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Die Stimme · 1934-06-29 · Heft 365 (29.6.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 365 (29.6.1934)
Date
1934-06-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seit« 2 DIE STIMME Nr. 80« ~ 20. STmrf W83 Aus dem Dritten Reich Streng- “ SEEFELD (Tirol) 1200 Meter Kitu.i,>Hri. Höhenkurort, intens. Höhensonne,Wassersport Pension Geschwister Scheer im Hotel Hochalm Bekannt erstklassige Verpflegung, mäßige Preise, Fahr* Preisermäßigung Der Badener Wahlsieg Der Ausgang der Wahlen in Baden hat einen überwältigenden Sieg der Liste des Wirtschaftsvereines und des Zionistenblocks gebracht, die sämtliche Mandate besetzte. Damit ist die Agudah und die Union, die ihr Schützenhilfe leistete, vernichtend geschlagen worden. Das Wahlresultat hat nicht nur in Badner und Wiener jüdischen Kreisen, sondern auch ln christlichen Kreisen gewaltiges Aufsehen hervorgerufen. Der Wahlausgang beweist, daß die Trennungsorthodoxie und die assimilatorische Union als politische Faktoren endgültig auf das Aussterbeetat gesetzt sind. In Badner jüdischen Kreisen nahm man das sensationelle Wahlresultat zum Anlaß einer Siegesfeier, die am 26. Juni im Restaurant Rausnitz stattfand. Der große Saal konnte kaum die vielen Gäste fassen. Namens des Wirtschaftsvereines würdigte dessen Obmann Dr. Alfred Lackenbacher den Sieg und hob hervor, daß auch der Wirtschaftsverein das zionistische Programm der jüdischen Volksgemeinde vertrete. Namens der Zionisten gab Doktor Rudolf Lackenbacher seiner Freude über den errungenen Sieg Ausdruck. Dann sprach der bisherige Kultuspräsident, Herr Stern, der die qualvolle Arbeit schilderte, die ihm die Agudisten in der abgelaufenen Wahlperiode verursacht hatten. Er erinnerte daran, daß er mit Marmorek, Böhm, Schalitz usw., zu den ersten zionistischen Wahlwerbern in die Wiener Kultusgemeinde gehört habe, verwies auf den Wert der zionistischen Weltbewegung und beglückwünschte die gewählten Vorsteher, mit denen er trotz seines Alters für das Wohl der Gemeinde weiter arbeiten wird. (Großer Beifall.) Dann überbrachte Dr. Oskar Grünbaum die Glückwünsche des Präsidenten Dr. F r i e d m a n n, des Zionistischen Landeskomitees und des Klubs der Zionistischen Kultusmandatare in Wien. Der Redner feierte die Allianz zwischen Wirtschaftsverein und Zionistenblock und würdigte die politische Tragweite des Wahlsieges. Nach ihm gratulierte Dr. Isidor K1 a b e r, der die Aufgaben der Gemeinde auf dem Gebiete der Fürsorge schilderte. Dann sprach Professor Moses Rath über die Aufgaben der jüdischen Gemeinde auf dem Gebiete der jüdischen Jugenderziehung. Alle Redner ernteten reichen BeifalL Namens der neugewählten Vorsteher dankte Dr. Samuel Deutsch den Wiener Rednern für die große Unterstützung, welche die Zionisten den Wahlwerbern durch die Beistellung von Rednern und die Propaganda in der „Stimm e“ leisteten, und gab der Zuversicht Ausdruck, daß die Arbeit der neuen Mandatare die Agudisten eines besseren belehren und daß die Gemeinde endlich zu friedlichen Verhältnissen gelangen werde. Mit Worten des Dankes an alle Erschienenen schloß der Vorsitzende Dr. Alfred Lackenbacher den offiziellen Teil des Abends. Die Badner blieben noch lange Zeit in gemütlicher Unterhaltung zusammen. Einige Zahlen von den Badener Wahlen Die in den Hauptausschuß gewählten Kandidaten erhielten folgende Stimmen: Dr. Alles Josef 225, Brander Moritz 220, Doktor Deutsch Samuel 234, Gelles Ignatz 219, Gourary Michael 230, Grünwald Ludwig 213, Dr. Lackenbacher R. 234, Letzter