Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 363 (22.6.1934)
- Date
- 1934-06-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Betts 4 Die STIMME •Nr. 363. — 22. 'Janf 1994. Ausschreibung Fn ck-r jii.li-sclii'n Ktillusüomeinde in Uni n. il. l)on;m (ÖsItTirk'li) c('!;in::t ilk Stellt' eines Kantors-Sdiodiet u. Bodek der auch Bai Tokea Ist, F>is längstens 15. August zur Mesetzmiu'. Hewerber. die stimmbettnbt, musikalisch gebildet sind lind entsprechende Kenntnisse und Praxis im Hebräischen nachweisen können, haben ihro mit Zeugnisabschriften und Lichtbild belegten, ausführlichen Offerte (Lebenslauf, Familienstand) bis längstens 15. Juli 1034 an das Präsidium obiger Gemeinde einzusenden. Gehalt nach Übereinkommen. Nur die zum Probevortrag Berufenen haben Anspruch auf Ersatz der Reisespesen. mrdaiuT und 4 andere. Die RegRtrierung von 933 Juden und 15 Niehtjuden erfolgtu auf Grund der besonderen Regelung vom Jahre 1931. Demnach war die Gesamtzahl der als Einwanderer Registrierten 31.977 (30.327 Jttdmi. 1050 Niehtjuden). 3250 jüdische Einwanderer hatten ein Eigenkapital von mindestens 1000 Pfund. Die Zahl der Einwanderer dieser Kategorie 1931 und 1932 betrug 233. beziehungsweise 727. 11.165 Juden (8527 Männer und 203S Frauen) und 303 Nichtjuden wurden als auf Grund fixer Anstellung eingewandert registriert. Fast alle diese sind auf Grund von Arbeiter-Einwanderungszertifikaten gekommen. 1505 Personen, darunter 1269 Juden, wurde die Einreise nach Palästina verweigert. Trotzdem gab es eine unerwartet hohe Zahl illegaler jüdischer Einwanderer. Die Regierung ist entschlossen, die gesetzwidrige Einwanderung in Zukunft zu verhindern. In die arabische Presse haben übertriebene Berichte über unerlaubte Einwanderung Eingang gefunden; unvorsichtige Äußerungen repräsentativer Zionisten — von unverantwortlichen Prophezeiungen einzelner Juden in Zeitungen und auf den Rednertribünen zu schweigen — hätten wenig dazu beigetragen, diese Berichte zu entkräften. Die Politik der Regierung in bezug auf Regelung der jüdischen Einwanderung geht .dahin, diese der -wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes unter Berücksichtigung der Arbeitslosigkeit und aller nicht nur vorübergehenden Charakter tragenden Arbeitsmöglichkeiten anzupassen. Den syrischen Behörden wird der Dank für ihre Mitwirkung bei der Bekämpfung der illegalen Einwanderung ausgesprochen. Was die Einwanderung von 'Arabern aus Transjordanien nach Palästina zwecks Arbeitssuche betrifft, so seien im Sommer höchstens 1000 Araber auf Arbeitssuche nach Palästina gekommen, die meisten seien aber noch vor Jahresschluß wieder fortgezogen. Die Zahl der Transjordanier, die sich unerlaubt in Palästina niedergelassen haben, betrage nur wenige hundert. Der wirtschaftliche Aufschwung Palästinas Wenn es noch eines Beweises für die anhaltende wirtschaftliche Prosperität in Palästina bedürfte, heißt cs in dem Bericht weiter, so wäre er durch den Verwaltungsüberschuß erbracht, der nach dem Stand vom 31. März 1934 auf fast 2V> Millionen Pfund geschätzt wird. Die günstige Wirtschaftslage wird auf die Einwanderung von Kapitalisten und anderen Einwanderern. durch die der Konsum erhöht wird, auf die Ermöglichung der Erteilung billigen Kredits infolge der Kapitalakkumulation in den Banken, auf die dauernde Ausdehnung der Landwirtschaft und die lebhafte Tätigkeit im Baugewerbe zurückgeführt. Palästina ist nicht nur für Juden ein anziehender Anlagemarkt. Die Eröffnung des Hafens von Haifa und die Fertigstellung der Ölleitung von