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Die Stimme · 1934-07-03 · Heft 366 (3.7.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 366 (3.7.1934)
Date
1934-07-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIB STIMME Nr. 866 — 9. «Juli 1934 Billige Ferienreisen noch Polen Paßerleichterungon für polnische Staatsangehörige Abreise 10. Juli 1934 NÄHERE AUSKÜNFTE: BÜRO Or. S. TOCKER, I., Kärntnerring 12. Tel. U 40-301 möglich sein, sieh zu halten, nachdem sein einziger ernster Gegenspieler, der General Schleicher, ermordet worden ist. Vielleicht wird die Stande der letzten grauenvollen Abrechnung noch hinausgezögert bis zu dem Augenblick, da ein Statthalter Stalins mit j dankbarer Verbeugung vor seinen Weg-j bereitem das Amt von der Maas bis an die Memel übernimmt. Aber schon jetzt ist festzustellen, daß Hitler selbst in eigenster Person alles Lügen gestraft hat, was er und d i e 'S e i n e n wider die Juden gesagt haben. Viel jüdisches Blut ist von dieser „revolutionären Bewegung“ vergossen worden, Unsägliches ist den Juden Deutschlands angetan worden, und ihr Leidensweg ist noch nicht zu Ende. Aber diese Partei des Schmutzes und der Verlotterung ist von ihrem Gründer demaskiert worden. Sie steht nackt und hüllenlos in einem höllischen Gelächter der ganzen Welt. Keine Künste des Goebbels können mehr helfen und es vertiinchen, daß Hitler seine Treuesten, die sich gegen ihn verschworen hatten, beim Verrat und bei einer gräulichen Orgie überrascht hat, daß er ihnen eine Grabrede hält, die sich liest, als wäre sie aus den „Weisen von Zion“ oder aus dem „Handbuch der Judenfrage“ abgeschrieben worden. Sie sind jetzt °tot: Roehm, der die Juden Wanzen genannt hat, der blutige Fememörder Heines, der öffentlich jüdische Greise, die ins Konzentrationslager geführt wurden, angespukt und mit der Hundspeitsche geschlagen hat, und der Berliner Obergruppenführer Ernst, der die Juden per Du angeschnauzt hat — sie sind tot. Es gibt noch Strafe und Gericht, und das werden auch die, die noch leben, an sich erfahren. Nicht jeden Tag zahlt Gott die Zeche. Und da entsteht auch für Österreich eine sehr wichtige Frage. Dieser Staat ist von den Agenten dieser Gleichgeschalteten als Opfer ausersehen worden. Da in Deutschland alle einträglichen Stellen von den Kameraden besetzt, alle öffentlichen Kassen von denen okkupiert worden sind, die — so sagt Hitler — „Millionen Volksgenossen das Notwendigste zum Leben“ genommen haben, die — so sagt Hitler — „von Geldern aus dem Besitz unserer ärmsten Mitbürger Schlemmereien halten“ — da dieses in Deutschland schon vollzogen ist, so winken in Österreich einträgliche Stellen, öffentliche Kassen usw., und darum soll Österreich erobert werden. Der Kanzler Dollfuß hat sich das kaum abz umessende geschichtliche Verdienst erworben, daß er Österreich aus diesem Unglück herausgehalten hat. Aber noch treiben in Österreich diese Hetzer und Jugendverführer ihr Unwesen, lehren Knaben Bombenschmeißen und bezahlen sich mit dem Geld, das sie dem deutschen Volk gestohlen haben. Artikel gegen die Juden, gegen jüdische Ärzte, Angestellte, Kaufieute, Kinder. Sie treiben sich getarnt in den Amtsstuben herum und besudeln das Zeichen der Vaterländischen Front, schreiben und reden #on der Versöhnung rnit — mit wem? Das lese man in Hitlers Erklärungen vom 30. Juni nach. Wird der Kanzler auch mit diesen „nordisch-arischen Edelmenschen“ und ihrem Klüngel entscheidend und restlos aufräumen? Nur noch 2000 Mark für jüdische Auswanderer Berlin, 28. Juni. Die Reichsstelle für Devisenbeschaffung hat den