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Die Stimme · 1934-06-29 · Heft 365 (29.6.1934) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 365 (29.6.1934)
Date
1934-06-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nf. 86« — 29. Juni 1934 DIE STIMME Seite 8 Misrachi fordert Ausbau der Exekutive In einer vom Misrachi in Jerusalem publizierten Erklärung wird gesagt: Solange die Histadruth und die kleine Gruppe Allgemeiner Z i o-1 nisten, die Träger der jetzigen Exekutive sind, nicht einsehen werden, daß I man unter den heutigen Bedingungen die I zionistische Arbeit nicht führen kann; solange nicht eine Exekutive geschaffen wird,) in der alle zionistischen Parteien vertreten sind, besteht keine Hoffnung auf eine Besserung, nicht nur mit| Bezug auf die zionistischen Fonds, sondern auch mit Bezug auf alles, was mit zionistischer Politik und Arbeit zu tun hat. Leider, aber ist der Maohtwahn der Herrschenden so groß, daß eine Änderung ihrer Haltung | nicht so bald zu erwarten ist. Die Erklärung Die Erklärung bezeichnet das Vorgehen der englischen Regierung in der Frage der jüdischen Einwanderung als brutal, nicht nur vom politischen, sondern auch vom menschlichen Stand punkt. Tausende Menschen werden um ihres Glaubens oder ihrer Abstammung willen verfolgt und ruhelos gemacht; in Palästina könnten sie ein Heim, Arbeit und Nahrung finden. Es ist ein Verb re c h e n, diesen Menschen die Tore ihrer Heimat zu versperren. Niemals in der Geschichte Englands ist eine englische Regierung so brutal vorgegangen. Die Mandatarmacht, die verpflichtet ist, das Jüdische Arabische Arbeiter in den jüdischen Kolonien Jerusalem, 26. Juni. In einer von der Histadruth veranstalteten Pressekonferenz gaben die Führer der Histadruth offizielle Zah- 1 en über den Umfang der Beschäftigung arabischer und jüdischer Arbeiter in den jüdischen Plantagen bekannt. Auf 70.000 Dunam jüdischen Bodens werden nur Araber und kein einziger Jude beschäftigt. Auf 40.000 Dunam weiteren jüdischen Bodens arbeiten Juden und Araber gemeinsam, hier sind aber bloß etwa 1000 jüdische Arbeiter beschäftigt. Nur auf 40.000 Dunam jüdischen Bodens sind einzig und allein jüdische Arbeiter beschäftigt. Die arabischen Arbeiter überschwemmen allmählich auch die Städte. Sogar in Tel-Aviv sind jetzt mehr als 1500 Araber bei Bauarbeiten beschäftigt. In Haifa arbeiten 500 Araber in jüdischen Betrieben. Bei jüdischen Bauten i r. Jerusalem sind mehr als 1000 Araber beschäftigt. Petach Tikwah beschäftigt mindestens 2000 Araber, in der Orangensaison sogar 3500. Bei den öffentlichen Arbeiten der Regierung, für die Hunderttausende Pfund der jüdischen Steuerzahler verwendet werden, gibt es heute unter mehreren 1000 arabischen Arbeitern im ganzen 30 Juden. Eiii|»fiii<lliclie erlöst die blitzschnelle, glatte, scharf-scharfe SWING Laut Meldungen der syrischen Presse wächst die Wanderung syrischarabischer Arbeiter nach Palästina täglich, heute arbeiten etwa 3000 syrische Araber in Palästina. Anderseits ist der Boykott jüdischer Erzeugnisse Palästinas in Syrien im Wachsen. Ein jüdischer Reisender, der in Damaskus in Palävstina erzeugte Wirkwaren an,bot, wurde mörderisch geschlagen, seine Musterwaren wurden auf der Straße verbrannt. Uua Wir haben vor kurzem über einen Vortrag und über eine Broschüre des englischen Journalisten Sidebotham (Scrutator) in London berichtet, in welchen ausgeftihrt wurde, daß England bei Erlassung der Balfour-Erklärung an die Errichtung eines jüdischen Staates gedacht habe. Wir bringen nun über vielfaches Verlangen unserer Leser Nationallheim errichten zu helfen, nutzt ihre | Auszüge aus dem Vortrage und der Broschüre Sidebothams. Macht dazu aus, um den Juden den Weg nach Palästina zu versperren. Kann man in der großen politischen Welt von einem Gewissen sprechen, so muß an dieses Ge wissen gepocht werden; man darf über das an dem jüdischen Volk begangene Ver brechen nicht mit Schweigen hinweggehen. Die Auflegung der