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Die Stimme · 1934-06-22 · Heft 363 (22.6.1934) · page 11

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 363 (22.6.1934)
Date
1934-06-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. m. - 22. Juni 1934. DfP STIMME Belte rr1 HERZL-GRA3GANG - Sonntag, 24. Juni Ludwig Gränwald, Baden: GemeinmiUod^^entiutz? Zu den Wahlen in die Badener Kultusgemeinde ©iGnsriudenschnft gcsen die ElnwandßrungsbßSChrönKuns Im Sattln rl os Hotels Bnyr i s c. li e r Hof fand a.m 18. <1. eine vom Vorhand der A11g o m eine n Z i o n i s t e n, denn V e rh a n d Radikaler Z i o n i s t e n und der W i z o einberufeno Protestverrfammlung gegen die Drosselung der Einwanderung nach Palästina statt. Tn dem dichtgefüllten Saale verwich zunächst der Vorsitzende Doktor. G r ü n b a u m auf die große Erregung der jüdischen Massen, die ihre einzige Rettung in Palästina sehen, und auf die mandatswidrige Politik der Palflstinaregierung. Als erster Redner sprach der Präsident der jüdischen Gemeinde, Dr. D e s i d e r E r i e d m a n n, der auf die traurige Lage des jüdischen Volkes in vielen Ländern verwies, insbesondere auf die starken antisemitischen Strömungen in Polen und Lettland. Der Redner besprach nun die Bestimmungen der Balfourdeklaration und des Mandates, für deren Durchführung der Mandatsvertrag England „v e r a n t, w o r 11 i c h“ mache. Er verwies darauf, wie sehr die Araber an unserem Aufbauwerk Vorteile ziehen, da sich der Lebensstandard der Araber um 200% gehoben habe, während er sich bei den Juden nur um 25% gesteigert hat. Der Redner legte weiter dar, wie die Regierung Palästinas mit großer Konsequenz die Bestimmungen des Mandates immer einschränkender auslege und bewußt darauf ausgehe, den Sinn des Mandates ins Gegenteil zu verkehren. Dieser Vertragsbruch muß dem stürmischesten Protest der Juden in der ganzen Welt hervorrufen und wir dürfen nicht rasten, bevor unser Recht auf Palästina sich auch in der Praxis durchsetzt. (Lebhafter Boifall.) Als zweiter Redner sprach der Präsident des Verbandes der Radikalen Zionisten, D r. Leopold P 1 a s e h k e s, der ebenfalls den Vertragsbruch Englands geiselte. Er erinnerte daran, daß alle einschränkenden Maßnahmen Englands das Aufblühen Palästinas nicht habe verhindern können. Nicht zuletzt durch den vehementen Widerstand der jüdischen Bevölkerung Palästinas habe England die Razzien gegen die sogenannten illegalen Einwanderer einstellen müssen. Der große Proteststreik in Palästina, an dem sich ' alle Parteien von der Histadruth bis zu den Revisionisten geschlossen beteiligt haben, um gegen die Drosselung der Einwanderung zu protestieren, werde Das zionistische Leben in Baden hat einen großen Aufschwung* genommen. Die M i ß- Stimmung gegen die derzeitige Führung der Kultus gemeinde und der große zionistische Erfolg bei den Wahlen in die Wiener Kultusgemeinde haben auch don nichtzionistischen Wählern Badens die Augen geöffnet. Allgemein ringt sich die Erkenntnis durch, daß die. Führung der Gemeindegeschäl'to in Baden im argen liegt. Die Badener Kultusgemeinde wird von kleinlichen Streitigkeiten erschüttert. Die Gemeinde verbraucht den überwiegenden Toil ihrer Einnahmen für Gehaltszahlungen. Das Budget für 1933 betrug* 80.000 Schilling, davon erhielten die Gemeiudeangestellten 63.000 Schilling. W o bleibt da die F tt r s o rg e t ä t i g k e i t, die Kredithilfe, die Sorge für die E rz i e h u n g der Jugend und für die U m- Schichtung* der Jugend! Dafür war keiu Geld vorhanden, wohl aber mehr als 10.000 Schilling für die Übersiedlungskosten des Rabbiners. Kein Wunder, daß da die Mißstimmung* der Badener Kulutuswähler außerordentlich groß ist. Auch in Baden ist die Erkenntnis zum Durchbruch gelangt, daß die Kultusgemeiiulo nicht nur die religiösen Beel ii r f n i s s o zu