Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1934-06-22 · Heft 363 (22.6.1934) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 363 (22.6.1934)
Date
1934-06-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3054070-3054117--4300-3059911
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 3 Oll! STIMME Nr. B63. - 2? 'Tun! 1934. zichung-ai-lwir geRUtot wurde. Alle Geister waren wach. Herzl istgefallen, der Zionismus ist seinen Weg wi'itergegangen. Ob es der Weg des Schöpfers war? Wer kann die Frage beantworten? Aber wir fühlen doch, daß es der Weg des jüdischen Volkes ist. Seit Herzls Tod sind neue, früher ungeahnte Probleme in die Welt, gekommen, die Verwirrung der Menschheit ist, in ein Chaos ähergegangeu. Und wenn uns oft die Sorge beschleicht, wenn wir voll Kummer die Lage des jüdischen Volkes betrachten, das in den Gastländern von ..Armut und Judentum“ mehr denn je zermürbt wird, wenn wir die Krisen der Nationen, ihr Mißtrauen gegeneinander, ihr Rüsten erwägen, dann wird uns erst recht klar, wie groß das Werk, wie schön es ist, zu dem Herzl das jüdische Volk aufgerufen hat. Die anderen verzehren sich in Haß. wir bauen. Wir können nicht in die Zukunft sehen, und Herzl selbst hat gesagt: ..Wie sich das weiterentwickeln wird? Wie Organisches sich entwickelt: Aus sioh heraus! Die Kräfte täglich neu erzeugend, die es braucht, und mit den Aufgaben wachsend, nochmals wachsend und wieder wachsend!" Der Zionismus hat. in der Zeit nach Ilerzl. sehr zum Schaden des Judentums, seine organisatorische Sphäre verringert. Er hat auf das Erstgeburtsrecht, verzichtet, hat sich auf das Kolonisatorische beschränkt und ist damit in die Irre gegangen. Langsam findet er zum politischen Leitstern, zur Erlösung eines Volkes, zurück. Das jüdische Volk lernt heute, was Zionismus ist, was es ohne den politischen Zionismus wäre, der dieses Palästina geschaffen hat. Es lernt aber auch die Elemente kennen, die die Befreiung sabotieren, den Parteigeist, den Parteifanatismus, den Gruppenegoismus. Es sind Erscheinungen aufgetreten, die wir als Schande, als Verbrechen empfinden: ln Palästina kämpfen Juden gegen Juden! Und diese Parteileidenschaft bedroht alle unsere Arbeit mit dem Tod. Von diesem Zwiespalt zwischen links und rechts lebt die antijüdische Mandatsmacht, der wir ein Dorn im Auge sind, die uns als lästig empfindet. Wenn sie auch noch von uns selbst gewissermaßen das Mandat erhält, innere Streitfragen mit ihren Gummiknütteln beizulegen, so wird unsere reine nationale Idee geschändet. Sie wird auch beschimpft, wenn sich in Palästina Spekulanten einschleichen, die dort nicht arbeiten, sondern profitieren und faulenzen wollen. „Wir sind e i n Volk, ein Volk“ hat Herzl gesagt, und wir müssen zur nationalen Einheit werden. Der Bruderkampf, der in Palästina, und von dort zuriiekstrahlend in den Wohnländern geführt wird, bedroht dieses Streben, und es ändert nichts an dieser Wahrheit, daß sich jeder rechte oder linke Gernegroß auf Herzl beruft. Herzl hat das Volk befreien wollen; er hat nicht an rote Krawatten und braune Hemden gedacht, sondern an die blau-weiße Fahne mit den sieben goldenen Sternen. Wer zu Herzl hält, der rufe heute: Stellet den Bruderkrieg ein! Im Namen der jüdischen Freiheit! GASTSTÄTTE FOR JEDERMANN l„ Kärlnerslrafce Nr 61 Besitzer Otto Kaserer WIENER RATHAUSKELLER volkstümliche Preise In allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Ollo Kaserer Hausdurchsuchung in der Berliner zionistischen Zentrale Prag, 18. Juni. Der Berliner