Zwei-Millionen- Pf und -An leihe seitens der Palästinaregierung ist ein Beispiel dafür, wie w e nig die Regierung auf die Meinung der Juden gibt. Gemäß der Balfour-Deklaration und dem Mandat hätte eine solche Anleihe nicht ohne Befragung der Repräsentanten der Bevölkerung aufgelegt werden können. Die Auflegung der Anleihe in dieser Zeit, da das Schatzamt der Palästinaregierung über große Reserven verfügt, die sich noch täglich vermehren, kann zweifach gedeutet werden: Entweder entspringt sie der Furcht, daß schlimmere Zeiten kommen können, oder dem bösen Willen, solche schlimme Zeiten herbeizuführen. Aber sollte auch in der Anleihe an sich eine böse Absicht nicht stecken, so ist jedenfalls die Verteilung des Ertrages der Anleihe von bösen Absichten gegenüber den Juden diktiert. Für die Erfordernisse des Jisehuw wird weit weniger ausgegeben, als die Juden nach ihrer Bevölkerungspropor tion und der auf sie entfallenden Steuerlast zu fordern berechtigt wären. Der Vortrag. Auf einem im Woburn House in London unter dem Vorsitz von Rabbi M. L. Perlzweig abgehaltenen Vortragsabend sprach der hervorragende Journalist Herbert Sidebotham, der in der Bewegung zur Gewinnung Englands für die Politik des Jüdischen Nationalheims eine bedeutende Rolle gespielt hat, über das Thema „England und die Krise der Jude n h e i t“. England, so führte der Redner u. a.aus, habe einPrivilegundeine Pflicht, dem jüdischen Volk bei der Überwindung der von ihm jetzt durchlebten kritischen Periode beizoistehen. Diese Krise sei einzigartig, nicht nur was die Juden betreffe, sondern auch in der gesamten Weltgeschichte. Während des Krieges, fuhr Herbert Sidebotham fort, habe er die Notwendigkeit erkannt, daß England ein Territorium zur Sicherung eines so wichtigen Verbindungsweges, wie es der Suez-Kanal ist, besitze. Er habe gewußt, daß die palästinensischen Araber nicht das richtige Material für einen solchen Zweck seien; und im Jahre 1915 habe er als der erste Engländer in der Geschichte die Forderung aufgeetellt, sei jedoch erst 1922 geschehen. Damals hatte sich bereits die Lage und die Stimmung der Beteiligten geändert. In England habe eine starke Abneigung gegen alle Verwicklungen geherrscht, und die Araber, die anfänglich den Zionismus begrüßt hatten, begannen mit ihren Intrigen. Der politische Aspekt der Frage wurde nicht länger betont, Palästina war zu einer Heimstätte bloß in kulturellem Sinn geworden; dies bildete den Kernpunkt des Weißbuches vom Jahre 1922; Dr. Weizmann aber habe sich in kluger Weise entschlossen, die Arbeit fortzuführen. Der Brief MacDona 1 ds an Dr. Weizmann vom Februar 1931 sei von großer Bedeutung. Die Krise der deutschen Juden, schloß Sidebotham, schuf eine neue Position; es schien, als ob eine von Gott geschaffene Gelegenheit zur Befestigung der Allianz zwischen den Juden und Großbritannien eingetreten sei, die gleichzeitig den britischen Interessen dient. Aber die Stimmung im Lande war im ganzen dagegen, ein neues Risiko auf sich zu nehmen. Die Administration Palästinas hat die ihr von der Jewish-Agency vorgeschlagene Schedule unter Hinweis auf die wirtschaftliche Absorptionsfähigkeit des Landes scharf reduziert. Es gibt aber eine größere Gefahr als allzufreie Einwanderung, nämlich die, ein aufstrebendes Land in seiner Entwicklung zu hemmen; und gerade das geschieht jetzt in Palästina« Der Hauptpunkt, auf den sich die Engländer in dieser Frage konzentrieren sollten, sei die Tatsache, daß es sich hier nicht um eine Liebhaberei, sondern um ein gewaltiges Ideal, das größte Ergebnis des Weltkrieges, handle. Es bedeute die vollständige Umwandlung des gesamten Gebietes zwischen Mittelmeer und Tigris und Euphrat. Diese Aufgabe zu lösen, sei das Privileg Englands in der gegenwärtigen Krise und seine Pflicht. Auch militärische Erwägungen kämen hier in Frage. Aber der Hauptgesichtspunkt müsse der sein, daß es um ein Work der Gerechtigkeit gehe. Die Vorsehung habe England die Möglichkeit in die Hand