Moritz 229, Schallinger Benno 235, Dozent Dr. Singer Richard 237, Stern Anton 225, Ungar Josef 227. Ersatz: Glück Hermann 222 (I.), Gelles Adolf 220 (HI.), Roiß Willhelm 220 (II.), Ödenburger Moritz 218 (TV.). Für den erweiterten Kuiburaussohuß erhielten: Dr. Alt Emanuel 22F, Deutsch Max 229, Doktor Ehrlich Eduard 232, Dr. Kat.z Leo 223, Kohn Rudolf 224, Ing. Kollisch Otto 231, Doktor König David 225, Löbl Max 228, Löwinger Josef 227, Schneider Albert 227, Stern Siegfried SSßj Viola Heinrich 228 Stimmen. Die Judenhetze in Deutschland geht weiter Während das Hamburger „Israelitische Familienblatt“, welches wissenschaftliche Nachweise gegen die Existenz des „j ü d isehen R i t u a 1 m o r d e s“ gebracht hat, wegen „Beunruhigung der Bevölkerung“ verboten wurde, dürfen der „Stürmer“ und die große Reihe ihm verwandter Blätter die blutrünstige Ritualmordhetze fortsetzen. Dieser Hetze werden seit einiger Zeit auch die Spalten jener Presse geöffnet, die als Lektüre für die große Masse der Arbeiterschaft bestimmt ist. Für die deutschen Textilarbeiter wird in 1.300.000 Exemplaren „Der Deutsche Textil-Arbeiter, Zeitung des Deutschen Textilarbeiter-Verbandes“ (gedruckt von der Verlagsgesellschaft des Deutschen Metallarbeiterverbandes G. m. b. H., Berlin SW 68. Verantwortlicher Schriftleiter Doktor Kurt Plischke) herausgegeben, die stets mehrere Spalten der Judenhetze mach Streichers Art widmet. Diese Zeitung veröffentlicht z. B. einen Bilderbericht „Der Zionistenkongreß in Prag“ und schreibt dazu u. a.: „In den geheimen Sitzungen wurde beschlossen, die Arbeitslosigkeit in der ganzen Welt durch Geldschiebungen (Dollar- und Pfund-Baisse usw.) weiter zu verschärfen, um die Unzufriedenheit zu erhöhen und durch den Bolschewismus Juda zu retten“. Die Zeitung bringt auch in Fortsetzungen einen Bericht Über neuerliche Geheimberatungen „Auf dem Judenfriedhof in Prag“, der im Stil der „Protokolle der Weisen von Zion“ abgefaßt ist. In einem „Wenn Juden herrschen“ überschriebenen Aufsatz teilt A. A g r i c o 1 a mit: „Ein englischer Journalist fand kurz nach der scheußlichen Niedermetzelung der Zarenfamilie eine geheimnisvolle Keilschrift an der einen Wand, die nach dem althebräischen Buch Kaballah entziffert wurde...“ Es folgen Artikel „Die Juden in der Geschichte“, „Der größte Sieg Judas“, In dem letzteren Artikel heißt es: „Der Krieg 1914 fand die Juden am Zenith der Macht, die sie durch das famose Rathenausche System der Rationierung der Lebensmittel ausnutzten, um den Deutschen die Kampfkraft zu nehmen... Juda griff nach der Kaiserkrone... In der Stille aber entstand uns der Retter... Wohl strafte Juda das deutsche Volk für den Tod Rafchenaus mit der Inflation, die alle Deutschen ihrer Ersparnisse beraubte, aber blind erkannten sie nicht, daß der Deutsche seine Kräfte erst dann ganz entfaltet, wenn er arm geworden ist!... Heil Hitler!“ In einem Bildbericht „Juda, der ewige Kriegshetzer“ wird „endgültig nachgeiwiesen“, daß die Juden den Dreißigjährigen Krieg, die französische Revolution und den Weltkrieg beschlossen haben, und daß sie jetzt wieder dabei sind, Krieg zu stiften. Die Saarbrückener Zeitung „Westlanid“, die einen Überblick über diese Art Literatur gibt, zieht hieraus die Schlußfolgerung: „Es wäre erstaunlich, wenn dabei nicht eines Tages Blut fließen würde... Es wird notwendig sein, die Emigration der Juden mit allen Mitteln zu fördern und nicht nur das freundliche Lächeln des Hohen Kommissars MacDonald für diese Bemühung einzusetzen.