeinen wirtschaftlichen Tiefstand entgangen zu sein. Der Grund hiefür lag darin, daß Energie, Mut, Geschicklichkeit und Kapital in das Land eingeströmt sind, seitdem seine Tore den jüdischen Pionieren zur Wiedererrichtung ihres Nationalheims geöffnet wurden. Die jüdischen Einwanderer haben es zu einem Bienenstock wirtschaftlicher und landwirtschaftlicher Tätigkeit gemacht. Aber mehr Arbeitskräfte sind dringend notwendig. Dennoch hat die Verwaltung die Zahl der angeforderten Einwanderungszertiflkate um 75 Prozent gekürzt. England legt den Einwanderern jedes mögliche Hindernis in den Weg. Eine solche Politik kann nicht gerechtfertigt werden.“ Der Redner übte sodann Kritik daran, daß man einerseits die Einwanderung jüdischer Pioniere, die keine Unterstützung seitens des englischen Steuerzahlers brauchen, unterbindet, anderseits aber eine Palästina-Anleihe, die die Juden gar nicht wollen, garantiert. jenseits des Jordans“ Der nächste Redner, Abg. Major Proctor, gab der Hoffnung Ausdruck, daß Palästina, ein Land, aus dem ein von Hoffnung und gläubigem Idealismus beseeltes Volk die Gespenster der Armut und Arbeitslosigkeit verjagt habe, Notleidenden aus anderen Ländern zur Zufluchtsstätte werden wird. Manche seien der Meinung, daß den Juden dort ein großer Teil des Bodens gehöre, und daß die Araber wider Gebühr verdrängt werden. Tatsächlich besitzen die Juden nur 5 Prozent des Bodens, für den sie einen Preis von etwa 100 Pfund pro Acre zahlen. Die arabischen Großgrundbesitzer, die häufig im Ausland leben, verkaufen noch immer im Geheimen Boden, allerdings zu Phantasiepreisen. „Haifa“, fuhr Major Proctor fort, „sei dazu ausersehen, ein zweites Tor nach Indien zu werden. Da der englische Einfluß in Ägypten im Schwinden begriffen sei, werde dieser neue Landweg nach Indien England vom Suez-Kanal unabhängig machen. Palästina und Transjordanien seien imstande, eine Bevölkerung von 18 Millionen Menschen zu ernähren. Die Regierung aber muß sich entscheiden, ob sie das Mandat in dem Geist durchführen will, in dem es geschaffen wurde.“ Rev. M. L. Perlzweig führte unter anderem aus: „Wir greifen das englische Volk nicht an und denken nicht an einen Bruch mit England. Wir richten nicht nur einen Protest an die Regierung, sondern gleichzeitig an das englische Volk. Wir sind in Palästina nicht zum Zweck kolonialer Ausbeutung. Was wir in Palästina wollen, ist eine im Boden wurzelnde jüdische Bauernschaft. Wir wollen nicht, daß das Jüdische Nationalheim ein neues Ghetto werde mit einer großen, stark verstädterten Bevölkerung und einer kleinen primitiven Landbevölkerung. Wir sprechen hier für Millionen, die stumm sind. In Polen lebt eine

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