Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 366 (3.7.1934)
- Date
- 1934-07-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Freie dieser Nummer 20 g V. b. b. Heute 8 Seiten stark JÜDISCHE ZEITUNG Taufende danken MlKOLAsc MIKOLASCh dienet Firma s«ü de« 92 Jaltre« ihres Bestandes Hille bei F es fl« wad Bruehleiden _ Stm verdien! auth Ihr Veriraue«! BnnJnnen-nllholBBch Wies», TaWslrafle 22, Tel. XI 47>1~95, R 41-0-60 Nr.' SitT^wieniTj^HwT*"^ Redaktion und Administration. Wien, > KSrntnerstraSe 28. Tal. R 27*4-85 RedaktlönSSOhluB Montag und Mlttwooh vorm. I (20. Thamus $694) | 7« Jahrgang Antijüdisdie Gesetzgebung in Palästina Jerusalem, 1. Juli. Der Arabischen. Exekutive in 'Jerusalem sind aus London Informationen zugegangen, wonach die Gesetzgebende Versammlung (Legislative Assembly) kurz nach Durchführung der jMunizipalwahlen, die eben im Gange sind, proklamiert werden soll. Das Londoner Kolonialamt habe dem gegenwärtig in London weilenden Emir Abdullah von »Transjordanien die Versicherung gegeben, daß strenge Gesetze gegen jüdische Einwanderung und Bodenverkauf an Juden in Palästina verkündet werden würden, die sich so äuswirken werden, daß die Araber in Zukunft keine Depossedierung mehr zu gewärtigen haben werden. Soweit die arabische Quelle. Die gesamte jüdische Presse befaßt sich mit der Aktion der Quäker in London, die darauf hinausgeht, in Palästina „Frieden“ in der Weise zu stiften, daß sie, die Quäker, die britischen Regierungskreise zu beeinflussen trachten, sofort einen Legislative Council zu proklamieren, die jüdische Einwanderung in Palästina der Kontrolle eines internationalen Komitees zu unterstellen und den .Verkauf von Boden an Juden zu beschränken. Ein von der Quäkerschen Conference of Friends eingesetzter Sonderausschuß hat den Kolonienminister Sir Philip Cunliffe- Lister besucht und soll von ihm die Versicherung erhalten haben, daß er es nicht zulassen wird, daß Palästina von Juden überfüllt wird, und daß der High Commissioner auch in Zukunft die Einwanderungsvorschläge der Jewish Agency nur zu einem Bruchteil berücksichtigen wird. Die hebräische Presse fordert, daß sofort eine Abordnung des Jischuw und der Jewish Agency sich. nach London begeben solle, um diesen antijüdischen Einflüssen entgegenzuwirken. * Vom Colonial Office wird bestätigt, daß die genannten zwei Herren vom Minister Sir Philip Cunliffe-Lister empfangen wurden; es wird aber entschieden bestritten, daß Sir Philip der Abordnung gegenüber Äußerungen -wie die in der palästinensischen Presse erwähnten getan habe. Sir Philip, heißt es in der Erklärung des Colonial Office weiter, habe eben erst im Unterhaus die Politik der britischen Regierung in den in Rede stehenden Angelegenheiten dargelegt, und es besteht keineswegs die Absicht, diese, Politik zu ändern. Die Meinung der zionistischen Leitung Die Zionistische Organisation in London hat, wie mitgeteilt wird, erschöpfende Kenntnis von der Quäker-Aktion, auf die die Palästina-Pre8se anspielt, Der Leiter des Quäker-Waisenhauses in Ras-el-Metn im Libanon, Daniel Oliver, und der Araber Dr. Khalil T o t a h, Leiter der Friends (Quäker) High Shool in Ramallah, Die Vorgänge, die sich am letzten Junitag in Deutschland zugetragen haben, sind einstweilen in ihrer Vorgeschichte wie im Ablauf im blutigen Dunst gehüllt! Es ist anzunehmen, daß Hitler und G o e r i n g einer Erhebung der in München versammelten Roehm-Gruppe zuvorgekommen sind. Diejenigen, die um die politischen Motive Bescheid wissen, wurden rasch „gekillt“. Sie sind stumm gemacht worden; und damit in diesem Drama nicht auch noch die „Reaktion“ fehle, wurden der macchiavellistische General Schleicher und seine mutige Frau beseitigt. Tote reden nicht, und Hitler, in einer nach aLlen Antezedentien auffallenden Harmonie mit Goering vereinigt, behält das letzte Wort. Er hat davon in einer Manier Gebrauch gemacht, die beweist, daß dieser „größte Staatsmann aller Zeiten“, dieses Weltwunder an politischer Kunst, den Kopf verloren hat. Er läßt zwei Erklärungen los, von denen jede einzelne in einem halbwegs normalen Staat genügen würde, die gesamte Regierung mit ihren Präsidenten und Amtswaltern und sonstigen Parasiten mit dem nassen Fetzen davonzujagen. Aus Gründen der Staatsraison wie des guten Geschmackes. Da läßt er erzählen: 1., daß es sich um einen Aufstand einer Sippschaft von Urningen und ihrer Lustknaben gehandelt hat; 2., daß diese Sippschaft seit den anderthalb Jahren Macht auf Volkskosten, gefressen und gesoffen hat, daß sich die Tische bogen. Von jetzt an, dekretiert Hitler, soll’s