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Die Stimme · 1934-06-29 · Heft 365 (29.6.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 365 (29.6.1934)
Date
1934-06-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. tk b. Preis dieser Nummer 20 g Heute 8 Selten stark JÜDISCHE ZEITUNG ENGL HERRENMODE FEINE MASSWÄSCHE EUGEN PRAGER lM SPIEGELGASSE 25 FERNRUF: R 22-3-90 Nr. 365 j Wien, 29. Juni 1934 Redaktion und Administration 1 Wien, >. Kärntneretraße 28. I ThamilB I V« JflhrffftllS Tel. R 27-4-85. RedaktlonssohluS Montag und Mittwoch vorm. | 1*0» tnawiwe | •* emwm» O O Vom sonntägigen Herzl-Grabgang der Wiener Zionisten Die Judenschaft Danzigs an den Völkerbund Eint Gruppt des Allgemein-Zionistischen Jugendbundes „GWurf Z'/r/m" mit dem Transparent * »,Erfüllet Herzls Verm8dithls'f Jüdische Weltkonferenz in Genf Genf) 27. Juni. In einer am 20. d. in Paris stattgefundenen Sitzung der Exekutive des Comitd des Dölegations Juives wurde beschlossen, für den 6. bis 9. August eine Konferenz der führenden jüdischen Orga* nisationen und Gruppen der verschiedenen Länder nach Genf einzuberufen. Die Konferenz wird im wesentlichen folgende Tagesordnung haben. 1. Berichte über die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern, besonders im Hinblick auf die Gefährdung der jüdischen Situation in einer Reihe von Ländern; vor allem soll in diesem Zusammenhang auch die deutsch-jüdische Frage besprochen werden. 0. Bericht und Analyse der wirtschaftlichen Lage der jüdischen Massen, besonders in Osteuropa, und Vorschläge für die notwendigen Maßnahmen einer konstruktiven Hilfeleistung (Umschichtung, Emi- | gration, Kredithilfe usw.). 3. Stellungnahme zu dem von der pol-; nIschen Regierung für die körnj mende Vollversammlung des Völker- , bundes angekündigten Vorschlag 1 betreffs einer Generalis!e- J rung der Minoritätenrechte. I Dieser Vorschlag wird bestimmt zu einer I eingehenden Debatte über die Minoritätenfrage und damit auch über die jüdische Frage in der Septembertagung des Völker-; blindes führen und kann in seinen Auswirkungen erhebliche Konsequenzen für die Minoritätenrechte der jüdischen Minderheiten in den ost- und mitteleuro- , päischen Ländern haben. Die Konferenz wird zu dem Antrag und seinen möglichen Auswirkungen Stellung nehmen müssen. Die Einladungen an die führenden jüdischen Organisationen und Parteien der verschiedenen Länder sind bereits versandt worden. Aus Amerika wird eine größere Delegation erwartet. Ende Juli Entscheidung über Gesetzgebende Körperschaft in Palästina Jerusalem, 26. Juni. Hier verlautet, daß die Frage der Errichtung einer Gesetzgebenden Versammlung in Palästina in den Verhandlungen zwischen dem High Commissioner Sir Arthur Wauchope und dem Londoner Kolonialamt während des Besuches Wauchopes Ende Juli definitiv zur Entscheidung gebracht werden wird. k | Nur In dl« guton billigen INeudesger Fahrschulen Wien, VIII., Naudeggergasse Nr. 18, Telephon B 46-5-72 und Inzersdort (Nied.-Öslerr.) PrUfungserleiohterung durch : II Laufendes Autc Im Lehrsaal II Danzig, 25. Juni. (Eigenbericht.) Die Verwaltung der jüdischen Gemeinde in Danzig hat dem Präsidenten des Danziger Senats Rauschning einen Protest überreicht, der sich mit den in letzter Zeit erfolgten scharfen antijüdischen Reden des Vizepräsidenten im Senat und anderer nationalsozialistischer Führer beschäftigt. Der Protest ist auch dem Völkerbund übermittelt worden. * Als vor genau einem Jahr in dem unter V ölkerbund Protektorat stehenden Freistaat Danzig als Folge des Ausfalls der Wahlen zum Senat eine nationaleozialistiscihe Regierung ans Ruder kam, versicherten die Leiter dieser Regierung, daß im Gegensatz zu der Praxis im Reich im Freistaat Danzig eine Dissimilierung und Entrechtung der jüdischen Bevölkerung nicht stattfimden werde. Diese Versicherung wurde in der Folge gegenüber jüdischen Institutionen und Persönlichkeiten Danzigs und des Auslandes wiederholt. Als Protektionsland des Völkerbundes kann Danzig eine Politik der Entrechtung und Unterdrückung einer Bevölkerungsmindenheit auch nicht treiben. Heute, da der Danziger nationalsozialistische Senat sich anschickt, in Festen und Umzügen, in Ansprachen und Erklärungen das Jubiläum des einjährigen Bestandes der nationalsozialistischen Regierung zu begehen, ist die Situation für die jüdische Bevölkerung wesentlich