befriedigen hat, sondern auch allen kulturellen und wirtseinen Eindruck auch bei der englischen Regierung nicht verfehlt haben. Was aber bei diesem sicbenstündigon Proteststreik möglich war, wo L i n k s z i o n i s t e n und Linke Arm in Arm marsc-hierten, das müsse auch in allen anderen zionistischen Angelegenheiten dnrcligosetzt werden. Wenn wir einig und geschlossen sind, werden wir auch den schlechten Willen Englands brechen. (Lebhafter Beifall.) Als letzter Redner sprach D r. G r ii nb au in, der darauf hinwies, daß wir trotz allem in England gute Freunde haben und daß ein Unterschied zwischen dem englischen Volk und der englischen Regierung gemacht werden müsse. Der Redner berichtete, über eine kürzlich erschienene Schrift eines englischen Zionistenfreundes, H e rb e r t Sidedotham, die von großem Ger recht,igkeitsgefiihl und Verständnis für die zionistische 'Sache durchdrungen sei und ebenso wie die beiden Vorredner es getan haben, England des Vertragsbruches zeihe. (Wir werden auf diese interessante Schrift in einem besonderen Artikel zurückkommen. Die Red.) Zum Schlüsse seiner..Ausführungen beantragte Dr. Grünbaum folgende Resolution, die einstimmig angenommen wurde, wonach die Versammlung mit der Hathvah geschlossen wurde: Resolution Die am 18. Juni 1934 im Saale des Hotels Bayrischer Hof tagende, von den allgemeinen Zionisten, den radikalen Zionisten und der Wizo einberufene Massenversammlung erhebt feierlichen Protest gegen die Drosselung der Palästina-Einwanderung. Die Versammlung ist der Ansicht, daß die englische Regierung Sinn und Wortlaut des Mandats verletzt, wenn sie unter Mißachtung der gegebenen wirtschaftlichen Aufnahmsfähigkeit des Landes, den Bestimmungen des Mandatsvertrages und des MacDonald - Briefes Einwanderungsziffern festsetzt, die einen Hohn auf die Notwendigkeiten unseres jüdischen Nationalheims darstellen. Die unter allen Umständen zu einigende zionistische Weltorganisation muß die öffentliche Meinung Englands und das Weltgewissen aufrütteln, damit die letzte Hoffnung des jüdischen Volkes, die Lösung der Judenfrage in Palästina, verwirklicht werde. schaftlichen Bedürfnissen ihrer Mitglieder ihr tätiges Augenmerk zuWenden muß. Das ist das zionistische Programm derVolksgemeinde, das sich in Wien siegreich durchsetzt. Das ist auch das Programm des Wirtschaftsvereins in Baden, der zusammen mit dem Zionistischen Block in Badon am kommenden Sonntag in die Wahlschlacht zieht. Die Sympathien, die sich diese Wahlgemeinschaft bei der Wählerschaft erworben hat, rechtfertigt die Hoffnung auf einen schönen Sieg. Es wird nach diesem Wohlsonntag ein neuer Geist in die Kultusgemeinde Baden einziehen. Sie wird zu neuem Leben erwachen und der Frosch-Mäusekrieg einer verknöcherten, überall Feindseligkeiten hervorrufend e n G r u p p o wird der Vergangenheit angehören. Die Badener Kultuswähler haben die Entscheidung. Wenn sie nicht wollen, daß der häßliche Zustand der Verknöcherung und des Haders andauert, wenn sie wollen, daß ihre Gemeinde entsprechend ihren Wirkungsmöglichkoiten der großen Wiener jüdischen Gemeinde nacheifert, zu ihrem Wohlc u nd zum W o h 1 e des ganzen Judentums, dann wählen sie: Wirtschafte verein und Z i onistenblock. Das Budget des Jahres 1929 — also der früheren Mehrheit des Kultusaussch/usses —■ betrug noch rund 108.000 Schilling. Davon wurden für Gehälter, Pensionen und soziale Lasten, der Angestellten rund 53.000 Schilling ausgegeben, das sind nahezu 50 Prozent des Gesamtbudgets; also eine unerhörte Belastung, wenn man bedenkt, das beispielsweise die Wiener Kultusgemeinde mit ihrem viel größeren Wirkungskreis mit zirka 30 Prozent das Auslangen findet. Aber dio frühere Majorität tat noch mehr. Sie übernahm neue Verpflichtungen, durch die sich die Ziffern für Gehälter, Pensionen usw. auf 75 Prozent des Gesamtbudgets