bisher geltenden Höchstbetrag der Rarzuteilung für Auswanderer von 10,000 auf 2000 Reichsmark herabgesetzt. Von der Verfügung sind hauptsächlich jüdische Auswanderungewillige betroffen, Kerne Halbheiten, keine Unklarheiten! „Der Bauernbiindlc r“, das Organ des Niederösterreiohischen Bauernbundes, veröffentlicht in Nummer 002 eine Entschließung der Bezirksleitung Melk der Vaterländischen Fron t, in welcher die A u s b ti r g e r u n g aller J itd e n gefordert wird, welche seit 1928 das Heimntreeht in Österreich erhalten haben. Die Forderung ist — von Ethik sei hier nicht die Rede, weil dies nutzlos ist — absurd. Die Juden, um die es sich handelt, haben ihr Bürgerrecht völlig legal erworben, die meisten auf Grund der im Friedens vertrag vorgesehenen Option. Eine im antisemitischen Sinne vorgenommene Revision würde einen Konflikt mit dem Völkerbund heraufbeschwören, außerdem auch die Möglichkeit von Repressalien im Ausland gegen deutsche Optanten erzeugen. Es ist für Österreich besser, wenn dies nicht provoziert wird. Wer für sich Gerechtigkeit verlangt, darf nicht selbst Unrecht setzen. Die Forderung, um die es sich handelt, ist nationalsoziali scher Ungeist und wenn man bedenkt, was der Nationalsozialismus an Verbrechen gegen Österreich täglich verübt, dann müßte man sich eigentlich verwundern, daß eine Bezirksstelle der Vaterländischen Front solche Entschließungen faßt. Aber man darf sich nicht verwundern, wenn man sieht, wie weit der nationalsozialistische Ungeist vorgedrungen ist. Soweit, daß zum Beiepiei der „Bauernbünd- Ier“ in derselben Ausgabe die Nationalsozialisten auffordert, mit den Vaterländischen Frieden zu schließen, um gemeinsam „die jüdische Gefahr“ zu bekämpfen. Frieden mit einer Gesellschaft, über die „Osservatore Romano“, das Zentralorgan des Vatikan, schreibt: ..... Der Nationalsozialismus schlägt in Österreich mit dem Blute des Massenbrudermordes das Vaterland, reißt Abgründe auf des heimtückischen Grolles zwischen den Parteien. Er tritt die Grundsätze der Autorität mit Füßen, zerstört die Ordnung, verletzt die Religion in Gestalt der Gebote und Kirche Gottes, entwürdigt den Nationalismus zur Barbarei, beleidigt die Gefühle der Menschlichkeit und macht die mörderische Gewalttat zu einer internationalen Angelegenheit ... Es sind nicht nur Heuchler des Patriotismus, sondern Räuberhorden, Menschen, die sich selbst außerhalb des Gesetzes stellen. Die edlen Worte eines Pellico sind zu sanft, für sie reicht nur das Drastische eines Johnson aus; Patriotismus ist die letzte Zuflucht eines SohurkenJ Ein solcher Schurke, der glaubt, mit Terror die Macht zu erringen, hebt mit seiner politischen Lehrmeinung und Schule zugleich auf den Schild seine Mordtaten und den Schrecken, den er verbreitet, Lehrmeinung und Schule einer Erbärmlich kei t.“ Zum Zweck der Ausschaltung der Juden, der Besetzung ihrer Positionen durch emigrierte Sudetendeutsche wird also ein Bündnis mit Bomhenwerfern und Mördern vorgeschlagen, die nicht einmal den Milderungsgrund des Fanatismus geltend machen können, sondern sich ihre Attentate aus dem Reich bezahlen lassen. Und diese „Partei“, die der Bundeskanzler als braune Heiden, der Justizminister als bezahlte Subjekte bezeichnet, soll für den „Bauernbündler“ frere et cochon werden... Der Juden wegen. Wie sagt das römische Blatt: „Patriotismus ist die letzte Zuflucht eines Schurke n.