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Die Stimme · 1934-06-29 · Heft 365 (29.6.1934) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 365 (29.6.1934)
Date
1934-06-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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r Kt. m — 50. Juni 1034 DIE STIMME Seit* 1 1 ■i Mela Pollak Max Plu^nik Verlobte Wien, im Juni 1934 Jahresversammlung der Fester Israelitischen Kultusgemeinde Die Repräsentanz der Fester Israelitischen Rcligionsgemeindc hielt unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung ihre Jahresgeneralversammlung ab. Präsident Hofrat Samuel Stern gedachte nach der Schilderung der internationalen Lage der Judenheit in Worten warmen Mitgefühls der vielgeprüften Judenheit in Deutschland und besprach sodann die Situation der heimischen Judenheit, besonders die Berufsmöglichkeiten der jüdischen Jugend. Heute bedürfe cs nicht einer Lockerung der Traditionen, sondern im Gegenteil einer Pflege des Konservatism u s. Diesem Zweck werdo auch die im Herbst dieses Jahres erfolgende Eröffnung zweier n e u e r jüdischer Volksschulen dienen. Im Hinblick darauf, daß die Zahl der jüdischen .Volksschulkinder innerhalb von zehn Jahren von 30.000 auf 18.000 zurückgegangen ist, müsse um so mehr Bedacht darauf genommen werden, möglichst allen jüdischen Kindern die Wohltat einer religiös betonten Erziehung zuteil werden zu lassen. Der Kultusminister hat mit Genehmigung des Reichsverwesers die Einberufung der neuen Landesversammlung der Kongreßjuden heit angeordnet. Diese Landesversammlung wird berufen sein, die neue Verfassung und die neuen Gesetze der konfessionellen Verwaltung zu schaffen. In dieser Tatsache kann die Gleichberechtigungder jüdischen Konfession mit den übrigen ungarländischen Konfessionen erblickt werden. Die Pester Israelitische Kultusgemeinde konnte das letzte Verwaltungsjahr defizitfrei abschließen. Das Jahresbudget beziffert sich auf rund 4.300.000 Pengö. Afi*!osoro££»Gedenkfeier ln London Im Hauptbüro der Zionistischen Organisation in London wurde unter dem Vorsitz Dr. Chaim Weizmanns eine Gedenkfeier für Dr. Chaim Arlosoroff abgehalten. Dr. Weizmann wies darauf hin, daß Palästina das Andenken Chaim Arlosoroffs durch Errichtung von Siedlungen und anderen Einrichtungen auf seinen Namen verewigt hat. Das größte Denkmal für ihn aber sei die allen gemeinsame Empfindung, daß das Verschwinden seiner Persönlichkeit und seiner Arbeit eine große Leere zurückgelassen hat. Die Lebenden aber müßten das Werk fortsetzen. Schon am Tage nach seinem Tode, sagte Dr. Weizmann, haben wir weitergearbeitet. Die Nachricht von seinem Tode erreichte mich auf der Fahrt nach Amerika; wir, seine Freunde und Kollegen, haben die Arbeit fortgesetzt. Wir hatten und haben die Empfindung, daß wir sein Andenken am besten dadurch ehren, daß wir keinen Augenblick lang in der Arbeit einhalten, daß wir nicht argumentieren und zurückblicken, sondern das Werk fortführen. Wir haben aus seinem Tode die Lehre zu ziehen, daß wir unsere Kräfte und unsere Anstrengungen verdoppeln und verdreifachen müssen, um den durch seinen Tod erlittenen .Verlust zu überwinden. Rev. J. K. Goldbloora bedauerte es, daß der Tod Arlosoroffs Feindschaft in die zionistischen Reihen getragen hat. Es sei das erstemal, daß derartiges in der Bewegung geschehen ist. Über die Sohuldfrage hätten die Richter zu urteilen. Aufgabe der Anhänger der Bewegung sei es, sich gegenseitig nicht anzugreifen und nicht miteinander zu kämpfen, sondern die Arbeit forz/usetzen. Er wolle Dr. Weizmann daran erinern, daß Dr. Arlosoroff kurz vor seinem Tode plante, eine Round-Table- Konferenz zur Erzielung einer inneren V c r b t ä n d i g u n g zustandezubringen. In dieser Zeit der Gefahr müsse die ganze Judenheit, zum mindesten aber die zionistische Bewegung, wie ein Mann zusammenstehen. Die Juden sollen Pieracki ermordet haken! Die Ausgabe vom 19. Juni des Warschauer Hauptorgans der Nationaldemokraten „G azeta Warszawska“ wurde wegen eines Artikels beschlagnahmt, in welchem gefordert wurde, daß die Untersuchung im Zusammenhang mit dem Mord an Minister Pieracki sich auf die jüdischen Kreise erstrecken soll, da nach Meinung des Blattes die Juden ein Interesse daran hatten, Pieracki zu beseitigen. Auch die Führer der Radikal- Nationalen behaupteten T>ei ihrem Verhör, daß der Mord an Pieracki ein „Akt jüdischer Provokation“ war. „Kurjer Poranny“, das Organ des ermordeten Ministers Pieracki, meldete am 19. Juni, daß der Führer der Radikal-Nationalen, Jan Mosdorf, kurz vor dem Morde den Minister Pieracki besuchen wollte, aber von Pierackis Sekretär, Stav i s k y, den Bescheid erhielt, daß der Minister nicht vor Montag empfangen könne. Daraufhin hängte Mosdorf ab mit den Worten: „Es wird zu spät sein!