Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1934-06-29 · Heft 365 (29.6.1934) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 365 (29.6.1934)
Date
1934-06-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3053752-3054070-3054119--4322-3059927
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

9eite 4 DIE STIMME Nr. 365 — 26. .Tun! 1634 Voraus muft man denken/ sich sichern — versichern i'iiihiiii!i Phönix Allgemeine Versfdierungs» Ges./ Wien/ IX., Alscrplalz 3 nach Indien. Sc-hon diese Erwägungen sprachen für die Schaffung eines Staates in Palästina, das ohne Balfour-Deklaration einfach ein Teil Syriens geblieben wäre. Auch die Araber haben bis zum Kriegsende Palästina nie als ein besonderes Land, sondern nur als einen Teil Syriens betrachtet. Der heutige Zustand Transjordaniens ist der beste Beweis für die Unfähigkeit der Araber ein Land aufzubauen. Nur die Juden sind in der Lage, Palästina aufzubauen. Scrutator meint, das müsse nicht unbedingt nach Weizmanns Parole geschehen, daß Palästina so jüdisch werden müsse, wie England englisch ist. Es müsse nur ausreichend genug Juden in Palästina geben, um eine Nation zu bilden, die sich selbst regieren könne, die Ordnung im Lande aufrecht erhalte und im ganzen Osten als Faktor der Zivilisation wirke. In Palästina steigert sich der Patriotismus des Juden zur Religion, für die er sich hundertemale im Laufe der Geschichte geopfert habe. Durch eine starke jüdische Bevölkerung in Palästina werde Ägypten am besten militärisch gesichert. Haifa als Endpunkt der Ölleitung von Mossul sei für England von größter Wichtigkeit und das gleiche gelte von der Luftschiffahrt. Außerdem aber werde Haifa die Wichtigkeit des Kriegshafens von Malta übertreffen. Scrutator sagt: Ohne Juden gäbe es kein britisches Mandat in Palästina. Anderseits bat das Mandat eine dringend notwendige Rekonstruktion der britischen Politik im Nahen Osten mit einem Heiligenschein umgeben und die Eifersucht anderer Mächte durch das internationale Mandat unmöglich gemacht Das ist nicht der geringste Dienst, den der Zionismus den englischen Interessen erwiesen hat.“ Diese Äußerungen Scrutators sind sensationell durch ihre Offenheit. Er sagt aber weiter noch: „Die Balfour-Deklaration war eine gute Kriegspropaganda.-Der Zionismus ist so wichtig für unsere Sicherheit, daß man ihn hätte erfinden müssen, wenn er als Ergebnis tausendjähriger jüdischer Leiden nicht vorhanden gewesen wäre.“ Nun schildert Scrutator die Wandlungen der Auslegung der Balfour-Deklaration: 1917 bedeutete sie die Anwaltschaft auf den jüdischen Staat. Im Jahre 1922 wurde nur mehr der kulturelle und ideelle Wert des Nationaihedms betont. Viele hitzige Zionisten waren über diese Änderung enttäuscht. Weizmann aber hielt seine Hitzköpfe im Zaun und akzeptierte die neue Definition. Er gehört der fairesans-diire-Schule an und wollte sich nicht über Definitionen herumstreiten. Er ging lieber an die Aufbauarbeit und vertraute lieber auf die Logik der Tatsachen. Der Fortschritt, der Dank der Juden in Palästina erzielt wurde, hat Weizmann reohtgegeben. Leider hat die Palästinaregierung nicht dasselbe getan. Eine gesunde Politik der Regierung hätte, unbeirrt durch die nationalen Differenzen der Juden und Araber, darauf ausgehen müssen, aus Palästina ein großes, starkes Land, würdig seiner Vergangenheit, zu machen. Statt dessen versuchte die Regierung fortwährend, die Araber durch Konzessionen zu versöhnen, bestärkte die offenkundig nicht kompetenten Führer im Glauben, daß sie berechtigte Beschwerden hätten, daß die Harmonie zwischen England und den Zionisten gestört sei und