steigerte, denn im Jahre 1933 betrug dieses 85.000 Schilling und von diesem mußten 63.000 Schilling für diese Posten ausgegeben werden! Dabei sind an Kultu&steucrn im Jahre 1929 noch -41.000 Schilling, also ungefähr 40 Prozent des Gesamtbudgets dieses Jahres eingegangen, während 1933 nur mehr rund 27.000 Schilling eingingen, also zirka 30 Prozent dieses Jahresbudgets, das entspricht einem Steuerrückgang von 33 Prozent seit dem Jahre 1929! An Subventionen“ für Jugendzwecke usw. fehlte es auch nicht, man hatte hiefür 380 Schilling übrig! Dabei wurde die bestehende Armenküche mit 1200 Schilling jährlich, also mit — 100 Schilling monatlich dotiert. Das bedeutet in der jetzigen Not soviel wie — nichts. Wer schuld ist? Diejenigen, die die Verwaltung früher mit .Verpflichtungen belasteten, die sie heute nicht Iqswerden kann oder zumindest nur sehr schwer und nicht, ohne die Angestellten ent- . weder zum Teil abzubauen oder wenigstens die Spitzengebälter radikal zu reduzieren. Wir Zionisten verlangen daher von der zukünftigen Gemeindeverwaltung — und der mit uns koalierte Wirtschaftsverein hat sich ebenfalls dieses Programm zu eigen gemacht — folgendes: 1. Die Fürsorge muß mit den bereits bestehenden, sich diesen Zwecken widmenden Vereinen so zentral ausgebaut werden, daß wirksam auf allen Gebieten geholfen werden kann. Der jetzige unwürdige Zustand muß beseitigt werden und ein namhafter Teil des Budgets — in Wien beträgt er ungefähr soviel als an Kultussteuern jährlich eingeht — muß für Zwecke freigemacht werden, die heute wichtiger sind, als jemals zuvor. 2. Kulturelle Aufgaben, wie die Förderung allgemein zugänglicher Kurse der hebräischen Sprache, jüdischer Geschichte, alt- und neujüdischer Literatur und dergleichen, sind Aufgabe der Gemeinde. Aber besonders den sich mit Jugenderziehung befassenden Kreisen, den Jugendvereinigungen muß in ihrer Bemühung um. die jüdische Jugend tatkräftig geholfen werden, und zwar ln solcher Weise, wie dies heute von jeder staatlichen, aber auch, von jeder Gemeindeinstitution geschieht, die auf die Zukunft der nächsten Generation bedacht ist. Zu all dem muß ein Kultur- und Jugend r e f e r a t bei der Gemeinde geschaffen werden, das im Geiste der Zeit den Kontakt mit allen Kräften, die hiefür ln Betracht kommen, zu pflegen hat, insbesondere mit Vertretern der Jugend. 3. Cs muß ein Posten „Palästina“ ins Budget eingestellt werden. Es ist nicht Sache dieser Zeilen die Notwendigkeit oder Berechtigung dieses Postens zu begründen, jeder bewußte Jude versteht ihn von selbst. Der nationale Aufbaufond „Keren Hajessod“ gehört hier ebenso dazu, wie etwa die Förderung von Menschen, die im Hinblick auf Palästina ihre Berufe umschichten wollen oder die bereits so weit sind, daß sie in ihren alten oder in ihren neueroberten produktiven Berufen nach Erez Israel gehen wollen und dazu teilweise der Mittel aus der öffentlichen Hand bedürfen. Es ist zu hoffen, daß die Bevölkerung, daß jeder Jude Badens aus allem obigen für sein Stimmrecht bei der bevorstehenden Wahl des Kultusausschusses für sich die Folgerung ziehen wird, die allein möglich ist: Jede Stimme den Männern zu geben, die die jüdische Gemeinde neu a u f b a « e n wollen, nicht zum Nutzen eines Teiles, sondern im Geiste und zum Nutzen aller Juden, zum Segen der j ü d is c h e n Gemeinde und des jüdischen Volkes! «EU ERSCHIENEN-- Z.F.Finkelttein SeUieksaUsiunden eines Fiikcees 128 Seiten, reich illustriert Preis S 5'- Zu beziehen durch den SAWITRA-VERLAG l.,Wipplingerstr.12 sowie alle Buchhandlungen äf&jg' Streng IttD 9 SEEFELD (Tirol) 1200 Meter Einzigart. Höhenkurort, intens.Höhensonne,Wassersport, Pension Geschwister Scheer im Hotel Hochalm Bekannt erstklassige Verpflegung, mäßige Preise, Fahrpreisermäßigung Wollen Sie gut und billig leben? 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