“ Es ist nebensächlich, was die Getarnten schreiben. Es ist aber nicht nebensächlich — denn es wirkt ins Ausland — was unter der Autorität der Vaterländischen Front beschlossen und publiziert wird. Hier wird das Prestige Österreichs engagiert und die Regierung wird einschreiten müssen. Sie darf nicht zusehen, wie hier die Illegalität von einer als maßgeblich geltenden Stelle empfohlen und Unrecht gegen einen Teil der Bevölkerung gepredigt wird, gegen den nur das eine gefunden wird, daß er in der Minderheit ist. Es muß klar.gesprochen werden: Ist die Leitung d.er Vaterländischen Front mit dem Treiben in Melk und anderswo einverstanden? In Feldkirch hat der Bundeskanzler gesagt: Keine Unklarheiten, keine Halbheiten! aufwärts vorzüglich Im GRABEN-KEULER DicFoltcrJndcnKonicnt^ Prag, 29. Juni. Alle bisher in der Weltpresse und in Büchern erschienenen Erinnerungen von ehemaligen Insassen deutscher Schutzgefangene nlager stimmen darin überein, daß die jüdischen Insassen dieser Lager einer womöglich noch grausameren und schimpflicheren Rehandlung ausgesetzt sind als die nichtjüdischen. Oft werden auch Niolitjuden, wenn sie gefoltert werden, als Juden beschimpft; offenbar wollen sich die Folterer damit selbst aufstacheln. So zum Beispiel erzählt in der „Neuen Welfcbühne“ und in anderen Zeitungen ein ehemaliger Insasse des Lagers in Sonnenburg, daß der hervorragende Publizist und Pazifist Karl von Ossietzki unbeschadet seiner rein arischen Abstammung a 1 s „J u d e“ und „Jude isau“ unablässig malträtiert wird. Wie es den jüdischen Insassen selbst in den Konzentrationslagern ergeht, zeigen Berichte von Mithäftlingen. Ob es sich um das Lager C o 1 b i t z oder um D a c h a u handelt, die Methoden der Menscbenquälerei wechseln zwar, immer wieder werden neue Qualen erdacht, aber keineswegs kann von einer Abstellung dieses furchtbaren Schandmals neudeutscher Geschichte gesprochen werden. Nach allen Berichten muß man zu der Überzeugung kommen, daß alle Mißhandlungen nach einem ßohematlaohen Plan vor sich zu gehen scheinen. Ganz besonders Übel waren die Juden in Colbitz dran, die vor allem damit gequält wurden, daß man sie zu Latrinenrein igung, Leerung der Jauchegruben und noch unangenehmeren Arbeiten heranzog. Aus Dachau, dem größten Konzentrationslager in Bayern, liegen noch weit furchtbarere Berichte vor. Hier hat man nicht davor zurückgeschreckt, die Menschen zu Tode zu foltern. Zwei uns bekannte Gewährsmänner — schreibt „Sozialdemokrat“ — sagen Übereinstimmend aus, daß sie selbst nicht mißhandelt worden seien. Mißhandelt wurden Juden, Funktionäre und Gefangene, die einen besonderen Vermerk haben. Um den Zusammenhalt der Schutzhäftlinge miteinander zu verhindern, hat man in Dachau 40 bis 50 Prozent Kriminelle hineingesteckt. Der Rest der Gefangenen setzt sich zu zwei Dritteln aus KPD- und einem Drittel aus SPD-Leuten zusammen und noch etwa 80 Juden, die besonders schwer mißhandelt werden. Dr. Katz, der als Arzt in Dachau amtierte, starb im. Arrest. Er wurde nachweislich schwer mißhandelt. Solche Todesfälle werden immer als Selbstmord bekanntgegebon. Es starben auf diese Weise: der jüdische Gefangeno F l e i # o h m a n n, der boim Arbeiten in der Kiesgrube schwer mißhandelt worden ist; der jüdische Referendar Aron aus Bamberg erlag den mit Ochsenziemern erhaltenen Verletzungen. Der jüdische Kaufmann Schloß aue Nürnberg wurde derart geprügelt, daß er am 10. Mai 1034 tot aufgefunden wurde. Der Einkäufer von Tiotz, der Jude Schmitz aus Nürnberg, starb infolge schwerer Mißhandlungen. „Auf der Flucht erschossen“ wurden noch am 11. April 1933 der junge jüdische Rechtsanwalt Benario, Kahn II, Goldmaun, Kahn I (München), Dr. Strauß (München) und Direktor E. Deutsch. Zu anderer Zeit „auf der Flucht erschossen“ wurde der