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Die Stimme · 1934-06-29 · Heft 365 (29.6.1934) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 365 (29.6.1934)
Date
1934-06-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 3 DIE STIMME Nr. 365 — 29. Juni 1935 nichtet und mit ihren Elementen etwas von | gegen die Bücherverbrennungen übersenden, sich aus erschafft, das ihre Albernheit mit; Darauf erklärte Meyer, ee habe eine Zeit geder Albernheit der Zuschauer, denen der-1 geben, wo Toller selbst Schriftartiges gefällt, zusammenpreßt zu dem harsteiler verfolgt, habe. Toller wies ten Schneeball dieser Komik, den er dem; diese Anschuldigung zurück und mannte Peter Meyer, von dessen schriftstellerischen Leistungen er übrigens noch nie etwas gelachenden Wesen da unten ins Gesicht pfeffert, In der Erinnerung flüchtet man immer wieder zu jener delikaten, tiefen, schauspielerisch schlechthin vollkommenen Gestalt, des Direktors in „Sechs Personen“. Das ist der Künstler Pallenberg, dessen Typus, wenn man ihn in die Geschichte der österreichischen Judenheit. einordnen will, der des „M a r s c h a 1 i k“ ist, wie man die populären Spaßmacher auf den Hochzeiten der Reichen im Osten nannte — letzter lebender Hofnarr, der einer Hochzeit versammelten, reichen oder armen Judenmenge in seinen Spässen schwere gallige Wahrheiten versetzen kann, armer Luftmensch, der er ist. wenn es nicht gerade eine „Chassene auszurichten“ gibt. Dieser Marschalik ist der Ahnherr Pallenbergs und mit ihm emporgewachsen in die Sphäre der großen Komödie, dort wo Molieres Typen det* lächerlichen, gebrechlichen Menschen umgehen und wo beim Aristophanes und Shakespeare noch große Aufgaben für ihn warten. Internationaler Pen-Klub Edinburgh, 22. Juni. Der Kongreß des Internationalen Pen-Klubs nahm eine Resolution an, die dahin lautet, daß es im Interesse des Fortschritts der Welt liegt, daß freie Kritik an Verwaltungen und Institutionen geübt werde. Der italienische Delegierte Signor Marinetti, der Führer der Futuristen- Bewegung, der als einziger gegen diese gegen die faschistische Staatsform sich richtende Resolution stimmte, erklärte im Verlauf der Diskussion während eines scharfen Wortwechsels mit dem französischen Delegierten Benjamin C r e m i e u x, einem Juden, daß ee „in Italien keinen Antisemitismus und keine Judenfrage gib t“. Der Zusammenstoß zwischen Cremieux und Marinetti war eo heftig, daß der katalanische Vorsitzende beide zur Ordnung rief. Nachher kam es zu einem weiteren Wortwechsel zwischen Ernst Toller und dem schweizerischen Delegierten Peter Meyer. Toller hatte beantragt, die Tagung möge der deutschen Regierung einen Protest gegen die Inhaftierung von Schriftstellern und hört, habe, einen Lügner. Schließlich wurde Tellers Antrag fast einstimmig angenommen. Das deutsche Flaggenlied und sein Dichter Vor einigen Tagen, bei der Feier der Seeschlacht vom Skagerrak, bildete den Höhepunkt das Absingen des deutschen Flaggenliedes: „Stolz weht die Flagge schwarz-weiß-rot“ mit dem Wiederholungsreim: ..hr wollen wir ergeben sein Getreu bis in den Tod, Ihr woll’n wir unser Leben weih’n Der Flagge schwarz-weiß-rot.“ Hiezu schreibt man dem „Prager Tagblatt“: Auf dem jüdischen Fried: hof in Berlin-Weißensee befindet sich ein Denkmal mit folgender Inschrift: Robert Linderer, geh. 25. November 1824, gest. 16. Dezember 1886. Hier ruht der Dichter des Flaggenliedes, mit dem die deutschen Matrosen für den Sieg und Ruhm des Vaterlands kämpfen und sterben. Im Weltkrieg. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin. Das Grab liegt in der Abteilung 1, Feld H, Reihe 18, und trägt die Nummer 5522. Rückgang der Juden ln der Schweiz Zürich, 25. Juni. In der neuen Auflage des Buches des Züricher Regierungs- und Ständerates Dr. Oskar Wettstein „Die Schweiz“ wird mitgeteilt, daß nach der Volkszählung von 1930 in der Schweiz 17.930 Juden lebten, das sind 0*4 Prozent der Bevölkerung, während 1910 und 1920 ihr Anteil 05 Prozent ausmachte. Ihr Anteil ist in rückläufiger Bewegung und wieder auf den Stand von 1900, also vor 30 Jahren, zurückgekehrt. In Zürich wurden 1933 insgesamt 112 Juden eingebürgert gegen 160 im Jahre 1932 und 121 im Jahre 1930. Davon waren 45 in der Schweiz, 23 in Deutschland und 44 in anderen Ländern geboren. Seit 1913, also seit 20 Jahren, wurden in Zürich 1786 Juden eingebürgert. Schwere Lage der Juden in Italien In Zusammenhang mit der vor mehreren Wochen erfölgten Verhaftung einiger jüdischer junger Leute, unter ihnen auch Zionisten, die in eine anti-faschistische Aktion verwickelt waren, hat sich die politisch-geistige Lage der, Juden Italiens gegen früher merkbar verschärft. In einem Teil der italienischen Presse erschienen scharfe antisemitische Artikel und auch in der faschistischen Gesellschaft wuchs eine antijüdische Stimmung. In den letzten Tagen hat die faschistische Pressezensur an die italienischen Zeitungen die Weisung ergehen lassen, die in Verbindung mit dieser Angelegenheit geführte Campagne einzustellen. Die Lage in Lettland Riga, 25. Juni. Zwanzig Mitglieder des jüdischen Komitees zum Boykott deutscher Waren wurden vor den .Untersuchungsrichter geladen. Jeder von ihnen mußte sich schriftlich verpflichten, während der Dauer der Untersuchung Lettland nicht zu verlassen. Die lettländische Regierung hat Maßnahmen zur Unterdrückung der antisemitisch-faschistischen Bewegung durchgeführt. Als die umgebildete Regierung Ulmanis am 15. Mai das neue Regime proklamierte, beeilten sich die antisemitischen Faschisten, der neuen Regierung ihr Vertrauen auszudrücken; unter der Oberfläche aber setzten sie ihre gegen den Staat gerichtete umstürzlerische Tätigkeit fort. Ihr Ziel blieb nach wie vor, sich der Staatsmaschinerie zu bemächtigen und ihren Führer Z e 1 m i n zum Diktator zu machen. Der Regierung gelang es, das Komplott aufzudecken. Eine Geheimsitzung der antisemitischen Faschisten wurde ausgehoben und etwa 60 Personen verhaftet und vom administrativen Gericht summarisch abgeurteilt. Weitere 30 Faschisten, unter ihnen alle Führer, werden vom Kreisgericht abgeurteilt werden. Laut einem soeben erlassenen Gesetz ist lettisch die alleinige offizielle Sprache in allen Staatsinstitutionen; lettische Bürger haben sich im Verkehr mit denselben einzig der lettischen Sprache zu bedienen. Bei Ausländern wird eine Ausnahme gemacht. NEU ERSCHIENEN-- Z.F. 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Zerschmetterte Fensterscheiben waren zurückgeblieben, eine gesprengte Brücke, ein verlassenes Gotteshaus, und eine einzelne Frau, sie litt an kranken Füßen und hatte sich beharrlich geweigert, mitzukommen. Sie hütete die Stille, das grausige Schweigen. Außerhalb der Stadt floh der Nebel in Auflösung und die Flüchtlinge flohen hinterher. Ein schwacher Wind strich über die Landstraße vor ihnen her. Schon sahen sie die schwarzen Umrisse der Karpathenberge, als sich gegen sechs Uhr morgens eine fiebernde Stille über sämtliche Wagen legte. Wer sich umdrehte, erblaßte, zog den Kopf ein, wandte die Augen schnell wieder nach vorn. Furcht ergriff die Menschen, seihst die Pferde unterließen ihr rasselndes Wiehern und sträubten ihre Mähnen. Die Räder ratterten ausgedörrt und würgend. Kalt lief es den Flüchtlingen über den Rücken. Die Fischmanns wurden einen Schein blasser, als sie hinter sich die Reiter gewahrten. Immer kleiner wurde der Abstand. Je näher die reitende Gruppe kam, desto sicherer wurde die Gewißheit, daß es Russen waren. Sie hatten lange Lanzen, mit flatternden Fähnchen. Die Pferde waren niedrig und flink. Von den nahen und trotzdem ach so fernen Bergen winkten die hellen Gipfel herunter auf die, aus militärstrategischen Gründen vor Jahren angelegte Straße. Rechts lag ein Wald und links standen ein paar einsame Bauerngehöfte. Bäuerinnen, nur mit Rock und Hemd bekleidet, lehnten an den