gegeben, das älteste Unrecht in der Welt wieder gutzumachen. Dieser Aufgabe sollte sich England gewachsen zeigen. daß England zurückführe die Juden nach Palästina Ein Aufruf des Misrachi ln einer von Rabbi M e i r Berlin veröffentlichten Erklärung des Welt - Misrachi heißt es: „Wenn nicht rechtzeitig ein aktiver und zielbewußter Kampf gegen die geplante Errichtung einer Gesetzgebenden Körperschaft in Palästina — heißt es zu Beginn der Erklärung — eröffnet wird, kann es zu spät werden, ein verspätet aufgenommener Kampf wird zu Mißerfolg verurteilt sein. Die Frage eines Legislative Council oder einer Legislative Assembly steht vor der Entscheidung, die Proklamierung kann früher kommen, als es manche erwarten. Diese Frage rührt an den Grundfesten des Zionismus. Wäre die jetzige Zionistische Exekutive politisch aktiver, so würde sie an dieser Frage nicht so still Vorbeigehen.“ und dieses m einem selbständigen Land unter britischer Oberhoheit mache. Bald darauf sei er von Dr. Weizmann, Harry Sacher, Simon Marks und Israel Siof f beauftragt worden, ein Memorandum über diese Frage zwecks Vorlage an das Foreign Office auszuarbeiten. Er habe sich auch mit diesen Männern an der Herausgabe der Wochenschrift „Palestine“ beteiligt, die von 1916 bis 1932 erschien. Es könne nicht daran gezwoifelt werden, daß die englische Regierung bei Erlassung der Balfour-Deklaratiom einen Juidenstaat unter englischer Garantie unter Sicherungen für die bereits im Lande befindliche Bevölkerung beabsichtigt hatte; daß sie der Auffassung war, Palästina soll ebenso jüdisch werden, wie England englisch ist. Zweifellos wäre die Regelung nach diesen Grundsätzen erfolgt, wenn das Mandat 1918 oder 1919 erteilt worden wäre; dies Britische Interessen in Palästina Die Broschüre Palästina- und Mittelmeer-Gesellsdiaftsreise mit dem Riesenozeandampfer „Roma“. . (34.000 t) Abfahrt ab Wien: 15. Juli Schiffskarten nach Palästina sowie für sonstige Mittalmaarralsan zu Originalpreisen Compass Tours Wien, IX., Spitalgasse 3, Offizielles Propagandabüro der Stadtgemeinde Tel-Aviv Telephon Nr. B 42*5-38 In seiner Broschüre „British Interests in Palästine“ stellt Scrutator zunächst den richtigen Leitsatz auf: „Wir (die Engländer) sind die Treuhänder des National h e i an s in Palästina. Sollte es diesbezüglich zwischen England und Juden einen Interessengegensatz geben, dann dürfen wir die Verwaltung Palästinas nicht führe n.“ Das ist ehrlich und aufrichtig gesprochen und Scrutator erklärt, er wolle nun die Frage des jüdischen Nationalheims vom englischen Gesichtspunkt aus prüfen. Und er fügt hinzu, er sei seit 1915 Zionist und — Nichtjude. Scrutator stellt weiter fest, daß die Massen des englischen Volkes dem Zionismus indifferent gegenüberstehen und von ihm nichts oder wenig wissen. Freundliche Gesinnung gegenüber dem zionistischen Ideal wird oft nur geheuchelt. Die Erlassung der Balfour-Deldaration durch das Kriegskabinett erfolgte in aller Stille, ohne daß ihr eine öffentliche Diskussion oder Propaganda vorausgegangen sei. Daher stamme die Ignoranz der englischen Massen über die Palästinafrage. Balfour ist gestorben, Lloyd George spielt keine Rolle mehr in der Politik und das Judentum wartet bisher vergeblich auf einen großen Engländer, der eine neue Allianz zwischen England und denn Zionismus hersteilen könnte. Nun erläutert Scrutator die Entstehungsgeschichte der Balfour-Deklaration. Palästina war schon im Altertum als Durchzugsland von größter strategischer Wichtigkeit und die Geographie ändert sich nicht. Engand braucht Paästina. Wer die Berge Judäas besitzt, der schützt den Suezkanal und beherrscht den See-, Land- und Luftweg VERJÜNGUNG, GESUNDUNG UND ERHOLUNG IM ALPENKURORTE GASTEIN 1083 Meter über dem Meere J£ Ut< hunderten erzielten Heilerfolgen bei Gicht, Rheuma, vorzeitigem Aftern, Blasenleiden usw. Prospekte und ärztliche Fachzeitschriften durch KURKOMMISSION BADGASTEIN AUSTRIA

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