Jude Hausmann aus Augsburg, der Jude Gtttz aus München. In Dachau rechnet man die Zahl der dort Ermordoten auf 80. E Der Anker Allgemeine Versicherungs-Aklienges., Wien In der am 27. Juni unter dem Vorsitze des Herrn Finanzministers a. D. Dr. August Engel abgelialtenen Generalversammlung wurden die Schlußrechnungen für das Jahr 1933 genehmigt. Die Einnahmen werden mit S 30,879.09.5.23 gegen S 29,093.79.5.81 im Vorjahre, die Aktiva mit S 122,271.746.20 gegen S 106,606.181.62 im Vorjahre ausgewiesen. Der nach Dotierung der Sicherheitsreserve verbleibende Reingewinn von S 117.963.49 wird auf neue Rechnung vorgetragen Eine Rede 6oerings Nürnberg, 1. Juli. Vor einigen Tagen hat. Ministerpräsident G o e r i n g in Hesselberg in Franken an der Seite Streichers gesprochen. Er hat u. a. gesagt: „Es mag sonderbar erscheinen, daß ich hier in Franken über das internationale Judentum spreche. Denn, wenn ein Land über dieses Thema aufgeklärt ist, dann ist es — Gott sei Dank! — Franken. Wenn allzu vorsichtige Politiker glauben, sie müßten im Judenpunkt sich einer Zurückhaltung befleißigen, so wollen wir diesen Politikern sagen, daß sie diese wichtigste aller Fragen nicht verstehen. Eurem Gauleiter Streicher sage ich meinen Dank für diese seine beste Arbeit, die ich voll zu würdigen verstehe. Jeder, der als Nationalsozialist glaubt, eine Versöhnung mit den Juden sei möglich, irrt; denn diese Rasse hat nur Haß gegen unser Volk gepredigt, hat seinen Niedergang vorausgesagt. Die jüdische Frage muß ohne Mitleid zu Ende gebracht werden. Es. gibt hier nur ein klares Entweder-Oder. Nur in dieser Erkenntnis, deutscher Volks-« genösse, wirst du der Herr, anders aber, bleibst du der Sklave der Juden. S o G o tfi will, wird unsere Jugend, in klarer Erkenntnis dieser Tatsache auferzogen, haiti und entschlossen das vollenden, was wir begonnen haben. Es ist dies nickt allein eine deutsche Frage, wir haben eine Weltmission zu erfüllen. Wir werden zeigen, daß dieses verleumdete Deutschland immer noch das größte Kulturland ist.*4 Katholische Kirche und Judentuni In einem Aufsatze des Informations-i dieuebes der Ostmärkischcn Sturme Charon* einer katholischen, bewaffneten Formation, lesen wir: Die Kirche hat strenge Rassenregeln, die die Erbgesundheit fördern sollen; da ist vor allem das Verbot der Verbindung naher Verwandter bis zum dritten Grad einschließ-’ lieh. Das ist keine Schikane, sondern eine sehr vernünftige Gesundheitsvorschrift. Ferner ist die katholische Kirche seit Anbeginn scharf antisemitisch eingestellt. Kein Katholik darf sich mit einem Juden oder einer Jüdin verheiraten, unter Strafe der Exkommunikation. Jede derartige Ehe ist in den Augen der Kirche keine Ehe, sondern ein Konkubinat. Man kann sehr leicht ermesson, wie segensreich diese Vorschrift der Kirche ist, wenn man einmal einen Vergleich anstellt mit der ungleich größeren Häufigkeit von Judenehen bei anderen Konfessionen. Für einen Katholiken ist es absolut verboten, eine Ehe mit einem Nichtchristen und dazu gehören auch die Juden — einzugehen. Bei den Protestanten besteht unseres Wissens keine so strenge Vorschrift, Die Ehen zwischen Juden und Christen bedeuten somit immer Abfall des christlichen Ehepartners von seiner Religion. Diese strenge Vorschrift hat so nachhaltig gewirkt, daß auch die E h o s c h 1 i e ß u ng c n zwischen Katholiken und a us de m J u d o n t u rn Ü b o r g o t. r et e n o n viel, viel seltener sind, als etwa die Ehen zwischen Protestanten und zum Protestantismus ttbergotretenen Juden, {

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