Mossul nach Haifa bedingt eine Belebung des Interesses an Palästina seitens der Exporteure und Investituren Englands und des europäischen Festlandes. Bodentransaktionen betrafen vor allem Bauplätze und ürangcnplautagen. Dio starke Nachfrage hat auf diesem Gebiet Spekulationen von beunruhigendem Ausmaß hervorgerufen. Wonn auch mit einer Änderung, der die jetzige Prosperität bedingenden unstabilen Faktoren und abnormen Einflüsse durch Umgestaltung der Wirtschaftsverhältnisse in Europa oder die strengere Einwandorungskontrolle gerechnet werden könne, so sei doch nicht zu befürchten, daß so etwas wie eine Wirtschafts- oder Finanzkrise eintreten könnte. Der Zufluß von Kapital und Menschen hat dio Erhöhung des Geldumlaufes von 2,878.776 Pfund am 31. Dezember 1932 auf 3,579.664 Pfund am 31. Dezember 1933 zur Folge gehabt; der Umlauf am 31. März 1934 dürfte gegen 4 Millionen Pfund betragen. Der Anteil der Palästinaregierung an dem Gewinn des Währungsüberschusses ist im Finanzjahr 1932/33 auf 90.000 Pfund gestiegen. In dem Bericht wird sodann die gesunde Grundlage der bestehenden Industrieunternehmungen und die Ausweitung ihres Marktes betont. Manche Betriebe müssen ununterbrochen mit wechselnden Belegschichten arbeiten. So die Silikat- und Texilfabriken, die moderne Ölfabrik in Haifa und die Zementwerke. Erfahrene jüdische Industrielle aus Deutschland haben eine Reihe neuer Fabriken ins Leben gerufen, Ramath Gan bei Tel-Aviv entwickelt sich allmählich zu einer Fabrikstadt. Unter den neu aufgenommenen Erzeugungen werden Seidenweberei, Aluminiumwarenherstellung, Messer- und Silberschmiedearbeit, Herstellung von Draht, Nägeln, Rasierklingen, elektrotechnischen Bedarfsartikeln, Metallwaren und Schokolade erwähnt. Auf Vorschlag der Ständigen Kommission für Handel und Industrie hat die Regierung die industrielle Entwicklung durch Schutzzölle und Zollbefreiung für gewisse Einfuhrartikel gefördert. Nach Beratung der Regierung mit den Vertretern des Citrushandels wurde im November eine Exportsteuer für Citrusfrüchte eingeführt, deren Erträgnis für die Finanzierung der Exportpropaganda bestimmt ist. Dadurch soll die Konkurrenz der palästinensischen Citrusproduktion mit derjenigen anderer Länder gefördert und ein vorteilhafter Absatz der palästinensischen Ware auf ausländischen Märkten gesichert werden. Die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims Die Entwicklung des Jüdischen National heims wird in dem Bericht folgendermaßen geschildert: 1920 betrug die jüdische Bevölkerung Palästinas 66.574 Seelen, von denen 51.000 in den Städten und 15.000 auf den Farmen und in den Siedlungen wohnten. Ende 1933 war die städtische Bevölkerung auf 175.000, die Landbevölkerung auf 65.000 in 126 landwirtschaftlichen Siedlungspunkten gestiegen, insgesamt also 240.000 Personen. 1920 hatten 137 jüdische Schulen, unter ihnen drei Mittelschulen und drei Lehrerbildungsanstalten, insgesamt 12.830 Schüler. Heute werden 38.337 jüdische Schüler in 141 Elementarschulen, 10 Gewerbe- und Ackerbauschulen, 13 Mittelschulen und 4 Lehrerbildungsanstalten unterrichtet; dazu kommt die Hebräische Universität mit 68 Lehr- und Forschungskräften und 188 Hörern. Die Bibliothek hat eine Viertelmillion Bänd e, es gibt eine geisteswissenschaftliche und eine naturwissesehaftliche Fakultät. 