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Die Stimme · 1934-06-22 · Heft 363 (22.6.1934) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 363 (22.6.1934)
Date
1934-06-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. m. - 22. Junf 1984. BW STfffHH Seite 9 für Herzl. Die Ehre des Vorbctens im Heimetrauertage, am Tiscbn b'nw zu Herzls wurde zwei verdienstvollen Zionisten zugeteilt, Samuel Samucly und Eisig Torczyncr. (Dieser heilige Schrein befindet sich heute im Ilerzl-Zimmcr des Keren Kajemetli in Jerusalem.) Aus aller Welt kamen Trauerkundgebungen, von Juden und Christen, Diplomaten, Staatsmännern und Souveränen. Und heute noch, nach dreißig Jahren, seit jenem Geschehen, fühlen wir noch die Erschütterung nach, die durch die Welt ging, als Ilerzl sie verließ und, ale die Welt, wie Berta v. Suttner schrieb, ärmer wurde, da. Herzl nicht mehr war. Und nach dreißig Jahren, nach den „Schloschim“ der Trauerjahre, wollen wir nicht nur trauern, daß Herzl gestorben ist, «sondern uns auch freuen, daß er lebte, daß er unser war, daß er uns Weg und Ziel wies. Die Tränen waren noch kaum getrocknet, als das jüdische Volk in seiner ganzen Gliederung die Größe Herzls für die jüdische Geschichte erfaßte. Achad Haara, der harte Widersacher und große Antipode Herzls, fühlte gleich in der großen Trauer de« jüdischen Volkes die Sendung Herzls hervorleucht.en. Er ließ das Wort, des Widerspruches, das Herzl so oft Kummer verursachte, fallen und schrieb: „Herzl, das ideale Bild, wie herrlich wird sein Anblick sein und wie groß seine Macht auch nach dem Tode. Noch ehe die dreißig Tage der Trauer, ,Sehloschim‘, verstrichen sind, haben wir von Anregungen gehört, Herzls Namen mit Palästina und einem Denkmalfonds zu verbinden. Es kamen auch wirklich Anregungen aus aller Welt, die das Andenken Herzig für ale Zeit ehren sollten. Die ersten Spenden für ein Denkmal Herzls in Palästina kamen vom Bankier Grigori Lourie aus Pinsk und Rabbiner Landau aus Botosani. Gedanken wurden rege zur Beschaffung eines Fonds für nationale Erziehung iri Palästina. Aus Nikolajew in Rußland wurde eine Nationalspende für die Versorgung der Kinder Herzls angeregt. Jechiel Tschlenow übermittelte die Anregungen der Zionisten, aus Moskau, die Gebeine Herzls auf Nationalkoeten nach Palästina zu überführen, und er erlegte für diesen Fonds gleich die ersten 25.000 Francs. Tschlenow schlug dem Judentum vor, alljährlich das Andenken Herzls am Nationalerneuern. Das österreichische Distrlktekomitee, mit dem Obmann Dr. E. M. Zweig an der Spitze, beschloß, den 3. Juli — 20. Tharnus — dem Todestag Herziß, für alle Zeiten als N a t i o n a 11 r a u e r t a g festzusetzen, an welchem die Zionisten und die Juden der ganzen Welt durch größere Spenden für den jüdischen Nationalfonds Ausdruck zu gebon haben. Sie beschlossen, alljährlich solange sich-die Mit glühenden Augen starrt Herzl in die Nacht. Das Rütteln des Schnellzuges erhöht noch seine zitternde Erregung. Wie zerschlagen kehrt er von seiner russischen Reise zurück. Eine Flut von Reden, Konferenzen und Verhandlungen hatte sich in Petersburg, Grodno, Bialystok und Wilna über ihn wie eine Sturzwelle ergossen. Noch ganz benommen ist er von der überströmenden Fülle der Eindrücke. Im Eilzugstempo bereist er zum erstenmal die Siedlungsstätten russischer Juden und