“ Anderthalb Stunden später wurde Pieracki ermordet. In politischen Kreisen war man dahin informiert, daß Pieracki gute Beziehungen zu mehreren Führern der Radikal- Nationalen unterhielt, welche Tatsache den Radikalen bei ihren Angriffen auf Juden und' Sozialisten in den Straßen Warschaus ein Gefühl :der Sicherheit gab. Um so mehr hat das .etwas verschärftere Vorgehen der Regierungsorgane gegen sie in den letzten Tagen vor dem Morde die Radikal-Nationalen erbittert. In politischen Kreisen wird angedeutet, daß die Untersuchung der Hintergründe von Mosdorfs Telephongespräc-h den Schlüssel zur Aufdeckung der Affäre liefern könnte. Die Verarmung der Juden Polens Im Rahmen einer Pressekonferenz der Zentralverwa-ltung des Verbandes für Gesundheitsschutz der Juden OSE in Paris gab Doktor L. W u 1 ra a n n, Generalsekretär der polnischen OSE-Organisation „TOZ“, eine aufschlußreiohe Schilderung der gegenwärtigen Verhältnisse unter den Juden in Polen und streifte dabei die aktuellen Probleme. Was heute iim polnischen Judentum vor sich geht, führte Dr. Wulmann aus, ist keine wirtschaftliche Krise mehr, sondern eine Deklassierung und Pauperis i e r u n g, die sehr bedrohliche Formen und Ausmaße angenommen haben. Die fortdauernde akute Krise der polnischen Landwirtschaft und die dadurch für das Bauerntum und selbst für den Mattel- und Großgrundbesitz entstandenen Zahhuigsschwierigkeiten veranlaßten die polnische Regierung, ein Moratorium für die landwirtschaftlichen Schulden zu erklären. Dadurch sind Tausende von jüdischen Handelsgeschäften, die sich in den letzten Jahren so gut wie ausschließlich auf Abzahlung und Kreditgewährung eingestellt hatten, beinahe vollständig ruiniert. Die Schwächung der Kaufkraft der bäuerlichen Bevölkerung und insbesondere• die Pauperisierung der jüdischen Handelsscliicht ziehen zwangsläufig Arbeitslosigkeit, Verelendung Prof. Brodetsky wies auf die schweren Folgen hin, die der Tod Arlosoroffs für den inneren Stand der Bewegung gehabt hat. Man dürfe nicht zuviel Zeit damit verlieren, daß man über das klagt, was nicht geändert werden kann. Arlosoroffs Tod habe eine Lücke gerissen, die schwer auszufüllen sei, die aber ausgefüllt werden müsse. Ein Weg hiezu sei der, dessen eingedenk zu sein, daß wenige so sehr wie Arlosoroff die Notwendigkeit der Zusammenarbeit und der inneren Verständigung empfanden. und Paaperisiemng des jüdischen Handwerkers nach sich. Binzukommt, daß das jüngste Gesetz der. polnischen Regierung betreffend die sogenannte Reglementierung des Handwerks die wirtsohaft- Hohe und rechtliche Existenz von beinahe 50% der gesamten jüdischen Handwerksbevölkerung schwersten Gefahren aussetzt. Die wirtschaftliche Katastrophe des polnischen Judentums — fuhr Dr. Wulmann fort — wirkt sich verheerend auf die gesundheitlichen Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung aus. Hunger und soziale Krankheiten greifen immer weiter um sich. Bezeichnend ist das Anwachsen der Sterblichkeit an akuten ansteckenden Krankheiten, namentlich an Ba u c h t y p h u s, als Folge der Unterernährung und der •trostlosen sanitär-hygienischen Verhältnisse. Unter diesen Umständen, in einer Stimmung, die beinahe an Verzweiflung grenzt, entfalten Um Stawshy Die palästinensische Arbeiter-Organisation „Histadruth“ protestiert in einem plakatierten Aufruf gegen die Oberrabbiner . Kook und Jakob Me ir, sowie gegen die 110, jüdischen Führer Palästinas, die in einer; Erklärung . Stawskys Unschuld ais Teste. Tatsache, -hinstejlten. In dem Aufrufder „Histadruth“ wird erklärt, der Appell wurde nicht erlassen, um Stawsky zu ret- :ten, sondern um die Wahrheit über Mord und Mörder-zu verwischen. Unbekannte Personen brachten Inschriften an den Mauern Jerusalems an: .