“ Totale Ausschließung der Juden aus der deutsehen Wirtschaft Wie planmäßig der Beherrscher Frankens, Julius Streicher, die Austreibung der Juden aus seinem Ilolioitsbereich durchführt und wie er alles tut, um ihnen jede Lebensmöglichkeit abzusdmoiden, beweist ein Rundschreiben der Industrie- und Handelskammer Nürnberg, das das „Pariser Tageblatt“ im Wortlaut zu publizieren in der Lage ist. In diesem streng vertraulichen Brief, den der nationalsozialistische Handelskammerprilsident Schaub mit „II eil II111 c r“ unterzeichnet hat, w!rd dazu aufgefordert, sich an der Gründung einer „N ü r n b e r g - F li r t h e r G a r a n t i e b a n k“ zu beteiligen. Aufgabe cs sein soll, Ariern, die jüdische Geschäfte übernehmen oder requirieren, das erforderliche Betriebskapital zur Verfügung zu stellen. Aus dem Schreiben geht hervor, daß die Garantiebank lediglich Betriebsm i 11. e 1 zur Verfügung stellen soll. Kapital zum Ankauf der jüdischen Unternehmungen dürfte in Franken zum größten Teil nicht benötigt werden, da unter Streichers Herrschaft die Erpressermethoden genügenc kultiviert worden sind, um solchen Besitz ohne nennenswerte Zahlungen in die Hand zu bekommen. In dem Schreiben wird aui' die bereits erfolgte Gründung eines „R h e i n - M a i n i s c h c n Garantieverbandc s“, der ähnliche Zwecke verfolgt, hingewiesen. Es scheint sich somit um ein planmäßiges Vorgehen in zahlreichen Gebieten des Deutschen Reiches zu handeln. In dem Schreiben wird erklärt, daß der bayerische Staat, die Städte Nürnberg und Fürth und die Wirtschaftler Mittelfrankens zunächst drei Millionen Mark aufzubringen haben werden, während das Reicliswirtschaftsministermm das Fünffache dieser Garantiesumme gestattet, beziehungsweise garantiert hat. Die Verschleppung Walter Kahns aus dem Saarlande Saarlouis, 25. Juni. Der Oberste Gerichtshof des Saarlandes verkündete das Urteil gegen den Beamtenanwärter Barth aus Schwemlingen, der wegen Entführung lind Freiheitsberaubung des Walter Kahn angeklagt war. Bekanntlich hatte Barth den Kahn unter Vorspiegelung falscher Tatsachen an die Saargrenze bei Dreisbach-Steinbach gelockt und dann der reichsdeutschen SA. übergeben. Kahn sitzt seitdem im Gefängnis. In der vor kurzem stattgefundenen Verhandlung hielt der Staatsanwalt Dr. Wimmer den Menschenraub für erwiesen und beantragte zwei Jahre Zuchthaus. Der Senat erkannte auf ein Jahr Gefängnis wegen Beihilfe an der Entführung und Freiheitsberaubung. Tragödie einer Arierin Prag, 25. Juni. Das Sondergericht in Nürnberg hat Frau Lili Rosenthal aus Röthenbach bei Schweinau, eine Arierin, die einen Juden geheiratet hat, wegen angeblicher beleidigender Äußerungen gegen nationalsozialistische Führer zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. In dem Urteil wird Frau Rosenthal „einrassesohänderäsches Frauenzimmer“ genannt; das Urteil sei — so sagt das Gericht — „zur Genugtuung aller rechtlich denkenden Deutschen“ ergangen. Die „Fränkische Tageszeitung“ berichtet über den Fall unter der Überschrift: „Ein artvergessenes Weib“ und forciert die Überführung der Verurteilten nach Verbüßung der Strafe in das Konzentrationslager Aichbaeh. Die Zeitung reproduziert eine Photographie der Angeklagten und schreibt dazu: „Lilli Rosenthal ist ein Schulbeispiel für die sittlich entwurzelnde Wirkung einer rasseschänderischen Ehe auf den arischen Teil. Aus deutschem Hause stammend, brachte sio es über sich, des schnöden Mammons wegen die Stimme ihres Blutes zum Schweigen zu bringen, und sie heiratete den Juden Heinrich Rosenthal von Röthenbach. Die Folge davon war, daß sie nach und nach immer mehr in das verderbliche Fahrwasser jüdischen Denkens und Handelns geriet und heute ist es mit ihr so. weit gekommen, daß sie sich nur noch äußerlich von einer Vollblutjüdin unterscheidet. Daß sio einstmals eine deutsche Frau war, dafür ist auch nicht die geringste Spur vorhanden.