anders. Die vor einem Jahre den Juden gemachten bestimmten Versprechungen und Zusicherungen sind zu einem großen Teil nicht erfüllt worden. Dagegen haben sich andere Vermutungen und Befürchtungen nur zu sehr bewahrheitet. Der Gauleiter Förster hält seit einiger Zeit bei jeder Gelegenheit judenhetzerische Reden, und der Senatsvizepräsident Greiser hat in einer öffentlichen Erklärung den wirtschaftlichen Boykott der Juden und andere antijüdische Maßnahmen, unter Vermeidung des gesetzgeberischen Weges, angekündigt. Wie das „Danziger Echo“ meldet, hat Gauleiter Förster, ausgehend von der Beschwerde, die die Danziger Jüdische Gemeinde gegen iihn beim Senatspräsidenten erhoben hatte, folgendes erklärt: „Die Juden haben sich genötigt gesehen, beim Senatspräsidenten gegen den Gauleiter Beschwerde einzulegen. Warum? Weil ihr Wesen dem Volke zu genau gezeigt wird. Wir bezeichnen den Juden wahrheitsgemäß als Parasiten. Hat schon jemand einen Juden hinterm Amboß oder an der Werkbank gesehen?“ Förster zog dabei den Nürnberger „Stürme r“ als Beweisquelle für jüdische Art heran. Das „Danziger Echo“ weist darauf hin, daß in Deutschland anläßlich eines Wettbewerbes von 500 in die engere Wahl gestellten Lehrlingen gerade der Lehrling des jüdischen Meisters M. Kraraarski, Vorstandsmitglied des Verbandes jüdischer Handwerker Deutschlands, die zwei ersten Preise errungen hat. Und auch in Danzig bilden die Juden ein Element, auf das man — offiziellen Erklärungen zufolge — nicht nur nicht verzichten zu dürfen glaubt, sondern um das m a n sogar ausdrücklich wirbt. . Nun soll, wie das „Danziger Echo“ er-» I fährt, ein Schächtverbot in Danzig erlassen werden, das sich sowohl auf Großvieh als auch auf Geflügel bezieht, Unter der Judenscbaft Danzigs hat sich deswegen eine große Erregung bemerkbar gemacht, insbesondere in den Kreisen den orthodoxen Juden und vor allem der polnischen Staatsbürger ist man über das angekündigte Verbot außerordentlich bestürzt, um so mehr als im Hinblick auf die 61 r e ngen Gesetze über die Lebensmitteleinfuhr die Deckung des Koscherfleischbedarfs aus dem Auslande auf Schwierigkeiten stoßen wind.. Palästina-Einwanderung wieder vor dem Unterhaus London, 24. Juni. Das Problem der jüdischen Einwanderung nach Palästina wurde aih 21. Juni im Unterhaus abermals zur Sprache gebracht. Auf, Fragen der Abgeordneten Stricklaiiä und Jänner antwortete Sir Philip Cunliffe-Lister, der High Commissioner für Palästina habe bei der Festsetzung der Halbjahrsquoten. für die Arbeitereinwanderung die Schätzungen der Jewish Agency betreffend die vermutliche Zahl freier Arbeitsplätze berücksichtigt, nachdem diese Schätzungen dem Einwanderungsdirektor zu eingehender Prüfung vorgelegt worden waren. Die Beschwerden über Mangel an Arbeitern in bestimmten Kategorien seien ihm bekannt, aber er vertraue vollkommen dem Urteil des High Commissioner, der am besten in der Lage sei, unter Berücksichtigung von Gegenwart und Zukunft die wirkliche wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit Palästinas zu beurteilen. Abg. Jänner fragte weiter, ob der Minister die von den palästinensischen Industriellen in bezug auf die Aufnahmefähigkeit des Landes gemachten Erklärungen geprüft habe und ob er sie bezüglich künftig auszugebender Zeitifikate zu Rate ziehen wolle. Der Kolonienminister antwortete: „N e i n, ganz gewiß nicht. Das Verfahren ist genau festgesetzt und wurde von jeder Regierung, die mit der Verwaltung des Mandats betraut war, befolgt. Es ist durchaus notwendig, daß die Anwendung der Richtlinien im einzelnen dem High Commissioner überlassen bleibe.“ Nachdem noch Colonel Wedgwood einige Fragen betreffend das Verhältnis zwischen Arbeitereinwänderüng und Kapitalisteneinwanderung gestelt hatte, fragte Captain Strickland, ob der Kolonienminister dem Hause die Versicherung geben wolle, daß die Politik der Regierung wirklich auf der Berücksichtigung der Aufnahmefähigkeit des Landes und nicht auf politischen Erwägungen basiere. Sir Philip erwiderte: „Jawohl. Ich freue mich sehr, daß diese Frage gestellt wurde, wenn es auch zum zwanzigsten Male geschieht. Keinerlei Erwägung außer der Berücksichtigung der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit hat jemals die Regierung dieses Landes oder den High Commissioner geleitet.“

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