41 Studenten promovierten bereits. Vor dem Kriege gab es in Palästina 1235, zum größten Teil arabische, Gewerbebetriebe. Heute beträgt die Zahl der Betriebe annähernd 5290, davon fast 3000 jüdische mit e i n e m investierten Kapital von rund 4 'A Millionen P f u n d, einer jährlichen Produktion im Werte von über 4 Millionen Pfund und zusammen 16.000 Arbeitern. Die von jüdischen Einwanderern seit der Okkupation geschaffenen Erzeugungszweige zeigen eine erstaunliche Vielfältigkeit von Zement- und Silbcrwnren bis zu Fruchtsaft und Stachcldraht.. Der Umfang des Jüdischen Landbesitzes ist von 450.000 Dunam im Jahre 1920 auf 1,110.000 Nunam im Jahre 1933 gestiegen. Der Jüdische Nationalfonds hat im Jahre 5693 (Oktober 1932 bis September 1933) 32.351 Dunam, von denen 18.518 vorher der American Zion Commonweagth gehörten, erworben. 93.000 Pfund wurden 1933 von der Jewish Agency für landwirtschaftliche Siedlungen ausgegeben. Auf diesem neuen Land wurden 83 landwirtschaftliche Siedlungen gegründet, das Orangenpllanzungsgebiet wurde auf 125.000 Dunam ausgedehnt. Die Ernte aus den jüdischen Orangenplantagen macht etwas mehr als die Hälfte der gesamten Orangenernte aus. Verpackung und Vorladung werden weitgehend auf genossenschaftlichem Wege durchgcführt. Ein ausgedehntes Netz jüdischer Krankenhäuser, Kliniken und Ambulatorien, unter denen die von der Krankenkasse des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterverbandes erhaltenen Einrichtungen besonders zu erwähnen sind, dient den Aufgaben des Gesundheitswesens. Auch auf vielen anderen Gebieten übt der 40.000 Mitglieder umfassende Arbeiterverband seinen Einfluß aus. Er hat seine eigenen kulturellen Einrichtungen, eigene Dorf- und Abendschulen, eigene Lehrwerkstätten, eigene Arbeitsbüros, eine eigene Zeitung. Die Ausbreitung der hebräischen Sprache in Palästina geht aus den Angaben über Muttersprache in der Volkszählung von 1931 hervor. Von einer jüdischen Gesamtbevölkerung von 175.000 haben damals nicht weniger als 165.500 Hebräisch als Umgangssprache angegeben. Drei Tageszeitungen und 35 Zeitschriften, darunter eine Anzahl von Gewerbe-, Kunst- und sonstigen Fachzeitschriften, erscheinen in Palästina in hebräischer Sprache. Gut eingerichtete Verlagsanstalten in Tel-Aviv und Jerusalem bringen moderne Literatur in hebräischer Übertragung, hebräische Originalwerke und Lehrbücher in großer Zahl heraus. Jüdische Maler und Bildhauer beginnen über die lokalen Kreise hinaus Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Die hervorragendsten Musiker der Welt werden von Palästina durch die Gewißheit angezogen, dort ein großes und verständnisvolles jüdisches Publikum zu finden. Die Habima-Truppe jüdischer Schauspieler, eine zweite, die Burleske pflegende Truppe und die Liebhaber-Schauspieler des Arbeiter- Verbandes können stets auf ein zahlreiches Publikum bei ihren häufigen Aufführungen rechnen. Tel-Aviv selbst ist ein M i k r o k o s m o s eines jüdischen Nationalheims. In kleinerem Umfang stellen die jüdischen Vorstädte von Haifa, Tiberias und Jerusalem die Konzentrierung jüdischen Bemühens und Interesses ebenso dar wie in den ländlichen Gebieten die dichte Anhäufung jüdischer Landwirtschaftsbetriebe und Pflanzungen in der Küstenebene und in den Tälern Jesreel und Esdraelon den Kern einer homogonen jüdischen Siedlung darstellt. Besonders bezeichnend ist das Verschwinden der unter den Einwanderern bestehenden Verschiedenheiten zugunsten des allmählichen Aufkommens eines einheitlichen palästinensischen Typs bei der heranwachseuen Generation. Schließlich erwähnt der Bericht noch die auf Wunsch der Jewish Agency zugesagte wohlwollende Behandlung der Einwanderungsgesuche von geschulten Handwerkern, den in gewissen Fällen möglichen Ersatz Auslands - Heirat- Sch weiz Kaufmann, 46 Jahre, ledig, alleinstehend, 120.000 Schweizer Frcs., sucht Witwe, hübsch, gute Familie, ohne Vorleben, Alter, Vermögen genau entsprechend. Ausführliches Offert mit Bild an RYP-P0P - Paris-13, rue Medicis der Touristenkaution durch Garantie eines Mitgliedes der Agency-Exekutive, die Zulassung weiterer Banken für dio Bestätigung des Eigenkapitals der Einwanderer der Kapitalisten - Kategorie; ferner die auf Wunsch des Waad Leumi vorgenommenen Abänderungen der Gesetzo über das Statut der jüdischen Gemeinden und die Organisation roligiöser Gemeinschaften zwecks Ermöglichung der Amtsverlängerung von Gemeindevertretungen, der Zuerkennung des Charakters einer juristischen Person an die Exekutive des Waad Leumi und der Aufnahme einer Anleihe durch den Waad Leumi. Auch auf dio angebahnte Annäherung zwischen Knesseth Israel und Agudath Israel sowie auf das von der Agency der Agiula bewiesene Entgegenkommen in der Frage der Zertifikateverteilung wird hingewiesen und dio Möglichkeit einer Verständigung in der Frage der Rabbinischen Gerichte, guter Wille von beiden Seiten vorausgesetzt, betont. Mischrachi tritt aus dem Waad Leumi aus Jerusalem, 18. Juni. Misrachi in Palästina hat seine Vertreter aus dem Waad Leumi (Nationalrat als exekutives Organ der Organisation des palästinensischen Judentums Knesseth Jisrael)' zurück zu ziehen beschlossen, nachdem die Revisionisten den Waad Leumi bereits verlassen haben und die Agudas Jisrael, die Organisation der nichtzionistischen orthodoxen Judenheit, in ihm nie vertreten gewesen ist. Bevor es zur Durchführung dieses Beschlusses des palästinensischen Misrachi kommt, soll die Meinung des Misrachi in Polen hiezu eingcholt werden; dies dürfte im Verlauf dieser Woche geschehen. Der Vorsitzende des Waad Leumi J. B eh Z w i, ein Führer der Arbeiterpartei, teilt mit, daß ihm eine Information über einen Austrittsbeschluß des Misrachi nicht zugegangen ist. Streichersette Rltualmordpropaganda in Palästina Jerusalem, 18. Juni. Die Palästinaregierung hat die arabische Tageszeitung „Al Jainea Al Islamia“, die Artikel und Bilder aus der Ritualmord- Nummer des „Stürmer“ von Julius Streicher reproduzierte, ftir die Dauer einer Woche, verboten. General Smuts schreitet gegen NazbPropaganda ein Der Justizministor der südafrikanischen Union General Smuts hat eine in Paarl angesagt gewesene Kundgebung der „Grauhemden“, eine Abart des deutschen Nationalsozialismus, auf Grund des Gesetzes gegen aufrührerische Versammlungen verboten. Führer der Grauhemden ist der Deutsche v. Moltke, der sich bei seiner Propaganda der antisemitischen Argumente dor deutschen Nationalsozialisten bedient. Sonderfahrten nach Polen Aufenthaltsdauer 4 bis 8 Wochen P 0 LN. VERK. “FRANCOPOL“ Wien, III., Renrnvcg1 1 Telephon U 16-4-90 JUL Samstag, 23. Juni I.J., 8 Uhr abends veranstaltet das Zion. Landeskomitee für Österreich im Hotel Continental, ll.,Taborstr. 4, eine mit folgendem Programm: 1. Dr. Oskar Qrünbaunti Präsident des Zion. Landeskomitees für Österreich: Einleitende Worte „Nach 30 Jahren“ 3. Dr.Jakob Ehrlich,Rat derStadt Wien: „Theodor Herzle Persönlichkeit und seinWerk“ 3. Margarete Bach! Rezitationen 4. Dr.Tulo Nusaenblatt: Herzls Wort und Tat: Unbekannte Dokumente in Lichtbildern 8. Prof* Julius Wolfssohlt i Paraphrasen Uber jüdische Musik Große Herzlfeier Karton zu haben: Zion. Landeskomitee, I., Kärntnerstraße 28, Tel. R 27-4-86 / Bücherstube Rath, II., Taborstraße 20a/ Sektion 2, II., Praterstraße 13 und in sämtlichen zion. Bezirkssektionen