“ Vor Gericht hatte Frau Rosenthal ausgesagt, daß dor Hauptzeuge, ein SA.-Truppenführer, versucht hatte, sich an ihr zu vergehen und daß seine nachmalige Anzeige ein Racheakt für ihren Widerstand gewesen ist. Das Streicher-Organ „Fränkische Tageszeitung“ spricht selbst davon, daß sich der SA.-Truppenflihrer „o i n i g o GASTSTÄTTE FDR JEDERMANN I., Kärlnerslrafie Nr. 61 Besitzer Olfo Kaserer WIENER RATHÄUSKELLER volkstümliche Preise In allen Lokaliläfen Wien vor 400 Jahren Allabendildi Original Wiener Musik und Gesang Inhaber OHo Kaserer Angeklagte, nicht mehr das Recht besitzt, sich einem SA.- oder SS.-Mann zu verwehren. Der Richter, der das Urteil sprach, heißt Kiefer, der Name des SA.-Truppenftihrers wird verschwiegen. Exkaiser Wilhelm will nach Deutschland zurück London, 25. Juni. „Daily Herald“ veröffentlicht ein Intern view mit einer Persönlichkeit aus der engn sten Umgebung des Exkaisers Wilhelm^ Diese erklärte, die Hohenzollern eix warten, daß Hitler den nächsten Winter nicht tiberstehen wird; der Exkaiser will zu dieser Zeit wieder in Berlin sein, um die Machtübernahme durch’ die Hohenzollern vorzubereiten. General von Blomberg und seine Offiziere rechnen mit einem Aufstand der Arbeiter und werden gegebenenfalls Kriegsrecht und Militärdikn tatur erklären. Der nächste Schritt wäre; dann clie sofortige Beendigung des antisemL tischen Feldzuges in Deutschland. Danach’ würden Deutschlands neue Führer finam zielle Hilfe bei Amerika suchen. Dazu ist zu bemerken, daß Exkaiser Wik heim, seitdem er Deutschland hat verlassen müssen, bei jeder Gelegenheit die Juden für das Unglück seines Hauses verantwortlich gemacht hat. Palästinaabteilung -x-ns'wiö Josef Popper Internationale Transporte Wien, II., Taborstraße 22 Telephon R 48-5-10, R 40-5-70 Serie Spezial -Warentransporte, Übersiedlungen, Verpackungen für Palästina, Transport- und Reisegepäck Versicherungen. Auskünfte jeder Art über Palästina. Der Deutsch'österrelchlsche Cewerbebund In den offiziellen „Nachrichten des Deutschösterreichisohen Ge-* werbebundes“, Bezirksgruppe Ottakring, ist unter dem Titel „Die Judenfrage4* zu lesen: „Wir müssen staunen, mit welcher Vorsicht man dieser für uns Arier so wichtigen Frage aus dem Wege geht.Roboten, schuften, kanalräumen usw. — nur für Christen. Rechtsanwälto, Ärzte — 90 Prozent Juden. 200.000 haben uns die Marxisten gegen jode Vorschrift nach Wien heimatberechtigt gemacht. Das christliche Wien wartet auf rascheste Überprüfung dieser Zuständigkeiten. Wie lange noch? Doch im Ausschuß für Heimatrecht im Rate der Stadt Wien sitzt der Jude Dr. Ehrlich!!!! Da wird es allerdings nicht so rasch dazukommen. Bis zu diesem Zeitpunkte wollen wir an die Lösung der Judenfrage insoforne selbst schreiten, als wir ihnen nichts a b k a u f e n. Leider sind es unsere Frauen, die es sich nicht abgewühnen können, ihre Groschen zum jüdischen Geschäftsmann zu tragon. Sie gehen selbst in das schmutzigste Lebensmittelgeschäft hinein, nur weil sie eine Semmel um einen Groschen billiger als beim Bäcker bekommen. . . . Also bald heran an die Lösung der Judenfrago, solange es noch Christen gibt!“ Was sagt die Regierung dazu?. kleine Freiheiten“ erlaubt hat, und deren läßt üurchblicken, daß eine Frau, wie die

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