daß es nur darauf ankomme, daß die Araber genügend Lärm schlagen. Daun würden sie schon das Mandat abschütteln können. Herbert 8 a m u c 1. ein doktrinärer TAbo jraler, habe mit dem Gedanken des 8olfj Government gespielt und die Idee des i gesetzgebenden Rates vertreten. Und jC h u r e h i 1 1 habe, kaum daß die Tinte auf dem Mandatsvertrag trocken war, durch die Abtrennung Transjordaniens mehr als die Hälfte Palästinas dem Nationalhcim wogeskamotiert. Die Palästinaregierung sei die Linie des schwächsten Widerstandes gegangen. Das Mandat, verlangte, daß ein jüdisches Nationalhcim errichtet werden solle und daß die Rechte der Nichtjuden nicht, beeinträchtigt werden sollen. Die Palüst.inaregierung hat diese letztgenannte Vorschrift zum Hauptinhalt ihrer Tätigkeit gemacht. Sie wünschte in Palästina ein ruhiges Leben zu führen und war darüber verärgert. daß die Zionisten mit ihrer Energie ihren Frieden stören. Es kam der Streit um die Klagemauer und die nachfolgenden Unruhen, die Lord Plumer in einigen Stunden unterdrückt hätte. So aber kam es zu einer schrecklichen Explosion. Das Judentum in der ganzen Welt kam in Erregung und die Palästinaregierung, die versagt hatte, schob die Schuld auf die Juden. Man kam mit dem Märchen von den landlosen und unzufriedenen Arabern. Schließlich mußte MacDonald seinen bekannten Brief an Weizmann schreiben. Dieser Brief sollte die Bedeutung haben, daß künftig keine künstlichen Hindernisse dem Fortschritt Palästinas in den Weg gelegt werden sollten. Trotzdem wird die Palästinaregierung dem Mandate nicht gerecht. Über die deutschen Juden ist die Katastrophe hereingebrochen. Alle Einwanderungsländer haben ihre Pforten geschlossen und Palästina ist clie einzige Hoffnung. Trotzdem gibt die Palästinaregierung nur den Bruchteil der von der Agency verlangten Zertifikate, weil sie offenbar die Entwicklungsmöglichkciten des Landes nicht beachtet und politische Schwierigkeiten fürchtet. Die Drosselung der Einwanderung verteuert jedoch das Leben in Palästina und die ökonomische Krise, die sich daraus ergeben könnte, sei gefährlicher und könne länger dauern als eine politische Krise, der man leicht Herr wird, wie die bisherigen Erfahrungen zeigen. Es ist auch nicht wahr, daß die jüdische Einwanderung die Araber arbeitslos macht. Gerade in der Nachbarschaft jüdischer Siedlungen ist die Arbeitslosigkeit geringer als in rein arabischen Distrikten. Die Regierung beachtet auch nicht die Tatsache, daß die einströmenden Kapitalsmengen die wiitschaftliche Aufnahmsfähigkeit des Landes bedeutend steigern. Die Regierung hat nur eine Pflicht: Die Entwicklung des Landes nicht künstlich zu verhindern, Ordnung im Lande zu halten und an die zukünftige Größe Palästinas zu glauben. Außer Kapital findet noch eine Einfuhr von „Köpfen“ statt, insbesondere aus Deutschland, von wo viele Wissenschaftler und Wirtschafstführer einwandern. Palästina hat ein großes Hinter land. Die jetzt einwandernden Juden sind derzeit ausersehen, Palästina zum Mittelpunkt des ganzen nahen Orients zu machen. Scrutator kommt zu folgenden Schlußfolgerungen: 1. Die Ehre und das Prestige Englands hängen davon ab, daß es ihm gelingt, das Palästinamandat zu einem Erfolg zu machen. Niemand wird glauben, . daß das Palästinaproblem Englands Kräfte übersteigt und wenn man nicht sehen wird, daß es aktiv zu seinem Erfolge beiträgt, danu wird man nicht sagen, daß England die Kraft gefehlt habe, das Mandat durchzuführen. Man wird sagen, daß England nicht den Willen gehabt hat, es durchzuführen. 