Korrespondent des New Yorker „Morning Journal“ meldet, daß im Zusammenhang mit den Artikeln des „Angriff“ gegen die deutschen Zionisten als „verkappte Marxisten“ Polizei eine II a u ss u c h u n g i m H aupt b ii r o der Z i on i s t i s c h e ri V e r e i n i g u n g f ü r Deutschland in der Meinckestraße in PAIKSTINA- und Mlttelmeergeselischaftsreisen mit Riesenschiffen 15. Juli „Roma“ (34.000 T) 28. August „Vulcania“ (24.000 T) Zu äußerst günstigen Bedingungen. Einzelteilen allwöchentlich zu Orlglnalprclicn NORDISCHES REISEBUREAU 1 Palästina-Reiseleitung N.M. Racker, Wien, I., Seilergassa 3. Tel, R 24-2-31. - Berlin veranstaltete, alle Räume und Schubfächer gründlich durchsuchte und sodann sämtliche Vorsitzenden der neunzehn zionistischen Gruppen in Berlin in das Polizeipräsidium kommen ließ, wo sie einem s e c h s s t ii » d i g e m V e r h ö r unterzogen wurden. Dio ganze Untersuchung wird nach der Richtung geführt, ob die Zionisten M a r x i s t e n seien oder nicht. Am Tage darauf wurden auch bei allen zionistischen Führern in Berlin und in der Provinz Haussuchungen vorgenomnien. Der Korrespondent des ..Morning Journal“ teilt mit. daß die Auslassungen des „Angriff“, die das Signal zu den Zionistenverfolgungen gaben, daran anknüpfen. daß in einer Sitzung des zionistischen Parteirates in Deutschland der revisionistische Vertreter Geßler aufstand und erklärte, er wolle nicht mehr mit Marxisten an einem Tisch sitzen; mit den Worten: „Ihr seid alle marxistische Schweine“ verließ er den Sitzungssaal. Als dann die Massenrevisioneil erfolgten, wurden die Revisionisten in einer speziellen Beratung der Zionistischen Organisation aufgefordert, ihre Erklärung, die Zionisten seien Marxisten, zurückzuziehen. Als die Revisionisten dies mit dem Hinweis, daß die Zionistische Organisation jetzt durch die Arbeiter kontrolliert wird, und daß somit, jeder die zionistische Exekutive unterstützende Zionist Marxist sei. a b 1 e h n t e n, wurde beschlossen: a) s ii m (liehe f ii r die n ä e h s t e u W o c h e n a n g e s a g-; t, eu z i o n i s t i s e h o n V e r s a tu m 1 u ng e n a h z u sage », b) sämtliche zionistischhebräischen Schulen in Berlin und in der Provinz z u s c h 1 i e ß e n. (Der „Angriff“ halte bekanntlich behauptet, die hebräischen Schulbücher seien eigentlich „marxistische Literatur“.) Wir wollen dabei nicht unterlassen, zu bemerken, daß in der letzten Nummer der Berliner „Jüdischen Rundschau“ in dieser Angelegenheit nichts veröffentlicht wurde. Bileam muß segnen Der Bericht der englischen Regierung an den Völkerbundrat über die Entwicklung in Palästina ist in London veröffentlicht worden. Es ist ist, wie man gleich hervorheben muß, kein Bericht über die Landesverwaltitng. Denn wo die Tätigkeit der Palästina- Regierung erwähnt wird — und dies ist sehr spärlich — handelt es sich u m II c mlü u n g d er En t, w i c k 1 u n g. Die Palästina-Piegierung referiert an drei oder vier Stellen und immer mit der Bemerkung, daß die Einwanderung — der Juden natürlich — den Erfordernissen der Zukunft angepaßt sein muß. Eine gute Feuerwehr setzt ihre Spritze immer acht Tage vor einem Brand instand und so blickt auch die Palästina-Regierung in weiser Voraussicht durch den Schleier der Zukunft und „reguliert“ die jüdische Einwanderung. Sie steht, wie der Engel mit feurigem Schwert vor dem Paradies und beteuert immer wieder, daß sie eine ungesetzliche Einwanderung nicht dulden könne. Daß es im jüdischen National h e i m für Juden keine ungesetzliche Einwanderung