Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1934-06-22 · Heft 363 (22.6.1934) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 363 (22.6.1934)
Date
1934-06-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054070-3054117--4301-3059912
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

ff*. 303. — 22. Juni 1934. DIE STIMME 8e!t9 8 Wie Herzls Werk gedeiht Englands Bericht an den Völkerbund In London ist am 18. d. M. der dem Völkerbundrat vorgelegte Bericht der englischen Regierung über die Verwaltung Palästinas und Transjordaniens im Jahre 1933 veröffentlicht worden. Der Bericht, der von einer dem jüdischen Aufbauwerk mißgünstig gestimmten Stelle stammt, ist eine öffentliche Anerkennung der von den Juden vollbrachten Leistung, ein Urteil, das um so schwerer wiegt, als die zionistische Organisation, der Leiter der Arbeit, über keine staatliche Exekutive verfügt. Der ’reie Wille des jüdischen Volkes hat dieses jüdische Palästina geschaffen, das sich in einem fast ununterbrochenen Aufstieg befindet. Gleichzeitig aber sind aus dem Bericht deutlich die Schwierigkeiten zu erkennen mit denen das Judentum zu kämpfen hat: die Lage in der Diaspora, die Gegenarbeit der Araber und die von England besorgte Einschränkung der jüdischen Einwanderung. Trotzdem ist die Zahl der Juden von 67.000 im Jahre 1920 auf 240.000 Ende 1933 gestiegen, beträgt der Verwalaingsüberschuß fast 214 Millionen Pfund, ist der Geldumlauf auf 4 Millionen Pfund gestiegen; 3000 jüdische Betriebe mit A'A Millionen Pfund Kapital stehen in Arbeit, hebräisch ist die allgemeine Umgangssprache. Ein einheitlicher jüdischer Typus beginnt sich herauszubilden. Und dieses Werk schreitet fort und niemand, keine kleinliche Vexation mißgelaunter Bürokraten und antijüdischer Kolonialbeamter wird es aufhalten. — Wir lassen nun einen Auszug aus dem Berichte folgen. In dem Bericht, der sich wie in jedem 'Jahre eingehend mit den wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen des Landes, mit den Leistungen auf sozialem und kulturellem Gebiete, mit Einwanderungs- und Arbeitsfragen befaßt, wird diesmal, nach einer Würdigung der Arbeit Arlosoroffs und der Schilderung der Folgen seiner Ermordung, dem Problem der Arbeitskonflikte besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Es wird auf die Konflikte während der Orangenernte infolge der Forderung des Arbeits verbandes nach Verwendung rein jüdischer und Ausschluß unorganisierter Arbeiter hingewiesen. In diesem Zusammenhang wird als Regierungsvorschlag die (inzwischen gesetzlich durchgeführte) Abänderung der Be Stimmungen über das Postenstehen erwähnt: friedliches Postenstehen soll nur in Fällen zugelassen werden, in denen es sich nicht um Rasse, Religion oder Sprache der eingestellten Arbeiter handelt. Zur Arbeitslosigkeitsstatistik wird bemerkt, daß die Erhebungen noch immer schwierig durchzuführen sind, obwohl sich die Verhältnisse durch Errichtung eines Arbeitsdezernats beim Immigrationsdepartement gebessert haben. Während sich das Dezernat auf die Statistiken der Arbeitsämter des Jüdischen Gewerkschaftsverbandes weitgehend stützen kann, findet es bei den schlecht organisierten arabischen Gewerkschaften wenig Hilfe. Die Arbeitslosigkeit unter Arabern war ziemlich stationär, der höchste Arbeitslosenstand wurde im Juli mit 20.500, der tiefste im Dezember mit 15.600 Arbeitslosen, in ihrer Mehrheit landwirtschaftliche Arbeiter, erreicht. Die im letzten Halbjahr 1932 festgestellte Die arabischen Arbeiterorganisationen umfassen in der Regel sowohl Lohnempfänger als auch selbständige Handwerker. Zu einem gemischten Typus gehören die mit Hilfe der jüdischen Arbeiterorganisation geschaffenen Gewerkschaften; sie umfassen arabische und jüdische Mitglieder. Zum Todestage Herzls Soeben erschienen THEODOR HERZL Des Schöpfers erstes Wollen Von Josef Fränkel Hier wird an Hand bisher unbekannter Briefe und Dokumente Herzls Leidensweg als Dramatiker geschildert, ein Weg, der den ehemaligen Couleurstudenten der deutschen Burschenschaft „ALBIA" zwangsläufig zum Schöpfer des Judenstaates werden ließ. ELEGANTER