erst jetzt verspürt er den gewaltigen Rhythmus jüdischer. unverfälschten Lebens. Müde lehnt er die Stirn an die Scheibe des Coupäfensters und blickt den blitzschnell vorüberhuschenden grünen und blutroten Signallichtern der Bahnhöfe nach. Sie scheinen ihm jetzt wie geheimnisvolle Meilensteine seines eigenen sturmgepeitschten Lebens. Nach Mitternacht hatte er Wilna verlassen. Immer noch sieht er das Bild wutschnaubender Kosaken vor sich, die mit Nagaikas auf die Juden losschlugen. „Warum schlägt man diese Menschen?“ — frug er sich, zitternd am ganzen Leibe, während der Fahrt zum Bahnhof. Ein Polizeimeister, der seinem Wagen voranritt, gab das Kommando. — „Wie-kann man nur in einem solchen Lande leben?“ — In dichten Massen stauten sich die Wilnaer Juden während seiner Abreise in den Stra- Gebeine Herzls in Wien befinden werden, einen Grabgang an sein Grab »u veranstalten. Die kaukasischen Bergjuden traten mit der Anregung hervor, in das Kaddasch-Gebet den Namen Theodor Herzls einzufügon. In aller Welt, in Rußland und in Amerika wurden den Kindern als Doppelvorname Theodor Herzl gegeben. Das erste Kind, das diesen Namen erhielt, war das Kind eines bekannten Schauspielers Thomaaefsky in Amerika. ßen, die zum Bahnhof führten und jubelten dem nach dem Kischmiewer Progrom verheißungsvoll erwarteten Führer wie einem König zu. Noch hört er die Schreie und Rufe, die ihm bis zur Abfahrt des Zuges entgegendröhnten: „J e c h i H a m e 1 o e c h 1“ Es lebe der jüdische König! Je-chi! Jechii.J Nur weg von dieser grausigen Hölle! Nur weg! Der Zug saust durch die Nacht und müde kauert Herzl in der Ecke des Coupes, umdüstert von den Bildern des Grauens, die ihm in greller Deutlichkeit zum Bewußtsein kommen, da er diese Stätten vielleicht für immer verläßt. Elend, Elend, unsagbares Elend, wohin er auch geschaut. Erschütternd die Annut in den Ansiedlungsrayons, Angst, zitternde Angst in den Städten, die von Pogromluft umweht sind. Was wußte er bis jetzt vom wirklichen Elend, er, der zeitlebens nur in Wohlstand und Geborgenheit einer bürgerlichen Existenz zu wandeln gewohnt war? Er schüttelt sich vor Wut und Scham. Jechii Hamelech... Jeclii...! hört er durch das Knattern der Räder... Es lebe der Messias! — dröhnt noch das Echo des Jubels in seinem aufgewühlten Geist, da er sich an den Empfang im Gemeindehaus Wilnas erinnert, wo ihm eine Thorarolle ..überreicht wurde und der alte Rabbiner mit erhobenen Händen ihn wie einen Fürsten segnete. Mit halbgeschlossenen Lidern blickt er vor sich hin und spürt, wie diese heiße Dr. Josef Chasanowitsch, der verdienstvolle zionistische Vorkämpfer und Begründer der National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem, trat mit der Anregung hervor, in Palästina eine H e r z 1 - H a 11 e, eiti eigenes, für den Nachlaß Herzls geschaffene Gebäude aufzubauen. Es liegt heute, an uns, all das noch zu tun, was die Erfüllung des Vermächtnisses Herzls, und der Anregungen, die aus der Volksseele kamen, bedeuten würde. Welle aus den Niederungen jüdischen Lebens in ihn einzuströmen beginnt. Was wußte er bisher von diesen Judenmassen des Ostens? Kaum einzelne sah er bei den Kongressen und Konferenzen, die ihm stets fremdartig vorkamen. Wie Sendboten eines Lebens, das von einem abgrundtiefen Born der Urzeit hervorzubrecheri schien. Was wußte er, der