anders werden, sauberer, ehrlicher, anständiger. Denen, die das nicht glauben sollten, droht Verhaftung, Aburteilung und was so nach den Sitten des Dritten Reiches dazu gehört. Diese zwei Erklärungen reißen den aus allerlei mystischem Unfug gewobenen Vorhang wng. Man sieht ins Dritte Reich hinein, in diese blutige Höhle, in der hemmungslose Landsknechtführer ein herrliches Leben Palästina, die von einer Konferenz der Quäker im Nahen Osten beauftragt wurden, den Frieden in Palästina herzustellen, weilen gegenwärtig in London. Die Zionistische führten; man sieht, wer die waren, die den ehrlichen Namen des deutschen Volkes geschändet haben und die ganze Welt zu einer wütverbissenen Einheit gegen dieses Land zusammengefügt haben. Einige von ihnen leben nicht mehr; aber diejenigen, die sich noch im Lichte freuen, sind weiter Führer. Wahrscheinlich wollte Hitler, in der Sorge, sie könnten die Sache der Erschossenen aufnehmen und Rache üben, ihrer Solidaritätserklärung zuvorkommen und veröffentlichte deshalb die Erklärungen, die die um Roehra als moralischunsauberes Gesindel, als Staatsverräter, als Schmarotzer und Prasser diffamieren. Aber er trifft vernichtend dieses ganze System. In einer Rede an die SA.-Führer in München hat er, nach vollzogener Justifizierung, gesagt, er habe Roehm gegen viele Angriffe gedeckt. Aber diese Angriffe richteten sich ja gegen Roehms widernatürliche Veranlagung, und es sind deshalb einige Dutzend Prozesse mit ebensovielen Meineiden durchgeführt worden. Und diese Lügereien hat. Hitler gekannt! Er hat gewußt und verschwiegen, daß die SA.-Führer Unsummen für Festessen ausgaben, daß sie sich kostbare Autos zugelegt hatten, daß sie sich vor aller Öffentlichkeit betrunken haben, daß sie die Jugend unreinlich und unsauber erzogen haben. Dieses Bekenntnis legt Hitler in dem Befehl an den neuen Stabschef ab und er schafft damit die stärkste Greuelpropaganda. Er bestätigt im einzelnen und im ganzen jede Kritik. Und da ist doch am Beginn der Tätigkeit dieser schmutzigen und ekelhaften Gesellschaft gesagt worden, daß sich das deutsche Volk aus der Vormundschaft der jüdischen Rasse befreien müsse, dann sei das Paradies da. Da ist gesagt worden, daß die Judendemokratie durch das arisch-nordische Führertum ahgelöst werden müsse, dann werde das deutsche Volk von der Organisation ist nicht geneigt, dem Wirken dieser Delegation irgendwie erhebliche Bedeutung beizumessen. und Genossen Korruption gesunden. Und die eben „Erschossenen“ waren mit unter denen, die jüdische Gelehrte davongejagt haben, die die halbe Million Juden gefoltert und geschlagen, die jüdische Kinder in den Schulen körperlich und seelisch mißhandelt haben; sie waren Führer in diesem schändlichsten aller Kriege gegen eine über das ganze Reich verteilte wehr- und waffenlose Minorität; sie haben ihre SA. vor die jüdischen Geschäfte, an die das gelbe Plakat geheftet wurde, als Boykottposten gestellt; sie haben das Martyrium ausgesonnen, das über die deutschen Juden gekommen ist, sie haben das Wort vom Untermenschentum geprägt und daraus sogar ein moralisches Recht abgeleitet. Sie haben dieses System der Niedrigkeit in alle Länder verpflanzen gestrebt, für die Deutschland als Lehrmeister in Ansehen stand, und jeder Schubjak, der als „Arier“ geboren ist, hat von ihnen gelernt, sich an Juden die Schuhe abzuwischen, jüdische Friedhöfe zu zerstören, das ganze Judentum als unsauber, unehrlich, als korrupt und sexuell entartet zu verdammen und zu verachten. Und jedes einzelne Detail aus dem Arsenal dieser heroischen Kaste, aus dieser Gesellschaft der Jugendverderber, paßt jetzt auf ihre Lebensführung, und in diesem Geiste sind anderthalb Jahre eines unumschränkten Machtbesitzes erfüllt gewesen, und wie sie geschaltet und gewaltet haben, das erzählt ihr Meister in zwei Erklärungen, die ewig ein unwiderlegbares Dokument von der Schande der Zeit bleiben. Die nächste Zukunft liegt im Dunkeln. Hitler läßt zwar amtlich erklären, daß die Aktion beendet ist und daß das deutsche Volk in unerhörter Begeisterung hinter ihm stehe. Dabei knattern die Salven fort, sind Papen, Kronprinz Wilhelm und sogar der braune Prinz Auwi unter Polizeikontrolle. Hitler wird es jetzt wohl noch Julius Streicher verhaftet London, 1. Juli. Wie die „Ita« aus Berlin meldet, wurde der Herausgeber des „Stürmer s“ und Präsident des Gaues Franken, Julius Streicher, verhaftet. Nach einer weiteren Mitteilung aus Berlin wird die Verhaftung Streichers bestätigt. Rasiere dich gut und hillig Osten QunlitSis- Fabrinnt Ueberall erhältlich Hitlers Grabreden für Roehm