LEINENBAND MIT REICHEM BILDSCHMUCK.S 5*25 gierung, so heißt es in dem Bericht weiter, in Berücksichtigung des Auswanderungsbedürfnisses von Juden in De u t s c hland einen Vorschuß von 3000 Zertifikaten auf die nächste Arbeiter-Schedule im Jahre 1933 zur Verteilung in Deutschland gewährt; Gesuche palästinensischer Einwohner um Zulassung naher Verwandter wurden mit besonderem Wohlwollen behandelt. Außerdem wurde die Einwanderung von Kapitalisten und geschulten Handwerkern aus Deutschland erleichtert. Jetzt plane die Palästinaregierung die Errichtung eines Statistischen Amtes und gewisse Maßnahmen, um zwischen Einwanderung und Aufnahmefähigkeit des Landes eine engere Relation herzustellen. Erlösung von der täglichen Qual ist die sanft-scharfe SWIK« Ziffern über jüdische Einwanderung FIBA VERSANDBUCHHANDLUNG Wien, VI., Gumpendorferstr. 10 Telephon B 24-9-78 Abnahme der Arbeitslosigkeit unter den den Juden hat, weiter angehalten. Der tiefste Stand der Arbeitslosigkeit betrug 500 im März, der höchste 1500 im Dezember. Es werden dann der Widerstand der Unternehmer gegen die Forderung, Mitglieder des Allgemeinen Arbeiterverbandes und Arbeiter überhaupt nur durch Vermittlung der Arbeitsämter des Verbandes anzustellen sowie die Komplikation der Lage durch Oründu ng der revisionistischen Gegengewerkschaft erwähnt. Auch auf den Versuch, in Tel-Aviv eine neutrale Arbeitszuteilungskommission zu schaffen, und auf den Mißerfolg der paritätischen ArbeitsVermittlungsstelle in den Kolonien wird hingewiesen. Ursache der Arbeitskonflikte waren teils Lohnforderungen und Forderungen nach Verbesserung der Arbeitsbedingungen, teils das Verlangen nach Beschäftigung organisierter jüdischer Arbeit. Die Gewerkschaftsbewegung unter den Arabern hat einige Fortschritte gemacht, und es wurden mehrfach Versuche unternommen, arabische Arbeiterorganisationen zu schaffen, zum T o i 1 unter dem Einfluß d o r jüdischen Arbeiterorganisation, zum Teil spontan in den arabischen Distrikten. Die meisten arabischen Gewerkschaften sind jedoch nicht entsprechend organisiert, einige von ihnen sind inaktiv, mancho befinden sich in Auflösung. Oie Illegale Einwanderung hauptsächlich die von Juden, wird in dem Bericht als eine der großen Sorgen der Palästinaregierung bezeichnet. 1931 habe man 6000 unerlaubt Eingewanderten die Legalisierung des Aufenthaltes ermöglicht. Die Zahl der in den beiden letzten Jahren ohne Erlaubnis Eingewanderten wird auf 22.400 geschätzt. Abgesehen davon, daß die Regierung Außerachtlassung der gesetzlichen Vorschriften nicht zulassen kann, erfordere es die Wohlfahrt des gesamten Landes, daß die Einwanderung qualitativ und zahlenmäßig den wirtschaftlichen Notwendigkeiten angepaßt wird; da die illegal Eingewanderten nach keinem dieser beiden Gesichtspunkte ausgewählt sind, könne durch ihre Zuwanderung Überfüllung in gewissen Berufen entstehen und die Berechnung der freien Arbeitsstellen für Einwanderer unter der Labour-Schedule über den Haufen geworfen werden. Es werden sodann die ira November gegen die illegale Einwanderung getroffenen Maßnahmen angeführt: Deportierung der als Touristen ins Land gekommenen Personen, die nicht rechtzeitig um dauernden Aufenthalt angesucht haben oder deren Gesuch abgelehnt wurde; Einführung einer Kaution für Touristen, die nicht erster Klasso reisen; Einbehaltung eines bestimmten Teiles von Einwanderungszertifikaten im Umfang der vermuteten illogalen Einwanderung; Registrierung der Ein- und Ausreisenden zu Kontrollzweckeu. Ohne den Grundsatz der Einwandcrungsregelung nach Maßgabe der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit zu verletzen, hat die Re- Der Bericht befaßt sich sodann mit dem Widerstand der Araber gegen jüdische Einwanderung. Die Mißstimmung unter den Arabern wegen jüdischer Einwanderung Bodenverkauf ac Juden habe sich von Anfang des Jahres an verstärkt und in den Unruhen im Oktober und November den Höhepunkt erreicht. Tatsächlich sind in den ersten acht Monaten des Jahres 1933 16.000 jüdische Einwanderer mit behördlicher Erlaubnis ins Land gekommen, gegenüber 10.000 im