Führer, au« eigener Wahrnehmung von all dem übermenschlichen Leid, das er erst jetzt erkannte? Was wußte er von dieser mystischen Verbundenheit der Judenmassen mit ihrem Gott der Heerscharen, der ihnen am Berge Sinai einst Ewigkeit verheißen hatte? Kaum verstand er die Gebräuche und Gebete der unübersehbaren Haufen, die ihm wie einen Sendboten des Heils überall iu fieberhafter Erwartung entgegenkamen. Jetzt erst erkennt er die geschichtliche Sendung dieses Volkes, das über den Jammer seines Erdendaseins seit Urzeit eine Brücke zur Ewigkeit schlägt. — „Aus dem Fieber der ewigen Sehnsucht wird das Heil Zions erstehen“ — nun begreift er den Sinn seiner eigenen Worte, die er noch vor Jahren verzeichnete. Das Heil? — Gibt es in absehbarer Zeit eine Rettung für diese in Elend und Gläubigkeit sterbenden Massen? Ist er nicht am Ende ein falscher Messias, der aus der krampfhaften Sehnsucht eines Volkes nur Trugbilder einer weiten Ferne hervorzauberte? Lösung der Judenfrage — Zion — Judenstaat — ach, nur Worte sind's bis jetzt; Wunsch träume, vage Versprechungen Z. F. FINKELSTEIN: DER WEG NACH UGANDA Aus dem soeben ira Sawitra-Verlag, Wien-Amsterdam, von Z. F. Fink eiste in erschienenen Hcrzl-Buch bringen wir mit Genehmigung des Verfassers den folgenden Abschnitt: Familien erhalten hat. Es is allerdings eine undankbare Sache, ich erlebe es schon oft selbst. Wenn ich von den Verhältnissen bezwungen Nein sage, bin ich ein herzloser Mensch. Das muß man tragen. Meinen Weg im Journalismus habe ich Gott sei Dank Niemandem zu verdanken, als mir selbst. Jahre später — fünf oder sechs Jahre nachdem mich Dein Schwager vorgestellt hatte — als ich schon in deutschen Blättern einen bekannten Namen hatte u. wiederholt im Burgtheater aufgeführt worden war, reiste ich in Spanien. Da machte mir die N. Fr. Presse telegraphisch den Antrag, als ihr Correspondent nach Paris zu gehen. So bin ich zu meiner heutigen Stellung gekommen. Alles Andere ist Erfindung. Mit bestem Gruß Dein Theodor, m. p. zwar ln Gemeinschaft mit meinen Freunden D. Wolfsohn in Köln und Joh. Kremenetzky in Wien. Und zwar sollst Du, wenn mein Vater und meine Mutter nicht mehr leben, der erste Vormund sein, Wolfsohn der zweite und Kremenetzky der dritte. Ich habe das Gefühl, indem, ich das nieder schreibe, daß Du für mich ebensoviel aufrichtige Freundschaft empfindest, wie ich für Dich. Dein Theodor Herzl. Kundgemacht beim K. k. Bezirksgericht Währing, Abt. III, am 5. Juli 1904. Dieser bis jetzt unveröffentlichte Brief ist ein Teil des Testaments Herzls und befindet sich zusammen mit den anderen Akten im Nachlaßgericht. Mitgeteilt von Dr. Nussenblabt. Herzls Blick nach England Neue Freie Presse Redaction: Wien, Kolowratring, Fichtegasse Nr. 11. 14. Ul. 1901. Lieber Poldi, Deinen Brief habe ich mit unangenehmer Überraschung erhalten. Einiges, was Du über die Partei schreibst, erfordert dringerd, daß Du mir morgen Freitag Nm um 3 Uhr in der Fichtegasse 11 das Vergnügen Deines Besuches machst. Nicht so lange will ich aber warten, um einen Irrthum richtigzustellen. Dein seliger Schwager, den ich sehr schätze, obwol er sich gegen meine zionistischen Überzeugungen scharf ausließ, war allerdings vor vielen Jahren so freundlich, mich einem der Herausgeber der N. Fi Pr. vorzustellen. Ich war damals so jung, daß mir der Herausgeber hei dieser