Lattenzäunen. Gerade als der Wagen mit den Leuten aus Strody an einem solchen Gehöft vorbei- Eebleichea wollte, wurden sie von den Baissen überholt. Dumpf stampfend schlugen die umhüllten Hufe der dunklen Pferde auf der festgefahrenen Straßendecke auf. Mit doppelten, über der Brust gekreuzten PatrcDengürtel, braungebrannt und breitknochig, saßen die Kosaken auf ihren Pferden. Fast erschienen sie den zähneklappernden Fischmanns nicht als Menschen, sondern als der verstärkte Kopf der unter ihren Sporen bockenden Tiere. Alle- Flüchtlinge erschraken bis außerhalb ihrer Fußspitzen. Aber nichts geschah ihnen. Die Russen nahmen von dem zu Tode erschrockenen eben so wenig Notiz, wie die österreichischen Soldaten. Es waren zwölf Reiter, sie ritten stumm, nur ihre Augen untersuchten mißtrauisch jeden Baum im nahen Wald. Jakob zählte sie, er konnte bereits bis tausend zählen. „Es sind zwölf“, sagte er. Unter den vielen hundert Flüchtlingen war er der einzige, dieser Siebenjährige, der sprach. Denn er wußte weder, was Furcht noch Mut bedeutet. Das lernt man erst später. Im selben Augenblick, als die ersten Kosakenpferde Stillständen und einer der Reiter mit weit vorgestreckter Lanze auf den Wald zeigte, kam aus diesem Walde plötzlich ein helles Geknatter. Im Nu war die Stille zerbrochen wie sprödes Glas. Wild jagten die kleinen Russenpferde über die Wiesen. Lea warf mit einem Schrei, der dem einer ängstlichen Vogelmutter nicht unähnlich klang, den beiden Kindern die mitgenommenen Kissen über den Kopf. Unaufhörlich knatterten die Schüsse aus dem Walde heraus. Es schien den Flüchtlingen, als sähen sie blitzende Punkte in der Luft. Zwei Pferde rasten reiterlos die Straße zurück. Die Fischmanns rissen die Kinder vom Hagen uo4 flüchteten ine nächste Baus,,, Drinnen standen die Bäuerinnen am Fenster und bekreuzigten sich bei jeder Salve. Langhin fiel Lea und die alten Sohiffraanns bemühten sich atemlos, sie wieder zu sich zu bringen... Draußen war kein Wagen mehr bemannt. Die Flüchtlinge kauerten zwischen den Rädern, in den Straßengräben, so weit sie nicht mehr in eines der wenigen Gehöfte gelangen konnten. Durch das Fenster sahen die Bäuerinnen (und die beiden jüngsten Fischmanns, um die sich niemand kümmerte), daß von den zwölf Kosaken nur zwei zurückrasen konnten. Die anderen lagen auf der grünen Wiese, zerstreut, vor dem schwarzen Wald, hier einer, da einer. „Wie Misthaufen“, sagte eine von den Bäuerinnen. Eine andere schrie: „Da kommen die Unsrigen!“ Es waren Infanteristen in dunkelblauer Uniform. Als sie an den Toten vorbeikamen, gaben sie noch ein paar Schüsse ab. In die Luft knallten sie vor Freude. Dann hängten sie sich ihre Gewehre wieder über die Schulter und ein paar Bänder an die blauen Kappen. Bunte Bänder, gelbe, rote, grüne. Zum Zeichen des Sieges und der Freude, daß die Russen es waren, die lagen. Es war noch zu Anfang des großen Krieges. Lea kam inzwischen zu sich. Bebend ergriff sie die beiden Kinder und setzte sich in eine Ecke der großen Bauernstube. Sie zitterte am ganzen Körper. Sie zitterte noch, als sie wieder den Wagen bestiegen. Sie zitterte noch am Abend im Städtchen K. Die Luft aber wehte wie an gewöhnlichen Tagen. Sie strich über die Erde, als sei nichts geschehen in der Welt. Sie wehte weithin, verschwägert mit Wald, Hügeln und zierlichen Gräsern. Mit den Menschen war sie an djesem Tage nicht verschwägert. Die Natur hatte sich von ihnen zurückgezogen.,« PH LEBENSVERSICHERUNG Pädagogin perfekt Hebräisch sucht Stelle für Nachmittage, event. Sommeraufenthalt. Erteilt auch hebr. Einzelunterricht. B. J. II., Krummbaumg. 2/9. Tel. U 22-3-83 t^ZlEHUNAt , 4 11 n u »v- «A Mit voller Erhaltung und Verfügbarkeit der eingezahlten BeitrJge. LGE M EINE tfHTENANSTAir r •'!: t; GRABEN 20 Tll#u 21'5lO MATURANT erteilt Unterricht gegen Landaufenthalt. Frltx Po r des, II., Orotte Mohrengasse T4/10

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