geben kann, ficht die Aktenschreiber in Jerusalem nicht an. Sie fühlen sieh nicht als Organe des Völkerbundes, sondern als Vollstrecker der Londoner Aufträge, und wo ihnen solche nicht vorliegen, glauben sie sie ’e rraten zu können. Sie haben so die Impression, daß dem System Mac- Donald die ganze Judengeschichte schon zum Hals heraushängt, und richten sich darnach ein. Dazu kommen noch die Kolonialsitten der Herren, die früher in Natal oder Betschuana oder „am großen Strom“ um das Wohl der Natives sich zu sorgen hatten und nunmehr die Juden beehren. Sie gehen mit ihnen um, wie mit den Zulus oder Dschungelnegern. Ein Polizeirichter in Tel-Aviv läßt einen 14 j ä h r i g e n jüdischen Schulk naben aus peitschen, weil er bei der Demonstration gegen die Drosselung der Einwanderung dabei war. In der jüdischen Stadt wird ein jüdischer Knabe ausgepeitscht. Ein anderer Vertreter der englischen Macht kommt mit dem II a k e nkreuz am Helm zur Levantemesse. Das sind so kleine Bemerkungen, dio das Mandatsregime den jüdischen Natives ins Stammbuch schreibt. Auf daß sic nicht übermütig werden und sich nicht gar zu stark auf die Balfour-Dnklaration stützen, die ihnen bestätigte, daß sie kraft ihres historischen Rechtes, n i e ht aber a 1 s Geduldete in Palästina weilen. Wir haben seit der Balfour-Erklänmg noch ein paar Dutzend mehr minder solenner Erklärungen englischer Minister zugestellfc bekommen, daß England gesonnen sei... fest und unbeirrt... Sinn des Mandates... jüdisches Nationalheim... und so weiter. Das ist für Feiertage. Für den Alltag1 sind da Interpretationen von Pakfield, von Simpson, von French, von Exzellenz k | Nur In die guton billigen Neudegger Fahrschulen Wien, VIII., Neudeggergasse Nr. 18, Telephon B 46-5-72 und Inzorsdorf (Nicd.-Osterr.) l’rltfunKBerhilchterung durch :!!Laufendes Auto im Lehrsaal!! MacDonald höchstselbst, Interpretationen für den Völkerbund, für die Araber, natürlich auch für die Juden. Und diese Auslegungen nehmen bald dort ein Stückchen von dem Sinn des Mandates weg, bis so „das berühmte“ geistige Zentrum geblieben ist und ein jüdischer Ansiedlimgsrayon, in dein der Tschinownik einen Judenbuben peitschen lassen kann. Gegen jüdische Einwanderung ist eine Paragraphenbarriere aufgerichtet. D i e a r a b i s e h e E i n w a n d e r u n g, die im jüdischen Nationalheim bestimmt nichts zu suchen hat, erfreut sich einer augenzwinkernden Duldung. Dient sie doch den Gentlemen-Farmern, einer dem englischen Kolonialoffizier sehr sympathischen Schmarotzerklasse, und zur Zuriickdrüngung der jüdischen Arbeiter. Diese Einwanderer aus dein Hauran, aus Syrien und dem von Palästina weggeschnittenen Transjordanien tauchen sehr geschickt im Lande unter und so kann der Bericht an den Völkerbund sie ableugnen. Es,waren nur ein paar Hundert und sie sind übrigens schon wieder außer Landes... Dagegen die Juden! Von denen hat man, sagt der Bericht, etwa 800 d eportiert. Aus dem jüdischen Land! In einer Zeit, da tausend und tausende Juden aus Deutschland flüchten, in Rumänien und Polen bedroht sind, auf der übrigen Welt in den wirtschaftlichen Ruin stürzen, in dieser Zeit, in der sich das Nationalheim bewähren sollte, entscheidet ein britischer, wohlgenährter, aus jüdischem Steuergeld bezahlter Tschinownik über Wohl und Wehe. Die Peitsche für den Judenbuben! Und das Hakenkreuz auf dem Polizeihelm! Der Oberkommissär hat von einer argen Geschmacklosigkeit gesprochen, die den Vorfall auf der Levante-Messe verursacht hat. Die Sache soll nicht überschätzt