„Wehe dem Volke, dessen Priester Mörder schützen!“ (Wäre es nicht endlich angezeigt, diese politischen Demonstrationen pro und kontra, die Stawsky nichts nützen, einzustellen. und das. Wort den Juristen zu überlassen? Die. Red.) * Richter Valeros Minderheit** votum Das Minderheitsvotum d e s jüdischen Richters de Valero im Arlosoroff-Prozeß wird jetzt, nachdem der Gerichtvorsitzende die Erlaubnis hierzu erteilt hat, bekanntgegeben. Es lautet: „Nach sorgfältiger Prüfung dieses Falles erkenne ich auf Grund der Tatsachen folgendes zu Recht: 1. Die Attentäter gingen einige Male an dem Opfer und seiner Gattin vorbei und sahen sie an; einer von ihnen stellte sich, bevor der Angriff durchgeführt wurde, ihnen in unziemlicher Weise zur Schau. 2. Das Verbrechen geschah zu einer Zeit und an einem Orte, wo bekanntermaßen Sittlichkeitsattentate versucht und durchgeführt werden. 3. Die von Frau Arlosoroff zuerst gegebene Beschreibung der beiden Attentäter ist vollkommen verschieden von dem Aussehen sowohl Stavskys als auch Rosenblatts, bis auf eine Ähnlichkeit mit Stavsky in den Umrissen der Gestalt. 4. Frau Arlosoroff hat, wenn auch in gutem Glauben, irrige Angaben bei der Identifizierung der Angeklagten gemacht. CAFE SIILER n:-— I., SCHWEDENPLATZ die jüdischen Hilfsorganisationen eine um-» fang-reiche Tätigkeit, um den andauernden Zerstörungsprozessen en tgag-enzu wirk eil. Es bedarf einer enormen Kraftanstrengung und einer hingebungsvollen Arbeit-, um hier Aufbauendes zu leisten und die bereits bestehenden Institutionen für soziale Hilfe zu erhalten. Dabei ist zu bedenken, daß die au an ländischen Mittel für diese Hilfearbeit in der letzten Zeit in beträchtlichem Rückgang begriffen sind, so daß der größte Teil der erforderlichen Mittel von der jüdischen Bevölkerung Polens selbst aufgebracht werden müssen. Hervorzuheben ist die schulärztliche Tätigkeit des „TOZ“, die über 40.000 Kinder, sowie die Speisungsaktion, die gegenwärtig zirka 30.000 Kinder umfaßt. Besondere Aufmerksamkeit erfordert der Gesundheitsschutz der Säuglinge und der schwangeren Mütter. Dr. Wulmann hob besonders die O p f e rfreudigkeitundOpferwilligkeitl selbst der ärmsten Schichten, der jüdischen Bevölkerung Polens hervor. Er mahnte die jüdische Öffentlichkeit Westeuropas und der Länder in Übersee, den Nöten der polnisch-jüdischen Bevölkerung erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. 5. Das Alibi der Angeklagten ist ausreichend nachgewiesen, 6. Die Staatsanwaltschaft konnte keinerlei wesentliche Verbindung!' zwischen Stavsky und Rosenbla t nachweisen. 7. Das von der Staatsanwaltschaft angenommene Mordmotiv wurde nicht erwiese n.. Unter diesen Umständen bin ich bei deö Gesamtbetrachtung des Falles zu folgenden Schlüssen gelangt: Das Verbrechen war, kein politisches, es handelt sich höchstwahrscheinlich um einen Überfall aus, sexuellen Motiven. Keiner der Angeklagten stand mit dom Mord irgendwie im Zusam-, menhang. Deshalb erkläre ich siej der ihnen zur Last gelegten Tat nicht schuldig und spreche siel' frei. Gez. de Valero, 15. Juni 1934.“ Ein technologisches Institut für TeUAviv Jerusalem, 25. Juni. In T e 1 Aviv soll ein hebräisches technologisches Institut errichtet werden. Das Budget soll jährlich 30.000 Pfund betragen, Ussischkin Ehrendoktor der fit« disch-theologlschen Hochschule in New York Jerusalem, 25. Juni. M. M. Ussischkin, Präsident des Jüdischen Nationalfonds, hat soeben das Diplom seiner Ernennung zum Ehrendoktor der Jüdisch- Theologischen Hochschule in New York erhalten. Die Legende von arabischen und jüdischen Kantonen in Palästina London, 24. Juni. Die arabische Presse in Palästina wandte sich in der letzten Zeit in scharfen Artikeln gegen einen angeblich bestehenden Plan, Palästina in arabische und jüdische Kantone einzuteilen, über welchen Plan der Emir Abdullah von Transjordanien in' AUS POLEN Palästina meldet: ZIONISTEN! JUDEN! Schicket Eure Kinder über die Ferien auf das Sommerlager des Gdud-Z’irim, in Reichramming, Oberösterreich. Das Lager wird von den bewährtesten Führern de* Jugendbundes geleitet.

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