ganzen Jahre 1932 und 4070 im Jahre 1931. Diese Zunahme sei wesentlich auf die in hohem Maße dem starken Zufluß jüdischen Kapitals und der dadurch bedingten Schaffung neuer Arbeitsmöglichkeiten zu verdankenden günstigen wirtschaftlichen Lage des Landes zuzuschreiben. Ende August habe mit zunehmender Heftigkeit eine Kampagne in der arabischen Presse gegen die jüdische Einwanderung eingesetzt. Es wurde behauptet, die Regierung überflute das Land ohne Rücksicht auf seine Aufnahmefähigkeit mit Juden, um Araber vom Boden zu verdrängen und ihnen Arbeitsplätze fortzunehmen. Außerdem solle die Masseneinwanderung von Juden ermutigt werden, damit die Juden bei der Schaffung des Legislative Coucil die Mehrheit in diesem bekämen. Den arabischen Wortführern hätten die Veröffentlichungen in der jüdischen GRAND-HOTEL.PANHANS. SEMMERING Größtes Kur- und Sporthotel des Kontinents m direkter Verbindung mit dem ersten alpinen HALLENSCHWIMMBAD EUROPAS 1.040 Meter über dem Meeresspiegel.Herrliche Tennisplätze. Golfplar? ln nächster Nähe des Hotels die wundervoll gelegene Jausenstation „Gut-Alpenhof" SPORTPENSION PANHANS in Verbindung mit dem Grand Hotel Panhans. Moderne, gutbürgerliehe Familienpension. über das Eintreffen neuer Einwanderer in den Häfen sowie die die arabische Öffentlichkeit alarmierende Art der Erörterung der Einwanderungsfrage auf dem Prag e r Zionisten k ong r eß Material geliefert. Verstärkt wurde der Widerstand durch das Bekanntwerden der in letzter Zeit erfolgten unerlaubten Niederlassung einer großen, auf etwa 10.000 Menschen geschätzten Zahl von Juden in Palästina. Diese Erscheinung zeige, erklärten die Araber, daß die Regierung nicht imstande ist, die Einwanderung zu kontrollieren. Demgegenüber habe die Regierung bei jeder Gelegenheit festgestellt, daß eine Änderung des Grundsatzes der Regelung der Palästinaeinwanderung nach der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes nicht erfolgt ist und nicht erfolgen werde. Die Unruhen im Oktober und November hätten zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung die Anwendung von Waffengewalt seitens der Polizei notwendig gemacht. Ein Eingreifen von Militär jedoch sei nicht erforderlich gewesen. Dank dem Einfluß des Emirs von Transjordanien habe die dortige Regierung durch feste Haltung ein Übergreif eil der Unruhen auf Transjordanien verhindern können. Im Anschluß daran weist der Bericht auf die jüdischen Kundgebungen gegen die zu geringe Einwanderng und auf die Zusammenstöße in Tel-Aviv am 11. Dezember hin. "ORBIS Polnisches Reisebüro Filiale: Wien, K, Kärntnerstr. 41 verkauft Eisenbahn-, Schifffahrtu. Flugkarten, organisiert Gesellschaftsreisen und erteilt Auskünfte in Reiseangelegenheiten nach Polen und dem übrigen Auslande Bevölkerungszunahme Die Gesamtzunahme durch Einwanderung betrug im Jahre 1933 43.891 Personen. Von diesen wurden 29.101 als Einwanderer registriert, 13.029 kamen als Touristen. 260 Einwohner Palästinas sind mehr ausgereist, als vom Ausland zurückgekommen. Von den als Einwanderer Registrierten waren 27.862 Juden, 1239 Nichtjuden. Von den im Lande gebliebenen Touristen waren 10.376 Juden und 2653 Nichtjuden. Die Nettozunahme der jüdischen Bevölkerung durch Einwanderung wird auf annähernd 39.000 geschätzt. Nach der Staatsangehörigkeit waren von den registrierten jüdischen Einwanderern 13.125 Polen, 5392 Deutsche, 1411 Rumänen, 1287 Yemeniten und Adenesen, 1256 Griechen, 1169 Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika, 1099 Litauer und 287 Engländer; .1827 waren staatenlos. 2876 Personen, die als Touristen ohne Eraubnis nach Palästina gekommen waren, wurden als Einwanderer registriert, unter ihnen 2465 Juden, 344 Christen, 63 Moham- VERJÜNGUNG, GESUNDUNG UND ERHOLUNG IM ALPENKURORTE BADGASTEIN 1083 Meter über dem Meere Radioaktivste Therme der Welt. Verdankt seinen Weltruf den seit Jahrhunderten erzielten Heilerfolgen bei Gicht, Rheuma, vorzeitigem Altern, Blasenleiden usw. Prospekte und ärztliche Fachzeitschriften durch KURKOMMISSION BADGASTEIN AUSTRIA

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.