Gelegenheit rieth — das Assecuranzwesen zu studiren. Vielleicht könnte ich dann solche Aufsätze für die N. Fr. Fr. schreiben. Ein weiteres Ergebnis hatte die Intervention Deines guten Sc/magers nicht. Für den von ihm bei dieser Gelegenheit an den Tag gelegten gutten Willen, für seine mir immer bewährte Liebenswürdigkeit — von der ich nach diesem mißglückten Versuche nie wiede r Gebrauch gemacht habe — bin ich ihm aber dennoch dankbar geblieben und bewahre ihm eine ehrlich freundschaftliche Erinnerung, die ich gern auch auf seine Kinder übertragen habe und wenn diese jemals einen solchen Freund brauchen sollten, wie ich ihn an ihrem Vater hatte, so können sie auf mich ruhig rechnen. Solche Gefälligkeiten habe ich übrigens schon unzähligemale jungen Menschen erwiesen, die mit mir nicht verwandt, ja mir vorher gar nicht, bekannt waren. Diese Tradition habe ich von meinem guten Vater, der wie Du weißt, eine Menge seiner Verwandten ins Leben eingeführt, auch mit Gehl und Rath u. Thal unterstützt u. ganze Aus Herzls Testament Wien, 14. Juli 1900. Herrn Moritz Reichenfeld, Direktor der Union-Bank Die folgenden, bis jetzt unveröffentlichten Dokumente sind der vom Herzl-Archiv kürzlich veranstalteten Herzl-Ausstellung in Wien entnommen: .CMt»i0HI.'ioNDQW. THE CO BUB G'HOTEL. Imimii n im tunt c«iaM>uc«. QRbSVeNOR*r«aUARE.W^ Herzls nach England gerichtet. Das hier wiedergegebene, recht bemerkenswerte Faksimile stammt aus dem Jahre 1902 und bildet eine Instruktion, die Theodor Herzl seinen Freunden in London für seine bevorstehende Einvernahme durch die Fremdenkommission gab. Später hat Herzl denselben Gedanken anläßlich seiner Bemühungen um Uganda wiederholt. Ein Brief von Herzls Vater „Die Welt“ Rodaction und Administration Wien, IX., Türkenstraße 9. . Mein geliebtes Kind! ln Ergänzung meiner Notizen über Bloch, würde ich Dir empfehlen, den Artikel etwa wie folgt zu schließen: „Unsere Gegner recrutieren sich somit aus folgenden Elementen: a) aus den Protestrabbinern, die vom Judentum leben. b) aus der Hochbank, die in ihrem ausgebildeten Ahnungsvermögen die schädliche Einwirkung der jüd. Colonialbank auf ihre eigene Institute befürchten und c) aus Leuten, die in dem Programm der Colonialbank, zumindest eine Linderung, wenn nicht gar ein vollständiges Aufhören der Judennoth sehen, wodurch ihnen der Boden ihrer bisherigen Thütigkeit entzogen werden könnte. — Speciell die österr. Wochenschrift fiat seit Jahren, durch seine, zwecklosen Angriff: auf die Antisemitenführer den Antisemitismus gezüchtet, und die Judennoth anstatt zu dämmen, nur noch verschärft, — Gruß und Kuß von Deinem treuen Papa Jakob Lieber Freund Moritz! Mein Unwohlsein der vergangenen Woche hat mir wieder den Gedanken des Todes nähergelegt. Wenn ich unter meinen Freunden Umschau halte, so bist Du derjenige, dem ich die Sorge um das künftige materielle Wohl meiner Angehörigen am ruhigsten anvertraue. Ich bestelle Dich also im Nachhange zu meinem früheren letztwilligen Anordnungen zum Testamentsexekutor, falls mein Vater nicht mehr lebt. Ebenfalls für den Fall des Ablebens meines Vaters sowie meiner Mutter bestelle ich Dich zum Vormund meiner Kinder, und c(.A+*. ***-%£- cLuS, VMM«. 3, Vom ersten Moment des Eintrittes in die zionistische Bewegung waren die Blicke

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