werden. Aber sie illustriert das Verhältnis der Mandatsregierung zu den Juden weit deutlicher, als irgend ein Detail der großen Politik. Und sie ist zusammenzuhalten mit dem Auftreten nationalsozialistischer Agenten aus Deutschland, die sich um dio arabische Jugend mühen, der arabischen Presse Material Made in Gcrmany liefern und sogar die R i t u a l in o r dn u m m e r der „Stürmer“ a r a b i s c h verbreiten. Daß sie dies wagen können, zeigt, daß sie auf eine gewisse Geneigtheit der Behörden rechnen. Aber all dies kann doch nicht den Fortgang des jüdischen Werkes für die Dauer stören. Der Bericht der englischen Regierung sieht sieh so wie Bileams mißglückter F1 u c h an. „Wie gut ist’s in deinen Zelten, Jakob!“ Die Juden haben, sagt der Bericht, Ackerbau, Industrie und Handel geschaffen und fest in clor Hand, Krankenkassen, Kliniken untl Ambulatorien bilden ein sanitäres Netz, 3000 jüdische Betriebe mit für österreichische Verhältnisse gigantischen Investierungen, 2 'A Millionen Pfund Budgetüberschuß (aus dem der Peitschenrichter und der Hakenkreuz- Polizist bezahlt werden), Tel-Aviv ist der Mikrokosmos des Nationalheims, Arbeitslosigkeit ist bei den jüdischen Arbeitern kaum zu merken, bei den Arabern stationär, die jüdische Gewerkschaft ist stark, die arabische, insoweit, sie nicht von den jüdischen Arbeitern aufgcpäpclt wird, schwach und bedeutungslos. Man lese den Bericht und stelle diese jüdische Leistung dem nationalsozialistischen G (‘schrei von der schöpferischen Unfähigkeit der Juden gegenüber. Man lese den Bericht und frage: Was leisten die Ar a b e r, w a s hat d i e M a n d a t s m a c h t, d a z u bei g et ragen? Mari lese den Bericht und man sago sich, daß das Judentum über alle Schikanen bösartiger Beamter siegen wird, daß es wächst und vorwärteschreitct, weil es aus der Iclce der zionistischen Erneuerungs-, bowegung, aus einer moralischen Renaiss sanee Kraft schöpft und Lebenswillen. England kann stören, aber nicht für ewig. Ewig ist das jüdisch6 V o 1 k, ewig die I d e e, die ihm II e r z 1 g e g e b e n hat, ewig de i W i 11 e zu v F r e i h e i t! Palästinaabteilung '■ra'aia JosefPogger Internationale Transporte Wien, II-, Taborstraße 22 Telephon R 48-5-10, R 49-5-70 Serie Sp ezial - Warentransporte, Übersiedlungen, Verpackungen für Palästina, Transport- und Reisegepäckversicherungen. Auskünfte jeder Art über Palästina. Prozeß wegen der „Protokolle“ geht in der Schweiz weiter Genf, 18. Juni. Der Prozeß vor dom Basoler Gericht um die „Protokolle der Weisen von Zion“ geht weiter. Der vom Gerichtspräsidenten vor^ geschlagene Vergleich, der dem jüdischer* Standpunkt weitgehend Rechnung trägt, wurde sowohl vom Vertreter des Angeklagten Dr. Zander als auch vom Vertreter der jüdischen Kläger für annehmbar er-: klärt, aber Dr. Zander weigert sich, wie nunmehr bekannt wird, dem Rate seines Verteidigers zu folgen und den V e rg 1 c i c h s v o r s c li 1 u g z u u n t c r z e i c hn e u. Der Prozeß wird daher seinen weitoien Lauf nehmen. Zander soll seinen Parteifreunden gegenüber erklärt haben, e v w erde, auch w e n n e r d o n P r o z e ß. verlieren sollte, dio „P r o t ok o 11 e“ f Ü r echt e r k 1 ä r c n. Ferien-Sonderfahrt POLE N uh» CZERNOWITZ am 1. und 8 Juli fUr A und 8 Wodien Paßbegünstlgung auch für poln. Staatsangehörige Alle Auskünfte: Reisedienst „Czernow. Allgem. Ztg.", Wien, l.( Schulerstraße 1 („Der Tag")/ Tel. R 21-6-78 - Reisebüro „IRUT", I., Karlsplatz 1, Tel. U 44-5-79

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.