2. Wenn man von der Vertreibung der Türken und der Reorganisation der Finanzen und des Verkehrswesens absiehl, so muß man sagen, daß die Palästinaverwaltung wenig zu dem Erfolg beigetragen hat, der durch die Anstrengungen der Zionisten geschaffen wurde. Die Palästinaregierung ist sich nicht darüber klar, daß zwei Jahrtausende auf ihre Tätigkeit blicken. Sie behandelt engstirnig ein großes Weltproblem. Sie betrachtet die Voreingenommenheit weniger arabischer Führer und die Bigotterie ihrer Anhänger als ebenso wichtig als die Mahnungen des Weltgewissens, nach einem Kriege, der für das Recht der Nationen geführt wurde und zu dom Entschluß führte, das Unrecht, das an der ältesten Nation begangen wurde, wieder gufzumachen. England benahm sich wie ein fauler Richter und nicht einmal wie ein unparteiischer Richter, während es doch dazu berufen wurde, aktiv einzugroifen und eine neue Nation in Palästina, zu begründen. Es ist daher die Pflicht Englands, das Versäumte nachzuholen und mit. um so größerer Entschlußkraft und um so größerem Mute vorzugehen. Scrutator schließt seine bemerkenswerte Schrift, die ein mutiges Bekenntnis eines aufrechten Engländers ist und zu den scheinheiligen Argumenten der Faläslinaregierung in einem wohltuenden Gegensatz steht, wie folgt: „Das Problem Palästina ist nicht nur ein lokales Problem. Es ist das Problem der Juden in der ganzen Welt. Uns ist das Mandat anvertraut nicht nur für die Juden in Palästina, sondern für die Juden in der ganzen Welt, für alle, für die Zion die letzte Zufluchtsstätte ihrer Nation bedeutet, für jenes Zion, das Großbritannien versprochen hat zu erlösen. Praktisch müssen wir Palä stina so behandeln, wie wir irgend ein Dominion des britischen Reiches behandeln, das heißt, wir müssen eine Nation konstituieren, die die gleichen Rechte hat wie wir selbst und die wir, weil wir es in unserer Macht haben, so gestalten können, daß sic stabil und geschlossen ist. Die ideelle Seite der Angelegenheit legt uns die Pflicht auf, ein großes Volk von Leiden und Verzweiflung zu befreien. Die Gerechtigkeit legt uns diese Pflicht auf.“ Wir wollen nicht mit Scrutator über die Festgottesdienst der Wiener Kultusgemeinde Aus Anlaß des dreißigjährigen Todestages Theodor H o r z 1 s findet kommenden Mon-* tag, den 2. Juli (am Vorabend seines Todestages). um 7 Uhr im Seltenste 11. c n-* t, c m p e 1 ein feierlicher Festgotlesdienst statt, bei dem Seine Ehrwiirden OberrabbD ner Dr. David Fcuchtwang die Gedenkrede hält. Gfidächtnisgottesdienst im Turnertempefl Der Bethausvorstand des Tempels, Wien, XV., Turnorgasse, veranstaltet Montag, den 2. Juli, um 7 Uhr abends, anläßlich der dreißigsten Jahrzeit Theodor H e r z 1 s einen Gedächtnisgottesdienst. Die Gedenkrede wird Herr Rabbiner Dr. Z i mm e 1 s halten. von ihm aufrechterhaltene Idee, Palästina zum 7. Dominion des britischen Reiches zu machen, diesmal polemisieren. Wir möchten nur wünschen und hoffen, daß die von Gerechtigkeitsgefühl getragenen Ausführungen Scrutators nicht ungehört verhallen mögen. Wir wollen mit England iin Frieden und in Freundschaft leben. Das wird möglich sein, sobald sich England auf die Pflichten besinnt, die es im Mandat gegenüber dem jüdischen Volke übernommen hat. Aus der jüdischen Presse „Doar Hajom“ lenkt die Aufmerksamkeit des Jischuws darauf, daß die jüdischen Polizisten langsam aus der 'palästinensischen Polizeimacht verschwinden. ln Haifa allein haben acht Juden ihren Dienst bei der Polizei quittiert und ähnlich liegen die V erhältnisse in anderen Städten. Der Grund für diese Erscheinung liegt in der unzureichenden Bezahlung der Polizisten. Die Zeitung fordert den Waad Leumi und die Jewish Agency auf, bei der englischen Regierung eine bessere Bezahlung der Polizisten durchzusetzen, damit es auch den jüdischen Polizisten möglich ist, ihren Dienst weiter zu versehen. Im „Moment“ befaßt sich Rabbi Eissenbaum mit den Ergebnissen der Konferenz, die in Warschau zwischen Führern des Misrachi und der Aguda wegen der konfessionellen Schulen in Palästina stattgefunden hat. Rabbi Nissenbaum begrüßt den Erfolg der Konferenz, den er als ersten Schritt der Annäherung zwischen den beiden Organisationen Aguda und Misrachi bezeichnet. Es sei möglich in verschiedenen Detailfragen zu einer Kooperation zu kommen. Es gebe noch mehrere Fragen, die eine Kooperation zwischen Misrachi und Aguda in Palästina ermöglichen, so die SabatHeiligung, Kaschruth, Rabbinats- und andere religiöse Angelegenheiten. ,iThe Jewish Chronicte“ befaßt sich mit dem Todesurteil gegen Stwasky und loarnt davor, ohne Kenntnis aller Beweiserhebungen sich eine Meinung zu bilden. Die Zeitung verweist aber auf die bedeutende Tatsache, daß ein versierter Rechtsanwalt, der dem ganzen Prozesse beigewohnt hat, die Meinung vertrete, daß die Beweise für Staws/cys Schuld unzureichend seien, ln England sei eine Verurteilung zum Tode nur bei Einstimmigkeit möglich, so daß auch die Tatsache, daß nach palästinensischem Rechte ein Mehrheitsbeschluß des Gerichtes genüge, in England befremdend wirke. Die Zeitung warnt aber vor einer Agitation zugunsten Stawskys, da ein derartiger Schritt nur als der Versuch ausgelegt werden könnte, die Entscheidung des Berufungs- Ferienreisen nach Polen. Unter bewährter Leitung finden am 1. und 8. Juli 1934 billige Reisen nach Polen statt, Krakau, Lemberg, Stanislau usw. llosei’vierte Plätzo, mäßige Proiso. Näheres: Büro Dr. S. Tockor, I., Kärntnerring 12, Tel. U-40-801. gerichtes durch die Ausübung eines politischen Druckes zu beeinflussen. „The Jewish Chronicte“ berichtet Uber die in Berlin durch die Revisionisten hervorgerufene zeitweilige Sperre, der hebräischen Schulen, die Hausdurchsuchungen und die Durchsuchungen in den zionistischen Büros. Die Zeitung schreibt unter anderem: Revisionistische Attacken sind in DeutschIrland nichts neues. Sie haben aber niemals ein derartiges Ausmaß angenommen und so ernste Resultate gezeitigt, wie diesmal. Dia zionistischen Führer in Berlin fürchten von einer Wiederholung derartiger Vorfälle einQ Lahmlegung der zionistischen Tätigkeit in Deutschland. Sie beriefen daher die Revisionisten zu einer Konferenz ein, um zu einem Burgfrieden zu gelangen. Der Führer der Revisionisten, Herr Hamburger, versprach, daßt keine Störungen mehr Vorkommen würden,■ Er knüpfte jedoch hieran zwei Bedingungen: erstens, daß die Revisionisten eine Vertretung im Palästina-Amt erhalten, und ziveitens, daß die „Jüdische Rundschau“ die, Nachricht dementiere, daß die Revisionisten für den entstandenen Skandal verantwortlich seien. Die zionistischen Führer haben jedoch die Annahme dieser Bedingungen, die sie als unmöglich bezeichnen, abgelehnt. In der, Zwischenzeit wurden die hebräischen Kurse, wieder ei'öffnet. Zionistische Versammlungen finden aber noch immer nicht statt, obwohl das offizielle Verbot bereits aufgehoben wurde. Agenten der Geheimpolizei haben neuerlich Durchsuchungen im zionistischen Büro vorgenommen. Velden Auen am Wörthersee Hotel Pension Prüggler, modernes, billiges Haus am See. Hochsaison S 8 — 10. Prospekte gratis. Bimse Ferienreisen nach Polen Paßorloichterangon für polnische Staatsangehörige Abreise 1. und 8. Juli 1934 NÄHERE AUSKÜNFTE: BÜRO Dr. S. TOCKER, I., Kürn ln erring 12. Tel. U 40-301 ^^^.76++76..+/^.//2////$:06^:4^B

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.